ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 135 (oktober 2007)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Die Lehrausbildung hat mit der Beschäftigungsentwicklung in Oberösterreich im letzten Jahrzehnt nicht Schritt gehalten. Umso erfreulicher die Trendwende zu mehr Ausbildungsbereitschaft in der oberösterreichischen Industrie.

Fachkräfte, die den Anforderungsprofilen der oö. Unternehmen entsprechen, sind zurzeit weder innerhalb der EU noch aus entfernteren Ländern zu rekrutieren. Zur Milderung des Fachkräftebedarfs gibt es keine Alternative zur Aus- und Weiterbildung des Potenzials an Arbeitskräften, die hier bereits ansässig sind.

Unterstützungsangebote des AMS OÖ für Unternehmen in diesem Bereich finden Sie auf unserer Homepage.

polytec for - verstärkung des fachkräftebestands

Die POLYTEC FOR Car Styling GmbH & Co KG in Hörsching (LL) hegt Expansionspläne: In verschiedenen Bereichen der Fertigung soll im kommenden Jahr der Zwei-Schicht-Betrieb erweitert werden. Eine Option zur nachhaltigen Verstärkung des Fachkräftebestands ist die Forcierung der Lehrlingsausbildung.

Das Unternehmen - Teil der weltweit agierenden POLYTEC GROUP - beschäftigt 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und konstruiert und fertigt Kunststoff- und Metallkomponenten für die Automobilindustrie. Aufgrund der guten Auftragslage - die Car Styling Division (mit fünf Standorten in Österreich, Belgien, Großbritannien, USA und Kanada) konnte ihren Umsatz in den ersten sechs Monaten 2007 um 16,4 % steigern - plant das Unternehmen eine Aufstockung des Personalstands. Neben der Aufnahme von Fach- und Anlernkräften soll auch die Lehrausbildung stark forciert werden.

zwei-schicht-betrieb geplant

Täglich verlassen ca. 1.000-1.200 grundierte und 300-400 endlackierte Teile die Fertigung in Hörsching. Auch Kleinserien für international bekannte Nobelmarken finden sich darunter. Im kommenden Frühjahr sollen die Lackierung und vorgelagerte Abteilungen auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt werden. "Eine zweite Schicht bedeutet ca. 40 bis 45 Mitarbeiter mehr", rechnet Produktionsleiter Johann Strasser vor. "Acht Lackierer würden wir noch brauchen, dazu weitere Kräfte für die vorgelagerten Arbeitsschritte. Die Erfahrung zeigt, dass es sehr schwer ist, Fachkräfte zu bekommen. Daher wollen wir jetzt verstärkt Mitarbeiter anlernen und Lehrlinge ausbilden."

neue herausforderung

"Wir wollen jetzt Lehrlinge rekrutieren, damit der Facharbeitermangel nicht noch größer wird", betont Helga Sempelmann, Leiterin des Personalbüros der Gesamt-Holding. Mit der Lehrausbildung hat POLYTEC FOR bereits seit vielen Jahren Erfahrung. "Bislang haben wir Lehrlinge als Elektriker sowie im kaufmännischen Bereich und im Konstruktionsbüro ausgebildet", erläutert Sempelmann. Bei der Bereitstellung der benötigten Personal- und Platzkapazitäten für die erweiterte Lehrausbildung sieht sie keine Probleme. "Das Hauptproblem ist, geeignete Jugendliche zu finden. Zudem interessieren sich nur sehr wenige Mädchen für technische Berufe - abgesehen von der Ausbildung zur technischen Zeichnerin."

johann strasser (produktionsleiter), engelbert lanscha (angestellten-betriebsrat), helga sem-pelmann (leitung personalbüro), gerhard wögerbauer (leiter produktentwicklung), günter oberegger (arbeiter-betriebsrat)

POLYTEC FOR möchte Lehrstellen in den Bereichen Modell- und Formenbau, Schlosserei/Instandhaltung und Lackiererei schaffen. Strasser geht davon aus, dass die Berufsbilder im Unternehmen problemlos vermittelt werden können. Für die Ausbildung eines Lackierers ist eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit geplant. Teile der Ausbildung - wie etwa Spachteln, Glätten und Schleifen - können dabei andere Abteilungen übernehmen.

key account management - markus litzlbauer betreut ams-topkunden

Seit 1. Oktober arbeitet Markus Litzlbauer (33) als Key Account Manager des AMS OÖ. Seine Aufgabe ist es, die Kontakte zu den Topkunden des AMS OÖ zu bündeln und kundengerechte Angebote zu erstellen. Ein Hauptaugenmerk wird dabei auf überregional tätige Unternehmen mit der Zentrale in Oberösterreich gelegt.

