ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 132 (juni 2007)
editorial
roman obrovski
Das Risiko arbeitslos zu werden war für gering Qualifizierte im Jahr 2000 rund doppelt so hoch wie das Risiko von Personen mit Lehrabschluss. Seither hat österreichweit besonders die Arbeitslosigkeit der gering Qualifizierten zugenommen. Ihr Arbeitslosigkeitsrisiko ist im Verhältnis zum Risiko der Lehrabsolventen inzwischen auf nahezu das Dreifache gestiegen. Zugleich steigt bei insgesamt wachsender Beschäftigung und zunehmenden Stellenangeboten die Nachfrage nach Fachkräften.
Dieser Umstrukturierung der betrieblichen Nachfrage zugunsten qualifizierter, lernbereiter und flexibel einsetzbarer Mitarbeiter können Unternehmen und Politik nur durch eine breite, jedoch individualisierte Aus- und Weiterbildungsoffensive nachhaltig entgegenkommen.
initiative des ams oö - bildungsbonus während der fachausbildung
Fortbildungsbereite Arbeitslose müssen - wenn sie eine Fachausbildung absolvieren - auch längerfristig mit einem Monatseinkommen zwischen 540 und 700 Euro das Auslangen finden. Kursabbrüche aus finanziellen Gründen sind daher ein nicht unerhebliches Problem. Um Fachausbildungen für Arbeitsuchende attraktiver zu machen, fordert das AMS OÖ seit längerem einen zusätzlichen Bildungsbonus.
Im Schnitt liegt der Stundensatz der AMS-Transferleistungen für arbeitslose Personen in Schulungen zwischen 3,33 Euro (Notstandhilfebezieher) und 4,35 Euro (Arbeitslosengeldbezieher). Gerade während einer (finanziell und zeitlich aufwendigen) Fachausbildung bedeutet dies für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine nicht unerhebliche Anspannung der finanziellen Lage. Besonders im Metallbereich - in denen für 2007/2008 allein in Oberösterreich 215 Ausbildungen mit Lehrabschluss geplant sind - liegen die Verdienstmöglichkeiten weit auseinander: Hilfskräfte im Metallgewerbe erhalten einen Mindestlohn - allerdings brutto - von acht Euro (siehe Grafik). Das Einkommen der Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer entspricht in etwa der Netto-Lehrlingsentschädigung im dritten Lehrjahr.
durchschnittliche stundensätze
(Grundannahme: Schulungen 38 Stunden/Woche - Beschäftigung, Lehrausbildung
und Stiftungsteilnahme im Metallgewerbe 38,5 Stunden/Woche)
22 prozent abbruchquote
Eine Metallausbildung mit Lehrabschluss, wie sie im Rahmen der bundesweiten Qualifizierungsoffensive geplant ist, kostet pro Person rund 22.000 Euro. Die hohen Kosten sind unter anderem in der anderthalb Jahre dauernden Ausbildungszeit und den teuren Maschinen begründet. Umso problematischer sind Abbrüche der Ausbildungen, deren Zahl mit fortschreitender Dauer ansteigt: Während etwa bei AMS-Kursen, die maximal sechs Monate dauern, 15% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ausbildung nicht abschließen, sind es bei Kursen von über sechs Monaten Dauer bereits 22%.
entscheidung liegt beim bund
Die bisherige Erfahrung zeigt, dass gerade leistungsbereite Schulungsteilnehmer und -teilnehmerinnen aus finanziellen Gründen Arbeitsangebote für Anlernkräfte in der Produktion annehmen, statt die Ausbildung abzuschließen. Das ist jedoch kontraproduktiv für die Wirtschaft und das AMS, da damit qualifizierte Abschlüsse verhindert werden. Der Vorschlag des Landesdirektoriums des AMS OÖ, die AMS-Transferleistungen während länger dauernder Ausbildungen zu erhöhen - also einen 'Qualifizierungsbonus' zu gewähren - wurde bislang auf Bundesebene noch nicht aufgenommen. In Wien verweist man darauf, dass dabei Kosten von 52 Millionen Euro entstehen würden. Ebenso wurde noch kein bundesweiter Trend festgestellt, wonach sich die Abbruchquote mit der Dauer der Ausbildung erhöht.
vorbild implacement
Der vorgeschlagene 'Qualifizierungsbonus' würde in etwa wie das 'Stipendium' für Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Implacementstiftungen wirken, das mindestens 90 Euro im Monat beträgt und von den Unternehmen bezahlt wird. Dadurch erhöht sich der Stundensatz in Implacementstiftungen von durchschnittlich 4,88 auf 5,43 Euro. Die Abbruchquote in Implacementstiftungen liegt bei 14,5%.
qualifizierungsoffensive - begrenztes teilnehmerpotenzial
Je 5.000 zusätzliche Ausbildungen im zweiten Halbjahr 2007 und in der ersten Jahreshälfte 2008 sollen nach den Plänen der Bundesregierung österreichweit im Metallbereich gestartet werden. Für Oberösterreich sieht die zentrale Planung 1.460 zusätzliche Metaller-Qualifizierungen vor (660 noch heuer, 800 im ersten Halbjahr 2008) - davon 215 mit Lehrabschluss. Es zeichnet sich ab, dass diese Größenordnung aufgrund des schwierig aufzuschließenden Potenzials in dieser kurzen Zeit kaum erreichbar ist.
Die gute Konjunktur und die deutlich sinkende Zahl an Arbeitslosen machen es zunehmend schwierig, geeignete Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Metallausbildungen aufzuschließen. In Linz und Steyr starteten das AMS OÖ und das Wirtschaftsressort des Landes (als Kofinancier) CNC-Ausbildungen für Personen mit Migrationshintergrund. Etliche Teilnehmer mussten sich mittlerweile zwischen der Fortführung der Ausbildung und der Annahme eines Jobangebots für Hilfskräfte entscheiden. Da das AMS OÖ heuer zudem 1.700 Ausbildungen mit Lehrabschluss in diversen Branchen organisiert und durchführt, arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AMS OÖ mit Nachdruck an der Ausschöpfung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials.
foto: wifi oö
herbert buchinger - plädoyer für regionale förderkompetenz
Für eine Stärkung der regionalen Förderkompetenzen sprach sich AMS-Vorstandsvorsitzender im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in Braunau aus. Allein die zentralen Förderaktivitäten für Lehrlinge (Blum-Bonus und Auffangnetz) und die geplanten 10.000 Metallausbildungen werden 2008 im AMS-Budget mit 260 Millionen Euro zu Buche schlagen.
Die (längerfristigen) Fördervorgaben der Bundesregierung führen nach Meinung von Buchinger zu einer Überdehnung des AMS-Budgets. Daher müsse man in einigen Bereichen eine Reduktion der bislang sehr ambitionierten Geschäftsziele andenken. Vor Mitgliedern der AMS-Regionalbeiräte aus dem Innviertel und dem Bezirk Grieskirchen sprach sich der Vorstandsvorsitzende des AMS Österreich für eine Stärkung der regionalen Förderkompetenzen aus, da damit mehr Spielraum für länder- und regionalspezifische Aktivitäten geschaffen werden könne. Buchingers Besuch in Braunau - am 25. Mai - fand im Rahmen der AMS-Impulsoffensive '07 statt (siehe Bild). Zwischen 24. Mai und 4. Juni präsentierte das AMS OÖ in zwei Containerbauten in Braunau und Haid (LL) seine Serviceangebote für Arbeitsuchende und bot Unternehmen die Möglichkeit, interessierte Arbeitskräfte anzuwerben.




