ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 131 (Mai 2007)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Der Erfolg der oberösterreichischen Wirtschaft ist auch an den jüngsten Arbeitsmarktdaten abzulesen. Einen beträchtlichen Anteil an diesem Erfolg haben Oberösterreichs schöpferische Unternehmer: Sie halten die Wirtschaft in Schwung, wie der Ökonom Joseph Schumpeter zurecht betont hat.

Innovatoren sind neugierig, weltoffen, kooperationsfreudig - wie sonst kämen sie auf neue Ideen? Umgekehrt begünstigt die Exposition vieler oö. Unternehmen auf dem Weltmarkt ein innovationsfreundliches Klima in unserer Region.

Offenheit bringt Wirtschaft und Gesellschaft voran, Abschottung lässt sie verrotten.

frauen in die technik - vom werkunterricht zum schaltplan

Sollen sich Frauen verstärkt für technische Berufe entscheiden, dann ist es wichtig, bereits in früher Jugend ihr Interesse an technischen Dingen zu wecken. Dies war der einheitliche Tenor anlässlich einer Gesprächsrunde im Rahmen der vierten Verleihung des AMS OÖ Awards 'Frauen in die Technik' am 25. April in Linz an vier engagierte oö. Unternehmen.

"Schon in der Hauptschule war ich das einzige Mädchen, das Werken als Fach gewählt hatte", berichtet Birgit Gerner (20) aus Maria Schmolln (BR). Heute arbeitet sie als Kunststoff-Formgeberin bei FCI Austria, wo v.a. Steckverbindungen für die Automobilindustrie produziert werden. Doch bei FCI Austria ist Frau Gerner nicht mehr alleine: Das Mattighofener Unternehmen beschäftigt derzeit sieben junge Frauen in der Produktion. Drei von ihnen wurden über eine AMS-Implacementstiftung in ihrem neuen Beruf ausgebildet. Das war mit ein Grund für die Entscheidung des AMS OÖ, einen Sonderpreis im Rahmen der vierten Award-Verleihung 'Frauen in die Technik' zu vergeben.

junge kunststoff-formgeberinnen und ein werkzeugbau-
technik-lehrling der firma fci austria in mattighofen mit
mag. martin gruber (human resources)

stärkere vernetzung

Das AMS OÖ strebt eine Vernetzung aller Aktivitäten zur Verstärkung des Interesses von Mädchen und Frauen an technischen Berufen an. Im Rahmen des Programms 'Innovatives Oberösterreich 2010' werden etwa in den Volksschulen die Veranstaltungen 'Technikdetektive' und 'Powergirls' angeboten. Das AMS OÖ ermutigt Mädchen ab 13 Jahre in der 'Technikrallye' technische Fertigkeiten zu üben und forciert durch Förderungen wie FEM-Implacement und Lehrstellenförderungen technische Ausbildungen. Die Initiativen präsentierten Barbara Bamberger (eduhi), Monika Öhlinger (IAB) und Birgit Gerstorfer (AMS OÖ).

von oben nach unten: technikdetektive, powergirl,
technikrallye und mitarbeiterin in der sonderfertigung
von gig fassadenbau

award für engagierte unternehmen

Für ihre vorbildlichen Aktivitäten bei der Beschäftigung von Frauen überreichte Landesgeschäftsführer Roman Obrovski am 25. April in der Linzer Landesgeschäftsstelle den Award des AMS OÖ an die Fronius International GmbH (Sattledt), GIG Fassadenbau GmbH (Attnang-Puchheim) und die Hartl Anlagenbau GmbH (Mauthausen) in den Kategorien Groß-, Mittel- und Kleinbetrieb. Fronius, Experte für Schweißtechnik, setzt mit einem eigenen 'Kinderland' Akzente zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. GIG beschäftigt Frauen in den Bereichen Fertigung, Design und Projektleitung. Hartl produziert und vertreibt Gesteinsbrechanlagen und setzt Frauen in allen Geschäftsbereichen ein. Durch die Veranstaltung führte Susanne Gillhofer von der Gesellschaft für Frauen und Qualifikation (VFQ), für die musikalische Umrahmung sorgte das Klarinetten-Gitarren-Duo Pichler Truhlar Music.

verleihung des ams oö award 'frauen in die technik': gerhard steinmaurer (fronius international), ing. gerhard mikulaschek (hartl anlagenbau), dr. roman obrovski (ams oö), mag. martin gruber (fci austria), mag. adolf pohn und franz hitzl (gig fassadenbau)

konditorei bachhalm - schokolade-export in die schweiz

Seit drei Jahren erzeugt der Kirchdorfer Konditormeister Johannes Bachhalm handgeschöpfte Schokoladen und hat sich europaweit bereits einen hervorragenden Namen gemacht. Unter seinen 350 ausgesuchten Kunden - Feinkostläden, Apotheken, Restaurants u. dgl. - sind auch 17 Schweizer. "In die Schweiz Schokolade zu verkaufen ist fast so schwierig wie Erdöl nach Saudi-Arabien zu exportieren", merkt Bachhalm augenzwinkernd an.

Was ist das Besondere an Bachhalm-Schokoladen?
Wir machen keine gefüllten Schokoladen. Der spezielle Geschmack kommt durch ätherische Öle. Dadurch hebt sich das Produkt von den Erzeugnissen anderer Anbieter ab.

