ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 143 (juni 2008)


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editorial

roman obrovski

Arbeitsplätze für Hilfs- und Anlernkräfte werden in Oberösterreich rar. Qualifizierte, flexibel einsetzbare Arbeitskräfte sind gefragt. Sie werden zunehmend über ihr sechzigstes Lebensjahr hinaus berufstätig bleiben, während die Inhalte und Methoden ihrer Arbeit sich sehr viel rascher verändern als früher. Die Herstellung und Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit rückt in das Zentrum arbeitsmarktpolitischer Intervention. Hauptzielgruppen dafür sind gering qualifizierte oder ältere Arbeitskräfte.
Mit dem Förderangebot 'Arbeitsbewältigungscoaching' (für Unternehmen mit maximal 50 MitarbeiterInnen) setzt das AMS OÖ dazu einen weiteren Impuls. Die intakte Beschäftigungsfähigkeit ihrer MitarbeiterInnen ist ein Schlüssel zur Erhaltung der Innovationskraft und der Wettbewerbsfähigkeit der oberösterreichischen Unternehmen.

arbeitsbewältigungscoaching - beschäftigungsfähig bleiben!

Seit Jahresbeginn bieten AMS OÖ und Land OÖ Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern das sogenannte Arbeitsbewältigungscoaching an. Dieses Service ergänzt die Angebote der AMS-Qualifizierungsberatung und zielt auf die Förderung der Arbeitsfähigkeit. ams-direkt sprach mit der Psychologin Mag. Brigitta Geißler-Gruber (Bild), die im Auftrag des AMS OÖ Coachings in heimischen Unternehmen durchführt.

Wie ist das Programm aufgebaut und wie lange dauert es?
Es gibt mehrere Phasen: Zunächst erfolgt eine Information an Unternehmensleitung und Betriebsrat über die Ziele und Möglichkeiten des Programms. Darauf folgen persönliche und vertrauliche Arbeitsbewältigungscoachings mit den Beschäftigten, die an dem Programm teilnehmen wollen. Wir ermitteln dabei die aktuelle Situation und was der Mitarbeiter brauchen könnte. Anschließend fassen wir die verschiedenen Hinweise aus den persönlich Arbeitsbewältigungscoachings zusammen und legen es anonymisiert den betrieblichen Entscheidungsträgern vor. Wir schlagen nichts vor, aber wir bereiten die Hinweise der Beschäftigten derart auf, dass die Betriebsführung eine klare Vorstellung davon bekommt, welche Maßnahmen nützlich sein könnten. Am Schluss steht dann unser zusammenfassender Bericht. In kleineren Betrieben ist das Arbeitsbewältigungscoaching in drei Monaten abgeschlossen.


mag. brigitta geißler-gruber

Für welche Unternehmen ist das Arbeitsbewältigungscoaching geeignet?
Das Arbeitsbewältigungscoaching ist für alle Branchen und Berufsgruppen geeignet. Die Beschränkung auf Unternehmen mit maximal 50 Mitarbeitern ist insofern passend, weil diese Betriebe schon aus Kapazitätsgründen groß aufgesetzte Programme nicht umsetzen können.

Was sind die Themenschwerpunkte?
Es gibt vier weitgehend gleichrangige Themenschwerpunkte: Führungsorganisation, Arbeitsbedingungen, persönliche Gesundheit und Weiterbildung. Wir fragen die Leute nicht, was sie belastet, sondern was ihnen guttun würde, um auch in Zukunft zufrieden und produktiv arbeiten zu können.

Gibt es Widersprüche zwischen den Erwartungen der Mitarbeiter und der Unternehmensleitung?
Das sind nur scheinbare Widersprüche. Ein Beschäftigter wird nur dann eine gute Arbeit leisten, wenn ihm die Arbeit leicht von der Hand geht. Ich habe Mitarbeiter mit körperlichen Einschränkungen kennengelernt, die sind so versiert in ihrer Aufgabe, die sie machen, dass es auch der Wunsch des Unternehmens ist, diese Leute unbedingt zu halten. Es gibt eine nicht unbeträchtliche Schnittmenge, so dass Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen profitieren. Man muss aber darüber reden ...

Wie wichtig ist das Betriebsklima aus der Sicht der Mitarbeiter?
Unternehmenskultur und Führungsorganisation zählen natürlich zu den Topthemen des Arbeitsbewältigungscoachings. Die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern ist ein großes Feld, wo viele Chancen liegen, indem man Leute unterstützt, motiviert oder Rückendeckung gibt, so dass die anfallende Arbeit bewältigt werden kann. Zum andern sind die Arbeitsbedingungen - und hier besonders die Kombination Arbeitszeit und Arbeitsmenge - wichtige Themenbereiche.

Sind die persönlichen Problemlagen primär altersbezogen?
Wir verändern uns im Leben: körperliche, seelische und soziale Bedürfnisse verändern sich, die Arbeit verändert sich. Aber es gibt keine speziellen Problemlagen, die nur eine bestimmte Altersgruppe betreffen würden. Das Pilotprojekt SAFE im Bezirk Gmunden hat zudem gezeigt, dass für viele Mitarbeiter die Weiterbildung ein wesentlicher Punkt ist. Sie wollen morgen nicht alt aussehen, wenn eine neue Maschine kommt oder wenn sie an einen neuen Arbeitsplatz gesetzt werden.

