ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 152 (April 2009)
editorial
roman obrovski
Das AMS OÖ hat die bestehende Bildungskarenz im Spätherbst 2008 im Hinblick auf den erwarteten Beschäftigungsrückgang in Kooperation mit dem Wirtschaftsressort des Landes OÖ mit einer Bildungskostenförderung verknüpft. Damit haben wir Bildungskarenz plus geschaffen und das Angebot für Unternehmen attraktiv gemacht. Unser Modell haben mittlerweile alle Bundesländer in ähnlicher Form übernommen.
Bei Bildungskarenz plus erspart sich ein oö. Unternehmen im Abtausch gegen ein monatliches Stipendium und gegen 50 % der Bildungskosten die Lohnkosten für die Dauer der Karenz. Zugleich hat das Unternehmen die Gewähr, dass seine Mitarbeiterin / sein Mitarbeiter sich in dieser Zeit Kompetenzen aneignet, die dem Unternehmen zugute kommen.
Wir freuen uns, dass die LIMAK mit diesem Modell u.a. auch Innovationsmanagement-Schulungen anbietet: Nach einer Studie des WIFO bewirkte im Zeitraum 1995-2006 eine Steigerung der F&E-Intensität um 10 Prozent eine Beschleunigung des Beschäftigungswachstums um 0,6 bis 1,8 Prozentpunkte pro Jahr. Je intensiver die F&E-Tätigkeit und je jünger das Unternehmen, umso kräftiger fiel dieser Zusammenhang aus.
solarier gmbh: "suchen nach wie vor facharbeiter"
Die SOLARier Gmbh in Engerwitzdorf (UU) setzt seit 22 Jahren konsequent auf erneuerbare Energie und spürt auch in der Wirtschaftskrise keine Auftragseinbrüche. Aktuell wird zusätzliches Fachpersonal gesucht.
"Wir sind in der glücklichen Lage, genug Aufträge zu haben und suchen nach wie vor Facharbeiter", berichtet Prokuristin Veronika Minichberger. "Die Leute wollen ihr Geld sinnvoll investieren und entscheiden sich für erneuerbare Energie." Die SOLARier GmbH ist auf Solaranlagen (mit und ohne Heizungseinbindung) und Biomasseheizungen spezialisiert und installiert zudem die gesamte Haustechnik. Die eingesetzten Kollektoren werden im eigenen Werk in Weibern (GR) produziert.
veronika minichberger
"Wir arbeiten erfolgreich mit dem AMS Linz zusammen", bestätigt Minichberger. "Kürzlich haben wir über die AMS-Einschaltung eine Lehrstelle in der Konstruktion sowie zwei in der Montage als Öko-Installateure besetzen können. Auch ein GWH-Installateur wurde in Zusammenarbeit mit dem AMS eingestellt. Herr Reinhard Angerer, Leiter eines Montageteams, wurde bereits vor drei Jahren über eine Implacement-Stiftung vom Bäcker zum Öko-Installateur umgeschult."
ökologisches denken
Die SOLARier GmbH beschäftigt 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und montiert ca. 600 Anlagen pro Jahr. Neben Oberösterreich liegt der Fokus auf Kärnten und Osttirol (eigenes Büro in Stall im Mölltal). Über die SOLARier Mitunternehmer KG sind die aktiven Mitarbeiter an der Firma beteiligt. Großes Augenmerk wird auch auf die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt. Im Jänner und Februar finden jährlich firmeninterne Qualifizierungen im Rahmen der Winterakademie statt. Auch Kunden können sich laufend bei diversen Veranstaltungen informieren.
"Wir leben für erneuerbare Energie", sagt Minichberger, "das ist unsere Vision. Weg von Öl und Gas, hin zur Unabhängigkeit. Die Sonne schickt keine Rechnung."

bildungskarenz plus: qualifizierungsangebote für manager
Die LIMAK Johannes Kepler University Business School in Linz bietet im Rahmen von Bildungskarenz plus Qualifizierungsangebote für das mittlere Management an. Kombiniert mit unternehmensbezogenen Projektarbeiten wird so der Transformationsprozess in den heimischen Firmen aktiv unterstützt.
"Auch das mittlere Management gerät in den Fokus, ob man diese Personen halten kann oder nicht", berichtet LIMAK-Geschäftsführer Mag. Holger Heller. "Wir wollen den Wirtschaftsstandort Oberösterreich proaktiv unterstützen. Diese Leute sind hochqualifiziert und stellen zum Großteil das Innovationspotenzial der Unternehmen dar." Im Rahmen von Bildungskarenz plus bietet die LIMAK dreimonatige Qualifizierungen für die mittlere Managementebene an. Abgedeckt werden Bereiche wie Kompaktmanagement (Betriebswirtschaft, Führungsthemen, Marketingstrategien, Finance und Controlling), Projektmanagement, Innovation und Innovationsprozesse. Die Angebote richten sich etwa an Techniker, die Management- und Führungskompetenzen – auch im internationalen Kontext – benötigen.
