ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 139 (februar 2008)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen in Österreich liegt trotz Pensionsreform weit unter dem europäischen Durchschnitt und ist nur halb so hoch wie in Island. Angebote wie Altersteilzeit werden aus öffentlichen Mitteln in Österreich nach wie vor ungleich massiver unterstützt als präventive Angebote zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitskräfte.

Vielen Erwerbstätigen und den von ihnen gewählten Politikern fällt es schwer, sich umzustellen: von der lieb gewonnenen Orientierung auf einen frühzeitigen Ausstieg aus dem Beschäftigungssystem zur gebotenen Orientierung auf Vollbeschäftigung bis zum offiziellen Pensionsanfallsalter.

Ein Förderangebot des AMS OÖ und des Landes für Unternehmen zielt genau auf diesen Punkt: das in Finnland seit längerer Zeit erfolgreiche Arbeitsbewältigungs-Coaching sollte auch in Oberösterreichs Betriebskultur Standard werden.

bauakademie bwz oö - lehrausbildung während der standzeit

Zwei Gruppen von Bauhilfsarbeitern absolvieren derzeit an der Bauakademie BWZ OÖ in Steyregg (UU) eine Facharbeiterausbildung zum Maurer. Das AMS OÖ finanziert diese Kurse, die in zwei Teilen während der Winter-Standzeit durchgeführt werden. Die 13 Teilnehmer sind hochmotiviert.

"Das wäre nicht einfach, wenn ich dann als 50-Jähriger vor einem 20-jährigen frisch Ausgelernten springen müsste“, umschreibt Fritz (41) seine Motive, den Lehrabschluss als Maurer im zweiten Bildungsweg zu machen. Der Mühlviertler arbeitet schon lange am Bau, kann aber ‚nur‘ auf eine Ausbildung als landwirtschaftlicher Facharbeiter verweisen. "Ich habe mir jetzt die Zeit genommen. Wenn man schon am Bau war, kommt man mit dem Stoff gut mit. Man sieht immer etwas Neues, das man umsetzen kann.“

Seit 25 Jahren bildet die Bauakademie in Lachstatt bei Steyregg (früher: Bauwirtschaftszentrum) Fachkräfte aus - die Spanne reicht vom Lehrabschluss bis zur Vorbereitung auf die Baumeister-Prüfung. "Wir versuchen, sämtliche theoretischen Inputs über einen Praxisbezug modern und interessant zu gestalten“, erzählt der Leiter der Bauakademie, Harald Kopececk. "Auch Fachrechnen, das manchem die Schweißperlen auf die Stirn treibt, wird im Training on the job durchgeführt. Das vermindert die Ängste.“

Die Kurse dauern zwei Mal neun Wochen: jeweils fünf Wochen sind für die Theorie vorgesehen, vier Wochen für die Praxis. Der erste Kursteil startete am 14. Jänner. Insgesamt bietet das AMS OÖ heuer für knapp 350 Personen aus dem Baugewerbe Ausbildungen an - vom Basistraining bis zur Baupolier-Ausbildung.

hohe motivation

Beraterinnen und Berater des AMS OÖ sprachen bereits vor der Winterpause gezielt Baubetriebe an, damit diese weiterbildungswillige Arbeitskräfte auf die Kursangebote hinweisen konnten. In vielen Unternehmen wird großer Wert auf eine Facharbeiterausbildung gelegt, um gestiegenen Qualitätsanforderungen Rechnung zu tragen. Vielfach wurden die Arbeiter auch selbst aktiv oder ließen sich von 'Vorbildern‘ motivieren: "Vor einem Jahr hat ein Kollege die Lehrabschlussprüfung gemacht“, erzählt Konrad (37) aus Scharnstein (GM). „Ich habe schon damals überlegt, mitzumachen. Und als diesmal die Anfrage vom AMS Gmunden kam, habe ich mich gemeldet.“

Durchwegs verfügen die Teilnehmer bereits über eine Ausbildung in einem anderen Beruf: Die Palette reicht von Metzger, Koch und Tischler bis zu Geometer. Gemeinsam ist ihnen die hohe Motivation zur Weiterbildung.

qualifizierungsberatung - verstärkte förderung der arbeitsfähigkeit

Das AMS OÖ setzt gemeinsam mit dem Land OÖ neue Akzente in der Förderung der Arbeitsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Im Rahmen der Qualifizierungsberatung für Betriebe (mit max. 50 Beschäftigten) wird auch ein ‚Arbeitsbewältigungs-Coaching‘ angeboten, das darauf abzielt, Probleme frühzeitig zu erkennen und Vorbeugemaßnahmen zu setzen.

Die Qualifizierungsberatung für Betriebe (ausschließlich für Unternehmen mit max. 50 Beschäftigten) unterstützt bei der lebenszyklusorientierten Bildungsplanung. Ziel der kostenlosen Beratung ist, die Beschäftigung von Arbeitskräften zu sichern und die Durchführung von Weiterbildungsaktivitäten unter besonderer Berücksichtigung der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit ('Productive Ageing-Ansatz‘) zu erleichtern. Eine geförderte Beratung kann ausschließlich durch das vom AMS OÖ beauftragte Beratungsunternehmen erfolgen. Neu ist nun die Möglichkeit, durch das ‚Arbeitsbewältigungs-Coaching‘, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv einbindet, einen Handlungsbedarf frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit zu setzen. Finanziert wird das Angebot von AMS OÖ, ESF und Land OÖ. - Nähere Informationen bieten die regionalen AMS-Geschäftsstellen bzw. Frau Leitner oder Herr Mag. Kaimberger (0732/6963-20145 bzw. 20139).

lehrstellenförderung - land oö bietet übergangsförderung

Das Land Oberösterreich bietet eine Lehrstellenförderung für Kurzentschlossene: Unternehmen, die bis Ende März lehrstellensuchende Jugendliche einstellen, können eine Zusatzförderung erhalten. Die Ausbildungsprämie und Alternativförderungen (Blum-Bonus) werden dabei einberechnet.

Das Programm 'Jugend.Wirtschaft.Zukunft‘ ist als zusätzlicher Anreiz für Unternehmen gedacht, Lehrlinge einzustellen. Unterstützt werden Betriebe, die bis einschließlich März 2008 lehrstellensuchende Jugendliche in ein reguläres Lehrverhältnis aufnehmen oder im Rahmen der integrativen Berufsausbildung beschäftigen. Gefördert werden nur Jugendliche unter 19 Jahren. Diese müssen vorher beim AMS als lehrstellensuchend gemeldet gewesen sein und dürfen auch über keinen Lehr- oder Mittelschulabschluss verfügen.

Das erste Drittel der Lehrzeit (maximal die ersten zwölf Monate) werden mit hundert Prozent der Brutto-Lehrlingsentschädigung und das letzte Sechstel (maximal sechs Monate) mit 50 Prozent gefördert. In die Berechnung werden aber die Ausbildungsprämie und mögliche Alternativförderungen (Blum-Bonus) eingerechnet.

kontakt
Mit der Abwicklung der Landesförderung ist der Firmenausbildungsverbund OÖ beauftragt. Antragsformulare und weitere Details zu der Förderrichtlinie sind auf der Homepage des FAV OÖ <www.favooe.at> abrufbar. Dazu gibt es eine kostenlose Hotline 0800/241000.

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