ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 130 (April 2007)
editorial
roman obrovski
Oberösterreich verzeichnet auch im März den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Bundesländervergleich.
Dass Arbeitslose in Oberösterreich von der konjunkturell induzierten Nachfrage der Unternehmen so stark profitieren, geht auch auf die konsequente Aktivierungs- und Qualifizierungspolitik des AMS OÖ zurück: seit über zehn Jahren weist das AMS OÖ die höchste Schulungsquote für Arbeitslose auf.
Laufend in die nachfrageorientierte Aus- und Weiterbildung von arbeitslosen und beschäftigten Arbeitskräften zu investieren ist der beste Garant für eine hohe regionale Erwerbsquote.
metallhilfskräfte - vom zugschiff ins arbeitsleben
In einem ungewöhnlichen Projekt qualifiziert das AMS OÖ 45 Arbeitslose für Metallhilfsstellen: In zweijähriger Arbeit wird das Motorzugschiff 'Traisen' im Linzer Handelshafen auf Vordermann gebracht und soll im Jahr der Kulturhauptstadt (2009) für ein Kulturprogramm zur Verfügung stehen.
Das Motorzugschiff 'Traisen' wurde 1958 in der Werft Korneuburg (NÖ) gebaut und stand bis 1979 im Dienst. Nun soll das Schiff, das von der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (ÖGEG) vor der Verschrottung gerettet wurde, grundlegend restauriert werden. Diese Arbeiten wurden mit einem Qualifizierungsprojekt des AMS OÖ kombiniert, sodass 45 Arbeitslose Qualifikationen in der Metall- wie auch der Holzbearbeitung erwerben können.
acht monate arbeitspraxis
Das Gemeinnützige Beschäftigungsprojekt 'Traisen' startete am 23. Jänner und soll Ende 2008 abgeschlossen werden. Aktuell arbeiten 15 Personen auf der 'Traisen' und dem daneben ankernden Werkstattschiff. "Das Arbeitsmarktservice Oberösterreich stellt pro Jahr knapp 700 Transitarbeitsplätze in Gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten und Sozialökonomischen Betrieben zur Verfügung", erklärt dazu Mag. Eva Fischlmayr, Leiterin des Fördermanagements im AMS OÖ. "Mit diesem neuen Ansatz sehen wir gute Chancen, viele der Projektteilnehmer in den Metallbereich vermitteln zu können." Finanziert wird das Projekt mit rund 700.000 Euro vom AMS OÖ.
mag. eva fischlmayr (mitte) bei der offiziellen
präsentation des projekts
Die Qualifizierung der Teilnehmer dauert maximal acht Monate. "Es sind Leute von 18 bis 63 Jahre vertreten. Die Berufserfahrung geht von null bis langjähriger Erfahrung in Großbetrieben", erklärt dazu Projektleiter Anton Pramreiter vom FAB Reno OÖ. "Natürlich gehören auch Hilfsarbeiten zu den Tätigkeiten, doch besteht die Möglichkeit, sich im Metallbereich zu qualifizieren. Wir bauen auch Schweißkurse in die Ausbildung ein und wir haben schon Leute, denen man die Anfertigung von Teilen selbstständig überlassen kann. Ziel ist, die Menschen am ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Wir klären auch ab, ob die Jüngeren unter ihnen ein Lehrverhältnis anstreben. Die Leute sind sehr motiviert."
schwimmendes klassenzimmer
Auch die theoretische Qualifizierung findet auf dem 52 Meter langen Schiff statt: Unter Deck wurde ein Schulungsraum adaptiert, in dem auch an Computern gelernt werden kann. Nach Abschluss ihres Einsatzes erhalten die Kursteilnehmer bei entsprechendem Erfolg eine Zertifizierung ihrer Qualifikationen. Die 'Traisen' soll so weit wie möglich wieder in den Originalzustand versetzt werden. Daher werden spätere Aufbauten wieder entfernt und defekte Teile neu angefertigt. Bestimmte Aufgaben werden dafür von der ÖGEG bei der Österreichischen Schiffswerft AG (Linz) in Auftrag gegeben. Das Gros der Arbeit kann aber selbst durchgeführt werden. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Schiff u.a. bei Kulturhauptstadt-Veranstaltungen eingesetzt werden und Gästen die Geschichte des Strukturwandels in der Landeshauptstadt nahebringen.
fachkräftebedarf - ausbildungen für migrantInnen
Das AMS OÖ und das Wirtschaftsressort des Landes organisieren und finanzieren Metallausbildungen für Personen mit Migrationshintergrund. Rund 50 Personen sollen damit eine Fachqualifizierung erhalten.
