ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 147 (november 2008)
editorial
roman obrovski
Wie tief und wie nachhaltig die Finanzkrise sich auf die Beschäftigung im Land auswirken wird, weiß zurzeit niemand. Sehr genau hingegen wissen wir, welche Herausforderungen sich auf dem Arbeitsmarkt anhaltend stellen: das älter werdende Arbeitskräftepotenzial, die wachsenden Probleme für gering Qualifizierte, die steigende Bedeutung der beruflichen Weiterbildung.
Hilfs- und Anlernkräfte werden im Abschwung am schnellsten arbeitslos. Qualifizierte, flexibel einsetzbare Arbeitskräfte hingegen sind auch in Krisenzeiten gefragt, vor allem aber, wenn es wieder aufwärts geht.
Viele Unternehmen beraten beschäftigungsrelevante Reaktionen. Es kommt darauf an, für unterschiedliche Zielgruppen und Problemlagen die bestmögliche Interventionsvariante zu wählen und die Zeit danach zu bedenken: Jede Krise hat ein Ende. Jetzt ist Zeit, sich planend darauf einzustellen und Schwächen der Auftragslage u.a. zur nachfragegerechten Weiterbildung der Belegschaft zu nutzen.
Lassen Sie sich bitte von Ihrer regionalen Geschäftsstelle über jene Hilfestellung des AMS informieren, die für Ihre Situation am besten geeignet ist.
fh-studiengang für wiedereinsteigerinnen: "überrascht, wie sehr mich das begeistert"
Das AMS OÖ unterstützt die Ausbildung von 19 Wiedereinsteigerinnen im Studiengang 'Produktdesign und Technische Kommunikation' an der Fachhochschule Wels (siehe Titelbild). Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit wird die professionelle Präsentation technischer Produkte für die Anwender sein.
Das Bakkalaureatsstudium (Bachelor of Science) dauert sechs Semester und sieht ab dem 4. Semester Praxisprojekte mit interessierten Unternehmen vor. Die Teilnehmerinnen an dem im Oktober begonnenen Studiengang werden vom AMS OÖ finanziell unterstützt (Deckung des Lebensunterhalts, Studiengebühr, Fahrt- und Kinderbetreuungskosten).
anstoß durch unternehmen
"Vor einigen Jahren sind Firmen auf uns zugekommen und haben gefragt: Warum könnt ihr nicht Techniker ausbilden, die auch schreiben können?", berichtet Studiengangsleiter Prof. (FH) Dr. Michael Rabl über den Anstoß zur aktuellen Ausbildung. "Wir haben die Firmen eingeladen und gemeinsam ein Konzept erstellt. Als Fundament dienen die Ingenieurswissenschaften, darauf aufgesetzt werden Produktdesign sowie Technische Kommunikation und Dokumentation. Die Studentinnen sollen an der Schnittstelle zum Benutzer arbeiten: Jede Art von Dokument, das ein Produkt begleitet, wird von ihnen gestaltet: grafisch, textlich und von den Bedienungskonzepten her."
prof. (fh) michael rabl
mittelbarer bezug zur technik
Die Teilnehmerinnen am Studiengang wurden in einem zehntägigen Assessments ermittelt. Die Ausbildung der Frauen spannt sich von Höheren Schulen bis zum dualen Bereich, wobei eine Studienbefähigungs- oder Berufsreifeprüfung gemacht wurde. Nur eine Teilnehmerin hat eine technische Ausbildung: Sie absolvierte nebenberuflich eine Abend-HTL. "Es gibt bei der Mehrzahl unserer Studentinnen eine Affinität zur Technik", erklärt Rabl. "Zum Beispiel ist der Partner im technischen Bereich tätig oder die Frauen haben im Büro einer Firma der Technik-Branche gearbeitet. Es muss aber ein gewisse Neugierde und Offenheit geben. Ich bin extrem begeistert vom Engagement und den Erfolgen dieser Studentinnen. Sie sind sehr, sehr motiviert. Sie wollen das Wissen wie ein Schwamm aufsaugen ..."
ausgezeichnete rahmenbedingungen
In unmittelbarer Nähe der Fachhochschule gibt es eine städtische Kinderbetreuungsstätte. Auch die Vorlesungszeiten (Di-Do, 08:00-12:30 Uhr) kommen den Müttern so weit wie möglich entgegen. Rund 20 Prozent des Stoffs muss zudem via Fernlehre bewältigt werden. "Um die Möglichkeiten am Campus nutzen zu können, bräuchte man Flexibilität, die mit Kindern einfach nicht gegeben ist", betont Gabriele Seidl, die täglich von Geinberg (RI) anreist. Die Mutter zweier Söhne (5 und 2) lernte Kindergärtnerin und arbeitete später als Sachbearbeiterin. "Ich wusste, dass ich mich in eine ganz andere Richtung orientieren wollte. Schon während der Karenz habe ich mich informiert. Dieses Studium ist nun die perfekte Möglichkeit mit ausgezeichneten Rahmenbedingungen."
