ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 145 (september 2008)
editorial
roman obrovski, landesgeschäftsführer
Die Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskräften in Oberösterreichs Unternehmen geht relativ und absolut zurück, der Bedarf an flexibler einsetzbaren Arbeitskräften steigt: Im Jahre 2007 konnte das AMS Oberösterreich arbeitsuchenden Kunden 62.000 offene Stellen anbieten, das waren um 15.000 Vakanzen mehr als im Jahr 2000. Der Anstieg dieses Angebots ging ausschließlich auf Stellen zurück, deren Anforderungsprofil mindestens Lehrabschluss erforderte.
Personen mit Migrationshintergrund sind häufiger arbeitslos, aber auch häufiger unter ihrem Potenzial beschäftigt als Inländer, selbst wenn sie mittlerweile die österreichische Staatsbürgerschaft erworben haben. Das AMS OÖ räumt Hürden aus dem Weg, die eine nachhaltige berufliche Integration von Menschen behindern, die hier legal Arbeit suchen. Unsere Berater und Beraterinnen bieten dazu außer intensiver Vermittlungsunterstützung Sprachkurse, Bildungsberatung und die Finanzierung vieler nachfragegerechter Aus- und Weiterbildungskurse an.
ams-metalloffensive - ausbildungszentren gestartet
Das AMS OÖ hat zwischen Juli 2007 und Juni 2008 bereits 1400 Personen im Metallbereich ausgebildet. Zwischen August 2008 und Mai 2009 folgen weitere 1350 Personen. In fünf Ausbildungszentren können Qualifikationen erworben und auch ein Lehrabschluss abgelegt werden. Die ersten Eindrücke sind ermutigend, doch müssen sprachliche Defizite ausgeräumt werden.
Am 4. August starteten die Ausbildungszentren in Attnang-Puchheim, Linz und Wels; mit 8. September gehen Gmunden und Steyr in Betrieb: Mit zertifizierten Metall-Ausbildungen für bis zu 1350 Arbeitsuchende will das AMS OÖ dem Fachkräftemangel in dieser Branche entgegenwirken. Alle sechs Wochen - bis einschließlich Mai 2009 - sollen neue Kurse starten.
33 Männer und eine Frau nehmen im Ausbildungszentrum des WIFI Oberösterreich in Linz am ersten Kurs teil. Nach den Grundlagen (sechs Wochen) können sich die Teilnehmer entscheiden, in welche Richtung sie weitergehen wollen. Möglich sind Dreher und Fräser, CNC-Maschinenbediener, CNC-Techniker und diverse Schweißprüfungen. Innerhalb von maximal 18 Monaten kann auch ein Lehrabschluss als Metallbearbeitungstechniker, Zerspanungstechniker oder Universalschweißer abgelegt werden.
ausgewogene kombination
"Wir legen viel Wert auf eine ausgewogene Kombination zwischen Theorie und Praxis", erklärt dazu Robert Müller, Produktmanager für den Geschäftsbereich Öffentliche Auftraggeber im WIFI OÖ. "Nach einer Stunde Fachzeichnen setzen die Teilnehmer ihr Wissen dann zwei Stunden lang praktisch um. Jedes Modul endet mit Abschlussprüfung und Zertifikat. Bei zwei bis drei Teilnehmern glauben wir, dass sie den Lehrabschluss locker erreichen werden."
Maria hat bereits eine mehrjährige Praxis, allerdings nur als angelernte Kraft. Sie möchte den Lehrabschluss unbedingt machen. Als sie kurz nach Beginn des Kurses das Angebot erhielt, wieder beim alten Arbeitgeber anfangen zu können, lehnte sie ab.
differenzierte biografien
Die Biografien der Kursteilnehmer sind sehr differenziert: So gibt es in der Gruppe einen Pharmazeuten, einen ehemaligen Sporttrainer und einen ausgebildeten Zimmerer. Die Kursteilnehmer haben zu 80 Prozent einen Migrationshintergrund (u.a. Bosnien, Kroatien, Iran, Tschetschenien, Afrika). "Es läuft sehr gut", berichtet Müller, "trotz der unterschiedlichen Migrationshintergründe." Allerdings weisen einige Teilnehmer Defizite in Deutsch auf, so dass fünf von ihnen eine Sprachförderung erhalten.
