ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 134 (september 2007)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Ob Teilzeitarbeit mehr Vor- oder mehr Nachteile für Teilzeitbeschäftigte hat - darüber gehen die Meinungen politischer Funktionäre auseinander. Sie leiten ihre widersprüchlichen Positionen von unterschiedlichen Wertvorstellungen und Prioritäten ab, die sie in der Diskussion mehr oder weniger deutlich und stringent artikulieren.

Das AMS freilich ist eine öffentliche Serviceeinrichtung, keine Umerziehungsanstalt. Wir problematisieren die dezidierten Teilzeit-Wünsche eines Drittels unserer Kundinnen daher nicht. Wir nehmen sie genauso ernst wie die Wünsche jener Frauen, die Vollzeitbeschäftigung suchen.

frauen wünschen mehr teilzeitjobs - große nachfrage nach fixer arbeitszeit

Ein Drittel aller arbeitsuchenden Frauen in Oberösterreich wünscht dezidiert einen Teilzeitjob - Trend weiter steigend. Eine kurzfristige Ausweitung des Angebots ist aber nicht in Sicht: Unternehmen sehen kaum wirtschaftliche Vorteile bei einer Erhöhung der Teilzeitquote, ergibt eine im Auftrag des AMS OÖ erstellte Studie.

Oberösterreichs Unternehmen sehen in der Teilzeitarbeit mehrheitlich keinen unmittelbaren betrieblichen Nutzen - abgesehen von der Möglichkeit, dadurch Auftragsspitzen abzudecken. Dass Teilzeitkräfte motivierter, leistungsfähiger und flexibler einsetzbar seien, glaubt nur rund ein Drittel der befragten Unternehmer/Unternehmerinnen und Personalverantwortlichen. Der wichtigste Grund für die Einrichtung von Teilzeitstellen ist die gewünschte Bindung bewährter Mitarbeiterinnen an das Unternehmen - vor allem wenn sie wegen Betreuungspflichten die Arbeitszeit reduzieren wollen (siehe Grafik).

Die gewichtigsten Argumente gegen Teilzeit bestehen für Unternehmen darin, dass Teilzeitkräfte nicht ständig für Kundenwünsche verfügbar sind, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen/Kollegen und Vorgesetzten leidet und Arbeitsprozesse nicht aufteilbar sind. Dass Teilzeitkräfte dem Betrieb letztlich teurer kommen als Vollzeitkräfte glauben 37 Prozent der Befragten; ein Viertel hält Investitionen in die Weiterbildung von Teilzeitkräften für nicht lohnenswert.

teilzeitangebot rückläufig

Unter den beim AMS OÖ gemeldeten Stellen sinkt der Anteil des Teilzeitangebots: Zwischen 2004 und 2006 gab es nur eine vorübergehende Erhöhung des Anteils an allen offenen Stellen (2004: 16 %, 2005: 17 %, 2006: 14 %). Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Wunsch der Frauen nach Teilzeitarbeit aber weiter (2004: 31 %, 2005: 33 %, 2006: 34 %). Nur 12 Prozent der befragten Unternehmen planen, ihr Teilzeitangebot innerhalb des nächsten halben Jahres auszuweiten.

konzentration auf wenige branchen

Kaum überraschend konzentriert sich das Angebot an Teilzeitstellen auf die Bereiche Büro und Verwaltung, Reinigung, Verkauf und sonstige Dienstleistungen. Auch die Frauen suchen mehrheitlich Jobs in diesen Bereichen. Nur zwei Prozent der Befragten suchen eine Teilzeitbeschäftigung in der Produktion.

planbarkeit der arbeitszeit

Da 77 Prozent der arbeitsuchenden Frauen Kinder unter 16 Jahre haben und manche auch Angehörige pflegen, nimmt die Planbarkeit der Arbeitszeit einen großen Stellenwert ein. Die Hälfte der befragten Frauen will fixe Arbeitszeiten und nur vormittags arbeiten, 69 Prozent wünschen sich Arbeitszeiten zwischen Montag und Freitag. Die Arbeitszeitwünsche der Frauen kollidieren zu einem Gutteil mit den Anforderungen in Handel, Gastronomie und Gesundheitswesen. 29 Prozent der Befragten gaben daher auch an, dass angebotene Stellen wegen unpassender Arbeitszeiten für sie nicht infrage kamen.

kein erzwungener ersatz für vollzeit

Die im Auftrag des AMS OÖ erstellte Studie räumt mit der Behauptung auf, viele Frauen würden gezwungen, Teilzeitstellen anzunehmen, da sie kein Vollzeitangebot erhielten: Lediglich 43 von 906 befragten Frauen (= 4,7 %) gaben an, wegen mangelnder Alternativen Teilzeitarbeit zu wählen. Das stärkste Motiv für Teilzeitarbeit ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, verbunden mit dem Bedarf nach Zuverdienst und sozialer Absicherung. Den finanziellen Druck, arbeiten zu müssen, spüren 46 Prozent der Frauen stark, weitere 21 Prozent stimmen diesem Argument weitgehend zu. 27 Prozent der befragten Frauen leben in einem eigenen Haushalt; 22 Prozent sind Alleinerzieherinnen (Kinder unter 16 Jahre).

