ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 148 (Dezember 2008)
editorial
roman obrovski
Die lang anhaltende positive Entwicklung auf dem oö. Arbeitsmarkt ist im dritten Quartal dieses Jahres zu Ende gegangen. Drastische Auftragseinbrüche, Projektverschiebungen und Finanzierungsengpässe v.a. im automotiven Sektor ziehen Kreise in der Gesamtwirtschaft und lassen zunehmende Anspannungen auf dem Arbeitsmarkt erwarten. Die Bandbreite dieser Erwartungen ist allerdings auch unter Experten groß.
Die weltweite Wirtschaftskrise trifft Oberösterreich auf dem höchsten bisher erreichten Niveau der Beschäftigung und auf dem niedrigsten Niveau der Arbeitslosigkeit seit 26 Jahren. Wenn Management, Betriebsräte, Politik und wirtschaftsbezogene Dienstleister in Oberösterreich gut kooperieren, kann dieses Land die Krise besser meistern, als dies anderswo möglich ist.
Über situationsgerechte Angebote des AMS OÖ informieren wir Sie in dieser Ausgabe.
angebote für unternehmen: ams oö - partner auch in schwierigen zeiten
Die wichtigsten Angebote des AMS OÖ für Unternehmen in der gegenwärtig schwierigen Situation sind hier zusammengefasst. Weiterführende Informationen stellt das AMS OÖ allen Unternehmen über die Info-Hotline 0810/810500 zur Verfügung.
bildungskarenz plus
Mit Bildungskarenz plus ist es möglich, bewährte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch bei sinkender Auslastung im Unternehmen zu halten und während einer drei- bis zwölfmonatigen Karenzzeit kostengünstig weiterzubilden: Das AMS OÖ finanziert das Einkommen der karenzierten Person in Form des Weiterbildungsgeldes. Das Land OÖ refundiert dem Unternehmen 50 Prozent der Ausbildungskosten (max. 3.000 Euro).
Die Vorteile für den Betrieb: Die Stammbelegschaft wird erhalten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (es bestehen keine Alterseinschränkungen) besuchen eine betriebsadäquate Weiterbildung bei einem zertifizierten Bildungsträger, während der Bildungsphase (Bildungskarenz) entstehen dem Unternehmen keine Lohnkosten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können während der Bildungskarenz bis zur Geringfügigkeitsgrenze (349,01 Euro) dazuverdienen.
qualifizierungsförderung für beschäftigte
Das AMS OÖ gewährt die Qualifizierungsförderung für männliche Arbeitskräfte über 45 Jahre und Frauen (ohne Alterseinschränkung) mit einem Ausbildungslevel bis maximal Lehrabschluss. Das Unternehmen bestimmt dabei selbst die notwendigen Schulungsinhalte und kann den Bildungsträger festlegen, mit dem die Weiterbildung realisiert werden soll.
kurzarbeit
Entscheidet sich ein Unternehmen zur Kurzarbeit, bleiben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem aufrechten Dienstverhältnis - ihr Fachwissen geht der Firma nicht verloren. Die vom Betrieb via Löhne und Gehälter zu finanzierenden Arbeitskapazitäten können exakt einer reduzierten Auftragslage angepasst werden. Steigt die Auftragslage wieder an, kann kurzfristig wieder auf 'Normalbetrieb' umgestellt werden.
altersteilzeit
Während der Altersteilzeit fallen für das Unternehmen nur mehr zwischen 40% und 60% der Kosten für eine Arbeitskraft an und es entsteht eine Ersparnis gegenüber den Kosten der eingestellten Ersatzkraft.
freistellung mit wiedereinstellzusage
Freigestellte Arbeitskräfte mit einer Wiedereinstellzusage werden bis zu maximal sechs Wochen vom AMS nicht vermittelt. Ohne Wiedereinstellzusage werden die freigestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort vermittelt, wenn andere Unternehmen Arbeitskräftebedarf haben. In der Zeit der Freistellung fallen keine Lohnkosten an.
outplacement
Eine Outplacement-Stiftung sichert einen Personalabbau in größerem Stil sozialverträglich ab. In der Regel erfolgt eine einvernehmliche Lösung der Dienstverhältnisse und das Unternehmen vermeidet kostenintensive arbeitsrechtliche Verfahren.
frühwarnmeldung beim ams
Steht die Kündigung eines größeren Teils der Belegschaft an, muss dies per Frühwarnmeldung dem AMS angekündigt werden. Dies ist eine Voraussetzung, damit Kündigungen rechtswirksam werden.
hotline des ams oö
Hauptansprechpersonen für Unternehmen sind die Leiter und Leiterinnen der AMS-Geschäftsstellen in den Bezirken. Sie beraten vor Ort und nehmen auf Wunsch an Betriebsversammlungen teil. Bei Bedarf sorgen sie auch dafür, dass Expertenwissen aus der Landesgeschäftsstelle (z.B. in Sachen Kurzarbeit oder Qualifizierungsförderung für Beschäftigte) in die Beratung eingebracht wird.
