ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 149 (Jänner 2009)
editorial
landesgeschäftsführer roman obrovski
Macht die Krise den Ruf nach nachfragegerecht qualifizierten, flexibel einsetzbaren MitarbeiterInnen obsolet? Keineswegs. Unternehmen, die jetzt die Strategie kürzer arbeiten – länger lernen verfolgen, punkten doppelt: Sie halten Arbeitskräfte im Betrieb, die sie beim Anziehen von Nachfrage sonst neu rekrutieren, integrieren und einschulen müssten. Sie nutzen den Beschäftigungseinbruch, um ihre MitarbeiterInnen auf neue Ziele, neue Produkte, neue Prozesse und / oder auf neue Märkte vorzubereiten. Gute Unternehmen entwickeln in einer Krise gute Ideen. AMS und Land OÖ unterstützen sie dabei durch die Finanzierung von Kurzarbeit und Bildungskarenz plus. Unternehmen und Arbeitskräfte, die Veränderungsbereitschaft nicht als Belastung und Belästigung, sondern als Entwicklungschance begreifen, werden sich rascher aus der Beschäftigungskrise lösen als Unternehmen, die ihre Personalpolitik auf hire and fire beschränken und Arbeitskräfte, die meinen, schon genug gelernt zu haben.
kürzer arbeiten - länger lernen: krise gemeinsam meistern
Die Auswirkungen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind noch nicht abzuschätzen. Das AMS OÖ unterstützt heimische Unternehmen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Krise hindurch halten und ihnen Gelegenheit geben, neue berufliche Fertigkeiten zu erwerben.
Die Wirtschaftskrise trifft Oberösterreichs Arbeitsmarkt auf einem historischen Höhepunkt: Oberösterreich erreichte 2008 eine Rekordbeschäftigung und zum neunten Mal in Folge die österreichweit niedrigste Arbeitslosenquote. 2009 geht es dem AMS OÖ primär darum, Unternehmen zu unterstützen, die ihre Arbeitskräfte trotz der akuten Auftragsrückgänge halten und/oder zukunftsorientiert qualifizieren wollen.
übergeordnete zielsetzungen
Die arbeitsmarktpolitische Strategie des AMS OÖ für 2009 folgt zwei Zielsetzungen, die den zahlreichen operativen Zielen übergeordnet sind. Erstens: So viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so lange wie möglich mit Hilfe des AMS OÖ konstruktiv in Beschäftigung halten – Kurzarbeit und Bildungskarenz plus sind derzeit die dazu wichtigsten Angebote. Zweitens: Die Beschäftigungsfähigkeit arbeitsuchender Personen erhalten und zukunftsorientiert entwickeln. Flexibel einsetzbare, gut qualifizierte Arbeitskräfte werden nach diesem Einbruch auf dem Arbeitsmarkt rascher und nachhaltiger Arbeit finden als gering qualifizierte.
qualifizierungsschwerpunkte
Dem AMS OÖ stehen heuer (vorläufig) € 108,3 Mio. an Fördermitteln zur Verfügung (+€ 1,7 Mio. gegenüber 2008). Ein Drittel (€ 35,8 Mio.) ist durch bundesweite Programme gebunden (Jugendausbildungssicherungsgesetz, Blum-Bonus, Qualifizierungsoffensive Metallfachkräfte, Regionale Fachkräftequalifizierungen, Frauen in die Technik / Wiedereinsteigerinnen). Im Rahmen eines spezifischen Landesziels will das AMS OÖ im kommenden Jahr mindestens 5.000 Beschäftigte über 45 Jahre qualifizieren. Qualifizierungsverbünde werden ab 2009 nur mehr gefördert, wenn die teilnehmenden Betriebe mindestens 30% ihrer über 45-jährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Schulungen einbeziehen.
hotline des ams oö
Kürzer arbeiten – länger lernen. Jede Phase gesunkener betrieblicher Auslastung kann konstruktiv genutzt werden. Das AMS OÖ unterstützt gemeinsam mit dem Land OÖ Innovation und Weiterbildung. – Über Kurzarbeit und Bildungskarenz plus informieren wir Sie gerne unter der Hotline des AMS OÖ:
Tel. 0810/810500.
arbeitsmarkt 2008: niedrigste quote seit 26 jahren
Mit durchschnittlich 605.638 unselbstständig beschäftigten Personen hat Oberösterreich 2008 erstmals die 600.000er-Grenze durchbrochen. Die Zahl der Arbeitslosen lag mit 21.654 um 665 Personen niedriger als 2007. Auch die Arbeitslosenquote sank von 3,6% auf 3,5%.
Die unselbstständige Beschäftigung zeigte im Jahr 2008 einen satten Zuwachs: Gegenüber dem Jahr 2007 gab es eine Erhöhung um 15.100 Beschäftigte bzw. +2,6%. Erstmals wurde dabei die 600.000er-Grenze im Jahresschnitt überschritten. Seit November ist der Anstieg der Beschäftigung aber deutlich gebremst.
arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit sank mit 21.654 Personen auf den niedrigsten Wert seit 1989 (-665 bzw. -3%). Bei den Männern reduzierte sich der Arbeitslosenbestand um 286 (-2,4% auf 11.502), die Zahl an arbeitslos vorgemerkten Frauen verringerte sich um 379 auf 10.151 (-3,6%). Die Zahl der Personen, die eine Schulung absolvierten, erhöhte sich im Jahresschnitt gegenüber 2007 um 2,8% auf 7.984 (+217). Die Arbeitslosenquote sank mit 3,5 % auf den niedrigsten Wert seit 1982 (siehe Grafik).
Die Vorgemerktenzahlen befanden sich in nahezu allen Berufen unter dem Vorjahresniveau. Die stärksten Rückgänge wiesen dabei die Bauberufe (-333) und die Büroberufe (-203) auf. Spürbare Anstiege der Vorgemerktenzahlen fanden sich in den Hilfsberufen (+132) und in den Metall- und Elektroberufen (+101).
Im vergangenen Jahr ließen sich 121.198 Personen beim AMS OÖ arbeitslos registrieren (+2.323 bzw. +2%), im gleichen Zeitraum schieden 133.804 Personen aus der Arbeitslosigkeit aus (-3.883 bzw. -2,8%).
stellenmarkt
Die oberösterreichischen Betriebe beauftragten das AMS OÖ im Jahr 2008 mit der Besetzung von 68.210 Stellen – um 406 mehr als im Jahr 2007 (+0,6%). Gleichzeitig konnten 69.673 Stellen in Abgang genommen werden (+2.041 gegenüber 2007). Im Jahresdurchschnitt waren in Oberösterreich 9.714 offene Stellen gemeldet, das Stellenangebot lag damit deutlich unter dem Niveau des Jahres 2007 (-752 bzw. -7,2%). Das stärkste Angebot an offenen Stellen fand sich in den Metall- und Elektroberufen (2.723), in den technischen Berufen (961), in den Hilfsberufen (944) und im Fremdenverkehr (929).
lehrlingsstatistik: weniger lehranfänger
Mit 28.166 Auszubildenden erreichte Oberösterreich im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand in der Lehrausbildung, der zuletzt 1989 überschritten wurde. Allerdings ging die Zahl der Lehranfänger 2008 um 3,5 % auf 8.516 Jugendliche zurück. Probleme bei der Besetzung der Lehrstellen gab es vor allem am Bau, in der Gastronomie und in der Lebensmittelproduktion.