repräsentative studie

Verena Paul, Christina Kien, Johanna Brandl: Teilzeitbeschäftigung in Oberösterreich zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Institute for Social Research and Analysis (SORA), Wien, August 2007. Die Studie basiert auf der Befragung von 1.005 oberösterreichischen Unternehmen mit mehr als zehn MitarbeiterInnen sowie von 906 Frauen, die eine Teilzeitarbeit suchen. Die telefonischen Befragungen wurden zwischen März und Mai 2007 durchgeführt.

lehrstellenmarkt - ams oö stellt 800 ausbildungsplätze zur verfügung

Trotz eines fast ausgeglichenen Lehrstellenmarktes und einer steigenden Zahl an neuen Lehrverträgen suchten Ende August noch immer 1.385 Jugendliche in Oberösterreich eine Lehrstelle. 800 Ausbildungsplätze, die das AMS OÖ ab November zur Verfügung stellt, werden erfolglos lehrstellensuchenden Jugendlichen angeboten.

Ende August standen in Oberösterreich 1.022 offene Lehrstellen zur Verfügung. Rein rechnerisch bedeutet dies eine 'Lehrstellenlücke' von 363 Plätzen. Erfahrungsgemäß werden Angebot und Nachfrage Ende September weitgehend ausgeglichen sein. Auch die Zahl der neuen Lehrverträge in der Wirtschaft (Jänner bis August 2007) stieg gegenüber dem Vorjahr von 5.948 auf 6.703, was ein Plus von 755 Lehrverträgen bedeutet. Dennoch muss man davon ausgehen, dass rund 800 Jugendliche auch Ende September noch keine passende Lehrstelle haben werden. Hauptursache ist das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage: Während etwa 663 Jugendliche noch eine Lehrstelle in den Bereichen Büro, Einzelhandel, Kfz-Technik und Friseursalon suchen, liegt das aktuelle Angebot bei 243 Lehrstellen. Andere Branchen können ihren Lehrlingsbedarf nur schwer abdecken (siehe Grafik). Das 'Auffangnetz' des AMS OÖ umfasst 256 Lehrgänge, zehn § 30-Ausbildungen, 203 Teillehren und 326 Anlehren. Darüber hinaus werden 341 Lehrgänge weitergeführt.

ams schärding - harald slaby übernimmt leitung

Mit Monatsbeginn übernahm Mag. Harald Slaby (40) die Leitung der Geschäftsstelle Schärding. Der ausgebildete Jurist setzt auf eine lösungsorientierte Zusammenarbeit mit den Unternehmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Der neue Leiter arbeitete bislang im Bereich Fördermanagement in der AMS-Landesgeschäftsstelle in Linz. "Dort konnte ich die notwendigen arbeitsmarktpolitischen Kenntnisse und Erfahrungen sammeln, die ich nun für eine erfolgreiche Regionalarbeit einsetzen kann", erzählt Slaby. Als Innviertler - er wohnt in Andorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder - sind ihm die arbeitsmarktpolitischen Gegebenheiten im Bezirk bestens vertraut. "Ich freue mich auf die neue Herausforderung und strebe eine lösungsorientierte Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Bezirk an. Vor allem möchte ich den Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften erheben, damit wir mit gezielten Ausbildungen Arbeitsuchende auf konkrete Jobs vorbereiten können."

Slaby folgt Maria Bugnyar nach, die 15 Jahre lang die regionale Geschäftsstelle leitete. Mit aktuell 3,1 % Arbeitslosigkeit liegt Schärding bundesweit unter den 20 besten Bezirken. Gemeinsam mit seinem Team strebt Slaby eine hundertprozentige Erreichung der Geschäftsziele und Topwerte bei der Zufriedenheit der Arbeitsuchenden und Unternehmen an. "Ich werde eine Reihe von Betriebsbesuchen absolvieren, um meine Geschäftspartner auch persönlich kennenzulernen", kündigt Slaby an.

betriebe in urfahr - 'bleiben wir fit!'

Unter dem Motto 'Bleiben wir fit!' lädt das AMS Linz am 20. September Klein- und Mittelbetriebe aus dem Bezirk Urfahr-Umgebung zu einem Kundenmeeting ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen mögliche Maßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels in den Unternehmen. Der Leiter des AMS Linz, (Bild), und Martin Undesser vom Service für Unternehmen machten bereits im Vorfeld mit ihrer 'Radshow' (sechs Etappen, 82 km) auf die Veranstaltung aufmerksam.

Termin: 20.09.2007, 18:00 Uhr
Ort: AMS Linz, Bulgariplatz 17-19
Anmeldung: 0732/6903-28632

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