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die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 155 (Juli/August 2009)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Binnen Jahresfrist hat sich die Zahl der arbeitslosen HTL-Absolventinnen und Absolventen unter 25 Jahren in OÖ nahezu verdreifacht (von 64 im Juni 2008 auf 185 im Juni 2009).

Es wäre ein übles Signal, wenn ausgerechnet Jugendliche mit einer gediegenen technischen Ausbildung in OÖ arbeitslos blieben. Mit innovativen, wettbewerbsfähigen Produkten und Diensten können Oberösterreichs Unternehmen die Krise überwinden und an ihre Exporterfolge der letzten Jahre anschließen. Ausgerechnet im Bereich Forschung und Entwicklung aber beklagen Unternehmen zurzeit Engpässe bei ihren Ressourcen.

Mit dem Angebot 'ForschungsassistentIn' wollen wir HTL-AbsolventInnen speziell dafür qualifizieren und vor allem Klein- und Mittelbetriebe unterstützen, die Forschungsprojekte betreiben.

erwachsenenbildung: trend zu qualifizierten abschlüssen

Die Fortbildungseinrichtungen in Oberösterreich erleben derzeit einen gewaltigen Boom. Der Trend geht dabei in Richtung qualifizierte Abschlüsse mit längerer Kursdauer. Neue Anreize zur Weiterbildung kommen vor allem durch die Bildungskarenz plus, die sich als Kriseninstrument bewährt.

Ein Teil des aktuellen Trends wird natürlich vom AMS OÖ mitverursacht: Ende Juni befanden sich 10.338 Personen in AMS-Schulungen – um 2.920 mehr als noch vor einem Jahr (+39,4 %). Das AMS OÖ ist bestrebt, seine Schulungsangebote in einem schwierigen arbeitsmarktpolitischen Umfeld innovativ und treffsicher zu gestalten. Besonders arbeitslosen Jugendlichen werden verstärkt Qualifizierungsangebote offeriert. Dazu zählen etwa die landesweit sieben Ausbildungslehrgänge im Bereich Installations- und Gebäudetechnik / Ökoenergie, die im Juni gestartet sind und mit einem Lehrabschluss innerhalb von zwei Jahren enden.

bildungskarenz plus als motor
Übereinstimmend werten das Berufsförderungsinstitut Oberösterreich (BFI OÖ) und das Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WIFI OÖ) die Bildungskarenz plus als Motor des Zuwachses in der Fortbildung. Unternehmen nutzen die rückläufige Auftragslage für die fachliche Qualifizierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr gingen 1.835 Anträge auf Bildungskarenz beim AMS OÖ ein (im ersten Halbjahr 2008 waren es dagegen 290). Damit entfallen 36 % der österreichweiten Anträge auf unser Bundesland.

»Das BFI verzeichnet schon seit Herbst 2008 und jetzt verstärkt im Frühjahr 2009 eine zunehmende Nachfrage nach Bildungsdienstleistungen«, berichtet Mag. Othmar Friedl, Geschäftsführer für berufliche Bildung. »Dies gilt sowohl für das individuelle Buchungsverhalten als auch für das Firmengeschäft. Im ersten Halbjahr 2009 hat die Steigerung rund 25 % zum Vorjahreswert betragen.«

mag. o. friedl

»Im Segment FirmenInternTraining (FIT) gibt es im zu Ende gehenden Geschäftsjahr (August 2008 bis Juli 2009) Steigerungen von mehr als 50 % – und das im Prinzip quer durch alle Fachbereiche«, erklärt Mag. Walter Sonnberger MBA, Leiter der WIFI-Weiterbildung.

mag. w. sonnberger mba

hard facts statt soft skills
»Nicht so nachgefragt sind im Moment Kurse im Bereich Soft Skills und Fremdsprachen«, berichtet Sonnberger weiter. »Besonders auffällig ist, dass heuer ganz besonders längere Kurse überdurchschnittlich stark gebucht wurden.« Zu den Rennern bei BFI und WIFI zählen insbesondere Werkmeister-Schulen und Vorbereitungslehrgänge zur außerordentlichen Zulassung zur Lehrabschlussprüfung. Auch das Angebot ›Lehre mit Matura‹ erfreut sich verstärkter Nachfrage. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nutzen dabei die schwächelnde Wirtschaftslage zum Nachholen diverser Bildungsabschlüsse. Eine steigende Nachfrage gab es zudem in den Bereichen Qualität/Sicherheit/Umwelt, EDV und Mechatronik.

qualifizierung und praktikum nach htl: forschungsassistenz in oö. unternehmen

185 Jugendliche mit HTL-Abschluss waren Ende Juni in Oberösterreich arbeitslos vorgemerkt. Das AMS OÖ und das Wirtschaftsressort des Landes bieten dieser Gruppe ab September Ausbildungen und Praktika als Forschungsassistenten/Forschungsassistentinnen an. Auch kleinere Unternehmen können von dem Programm profitieren und Forschungsprojekte initiieren.