Die Hotline des AMS OÖ steht täglich von 07:30 Uhr bis 17:00 Uhr (Freitag: 16:00 Uhr) zur Verfügung: 0810 / 810 500.
qualifizierungsverbünde: am letzten ausbildungsstand
Mit aktuell 16 Qualifizierungsverbünden fördern das AMS OÖ und der Europäische Sozialfonds (esf) die Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Am Qualifizierungsverbund 'Druck OÖ' beteiligen sich 13 Unternehmen. Zwischen September 2008 und März 2009 werden 38 Schulungen durchgeführt.
Walter Prillinger arbeitet seit 26 Jahren bei Krammer Repro Flexo Print in Linz. Die gravierenden Umbrüche in der Druckbranche hat der 55-jährige Leondinger hautnah miterlebt und musste sich mehrfach neuen beruflichen Herausforderungen stellen: In einem anderen Betrieb arbeitete er zunächst in der Druckvorstufe und lernte dann auf Repro um. Bei Krammer begann er zunächst in der Handmontage, wechselte später in den Flexo-Bereich und übernahm vor kurzem neue Aufgaben in der Druckvorstufe. Gemeinsam mit seiner Kollegin Karin Huber nahm Prillinger an einer zweitägigen Ausbildung im Rahmen des Qualifizierungsverbunds 'Druck OÖ' teil. "Ich habe sehr viel gelernt", betont Prillinger. "Allein der Austausch mit Kollegen - was etwa die Schwierigkeiten bei der Plattenkopie betrifft - war sehr nützlich."
nichts dem zufall überlassen
Geschäftsführer Mag. Klaus Schobesberger zieht eine "ausgesprochen gute" Zwischenbilanz. "Die Qualifizierung wird nicht nach dem Gießkannenprinzip gemacht, sondern konkret auf die Erfordernisse abgestimmt. Wir überlassen das nicht dem Zufall, sondern verlangen ganz gezielte Ausbildungspunkte. Und unsere Leute wissen es zu schätzen, dass von außen ein Input kommt." Krammer beschäftigt 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zwölf nehmen an den Qualifizierungen teil. "Im digitalen Bereich kann man nie genug dazulernen", findet Schobesberger.
mag. klaus schobsberger, karin huber und walter prillinger
Für einen Qualifizierungsverbund sind mindestens drei Unternehmen erforderlich, die im Rahmen eines Productive-Aging-Konzeptes bedarfsgerechte und überbetrieblich verwertbare Schulungen planen und durchführen. Teilnehmen können Frauen (unabhängig vom Alter und der Ausbildung - ausgenommen sind Lehrlinge), Männer unter 45 Jahre, die höchstens eine Lehrausbildung oder eine mittlere Schule abgeschlossen haben und Männer über 45 Jahre (unabhängig von der Ausbildung). Die Höhe der Förderung beträgt zwei Drittel - im Falle der Förderung von Frauen ab 45 Jahre drei Viertel - der anerkennbaren Kursgebühren. Die Finanzierung erfolgt je zur Hälfte aus Mitteln des AMS OÖ und des esf.
eu-quote bei 7,1%: spanien arg betroffen
Die Arbeitslosenquote innerhalb der EU stieg von Oktober 2007 auf Oktober 2008 von 6,9% auf 7,1%. Insgesamt waren 17,2 Millionen Menschen arbeitslos (+709.000). Österreich erreichte mit einer EU-Quote von 3% einen ausgezeichneten zweiten Platz hinter den Niederlanden (2,5%).
Besonders arg betroffen von der Wirtschaftskrise ist Spanien: Mit fast 3 Mio. Arbeitslosen im November 2008 stieg die Zahl der Arbeitslosen um knapp 900.000 gegenüber dem Vorjahr (+43%). Besonders betroffen ist die Bauwirtschaft, die unter dem Platzen der Immobilienblase leidet.