Wie kamen Sie auf ätherische Öle?
Ich habe vor Jahren eine Gourmet-Reise durch Frankreich gemacht und mich mit einigen Köchen unterhalten. Und die kochen seit über zwanzig Jahren mit diesen ätherischen Ölen. In Kürbissuppen in Saucen ... Und ich habe mir gedacht: Wenn das in Saucen und Suppen geht, warum soll das nicht in Schokolade gehen? Ich bin nach Hause gekommen, habe das ausprobiert - und so ist das eigentlich entstanden.

Was ist dabei der Vorteil?
Üblicherweise gibt man Fruchtstückchen und dergleichen in die Schokolade. Das beeinträchtigt aber gerade das, was die Schokolade ausmachen soll: ihren sensationellen Schmelz.

Wie wird man ein Maître Chocolatier?
Ich machte die Konditorlehre bei Jindrak in Linz, die Hotelfachschule in Bad Leonfelden und arbeitete dann in Luzern, Zürich, Gent und Brüssel. 1997 machte ich meine Meisterprüfung und übernahm die Konditorei. Vor drei Jahren habe ich mir den lang gehegten Wunsch erfüllt, selber Schokolade zu produzieren, von der Bohne weg.

johannes bachhalm präsentiert seine schokoladen in der typischen, durchsichtigen verpackung.

Wie kommen Sie zu Ihren Ideen?
Es hat schon Schokoladen gegeben, die mir zehn graue Haare beschert haben und nach einem halben Jahr noch immer nicht so waren, wie ich sie haben wollte. Und es gibt Schokoladen, die sind in zwei Stunden entstanden. Grundstein ist immer ein einziges Produkt. Ich las z.B. etwas über die Tonkabohne: Das ist eine Hülsenfrucht aus Venezuela. In Wien habe ich in einem Restaurant ein hervorragendes Tonkabohnen-Parfait gegessen. Nach zwei Monaten bin ich hergegangen und habe mir die Tonkabohne besorgt. Aus solchen Rohstoffen baue ich meine neuen Schokoladen. Ich mische maximal zwei bis drei Zutaten, denn es muss am Schluss noch Schokolade bleiben. Wenn ich eine Chili-Schokolade mache, bei der ich mir den Mund verbrenne und ich nichts mehr von der Schokolade schmecke, dann ist das eine Themenverfehlung.

Kommt Ihnen der derzeitige Trend Richtung dunklerer Schokolade entgegen?
Derzeit gibt es einen absoluten Hype in Richtung 'je höher der Kakaogehalt desto besser', was aber ein absoluter Blödsinn ist. Der 'Ferrari' von Bachhalm ist Bachhalm PUR. Das sind puristische Schokoladen, denen keine ätherischen Öle zugesetzt werden. In der Schokolade ist nur Schokolade-Masse, Schokolade-Butter, Rohrzucker und natürliche Vanille. Hier kommt es auf die Kunst des Chocolatiers an, wie er die Anteile mischt, wie lange er conchiert [= Rührreibvorgang bei 45-50 Grad Celsius]. Die Industrie conchiert derzeit 17 Stunden, Bachhalm PUR sieben Tage. Dabei baut die Kakaobohne Säuren ab und Aromen auf. Bei uns schmeckt Schokolade mit 87 % Kakaoanteil noch milder als anderswo mit 70 %.

Wo stehen Sie heute und wo möchten Sie in ein paar Jahren stehen?
Wir produzieren jährlich zehn Tonnen Schokolade und exportieren in 16 Länder - darunter in den Vatikan und die Schweiz. Ich habe internationale Preise gewonnen und mir bei den Endkonsumenten und in der Fachwelt einen Namen gemacht. Für nächstes Jahr plane ich den Ausbau der Schokoladenerzeugung. Wir sind in Europa gut unterwegs. In ein paar Jahren möchte ich zu den zehn Weltbesten zählen.

ams vöcklabruck - klaus jagereder übernimmt leitung

Mit 29. Mai tritt Klaus Jagereder die Nachfolge von Waltraud Breslmayr als Leiter des AMS Vöcklabruck an. Der gebürtige Rieder sieht sich als Netzwerker, der Kontakte für eine positive Entwicklung des Bezirks knüpfen will.

Mit 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die regionale Geschäftsstelle Vöcklabruck die drittgrößte in Oberösterreich. Klaus Jagereder (41) ist seit 1984 im Arbeitsmarktservice tätig, unter anderem in den Bereichen Erwachsenenberatung, berufliche Rehabilitation, BerufsInfoZentrum und Jugendberatung. 2002 übernahm er die Leitung der Abteilung 'Service für Arbeitskräfte' im AMS Ried im Innkreis und engagierte sich als Fachcoach aktiv für die Aus- und Weiterbildung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des AMS OÖ.

"Ich freue mich auf meine künftige Aufgabe", erklärt Jagereder. "Da es sich um eine große Geschäftsstelle handelt, ist es zunächst wichtig, die Geschäftsabläufe genau kennenzulernen. Ich werde prüfen, was man daran verbessern oder einfacher machen kann. Es arbeiten hier sehr viele engagierte Mitarbeiter, mit denen ich das umsetzen werde. Parallel dazu will ich die Unternehmen im Bezirk kennenlernen. Schließlich möchte ich mit Betrieben und Institutionen ein Netzwerk knüpfen, um den regionalen Arbeitsmarkt positiv zu beeinflussen."

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