ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 153 (Mai 2009)
editorial
roman obrovski
Die Krise rückt längerfristige Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt aus dem Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Beschäftigungsprobleme gering oder unpassend qualifizierter Arbeitskräfte, das Verschieben älterer Arbeitskräfte in den (maskierten) Ruhestand sowie die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt verlieren durch die Krise aber nicht an Brisanz. Sie nehmen an Brisanz zu.
Umso ermutigender ist es, wenn Oberösterreichs Industrie auch in der Krise unbeirrt Lehrlinge einstellt und gerade erfolgreiche Unternehmen sich als Pioniere bei der Ausbildung und Beschäftigung von Frauen in technischen Berufen profilieren.
ams award 2009: die technik wurde weiblicher
Zum sechsten Mal vergab das AMS OÖ den Award für 'Mehr Frauen in die Technik' an Unternehmen, die sich auf diesem Gebiet besonders engagieren. Im vergangenen Jahr konnte das AMS OÖ 538 Frauen auf technische Fachkräfte-Jobs und Ausbildungsplätze vermitteln.
"Bereits 1980 wurden die ersten weiblichen Lehrlinge eingestellt. Wir haben da nie unterschieden. Ein Mädchen, das diese Arbeit gerne tut, hat immer eine Chance bekommen", berichtet DI Herbert Kendler, Geschäftsführer der Scheuch GmbH. Aktuell bildet das Luft- und Umwelttechnikunternehmen (650 Mitarbeiter am Standort Aurolzmünster) 65 Lehrlinge aus; heuer werden zwanzig weitere dazukommen. Insgesamt beträgt der Frauenanteil im Unternehmen zehn Prozent, unter den Lehrlingen 25 Prozent. "Die Frauen, die hier arbeiten, machen für die anderen die Hürde kleiner, hier anzufangen", resümiert Kendler. Am 4. Mai überreichte ihm Landesgeschäftsführer Roman Obrovski im Ars Electronic Center in Linz den AMS-Award 2009 in der Kategorie Großbetriebe.
Für die im Anlagenbau tätige Doubrava GmbH & Co. KG in Attnang-Puchheim (Preisträger Mittelbetriebe) ist die Ausbildung von Frauen in technischen Berufen noch Neuland. Doch wurden bislang gute Erfahrungen gemacht (siehe nächsten Artikel). "Zunächst habe ich in einem anderen Betrieb im Büro angefangen, aber das hat mir nicht gefallen", berichtet Bianca (16) aus Attnang-Puchheim, die im ersten Lehrjahr als Stahlbautechnikerin bei Doubrava arbeitet. "Ich habe mir gedacht, dass ein technischer Beruf ganz interessant sein könnte. Und es ist wirklich faszinierend, wenn man selber etwas machen kann."
"Der Umgangston untereinander ist spürbar besser geworden", erzählt Gottfried Mayr, Geschäftsführer der gleichnamigen Schlosserei in Dietach bei Steyr (Preisträger Kleinbetriebe). Sechs seiner zwölf Mitarbeiter sind weiblich. "Die Leistungen von Frauen und Männern würde ich gleich bewerten. Das sehe ich ganz neutral."
Franziska (23) aus Rohr im Kremstal absolviert in der Mayr Gotffried GmbH ihr erstes Lehrjahr als Metallbautechnikerin. "Nach dem Lehrabschluss habe ich als Kellnerin gearbeitet und bin später in vielen Produktionsfirmen gewesen. Dabei bin ich immer mehr in den Technikbereich reingekommen, was mich auch sehr interessiert hat. Schließlich habe ich beim AMS Steyr nachgefragt, ob ich über die Frauenstiftung eine Ausbildung machen könnte. Meine Familie und Freunde sagen: 'Endlich mal eine Frau, die anpackt!' Sie sind begeistert und freuen sich für mich."
