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die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 133 (juli/august 2007)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Oberösterreich weist im Juni 2007 die niedrigste Arbeitslosenquote seit 24 Jahren auf und wird heuer vermutlich erstmals seit 1989 im Jahresdurchschnitt weniger als 4 % Arbeitslosigkeit erzielen. Nach der Auftragslage vieler Unternehmen in Oberösterreich zu schließen, wird das hohe Beschäftigungsniveau auch 2008 anhalten.

Ob man eine so ausgezeichnete Beschäftigungslage als 'Vollbeschäftigung' bezeichnen mag oder nicht - darüber disputieren Politiker, Interessenvertreter und die jeweils von ihnen beauftragten Wirtschaftsforscher seit je ohne Konsens.

Fakt ist: Noch nie waren mehr Menschen in Oberösterreich beschäftigt als zurzeit. Unter den 254 Regionen der Europäischen Union gibt es nur wenige, die ihren Einwohnern vergleichbar gute Beschäftigungschancen bieten.

linsinger maschinenbau - "superwelle an aufträgen"

Das international agierende Maschinenbau-Unternehmen Linsinger in Laakirchen (GM) bietet hochspezialisierte Technologie in den Bereichen Fräs-, Säge-, Schienen- und Werkzeugtechnik an. Hauptabsatzmarkt ist China, das mit seiner sprunghaften Ausweitung der Industrieproduktion für volle Auftragsbücher hart an der Kapazitätsgrenze sorgt.

"Am Markt spricht man von einer Superwelle", verrät Firmenleiter Hans Knoll. "Die Chinesen sind stark eingeschossen auf die Rohrproduktion. Daher brauchen sie Kreissäge- und Rohrtrennmaschinen. Die Rohrerzeugung liegt gerade im Trend, doch in Europa hat man verabsäumt nachzuziehen. Man hat den Markt nicht gesehen, der derzeit sehr stark ausgebaut wird."

Die Linsinger Maschinenbau GmbH ist ein Nischenanbieter, der primär von der Qualität seiner Erzeugnisse lebt. Im Bereich Schienentechnik entwickelte Linsinger eine fahrbare Schienenprofilierungsmaschine, die es ermöglicht, die Fahrkante der Eisenbahnschienen in einer Überfahrt neu zu profilieren. 98 Prozent der Spezialmaschinen gehen in den Export. Mit 60 Prozent Anteil ist China der wichtigste Markt für Linsinger.

hart an der kapazitätsgrenze

"Wir haben bereits die Produktionsfläche erweitert", berichtet Knoll. "Gegenüber früheren Jahren müssen wir die doppelte Auftragsmenge bewältigen." Aktuell arbeiten 270 Personen bei Linsinger, darunter 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Konstruktion sowie 20 Lehrlinge. "Wir könnten noch 30 Leute brauchen. Entgegen dem üblichen Trend machen wir Insourcing. Es gibt keine Sondermaschine, die wir nicht hier zusammenbauen und erproben, bevor wir sie liefern. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass auch einfachere Tätigkeiten im Werk gemacht werden müssen. Zudem bieten wir unseren Kunden ein Rundum-Paket an. Wir produzieren die Maschinen und liefern dazu die Werkzeuge."

Aktuell sucht Linsinger Arbeitskräfte wie CNC-Maschineure, SPS-Programmierer und Konstrukteure, darunter auch Spezialisten von HTLs und Universitäten. "Kurzfristig findet man diese Leute nicht auf dem Arbeitsmarkt", räumt Knoll ein. "Daher sind die Lehrlinge das eigentliche Potenzial, aus denen wir unsere zukünftigen Fachkräfte schöpfen. Lehrlinge werden in unserem Betrieb sehr gefördert und entwickeln sich zu Spezialisten, die auch in anderen Bereichen gute Aufstiegsmöglichkeiten haben."

qualitätsvorsprung

Die Gefahr, dass ein chinesisches Unternehmen die Linsinger-Maschinen einfach nachbauen könnte, sieht Knoll aufgrund des derzeitigen Qualitätsvorsprungs gelassen: "Die Europäer sind da noch bessere Kopisten als die Chinesen."

probemontage einer mitfahrenden rohrtrennmaschine

osthandel - riesen-loch in eu-bilanz

Russland und der asiatische Raum gelten als Hoffnungsmärkte für den europäischen Export. Doch die Handelsbilanz der Europäischen Union ist tiefrot. Zugleich steigt in Europa die Angst vor den milliardenschwer ausgestatteten staatlichen Fonds.