mag. holger heller
unternehmen entscheiden
"Wie erheben gemeinsam mit den Firmen den Qualifizierungsbedarf oder gehen sogar ins Unternehmen", erläutert Heller. "Wir diskutieren aber auch, in welche Richtung sich die Firma hinentwickeln soll. Die Mitarbeiter werden firmennah qualifiziert und arbeiten zugleich an Projekten, die für die Zukunft des Unternehmens zentral sind. Damit wird auch den Mitarbeitern eine ganz konkrete Perspektive gegeben. Die Leute wollen nicht in 'Karenz' gehen. Die Leute wollen sich qualifizieren und arbeiten."
acht teilnehmer
An den Qualifizierungen müssen mindestens acht Personen teilnehmen, damit sie sich rechnet. Sollen mehr Mitarbeiter die gleiche Ausbildung erhalten, ist auch ein rollierendes Modell – man staffelt die Teilnahme in mehrere Termine – möglich. Bei (zu) wenigen Teilnehmern können sich Unternehmen hingegen zu Qualifizierungsverbünden zusammenschließen. Bis zu einer Obergrenze von 6.000 Euro je Teilnehmer refundiert das Land OÖ die Hälfte der Qualifizierungskosten. "Wir können sehr gute Management-Schulungen oder Qualifikationen in Innovationsmanagement im Rahmen von 16 bis 24 Tagen machen und das bringt man in drei Monaten unter", erklärt Heller. "Wir können bei Bedarf bis zu einem Master-Studium qualifizieren. Wenn man jedoch die Qualifizierung auf sechs oder neun Monate ausdehnen muss, dann reicht die Finanzierung im bestehenden Rahmen nicht."
Kontakt: www.limak.at
große nachfrage
Bildungskarenz plus entwickelt sich in Oberösterreich mittlerweile zum Hit. In den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es bereits 978 Anträge auf Weiterbildungsgeld (siehe Grafik).

anträge auf bildungskarenz von jänner bis märz (2008/2009)
kurzarbeit neu: die wichtigsten eckpunkte
Verständigung der regionalen AMS-Geschäftsstelle – Sozialpartnervereinbarung – rechtsverbindliche Mitteilung durch das AMS: Der Weg zur Kurzarbeit wurde in einigen Bereichen konkretisiert und auch die Behaltefristen wurden normiert. Hier ein Überblick über die Neuerungen.
Entsprechend der Auslastungsproblematik im Unternehmen kann die Reduktion zwischen 10 % und 90 % der Normalarbeitszeit betragen. Kurzarbeit wird für max. 6 Monate bewilligt und kann in 6-Monatsschritten auf bis zu 18 Monate verlängert werden.
finanzielle aspekte
Das Unternehmen bezahlt das Gehalt für die verbleibende Restarbeitszeit und die Sozialversicherungsbeiträge auf Basis der Entlohnung vor der Kurzarbeit. Zusätzlich ist für jede ausgefallene Arbeitstunde eine Kurzarbeitsunterstützung an die betroffenen ArbeitnehmerInnen zu leisten, deren Höhe mit den Sozialpartnern zu verhandeln ist. Sie muss sich mindestens in Höhe der vom AMS dem Betrieb gewährten Kurzarbeitsbeihilfe belaufen. Diese entspricht dem fiktiv für die ausfallenden Arbeitstunden zustehenden aliquoten Arbeitslosengeld zuzüglich eines Zuschlags in Höhe von 42,5 % zur Abgeltung der ArbeitnehmerInnenbeiträge zur Kranken- und Pensionsversicherung.
sozialpartnervereinbarung
Die Details der Kurzarbeit müssen zwischen dem Betrieb und den Zentralstellen der kollektivvertragsfähigen Körperschaften der ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen ausverhandelt werden. Darin ist auch die Dauer der Behaltefrist (zwischen ein und vier Monaten) geregelt. Erst wenn die Sozialpartnervereinbarung dem AMS vorgelegt wird, kann über die Kurzarbeitsbeihilfe entschieden und dem Betrieb eine rechtlich verbindliche Mitteilung über die voraussichtliche Beihilfenhöhe ausgestellt werden.
qualifizierungsbeihilfe
Werden Ausfallstunden zur Qualifizierung der MitarbeiterInnen genutzt, zahlt das AMS eine Qualifizierungsbeihilfe. Diese enthält einen Zuschlag von 15 % für die pauschale Abgeltung schulungsbedingter Mehraufwendungen. Ebenfalls sind darin enthalten Sozialversicherungsbeiträge im Ausmaß von 43,9 % für Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung. Werden für die Ausbildung externe Schulungsseinrichtungen/Trainer in Anspruch genommen, gewährt das AMS dem Unternehmen zusätzlich auf Antrag bis zu 60 % der anfallenden Kurskosten.
'traisen' übergeben
Mit dem Übergabefest am 13. März wurde das AMS/FAB-Projekt 'Traisen' offiziell beendet. An der Schiffsrenovierung waren 68 langzeitarbeitslose Männer beteiligt, von denen 39 anschließend wieder Arbeit fanden. Aktuell ist die 'Traisen' Teil des Linz09-Projekts Pixelhotel.




