ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 128 (Februar 2007)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Die Förderung der Lehrausbildung durch das AMS OÖ - 4600 Lehrlinge in allen Lehrjahren - hat den Lehrlingsbestand im vergangenen Jahr nur auf hohem Niveau gehalten. Das duale System kann selbst mit Hilfe massiver Förderungen offenbar nur gestützt, nicht aber ausgebaut werden, obwohl sich der Ruf nach Fachkräften in der Wirtschaft verstärkt. Es gibt offenkundig einen Widerspruch zwischen betrieblicher Nachfrage und Ausbildungssystem.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, werden das AMS OÖ und das Land OÖ 2007 - zusätzlich zu den etwa 19 Millionen Euro für die Lehrstellenförderung - mehr als elf Millionen Euro für Extra-Ausbildungen mit Lehrabschluss einsetzen. Insgesamt wird das AMS OÖ 2007 nach aktuellem Planungsstand rund 80 Millionen in die betriebsnahe fachliche Qualifizierung von Arbeitslosen investieren.

fem-implacement - "unglaublich, was man machen kann"

Das AMS OÖ bietet heuer 110 Implacement-Ausbildungen für Frauen in technischen Berufen an. Die maximal drei Jahre dauernde Ausbildung endet mit einem Lehrabschluss und gibt Unternehmen die Möglichkeit, kostengünstig zu neuen Fachkräften zu kommen. Der Gunskirchner Motorenbauer BRP-Rotax nahm bereits im vergangenen Jahr drei Frauen im Rahmen dieses Programms auf und ist hochzufrieden über die Leistungsbereitschaft der Frauen.

Das AMS OÖ gibt Gas: Begannen im Vorjahr 80 Frauen eine Ausbildung im Rahmen von FEM-Implacement, sollen es heuer 110 werden. Interessierte Unternehmen können dafür Praktikums- und Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Die Ausbildung wird weitgehend von AMS OÖ und Land OÖ finanziert, das Unternehmen zahlt ca. 200 Euro monatlich (für Organisationskosten und ein Stipendium an die Teilnehmerin).

"Es ist unglaublich, was man machen kann", zeigt sich Brigitte Meyer von den Maschinen in der Lehrwerkstätte von BRP-Rotax begeistert. "Ich freue mich schon aufs Programmieren." Die 32-jährige Welserin arbeitet seit Ende August in dem Gunskirchner Motorenwerk. Die gelernte Bürokauffrau war jahrelang im Außendienst verschiedener Unternehmen tätig und absolviert nun eine Ausbildung zur Zerspanungstechnikerin.

"brauchen frauen in der technik"

"Dass der Facharbeitermangel auf uns zukommt, ist heute schon spürbar. Einer der neuen Wege ist, dass man die Ausbildung wieder verstärkt", meint Ausbildungsleiter Siegfried Lehner. "Wir bei Rotax sind überzeugt, dass wir Frauen in der Technik brauchen - die demografische Entwicklung zeigt uns das ganz genau." BRP-Rotax bildet derzeit 51 eigene und 25 externe Lehrlinge aus. Im Februar 2008 werden die ersten beiden Mädchen ihre Ausbildung zur Produktionstechnikerin abschließen. "Mit allen Ausbildungsformen sind es mittlerweile zwölf Damen, die in Ausbildung sind", berichtet Lehner stolz. "Die Damen von FEM-Implacement sind durch eine lange Auswahlphase gegangen und wissen sehr genau, was auf sie zukommt. Und sie haben bislang bewiesen, dass das Auswahlverfahren gut war."

brigitte meyer und ausbildner siegfried lehner

kompetente auswahl

"In der Orientierungsphase gab es Fachtrainer für die Bereiche Kunststoff, Elektro, Metall und Holz", berichtet Frau Meyer. "Ich habe mich für Metall entschieden und anschließend Praktika absolviert und schon bald habe ich gewusst, was ich nicht machen will: Schlosser oder Maschinenbautechniker war nicht meins. Ich tendiere mehr zu den Maschinen!"

Mit der etwas verkürzten Lehrzeit und der Tätigkeit in einem 'Männerberuf' hat Meyer keine Probleme: "Der Stoff ist natürlich ganz neu und ziemlich viel. Es gibt Burschen, die sind besser und welche, die sind schlechter als ich. Ich sehe für mich ein ständiges Vorankommen. Schon im Kurs bin ich draufgekommen, dass ich sehr wohl ein Talent für technische Dinge habe. Als ich damals meine erste Lehre begonnen habe, war die Zeit für eine technische Ausbildung noch nicht reif. Ich bin letztlich froh, dass ich die Bürolehre gemacht habe. So habe ich einen kaufmännischen und einen technischen Beruf. Und was man hat, das hat man."

lehrstellenmarkt - stagnation auf hohem niveau

Nachdem die Zahl der Lehranfänger im Jahr 2005 um 4,7 % angestiegen war, gab es im vergangenen Jahr eine Stagnation auf hohem Niveau: 8.300 Lehrlinge wurden in Oberösterreich neu aufgenommen. Die Gesamtzahl der Lehrlinge stieg im Jahresvergleich um 200 an.

