ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 137 (dezember 2007)
editorial
roman obrovski
Im Zuge von offshoring und Automatisierung fallen einfache Jobs in Oberösterreichs Unternehmen immer häufiger weg. Gefragt sind vielmehr Arbeitskräfte, die anspruchsvollere Anforderungsprofile erfüllen.
Personen mit Migrationshintergrund sind seit Jahrzehnten überwiegend auf Arbeitsplätzen beschäftigt, die keine besondere Qualifikation erfordern. Weitaus die meisten dieser Personen verfügen maximal über einen Pflichtschulabschluss.
In ihrem und im Interesse Oberösterreichs sind daher Integrations- und Bildungsangebote, die der Nachfrage der Unternehmen entgegenkommen. Verbesserte Sprachkenntnisse sind zum Erwerb weiterführender Qualifikationen unverzichtbar.
fm küchen "altersgrenzen sind für uns nicht relevant"
Das Durchschnittsalter beträgt 39 Jahre, 23 Prozent sind über 50 Jahre: Für Geschäftsführer Herbert Traxler von der FM Küchen GmbH in Freistadt sind ältere Arbeitskräfte kein Problem, sondern vielmehr eine Chance, jugendlichen Elan und langjährige Erfahrung zu einem produktiven Mix zu vereinen. Die Bemühungen des Unternehmens für ein altersgerechtes Arbeitsumfeld wurden kürzlich vom Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz mit einem 'Nestor' prämiert.
"Bei der SAP-Einführung konnte man die Herangehensweisen der unterschiedlichen Altersgruppen gut beobachten", erzählt Traxler. "Der Junge hat sich hingesetzt und sofort programmiert, der Ältere hat sich zunächst die Prozesse angeschaut. Der Mix aus jüngeren und älteren Arbeitskräften ist für beide Gruppen von Vorteil."
ältere eingestellt
"Besonders im Vorjahr wurden etliche ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FM eingestellt", berichtet Traxler. "Zum einen waren dies Wiedereinsteigerinnen, die nach der Kinderbetreuung in das Berufsleben zurückkehrten, zum andern Arbeitskräfte, die in einem anderen Unternehmen abgebaut wurden. Wir haben dabei sehr gute Erfahrungen gemacht. Altersgrenzen sind für uns absolut nicht relevant bei der Einstellung."
FM versucht nach Möglichkeit, das Arbeitsumfeld angenehm und altersgerecht zu gestalten. Dazu gehören etwa möglichst ergonomische Arbeitsplätze, eine Vielzahl von Scherenhubwagen zum leichteren Transport der Materialien, die Gratisausgabe isotonischer Getränke usw. Der Frauenanteil liegt für ein Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie mit 23 Prozent sehr hoch. Die Einteilung des Zwei-Schicht-Betriebs ist bis zu einem gewissen Grad flexibel; auch Teilzeit ist möglich. Sieben Mitarbeiter von FM befinden sich in Altersteilzeit.
auszeichnung
Am 13. November wurde der 'Nestor' von Sozialminister Erwin Buchinger an Herbert Traxler überreicht (siehe Bild). In der Kategorie 'Mittelbetriebe' erzielte FM den zweiten Platz in der bundesweiten Wertung. Auch in den vergangenen beiden Jahren erhielt FM bereits Auszeichnungen.
individuell
"Bei uns wird jede Küche individuell gefertigt", verweist Traxler stolz auf ein Unternehmensprinzip. "Keine Küche wird auf Vorrat produziert." Mit einer Stammbelegschaft von knapp 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fertigt FM pro Jahr rund 7000 Küchen. Das Unternehmen versteht sich als Anbieter im mittleren und gehobenen Preissegment und verspricht Individualität und Planungsvielfalt. Hauptabsatzgebiete sind Österreich, die EU und die Schweiz.
umweltbewusst
FM setzt auf modernste Technologie: Vor drei Jahren wurde eine Lackierstraße mit Mikrowellen-Trockentechnik montiert. Zugleich achtet das Unternehmen, das seit Anfang der 60er-Jahre Einbauküchen in Freistadt produziert, auf umweltschonende Verfahren: Bereits seit 1992 werden nur wasserlösliche Lacke benutzt. Verarbeitet werden ausschließlich inländische Hölzer (Birke, Buche, Fichte, Nuss, Birne etc.).
