ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 151 (März 2009)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Noch gibt es keine Anzeichen, dass die Talsohle des Beschäftigungseinbruchs erreicht ist. Manche Indizien sprechen vielmehr dafür, dass die Finanzkrise nur die Oberfläche einer Strukturkrise ist. Josef Schumpeter hat diese Einsicht so formuliert: »Krisen [...] hemmen die Entwicklung nicht bloß, sie machen dieser Entwicklung ein Ende [...]. Krisen sind Wendepunkte der wirtschaftlichen Entwicklung.«

Wenn diese Diagnose zutrifft, wird es zu einem anhaltenden Beschäftigungsrückgang in Produktionsbereichen kommen, die für Oberösterreich traditionell sehr bedeutungsvoll waren. Dann werden viele Menschen in Oberösterreich ohne individuelles Verschulden länger arbeitslos sein als bisher.

Mit einem Rückgang der wirtschaftlichen Entwicklung und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit freilich werden sich weder die oberösterreichischen Unternehmer noch die regionale Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik abfinden. Schon beginnt da und dort der Aufbau neuer, produktiver Beschäftigung in entwicklungsfähigen Arbeitsfeldern. Das AMS OÖ wird diesen Prozess mit all seinen Instrumenten tatkräftig und innovativ unterstützen.

service team gmbh: "wir geben gas!"

Die Krise des Produktionssektors wird jetzt auch im Dienstleistungsbereich wahrgenommen. Ursula Krepp, Prokuristin der Service Team Gebäudemanagement GmbH in Linz, sieht jedoch Potenzial durch den Austausch von Arbeitskräften zwischen schrumpfenden und wachsenden Unternehmen.

»Ein Austauschgeschäft – z.B. große Firmen geben ab, kleine nehmen Leute auf – gibt es leider nicht«, betont Krepp. »Aber es wäre interessant, wenn Betriebe, die Personal freistellen und Betriebe, die Personal brauchen, sich an einen Runden Tisch setzten um diese Problematik für alle sinnvoll zu lösen.« Die studierte Betriebswirtin ist über den Verlauf der Krise besorgt, sieht aber durchaus Wachstumschancen für ihr Unternehmen.

ursula krepp

großkunden
Das Familienunternehmen – Ehemann Uwe Krepp leitet die Firma – gliedert sich in die Bereiche Service Team Gebäudemanagement GmbH und Service Team Workers GmbH. »Wir haben derzeit ca. 290 Mitarbeiter in den Bereichen Unterhaltsreinigung, Krankenhausreinigung, Reinraumreinigung, Industriereinigung und Zeitarbeit«, berichtet Frau Krepp. »Unsere Schwerpunkte sind Großkunden im Bereich Banken, Krankenhäuser und Großindustrie.«

auftragskürzungen
»Wir merken durchaus schon erste Anzeichen dieser Krise«, gesteht Krepp ein. »Als Dienstleister sind wir eher in der hinteren Reihe, um das zu spüren. Wir betreuen sehr viele Industriekunden, die jetzt schon Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit schicken. Und insofern hat es schon Auswirkungen auf uns durch Auftragskürzungen.«

optimismus
Für das eigene Unternehmen sieht Krepp noch Potenzial: »Wir geben Gas! Wir wollen weiter neu Kunden gewinnen. Insofern werden wir auch neues Personal brauchen. Wir nutzen dabei sehr intensiv den AMS Job-Room, der sich für uns sehr bewährt hat und natürlich die langjährige Zusammenarbeit mit den AMS-Beratern, die wir wirklich sehr schätzen.«

pessimismus
Die allgemeine Wirtschaftslage schätzt Krepp sehr düster ein: »Generell wird die Wirtschaft – fürchte ich – weiter einbrechen. Wir sind erst am Anfang der Krise – wir sind nicht einmal mittendrin. Die produzierenden Gewerbe sind schon stark betroffen. Krisengewinnler ist im Augenblick die Nahrungsmittelindustrie, die mehr für den Hausgebrauch fertigt.«