gabriele seidl, renate michlmayr und gerhild wachauer
mauer überstiegen
Renate Michlmayr aus Steyr absolvierte die Goldschmiedefachschule und arbeitete dann in verschiedenen Berufen. "Nach den Kindern - sie sind jetzt 5 und 3 - hat sich bei mir die Frage gestellt, was mache ich weiter. Durch meine Ausbildung habe ich einen Bezug zum Handwerk. Aber die Technik war für mich immer hinter einer Mauer, die ich nie überstiegen habe. Jetzt bin ich sehr überrascht, wie sehr mich das begeistert. Ich habe nun die Möglichkeit zur Weiterbildung, die ich ohne dieses Angebot des AMS nie gehabt hätte."
neue berufschancen
Gerhild Wachauer aus Garsten war nach der Geburt der drei Kinder 16 Jahre zu Hause. "Ich habe voriges Jahr den ECDL gemacht und dann versucht einen Halbtagsjob zu finden, was nicht einfach war, weil ich aufgrund meiner langen Berufsabwesenheit einfach nicht ernst genommen wurde. Dieses Studium gibt mir die Chance, mich wieder zu qualifizieren und mit einer neuwertigen Ausbildung ins Berufsleben zurückzukehren. Ich denke ich habe eine technische Ader in mir; ich bin dabei, sie freizulegen."
ams rohrbach: plakataktion für pendler
Mit einer ungewöhnlichen Aktion versucht das AMS Rohrbach Fachkräfte zu werben: Pendler werden dazu ermutigt, Arbeitsplätze im Bezirk anzunehmen. Eine Plakataktion und Beratungstage informieren über die Möglichkeiten.
"Wir zeigen auf, dass pro Tag zwei Stunden Freizeit für den Arbeitsweg auf der Strecke bleiben und das Pendeln ca. 400 Euro pro Monat kostet. Ganz abgesehen davon, dass die meisten mehr als 20.000 Kilometer pro Jahr im eigenen Auto zurücklegen", erklärt AMS-Geschäftsstellenleiter Helmut Mondl. Trotz nachlassender Konjunktur sei die Nachfrage nach Fachkräften mit über 100 offenen Stellen ungebrochen hoch.
Entlang der B 127 werden Pendler mit drei Plakatsujets auf Arbeitsmöglichkeiten im Bezirk angesprochen (siehe Bild).
An zwei Beratungssamstagen (8. und 15. November, 08:00-12:00 Uhr) können sich Interessierte über die Jobangebote informieren. Die meisten offenen Stellen gibt es derzeit in den Bereichen Gastgewerbe, Metall und Holz. Von den 22.800 unselbstständig Erwerbstätigen pendelt rund ein Drittel nach Linz oder in den Bezirk Linz-Land. Ein Pendlerrechner der Wirtschaftskammer Rohrbach soll eingerichtet werden, um die finanziellen Vor- und Nachteile des Berufspendelns gegenüber dem Arbeiten in der Region transparent zu machen.

verarbeitendes gewerbe: auftragslage bricht ein
Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe brachen laut eurostat im August EU-weit deutlich ein: Gegenüber August 2007 gab es einen Rückgang um 6,7%. Betroffen waren alle Branchen; nur die chemische Industrie und die Metallerzeugung zeigten geringfügigere Einbußen (siehe Grafik). Für Oberösterreich stellte die KMU Forschung Austria im 3. Quartal 2008 einen überdurchschnittlichen Rückgang des Auftragsbestands der investitionsgüternahen Branchen gegenüber dem Vorjahr fest: Während bundesweit die Aufträge für die Klein- und Mittelbetriebe um 5,1% zurückgingen, gab es in unserem Bundesland ein Minus von 9,9%. Gegen den Bundestrend (+16,3%) gingen in Oberösterreich auch die Aufträge der öffentlichen Hand etwas zurück (-2,5%).
auftragseingänge im verarbeitenden gewerbe
(eu-staaten - veränderungen august 2007/2008)
bildungskarenz: eine alternative zur freisetzung
Eine konstruktive Alternative zur vorübergehenden Freisetzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet das AMS OÖ in Form der Bildungskarenz: Arbeitgeber und Arbeitnehmer können unter bestimmten Voraussetzungen einen Bildungsurlaub von bis zu 12 Monaten vereinbaren. In dieser Zeit erhält die karenzierte Person vom AMS Weiterbildungsgeld in der Höhe des zustehenden Arbeitslosengeldes und kann arbeitsplatzrelevante Qualifizierungen absolvieren.