Binnen Jahresfrist erhöhte sich die Zahl der arbeitslosen HTL-Absolventinnen und Absolventen unter 25 Jahren von 64 (Juni 2008) auf 185 (Juni 2009). Die beinahe Verdreifachung der Betroffenen verdeutlicht den Handlungsbedarf: Das AMS OÖ und das Wirtschaftsressort des Landes bieten daher ab Mitte September Ausbildungs- und Praktikumsplätze für 40 HTL-Absolventinnen und Absolventen an, damit sie ihr erworbenes Wissen in den Unternehmen umsetzen können.

ausbildung und praktikum
In zwei Gruppen zu je 20 Personen – in Linz und Ried im Innkreis – erhalten die Jugendlichen zertifizierte Zusatzausbildungen und ein fachlich betreutes Praktikum im Forschungs- bzw. Planungsbereich interessierter Unternehmen. Das Praktikum, das über einen verbindlichen Bildungsplan gesteuert wird, nimmt den Großteil der sechsmonatigen Qualifizierung ein; sechs Wochen sind für die Förderung der Soft Skills und die Ablegung der Zusatzausbildungen eingeplant. Zur Ausbildung zählen u.a. pm basic (Projektmanagement) und der EBCL (Europäischer Wirtschaftsführerschein) in englischer Sprache. Beide Ausbildungen sind international zertifiziert.

angebot für unternehmen
Unternehmen, die gut ausgebildete Praktikantinnen und Praktikanten für Forschungsaufgaben einsetzen wollen, können sich mit dem Service für Unternehmen in den regionalen Geschäftsstellen des AMS OÖ in Verbindung setzen. Das Land OÖ beteiligt sich an den Kurskosten, das AMS OÖ übernimmt darber hinaus die Deckung des Lebensunterhalts.

ams gmunden: jacqueline beyer übernimmt leitung

Seit Anfang Juli leitet Jacqueline Beyer (34) das AMS Gmunden. Sie tritt damit die Nachfolge von Arnold Schenner an, der in den Ruhestand wechselte. Den aktuellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt will Beyer mit eigenverantwortlicher Teamarbeit begegnen.

Die gebürtige Wienerin arbeitet seit 1997 beim Arbeitsmarktservice. Nach Handelsakademie und drei Jahren Berufspraxis übersiedelte sie nach Salzburg und arbeitete in der dortigen regionalen Geschäftsstelle in der Erwachsenenberatung. 2001 übernahm sie die stellvertretende, 2002 die Leitung der Abteilung Beratung mit 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zugleich war sie Ansprechperson für den Bereich Implacementstiftungen.

»Ich verbringe schon seit Jahren meine Freizeit im Salzkammergut«, verrät die begeisterte Naturliebhaberin. »Auf längere Sicht werde ich sicher meinen Lebensmittelpunkt in die Region verlegen.« In den Geschäftsstellen Gmunden und Bad Ischl arbeiten zusammen 38 Personen. »Gemeinsam werden wir die aktuellen Herausforderungen meistern. Dabei setze ich auf die Verantwortung meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gewähre ihnen die nötigen Entscheidungsspielräume. Ich freue mich auf das neue, abwechslungsreiche Aufgabengebiet und die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Als erstes möchte ich den Bezirk und seine Unternehmen besser kennenlernen.«

lehrverträge: rückgang um 11 %

Die Zahl der Lehrverträge sank laut Wirtschaftskammer OÖ im ersten Halbjahr um 456 bzw. 11 % auf 3.635. Ende Juni suchten 556 Jugendliche sofort und 1.347 für später eine Lehrstelle – ein Anstieg um 260 Personen gegenüber dem Juni 2008. Das Angebot an Lehrstellen (2.445) sank um 18 % (-534).

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