In die Schweiz exportierte die EU im Jahr 2006 Waren im Wert von 88,5 Mrd. Euro, nach China um 85,4 Mrd. Euro. Da sich die Einfuhren aus China (einschließlich Hongkong) jedoch auf 203 Mrd. Euro beliefen, erzielte die EU allein im Handel mit China ein Handelsbilanzdefizit von 117,6 Mrd. Euro, während der Handel mit der Schweiz mit einem Überschuss von 8,6 Mrd. Euro abgeschlossen wurde. Die Zahlen zeigen, dass China, das besonders mit Textilien und Unterhaltungselektronik den europäischen Markt überschwemmt, sich erfolgreich nach außen abschottet und nur selektiv Einfuhren zulässt. Im weltweiten Handel erzielte China 2006 einen Überschuss von 177,5 Mrd. Dollar (nach 102 Mrd. Dollar im Jahr 2005), was einer Steigerung von 74 % entspricht. Für 2007 wird ein Überschuss von 257 Mrd. Dollar prognostiziert.

außenhandelssaldi der eu gegenüber wichtigen handelspartnern(2006)

angst vor staatsfonds

Nach Schätzungen der Investmentbank Morgan Stanley verwalten Staatsfonds weltweit ein Vermögen von 2.500 Mrd. Dollar. Die Fonds speisen sich vor allem aus den hohen Ölpreisen (Russland, Golfstaaten) und den steigenden Devisenreserven in den Schwellenländern Asiens. So hat allein China Währungsvorräte von mehr als 1.000 Mrd. Dollar angehäuft - davon sollen 200 Mrd. Dollar in Fonds investiert werden. Besonders in Deutschland wird befürchtet, dass russische Fonds sich bei Energiekonzernen einkaufen könnten und chinesische Beteiligungen an hochtechnisierten Unternehmen letztlich zum Abzug deutschen Know-hows führen könnten.

China beeinflusst den Warenverkehr noch weitgehend mit dirigistischen Mitteln: Exporte werden durch Mehrwertsteuer-Rabatte begünstigt und Einfuhren durch Zölle erschwert. Zudem erhalten chinesische Unternehmen für ihren Expansionskurs günstige Kredite von staatlichen Banken und können ihre Produkte teilweise zu Dumping-Preisen anbieten. Auf Druck der westlichen Industriestaaten - insbesondere der USA und der EU - reduzierte China im vergangenen Monat die Exportstützungen für zahlreiche Produkte oder stellte sie in einzelnen Bereichen völlig ein.

aufholpotenzial für österreich

Der österreichische Warenexport belief sich 2006 auf einen Wert von 103,7 Mrd. Euro; das Handelsbilanzdefizit lag bei 458,8 Mio. Euro. 72 % aller Exporte gingen in den EU-Raum, darauf folgen die USA, die Schweiz, Russland und China als wichtigste Handelspartner (siehe Tabelle). Allerdings fiel die Steigerung des Warenexports nach China mit +2 % unterdurchschnittlich aus, da sich die österreichischen Exporte im Mittel um 9,5 % steigerten und die Importe aus China zugleich um 26 % anstiegen. Mit 41 % aller ausgeführten Waren ist der Maschinen- und Fahrzeugbau (einschließlich elektrischer und elektronischer Maschinen) das Rückgrat des heimischen Exports.

österreichs wichtigste exportmärkte (2006 - angaben in mio. euro)

(Datenquellen: Eurostat, Statistik Austria, WKO)

lehrstellenförderung - blum-bonus verlängert

Die Förderung zusätzlicher Lehrstellen - kurz Blum-Bonus genannt - wurde vom AMS-Verwaltungsrat bis Jahresende verlängert. Für Unternehmen, die zwischen 30.06. und 31.12.2007 Lehrlinge einstellen, ergeben sich einige Änderungen bei der Überprüfung der Zusätzlichkeit und den Auszahlungsmodalitäten.

Unternehmen, die eine Förderung erhalten wollen, müssen unbedingt vor Einstellung des Lehrlings eine Fördervereinbarung mit dem AMS abschließen. Zudem müssen sie vier Monate nach Einstellung des Lehrlings eine 'Bestätigung über den Gesamtlehrlingsstand' an das AMS senden. Darin wird die Anzahl der Lehrlinge an drei Stichtagen festgehalten:

  • Bestand zum 31.12.2006
  • Bestand zu Ausbildungsbeginn
  • Bestand vier Monate nach Ausbildungsbeginn

Wird die Bestätigung nicht vor Ende des Förderzeitraums - dieser beträgt in der Regel ein Jahr - an die AMS-Geschäftsstelle zurückgesandt, kann keine Beihilfe ausgezahlt werden. Das AMS OÖ schickt jedoch rechtzeitig Erinnerungsschreiben an die Unternehmen. Die Auszahlung der Förderung erfolgt einmalig im Nachhinein.

ams freistadt - direkter draht nach tschechien

Das AMS Freistadt wird bei der Besetzung offener Stellen künftig eng mit den südböhmischen Arbeitsämtern zusammenarbeiten. Stellen, die mit Arbeitskräften vor Ort nicht besetzt werden können, werden per E-Mail an die Arbeitsämter in Budweis und Krumau übermittelt. Zugleich werden Informationen über tschechische Arbeitskräfte, die in Oberösterreich arbeiten wollen, nach Freistadt geschickt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Service für Unternehmen prüfen dann bereits vorab, ob die Beschäftigung einer tschechischen Arbeitskraft im Rahmen des Grenzgängerabkommens möglich ist. Die Vereinbarung wurde während eines s am 25. Juni in Freistadt getroffen (siehe Bild). Seit Jahresbeginn stellte das AMS Freistadt 23 Grenzgängerbewilligungen für Arbeitskräfte aus Südböhmen aus.

 

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