doubrava: neueinstieg
»Wir haben vergangenes Jahr erstmals vier weibliche Lehrlinge als Stahlbautechnikerinnen aufgenommen. Im neuen Jahrgang werden vier weitere hinzukommen. Wir haben nun eine feste Basis und werden darauf aufbauen können. Wir mussten die Mädchen bei den Tests eher härter bewerten, um nicht zu viele zu haben. Zu einseitig wollen wir dann auch nicht werden. Im theoretischen Wissen sind die Mädchen im Schnitt besser als die Burschen. Unsere ersten Erfahrungen sind sehr positiv und wir werden jedes Monat dazulernen.«
dr. di fritz pesendorfer
(geschäftsführer doubrava)
auer mode: ausgezeichnete lehrerfolge
Christian Auer, mit einem Modehaus an der Hauptstraße sowie mehreren Shops im Citycenter Gallneukirchen (UU) vertreten, legt großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Erfolge seiner Lehrlinge sind dabei ausgezeichnet.
Sarah Buchberger aus Pregarten legte kürzlich ihre Lehrabschlussprüfung als Textilkauffrau mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Ihre Kollegin Carina Reisinger aus Alberndorf erzielte einen Abschluss mit gutem Erfolg. Beide junge Frauen sind gelernte Friseurinnen, die mithilfe des AMS Linz und der WIKOM-Implacementstiftung die Lehre in anderthalb Jahren absolvieren konnten. Auer, der 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt und der Aus- und Weiterbildung große Bedeutung einräumt, kann sich wohl auf eine Fortsetzung der Erfolgsserie freuen: Ein weiblicher Lehrling bringt bislang nur Einser aus der Berufsschule mit.
carina reisinger, sarah buchberger und
christian auer im citycenter gallneukirchen
hofmann personal-leasing: kooperation vereinbart
Das AMS OÖ und die I.K. Hofmann GmbH (Linz) unterzeichneten am 31. März eine Kooperationsvereinbarung, die die österreichweite Zusammenarbeit regelt. Hofmann Personal-Leasing wird nun durch das Key Account Management des AMS OÖ über die Bundesländergrenzen hinweg unterstützt.
"Unser Ziel ist es, mit unseren größten Kunden Kooperationsvereinbarung zu treffen, um die Zusammenarbeit mit dem AMS OÖ nicht nur erwartungsgerecht, sondern auch möglichst einfach zu strukturieren", skizziert Markus Litzlbauer die Strategie des Key Account Managements im AMS OÖ. "Firmen melden uns ihr gesamtes sozialversicherungspflichtiges Stellenangebot – das erspart Ihnen Geld und Zeit, die für Beratungsgespräche, etwa über Qualifizierungsmöglichkeiten, gezielt genutzt werden kann."
Hofmann verfügt über neun Standorte in Oberösterreich, Salzburg, Niederösterreich, Wien und der Steiermark und wurde vom amerikanischen Personaldienstleister Hewitt Associates in der Kategorie Klein- und Mittelbetriebe als attraktivster Arbeitgeber Österreichs 2007/2008 ermittelt. "Uns wird die Möglichkeit eines österreichweit einheitlichen Auftritts bei sämtlichen Ausschreibungen geboten und wir forcieren die persönlichen Kontakte zum AMS", fasst Geschäftsführer Jörn Hadenfeldt die Vorteile der Kooperation zusammen.
jörn hadenfeldt (i.k. hofmann), petra zauner (ams linz),
monika penninger (i.k. hofmann) und markus litzlbauer (ams oö)
lehrverträge: stabilisierung
Nach einem kurzfristigen Einbruch im Februar (von 380 im Jahr 2008 auf 280 in diesem Jahr) scheint sich die Zahl der Lehrverträge – verglichen mit dem Vorjahr – zu stabilisieren. Im März wurden die Vorjahreszahlen klar überschritten (+24), im April knapp unterschritten (-3). In den ersten vier Monaten des Jahres zählte die Wirtschaftskammer OÖ 2.034 neue Lehrverträge, was einem Rückgang um 86 Verträge gegenüber 2008 entspricht. Die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellen lag im April mit 652 um 10 über Vorjahresniveau, die nicht sofort verfügbaren Lehrstellen gingen jedoch um 11 % zurück (2.712).