Mit 26.700 Lehrlingen zum Jahreswechsel war Oberösterreich wieder das Lehrlingsland Nr. 1. Unter Abzug der Lehrgänge und der Ausbildungen bei Nicht-Wirtschaftskammermitgliedern wurden 24.860 Lehrlinge in 7.460 Unternehmen ausgebildet. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe stieg dabei gegenüber 2005 um knapp 100 an. Bei den Lehranfängern (8.300 insgesamt, 7.640 bei Wirtschaftskammermitgliedern) blieb die Anzahl gleich, es gab jedoch im Tourismus ein deutliches Minus (-113), während besonders Industrie (+52) und Handel (+46) mehr Lehrlinge einstellten.

Da die Ausbildung von Lehrlingen zyklisch verläuft, ist wohl erst wieder 2008 mit einer verstärkten Aufnahme von Lehrlingen zu rechnen. Daran ändert auch die massive Förderung von Lehrverhältnissen nichts: Im vergangenen Jahr gewährte das AMS OÖ in 4.600 Fällen eine Lehrstellenförderung. Um der verstärkten Nachfrage nach Fachkräften entgegenzukommen, planen und finanzieren das AMS OÖ und das Land OÖ heuer betriebsnahe Qualifizierungen von Jugendlichen, Frauen und gering qualifizierten Arbeitsuchenden: Bis zu 1.300 Personen sollen dabei eine Ausbildung mit Lehrabschluss absolvieren. Nach einer aktuellen Erhebung des AMS OÖ unter 64 heimischen Unternehmen aus der Metallbranche werden aktuell vor allem CNC-Ausbildungen nachgefragt.

neueinstellungen - 55 % binnen jahresfrist wieder weg

Die Schnelllebigkeit der Arbeitswelt unterstreichen Zahlen des Wiener Forschungsinstituts Synthesis: Bei Neueinstellungen verlassen mehr als die Hälfte binnen Jahresfrist wieder das Unternehmen. Nur gut ein Fünftel des neu eingestellten Personals verbleibt mindestens vier Jahre im Unternehmen.

Zahlenbasis waren 70.990 Personen, die im Jahr 2002 von oberösterreichischen Unternehmen neu eingestellt wurden (ohne öffentlicher Sektor). Dabei zeigt sich, dass bereits im ersten Jahr 38.660 Arbeitskräfte (55 %) das Unternehmen (aus eigenem Antrieb oder unfreiwillig) wieder verließen. Mit fortschreitender Dauer im Betrieb reduzierte sich jedoch die Zahl der ausgeschiedenen Arbeitskräfte deutlich (siehe Grafik). Zu Jahresbeginn 2006 war schließlich noch ein gutes Fünftel der im Jahr 2002 eingestellten Personen im selben Unternehmen beschäftigt.

einkommensrisiko

Wie Synthesis-Chef Univ.-Prof. Dr. Michael Wagner-Pinter am 30. Jänner in seinem Referat vor AMS-Führungskräften in Linz weiter ausführte, verdient ein Drittel aller Jobwechsler im neuen Unternehmen weniger als vorher; bis zu einem Drittel verdient gleich viel. Mitentscheidend für eine gute Weiterentlohnung sind die Umstände des Arbeitsplatzwechsels: Während es 56 % jener Personen, die direkt von einem Job zum anderen wechseln, gelingt, ihr Einkommen zu steigern, ist dies bei Personen, die zwischen den Arbeitsverhältnissen eine Unterbrechung aufweisen, nur zu 36 % der Fall.

27 % wachstumsbetriebe

Von 39.208 marktorientierten Betrieben in Oberösterreich schufen im Jahr 2005 mehr als ein Viertel (10.875) zusätzliche Arbeitsplätze (+44.400). In schrumpfenden Betrieben (23 %) gingen 34.130 Jobs verloren. Bei der Hälfte der Unternehmen blieb der Beschäftigtenstand 2005 etwa gleich (+530).

ams grieskirchen - arbeitsmarkt 2010

Zu einem 'Wirtschaftsfrühstück' luden am 28. Jänner AMS und Wirtschaftskammer Grieskirchen. Unter dem Motto 'Regionaler Arbeitsmarkt 2010' referierte u.a. AMS-Geschäftsstellenleiter Reinhold Forster (siehe Bild) über Herausforderungen und Strategien auf dem Stellenmarkt. 30 Repräsentanten von Unternehmen sowie Medienvertreter besuchten die Veranstaltung.

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