In vielen Unternehmen ist zur Zeit der Personalbedarf derart kurzfristig, dass Implacement-Stiftungen oder Facharbeiterausbildungen nicht rechtzeitig greifen. Das AMS OÖ unterstützt daher auch nachfragegerechte Kurzausbildungen von Arbeitskräften. Dazu werden verstärkt Bildungsfähigkeit und Ausbildungsinteressen von Arbeitsuchenden erhoben und Qualifizierungsmöglichkeiten angeboten.
Besonders MigrantInnen werden vielfach unter ihrem Potenzial beschäftigt. Mit Qualifizierungskursen im Metallbereich will das AMS OÖ Personen mit Migrationshintergrund helfen, ihr Potenzial zum eigenen und zum Vorteil der oberösterreichischen Betriebe zu entfalten. Ab Mitte April starten das AMS OÖ und das Wirtschaftsressort des Landes vier Metaller-Kurse für rund 50 MigrantInnen mit einer Ausbildungsdauer von 12 bis 16 Wochen:
Linz: CNC-MaschinenbedienerIn (16.04.-06.07.2007)
Steyr: CNC (ab Anfang Mai)
Traun: Schweißen (ab Juni)
Wels: CNC (ab Juni)
Unter den zahlreichen Qualifizierungsangeboten des AMS OÖ werden heuer rund 1900 Ausbildungen mit Lehrabschluss angeboten (gerechnet ohne Blum-Förderung). Die Entwicklung seit 1996 zeigt, dass die Ausbildung von Lehrlingen in Gewerbe, Handwerk und Industrie in Oberösterreich ziemlich konträr zur Beschäftigungsentwicklung verlaufen ist: Während in der Industrie innerhalb von zehn Jahren rund 7000 Arbeitskräfte abgebaut wurden (von knapp 114.000 auf 107.000), stieg die Zahl der Lehrlinge um 870 an (von 3.600 auf 4.470). In Gewerbe und Handwerk stieg die Zahl der unselbstständig Beschäftigten zwar um 31.300 an (von 103.400 auf 134.700), die Zahl der Lehrlinge sank jedoch um 700 (von 13.600 auf 12.900).
qualifizierungsförderung - förderung in karenz und nach wiedereinstieg
Auch während und nach der Babypause besteht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit, über den Dienstgeber Förderungen für Ausbildungen zu beantragen. Dies gilt zum einen für Personen, die sich in Elternkarenz befinden (mit weiter aufrechtem Dienstverhältnis), zum andern für Wiedereinsteiger beiderlei Geschlechts, bei denen die Arbeitsaufnahme nicht länger als ein Jahr zurückliegt. Voraussetzung ist weiters, dass die Karenzzeit vor dem Wiedereinstieg mindestens ein halbes Jahr gedauert hat und sich die Person in einem vollversicherungspflichtigen Dienstverhältnis befindet. Bezüglich Alter und Ausbildung gibt es bei dieser Personengruppe keine Einschränkungen. Die Höhe der Förderung beträgt in der Regel zwei Drittel der anerkennbaren Kurskosten. Unternehmen müssen vor Beginn des Kurses ein Förderbegehren einreichen (AMS OÖ - Abt. 1, Europaplatz 9, 4021 Linz).
weitere Infos: http://www.ams-ooe.or.at/sfu/foerd/qfb-auswahl.html
Kontakt: AMS OÖ - Abt. 1
Europaplatz 9, 4021 Linz
ams.oberoesterreich@ams.at
0732/6963-0