Kiram besuchte in Bosnien ein Jahr lang eine HTL für Maschinenschlosser, brach aber kriegsbedingt ab und lebt nun seit 15 Jahren in Österreich. Er arbeitete in einer Textilfirma sowie in Produktions- und Lebensmittelunternehmen. "Das AMS hat mich über diese Ausbildung informiert. Ich habe nun eine Chance zum Weiterlernen und beruflich weiterzukommen."
informationsbörse - 'arbeit-bildung-migration'
Am 3. Oktober veranstaltet das AMS OÖ gemeinsam mit der Volkshochschule Linz, dem Verein migrare und dem Regionalmanagement OÖ die Informationsbörse 'Arbeit - Bildung - Migration' - für Unternehmerinnen und Unternehmer eine gute Gelegenheit, die Firma zu präsentieren und mit Jobsuchenden ins Gespräch zu kommen.
Zwischen 10:00 und 18:00 Uhr wird den Besucherinnen und Besuchern ein umfangreiches Programm zu den Bereichen Arbeit und Beruf, Aus- und Weiterbildung sowie Leben in Oberösterreich geboten. Die Informationsbörse wendet sich an alle Bevölkerungsgruppen und Unternehmen und bringt zudem Spezialangebote für Personen mit Migrationshintergrund. Das AMS OÖ informiert über Möglichkeiten der Jobvermittlung, Berufswahl, Förderangebote und die Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern. Fachvorträge und Angebote von Bildungseinrichtungen und gemeinnützigen Vereinen geben einen Überblick über Informations- und Bildungsangebote aus ganz Oberösterreich. Auch Unternehmen sind an der Informationsbörse vertreten und präsentieren sich dem Publikum als potenzielle Arbeitgeber.
Information: ams.jobexpress@ams.at und 0732/65 15 22
viking direkt - "mitarbeiter sind unser erfolgskapital"
Der Büroartikelversand Viking Direkt GmbH in Pregarten (FR) betreut seit Juli auch den schweizerischen Markt. Bei der Einstellung von 18 neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war das AMS Freistadt aktiv beteiligt.
"Wir legen sehr viel Wert auf die richtige Personalauswahl", betont die Leiterin des Call Centers, Sigrid Braun. "Die Mitarbeiter sind unser Erfolgskapital." Die 1997 gegründete Österreich-Niederlassung wuchs zwischenzeitlich von 20 auf 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Personalrecruiting wurde stets in enger Kooperation mit dem AMS Freistadt durchgeführt. "Für die Betreuung des schweizerischen Marktes haben wir 18 Mitarbeiter eingestellt", berichtet Irene Aigner, stv. Leiterin Human Resources. "Fünf Mitarbeiter kamen direkt über das AMS, zudem kontaktierte das Arbeitsmartservice für uns Schulen und schaltete Inserate." Neben Erfahrung im kaufmännischen Bereich mussten für den Schweizer Markt auch Personen mit Französisch- und Italienisch-Kenntnissen gefunden werden. Schließlich konnten drei in Oberösterreich lebende Native-Speaker aus Frankreich eingestellt werden.
Die Firma Viking Direkt ist Teil des US-amerikanischen Konzerns Office Depot, dem nach eigenen Angaben zweitgrößten Büroartikelhändler der Welt. International beschäftigt der Konzern 49.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von $ 15,4 Mrd. In Pregarten werden rund 9000 Waren aus den Bereichen Büro- und Geschenkartikel vertrieben, die binnen 24 Stunden geliefert werden. Hauptkunden sind vor allem klein- und mittelständische Unternehmen.