Rentieren sich Maßnahmen zur besseren Arbeitsbewältigung eigentlich aus wirtschaftlicher Sicht?
Wenn man nicht immer schaut, ob für die Mitarbeiter alles noch gut zusammenpasst, dann riskiert man als Unternehmer den Verlust von Ressourcen und Potenzialen. Finnische Studien haben gezeigt, dass die Arbeitsbewältigungsfähigkeit im Schnitt sinkt, wenn keine systematischen Maßnahmen gesetzt werden, um die Arbeit über die Zeit gut bewältigbar zu machen.

Was sind die wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts?
Es braucht persönliche und betriebliche Umsetzungsschritte. Alles steht und fällt damit, dass man auch wirklich konkrete Schlüsse aus den Coachingergebnissen zieht. 

Wie sind die bisherigen Erfahrungen?
Im Bezirk Gmunden haben von Mitte 2006 bis Ende 2007 sechs Betriebe an einem Pilotprojekt teilgenommen. Es gab eine gute Resonanz und die Verbreitung wurde durch Mundpropaganda gefördert. In den Betrieben lag die Beteiligung der Belegschaft an den Coachings mitunter bei über 90 Prozent.

Nähere Informationen bieten die regionalen AMS-Geschäftsstellen bzw. Frau Leitner oder Herr Mag. Kaimberger (0732/6963-20145 bzw. 20139).

ktm-kühler gmbh - erfolgreiche technische weiterbildung

Innerhalb von fünf Monaten absolvierte Jasmin Mayr eine Ausbildung zur Anlagentechnikerin. Die einzige Frau in der Instandhaltungsabteilung der KTM-Kühler GmbH in Mattighofen (BR) profitierte dabei von der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte des AMS OÖ: Zwei Drittel der Kurskosten wurden von Arbeitsmarktservice und Europäischem Sozialfonds (ESF) übernommen.

"Dass sie dich nehmen, ist unwahrscheinlich. Aber bewirb dich einfach!", hatte ihr die Mutter geraten. Und wider alle Erwartung bekam Jasmin Mayr die Lehrstelle als Maschinenbautechnikerin in einem großen Innviertler Unternehmen. "Die Arbeit hat mir gleich getaugt", berichtet Mayr. Seit ihrem Wechsel zu KTM-Kühler - vor anderthalb Jahren - arbeitet die 22-jährige Braunauerin nun neben sechs Männern als einzige Frau in der Instandhaltungsabteilung. "Für diesen Bereich sind auch Kenntnisse in der Anlagentechnik wichtig", erklärt Personalleiterin Beatrice Prancl. "Daher haben wir Frau Mayr und einem weiteren Mitarbeiter diese Ausbildung ermöglicht."


jasmin mayr (links) und personalleiterin beatrice prancl

Zwischen Ende September 2007 und Anfang März 2008 absolvierte Jasmin Mayr die Module Pneumatik und Hydraulik, Elektrotechnik, Regelungs- und Antriebstechnik sowie Steuerungstechnik. Bereits früher absolvierte sie erfolgreich einen Schweißkurs. Das AMS OÖ und der ESF finanzierten zwei Drittel der Qualifizierungskosten.
KTM-Kühler zählt zu den führenden Erzeugern von Kühlsystemen für Motorräder, Autos und stationäre Anlagen. Die Einzelteile bestehen aus Aluminiumlegierungen und werden per Hochtemperatur-Vakuumlöten miteinander verbunden. Im vergangenen Jahr wurden von KTM-Kühler knapp 2,9 Mio. Kühler und Wärmetauscher produziert. Abnehmer sind in erster Linie namhafte Unternehmen aus der Fahrzeugbranche. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 460 Personen (einschließlich Leasing-Kräfte). Jasmin Mayr hat es nie bereut, in einem 'Männerberuf' tätig zu sein: "Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Und sind größere oder schwerere Teile zu wechseln, helfen ohnehin meine Arbeitskollegen mit."

Stichwort Qualifizierungsförderung:
Gefördert werden Arbeitskräfte ab 45 Jahre, Frauen unter 45 Jahre, die höchstens eine Lehrausbildung oder eine mittlere Schule abgeschlossen haben, sowie Wiedereinsteigerinnen/Wiedereinsteiger und Personen in Elternkarenz.

industrie - aufträge gehen zurück

In der Europäischen Union wurde im März ein deutlicher Rückgang der Auftragslage in der Industrie gegenüber dem Vorjahr verzeichnet: In fast allen Branchen des auftragsorientierten Gewerbes gab es empfindliche Einbrüche. Besonders betroffen waren die durch Fernost-Importe konkurrenzierte Textilindustrie (-13,6%) und der Bereich Elektro/Elektronik (-5,1%). Nur der Fahrzeugbau konnte zulegen (+5,1%). Die Industrieproduktion zeigte im März ein leichtes Plus (+1,8%), doch gingen Gebrauchs- und Verbrauchsgüter-Produktion leicht zurück (-1,1% bzw. -1,0%).

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