ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 154 (Juni 2009)
editorial
roman obrovski
135 Unternehmen aus Oberösterreich haben seit Oktober 2008 Kurzarbeit für insgesamt 27.701 überwiegend männliche Mitarbeiter beantragt. 19.758 dieser Kurzarbeiter sind in Betrieben beschäftigt, die dem Automobilcluster angehören.
Im Mai standen in Oberösterreich 18.299 Personen in Kurzarbeit, in 2.759 Fällen war dies - nach einem Vorschlag des AMS OÖ - mit Qualifizierung verbunden. Darüber hinaus sind beim AMS OÖ seit Jänner 1.721 Anträge auf Bildungskarenz eingelangt, das sind 39 Prozent aller derartigen Anträge aus ganz Österreich.
Das Angebot des AMS OÖ, den Beschäftigungseinbruch durch Qualifizierung der Betroffenen zukunftsorientiert zu nutzen, nehmen Oberösterreichs Unternehmen stark in Anspruch. Ein energisches Zeichen von Zuversicht.
laserbearbeitungstechnik: ausbildungszentrum startet in gmunden
Im Oktober startet in Gmunden das OÖ. Laserzentrum als Dependance der Technischen Universität Wien. Blechverarbeitende Betriebe, die in die Lasertechnik einsteigen möchten oder ihre Aktivitäten ausweiten wollen, können Arbeitskräfte zertifiziert ausbilden. Das AMS OÖ fördert diese Qualifizierungen auch im Rahmen von Kurzarbeit oder Bildungskarenz plus.
Ein gemeinnütziger Verein, an dem die TU Wien, die Stadt Gmunden, die Arbeitsgemeinschaft für Lasertechnik (Argelas, Wien) und das Weiterbildungsinstitut Agens (Linz) beteiligt sind, bietet ab Oktober im OÖ. Laserzentrum Ausbildungen im Bereich Laserbearbeitungstechnik an. Während die Laborübungen in Gmunden durchgeführt werden, kann das theoretische Wissen über eine Lernplattform im Internet erworben werden.
"Für blechverarbeitende Betriebe ist die Lasertechnik sehr wichtig, weil man damit einerseits Blechzuschnitte kostengünstig und schnell machen kann und anderseits Schweißarbeiten durchführen kann", ist der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Univ.-Prof. Dieter Schuöcker (TU Wien – kleines Bild), überzeugt. "Die Lasertechnik ist in der Regel kostengünstig, die Bearbeitung erfolgt schnell und mit hoher Qualität und nicht zu vergessen: die Lasertechnik ist sehr umweltfreundlich. Zudem schneidet die Lasertechnik fast lautlos, während bei der konventionellen Bearbeitung der Lärmpegel sehr hoch ist."
schneiden – biegen – schweißen
Die im Schnitt achtwöchige Ausbildung vermittelt die wichtigsten Bearbeitungsvorgänge in der Lasertechnik. In den Laborübungen werden das Laserschneiden an zwei Maschinen, das Laserschweißen und das Laserhärten geübt. Eine umfassende Prüfung, die nicht nur den theoretischen Stoff, sondern auch die Programmierung und Bedienung von Laserbearbeitungsmaschinen umfasst, schließt den Kurs ab. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten dabei ein Zeugnis der TU Wien.
"Da zum Verständnis der Arbeitsweise derartiger Verfahren Kenntnisse aus den verschiedensten Fachgebieten wie etwa Optik, Elektronik, Werkstoffkunde, CNC-Technik und Strahlenschutz notwendig sind, reicht die Ausbildung von Elektronikern, Mechatronikern und den metallverarbeitenden Berufen keineswegs aus, um die Lasertechnik verstehen und ihre Anlagen bedienen und betreiben zu können", ist Schuöcker überzeugt. "Hier setzt unsere Ausbildung bedarfsgerecht an."
förderungen
Die Ausbildung zum Laserbearbeitungstechniker bzw. -technikerin kann vom AMS OÖ in unterschiedlicher Form finanziell unterstützt werden. Neben der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte (insbesondere Frauen sowie Männer über 45 Jahre) sind Förderungen während der Kurzarbeit sowie (gemeinsam mit dem Land OÖ) im Rahmen von Bildungskarenz plus möglich. Über Details geben die regionalen Geschäftsstellen des AMS OÖ gerne Auskunft.
beschäftigungsentwicklung: frauenbeschäftigung steigt weiterhin
Trotz eines Rückgangs der Aktivbeschäftigung (ohne Kindergeldbezieherinnen und Präsenzdiener) um 9.000 Personen gegenüber dem Vorjahr steigt weiterhin die Zahl der unselbstständig beschäftigten Frauen.
Im April waren in Oberösterreich 573.372 Personen unselbstständig beschäftigt (ohne Kindergeldbezieherinnen und Präsenzdiener). Gegenüber April 2008 bedeutet dies einen Rückgang der Aktivbeschäftigung um 9.069 Personen. Besonders betroffen waren Männer (-10.078), während die Frauenbeschäftigung um 1.009 Personen anstieg. Die Gründe liegen darin, dass nur besonders stark mit Frauen besetzte Branchen relevante Beschäftigungszuwächse aufweisen (siehe Grafik): Sozialwesen (+11,4 %), Gesundheit (+6 %), Gastronomie (+4,7 %), Erziehung und Unterricht (+3,5 %). Den stärksten Rückgang an Arbeitskräften mussten erwartungsgemäß die Personaldienstleister (-5.822 bzw. -28,3 %) hinnehmen; den prozentuell zweitstärksten Rückgang gab es bei den Kfz-Zulieferern (-8,5 %). Das Ausmaß des Beschäftigtenrückgangs gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahrs stieg in den letzten Monaten kontinuierlich an: von -6.500 im Februar, über -8.400 im März auf -9.000 im April.

veränderung in branchen mit über 10.000 beschäftigten (april 2008/2009)
aussetzverträge: durchrechnung unzulässig
Sogenannte Aussetzverträge – das Dienstverhältnis wird vorübergehend gelöst und eine Wiedereinstellzusage gegeben – dürfen keine Klauseln enthalten, die arbeitsrechtliche Ansprüche ohne Unterbrechung weiterbestehen lassen. Andernfalls besteht für die freigestellte Arbeitskraft kein Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Aussetzverträge, die den vorübergehend freigestellten Arbeitskräften finanziell entgegenkommen sollen und daher Klauseln enthalten, dass bei der Berechnung arbeitsrechtlicher Ansprüche die Unterbrechungszeiten berücksichtigt werden (etwa bei Abfertigung alt und Urlaubsansprüchen), werden vom AMS nicht anerkannt. Vielmehr muss das Dienstverhältnis eindeutig gelöst sein. Die Lösungsgründe (einvernehmliche Lösung, Kündigung) müssen auf der Arbeitsbescheinigung bzw. dem Abmeldeformular der Gebietskrankenkasse vermerkt sein. Ansonsten besteht nach Ansicht des Arbeitsmarktservice Österreich kein Anspruch auf Arbeitslosengeld.
lehrverträge: deutlicher rückgang
Die oberösterreichischen Unternehmen zeigen eine deutliche Zurückhaltung bei der Aufnahme von Lehrlingen. Laut WK OÖ sank zwischen Jänner und Mai die Zahl der angemeldeten Lehrverträge von 3.000 (2008) auf 2.722 (2009).