"Ich sehe mich als jemand, der Abläufe kanalisiert und ein einheitliches Auftreten des AMS OÖ nach außen garantiert", umreißt Litzlbauer sein Selbstverständnis. "Meine Arbeit kommt vor allem Betrieben zugute, die überregional tätig sind. Mit diesen können Rahmenvereinbarungen über wichtige Dienstleistungen des AMS OÖ geschlossen werden. Der Bereich Fachkräfteentwicklung wird ein großes Thema bei der Betreuung der Key Accounts sein. Dabei gibt es für Firmen interessante Fördermodelle des AMS OÖ, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen noch effektiver einzusetzen, wie die Flexibilitätsberatung für Betriebe und die Qualifizierungsförderung für Beschäftigte. Weitere Schwerpunkte sind das Personalrecruiting und die Unterstützung für Unternehmen, fehlende Fachkräfte durch unsere Ausbildungsmodelle - etwa Implacementstiftungen - zu qualifizieren."

langjährige erfahrung

Der HAK-Absolvent war bereits früher als Key Account Manager in einem oberösterreichischen Unternehmen tätig und arbeitete später in Niederösterreich als Brandmanager im Markenartikelbereich. Vor zwei Jahren wechselte er in das AMS Linz, wo er zuletzt Ansprechpartner für Produktionsbetriebe war. Seine erste Aufgabe in der neuen Funktion sieht er darin, enge Kontakte zum Service für Unternehmen in allen Bezirken herzustellen und aktiv auf die Unternehmen zuzugehen. "Was mich besonders reizt an der neuen Tätigkeit ist die Zusammenarbeit mit den Betrieben - vor allem die Möglichkeit, ihnen Probleme abzunehmen."

ams come back scheck - arbeitsuchende werben für förderung

Die Eingliederungsbeihilfe Come Back wird bei Bewerbungsgesprächen aktiv beworben: Arbeitsuchende können das Unternehmen mit dem AMS Come Back Scheck auf die Möglichkeit einer Förderung über mind. 1.000 Euro aufmerksam machen. Das AMS OÖ fördert die Einstellung älterer Personen, von Langzeitarbeitslosen und Personen, die von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind.

Arbeitsuchende, bei deren Einstellung prinzipiell die Auszahlung einer Eingliederungsbeihilfe möglich ist (Frauen ab 45, Männer ab 50 sowie langzeitarbeitslose oder von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Personen), erhalten für ihre Bewerbungstermine ein Scheckheft. Damit kann der bzw. die Arbeitsuchende den potenziellen Arbeitgeber bereits im Bewerbungsgespräch auf das Förderangebot des AMS OÖ aufmerksam machen und einen Scheck übergeben, auf dem auch die Ansprechperson im AMS OÖ vermerkt ist. Die Förderhöhe und -dauer werden dabei individuell festgesetzt. Der Mindestsatz von 1.000 Euro gilt ab einer Einstellungsdauer von mindestens drei Monaten.

lehrstellenförderung - neuregelung

Die Bundesregierung lässt die Förderung zusätzlicher Lehrstellen ('Blum-Bonus') auslaufen. Nach einem Vorschlag der Sozialpartner sollen andere Kriterien - wie erstmaliges Ausbilden von Lehrlingen, Ausbildungsverbünde, Maßnahmen zugunsten lernschwacher Jugendlicher oder Frauen in typischen Männerberufen - für Förderungen bestimmend sein. Geplant sind auch Prämien für Unternehmen, deren Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung mit Auszeichnung oder gutem Erfolg abgelegt haben. - Auch die über das Finanzamt abgewickelte Basisförderung von 1.000 Euro soll reformiert werden. Die Höhe dieser Förderung soll sich künftig an der Lehrlingsentschädigung orientieren. Wird der aktuelle Vorschlag umgesetzt, dann erhält der Ausbildungsbetrieb im ersten Jahr eine Förderung in Höhe von drei Monatseinkommen eines Lehrlings, im zweiten Jahr in Höhe von zwei Lehrlingsentschädigungen und im dritten und vierten Jahr in Höhe einer Monatsentschädigung.

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