ams-tour log:in09: vermittlung und beratung

Die Ausschöpfung des Vermittlungspotenzials und Angebote des AMS zur produktiven Arbeitsplatzerhaltung stehen im Mittelpunkt der Betriebsbesuche der Beraterinnen und Berater des Service für Unternehmen. Im Rahmen der log:in09-Tour wurden Anfang März über 400 Unternehmen gezielt über die Angebote des AMS OÖ in dieser kritischen Wirtschaftsphase informiert.

Auch wenn die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt in der Krise abnimmt, fragen Unternehmen Arbeitskräfte nach. Die Angebote des Service für Unternehmen des AMS OÖ reichen dabei von der österreichweit größten Selbstbedienungsplattform www.jobroom.at über die Vorauswahl von Bewerberinnen und Bewerbern bis zu nachfragegerechten Aus- und Weiterbildungsmodellen für Arbeitsuchende und Beschäftigte in Verbindung mit einem differenzierten Förderangebot.

peter donabauer (ams steyr) auf betriebsbesuch bei erich gröstlinger,
dem besitzer des parkhotels zur klause (bad hall)

qualifizierung für beschäftigte
Im vergangenen Jahr haben das AMS OÖ und der Europäischer Sozialfonds € 4,11 Mio. für die Qualifizierung von 9.840 Personen aufgewendet, darunter 2.150 Personen in bislang 26 Qualifizierungsverbünden. Für 2009 plant das AMS OÖ die Unterstützung der beruflichen Weiterbildung von 12.000 beschäftigten Personen, darunter von 5.000 Beschäftigten über 45.

Die meisten Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sind in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt. Das AMS OÖ finanziert Betrieben mit bis zu max. 50 Beschäftigten eine Qualifizierungsberatung und bietet ihnen darüber hinaus in Kooperation mit dem Land OÖ ein ›Arbeitsbewältigungscoaching‹ an. Dieses Angebot dient dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit von Belegschaften.

bildungskarenz plus
Die Initiative des AMS OÖ und des Wirtschaftsressorts des Landes wirkt: Seit Jahresbeginn hat das AMS OÖ 600 Anträge auf Bildungskarenz ausgegeben – nach 860 im gesamten Vorjahr. Das oberösterreichische Modell ›Bildungskarenz plus‹ haben mittlerweile alle Bundesländer übernommen.

kurzarbeit
Die weltweite Krise hat Oberösterreichs exportorientierten Unternehmen zum Teil massive Auftrags- und Beschäftigungseinbrüche beschert. Trotz kräftiger arbeitsmarktpolitischer Gegensteuerung (das AMS OÖ hat seit Oktober 2008 Kurzarbeitvereinbarungen für rund 14.400 Personen mitverhandelt) ist die Zahl der Beschäftigten im Februar im Vergleich zum Vorjahr gesunken und die Zahl der Arbeitslosen steil angestiegen.

Aufgrund der Neuregelung – v.a. flexiblere Behaltefristen, Kombinierbarkeit von Kurzarbeit und Qualifizierung – rechnet das AMS OÖ mit einer verstärkten Inanspruchnahme dieses Instruments und bewirbt es weiter. 80 Prozent der oberösterreichischen Kurzarbeiter sind in Betrieben des Automobilclusters beschäftigt.

neue trends erkennen
Innovative Unternehmen entwickeln auch in schwierigen Zeiten neue Produkte und erschließen neue Absatzmärkte. Dazu müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Unternehmen oft neue Kompetenzen erwerben. Das AMS OÖ will die künftigen Trends durch eine gezielte Erhebung in ausgewählten Unternehmen herausfiltern, damit die Qualifizierungsangebote für Arbeitsuchende rechtzeitig und treffsicher auf die Nachfrage der Unternehmen ausgerichtet werden können.


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