betriebstreue
"Die Fluktuation liegt nahezu bei Null", berichtet Traxler. "Fast alle Schlüsselpositionen werden mit Personen besetzt, die hier gelernt haben." Neuakquisitionen wickelt Traxler gerne mit dem AMS ab. "Wir haben einen sehr guten Kontakt mit dem AMS in Freistadt", betont Traxler. "Die Zusammenarbeit verläuft ganz unkompliziert." FM bildet schon seit Jahren Lehrlinge aus. In nächster Zeit soll ihre Zahl noch aufgestockt werden. "Etwas frisches Blut schadet ja schließlich auch nicht."
ausländerqualifizierung - ams oö startet integrationsoffensive
Das AMS OÖ startet in der zweiten Jännerhälfte Deutschkurse für 616 arbeitslose Migranten und Migrantinnen. Wie eine aktuelle Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausweist, sind vor allem viele türkische Frauen schlecht qualifiziert und nehmen auch in einem großem Maß nicht am Berufsleben teil.
Die Deutschkurse sollen - je nach dem Grad der Sprachbeherrschung - zwischen acht und zwölf Wochen dauern. Unterrichtet wird in Gruppen zu zehn Personen und vier Stunden täglich. Die Kurse sollen die Arbeitsmarktchancen der arbeitslosen Personen erhöhen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können zudem ein Abschlusszertifikat im Rahmen der Integrationsvereinbarung erwerben. Aktuell beträgt der Ausländeranteil an allen Schulungsteilnehmern und Teilnehmerinnen des AMS OÖ 14 Prozent.
Die aktuelle Migrationsstudie zeigt auf, dass besonders ausländische Frauen schlecht qualifiziert sind und nur in einem unterdurchschnittlichen Maße am Berufsleben teilnehmen. Zwar erreichen ausländische Frauen und Mädchen der zweiten Zuwanderergeneration meist den gleichen Bildungsstand wie die Männer, doch der permanente Zuzug - rund 40.000 Personen wandern netto pro Jahr in Österreich ein - verfestigt das Ungleichgewicht: 89 Prozent der türkischen Frauen ab dem Erwerbsalter verfügten im Jahr 2005 über keinen Berufsabschluss (siehe Grafik). Dabei zeigt sich auch ein deutlicher Abstand zu Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien (70% mit maximal Pflichtschulabschluss).
anteil der erwerbstätigen bevölkerung mit maximal pflichtschulabschluss nach staatsbürgerschaft (volkszählung 2001)
geringere erwerbsquote
Mit der unterdurchschnittlichen Qualifizierung geht eine niedrige Erwerbsbeteiligung einher: Im Alter von 30 bis 49 Jahre liegt die Erwerbsquote türkischer Frauen bei unter 50%, bei Frauen aus Ex-Jugoslawien bei knapp über 70% und bei Frauen mit österreichischer Staatsbürgerschaft bei knapp 80%. Bei den Männern dieser Altersgruppe sind die Unterschiede nicht gravierend: Die Erwerbsquoten liegen zwischen ca. 85% (Türken) und über 90% (Österreicher).
Quellen: 2. Österreichische Migrations- und Integrationsbericht. Herausgegeben von Heinz Fassmann (Klagenfurt 2007) und Statistik Austria.
lehrlingsförderung - blum-bonus unverändert
Entgegen ersten Vorschlägen der Sozialpartner bleibt die Förderung zusätzlicher Lehrstellen ('Blum-Bonus') weiter unverändert. Die bisherige Regelung wurde vom Verwaltungsrat des AMS Österreich bis 27. Juni 2008 verlängert. Die Höhe der Förderung ist gestaffelt und beträgt 400 Euro im ersten Lehrjahr, 200 Euro im zweiten Lehrjahr und 100 Euro im dritten.
iss facility services - eröffnung
Die Eröffnung neuer, kundenfreundlicher Räumlichkeiten zur Rekrutierung von Zeitarbeitskräften feierte die ISS Facility Services GmbH am 13. November in Linz. In Oberösterreich waren nach jüngsten Erhebungen (Stichtag: 31. Juli) 19.173 Personen bei über 371 Leasingfirmen beschäftigt. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung lag bei 3,4% und war damit der höchste im gesamten Bundesgebiet. Haupteinsatzgebiet der Leasingkräfte ist die Metallindustrie.
Dr. Roman Obrovski (AMS OÖ), Helmut Kouba (Human Resource Director ISS), Susanne Wegscheider (Wirtschaftsstadträtin Linz), Ing. Georg Aron (Regionalleiter ISS).





