ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 156 (September 2009)
editorial
roman obrovski
Früher als geplant endet die Kurzarbeit in wichtigen Unternehmen Oberösterreichs. Die Arbeitslosigkeit wird aber leider nicht so schnell sinken, wie sie gestiegen ist. Verantwortlich dafür sind die strukturellen Aspekte des Beschäftigungseinbruchs: Jobs für gering Qualifizierte werden beschleunigt automatisiert oder ausgelagert und im Automotiv- und Energiesektor zeichnen sich fundamentale Neuorientierungen ab.
Wenn Oberösterreichs Unternehmen technologisch anschluss- und wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt bleiben wollen, müssen Oberösterreichs Arbeitskräfte sich mitbewegen. Sie tun es mit Unterstützung ihrer Unternehmen. So wird das Angebot an Bildungskarenz in Oberösterreich am stärksten von allen Bundesländern genutzt: 34 Prozent aller Anträge seit Jahresbeginn kommen aus unserem Land.
global hydro energy: "kernkomponenten selbst produzieren"
Die Global Hydro Energy GmbH in Niederranna (RO) ist internationaler Spezialist im Bereich Kleinwasserkraftwerke (bis 10 Megawatt Leistung). Das Unternehmen entwickelt und produziert alle Kernkomponenten selbst und will den Beschäftigtenstand in den kommenden Jahren verdoppeln.
»Trotz Wirtschaftskrise steigt die Nachfrage nach unseren Produkten, weil immer mehr Märkte dazukommen, die in Kleinwasserkraft investieren wollen«, erklärt Geschäftsführer Ing. Marius Hager. »Aber alle Märkte haben das gleiche Problem: Es ist für unsere Kunden irrsinnig schwierig, diese Projekte zu finanzieren – es dauert länger, es ist mit mehr Aufwand und mehr Sicherheitsforderungen der Banken verbunden.«
ing. marius hager neben einem pelton-laufrad
liberalisierte märkte
Seit 2003 produziert Global Hydro Energy (GHE) schlüsselfertige Wasserkraftwerke – der Exportanteil liegt bei über 80 Prozent. Neben den deutschsprachigen Ländern sind Nord- und Osteuropa sowie Südasien (Indien, Sri Lanka) Schwerpunktmärkte. »Wir produzieren Anlagen bis 10 Megawatt. Ein Donaukraftwerk ist klar über diesem Bereich, ein Traunkraftwerk ist für uns im obersten Bereich. Es gibt weltweit einen Trend zu erneuerbarer Energie. Das beschränkt sich nicht auf einzelne Länder, das ist eine Tendenz, die man weltweit feststellt und auch gleich notwenig ist. Voraussetzung für uns, in einen Markt zu gehen, ist immer, dass eine liberale Energiepolitik vorherrscht, d.h., dass eine Infrastruktur geschaffen wird, die es privaten Investoren ermöglicht, in Kleinwasserkraft zu investieren«, konkretisiert Hager. »Überall dort, wo die Energieerzeugung zu hundert Prozent in staatlicher Hand ist, gibt es für uns keinen Markt.«
ausbaupläne
Am Firmenstandort Niederranna laufen Vorbereitungen zum Bau eines zusätzlichen, 1600 m² großen Produktions- und Bürogebäudes. »Seit 2003 haben wir die Betriebsleistung vervierfacht«, ist Hager stolz. »Ich gehe davon aus, dass es aktuell zu einer gewissen Abflachung kommen wird, aber es ist unverändert so, dass wir eine Steigerung von der Betriebsleistung haben. Mit dem Bauprojekt wollen wir den Turbinendurchsatz in der Firma steigern.« In den kommenden Jahren soll der Mitarbeiterstand von 65 auf 130 verdoppelt werden. »Es ist nicht so, dass es jetzt gar kein Problem mehr ist, qualifiziertes Personal zu bekommen. Aber es ist etwas leichter geworden, dass man hochqualifizierte Mühlviertler, die bislang nach Linz gependelt sind, nach Niederranna bringt«, ist Hager optimistisch.
gesamtpaket
»Es gibt eine klare Strategie bei uns: Wir wollen eindeutig Produzent sein und nicht Händler. Wir sind stolz darauf, alle Kernkomponenten selbst zu entwickeln und zu produzieren. Kernstück unseres Maschinenbaus ist die jeweilige Turbine. Wir decken aber auch die Steuerungs- und Regelungstechnik ab. Wir liefern alle Komponenten, die ein Kleinwasserkraftwerk braucht – ausgenommen alles, was mit Ziegel und Beton zu tun hat.«
arbeitsmarktpaket II: die wichtigsten regelungen
Mit September traten im Rahmen des Arbeitsmarktpakets II der Bundesregierung etliche Neuerungen bei Angeboten des AMS in Kraft. Betroffen sind dabei insbesondere die Regelungen zu Altersteilzeitgeld, Bildungskarenz plus, Ein-Personen-Unternehmen, Kombilohn und Kurzarbeit.
altersteilzeitgeld
Die Umsetzung von Altersteilzeit ist nicht mehr an die Einstellung einer Ersatzkraft gebunden. Darüber hinaus können auch Teilzeitkräfte in Altersteilzeit gehen, sofern sie im letzten Arbeitsjahr mindestens zu 60 % der Normarbeitszeit beschäftigt waren. Der Dienstgeber erhält bei einer kontinuierlichen Reduktion der Arbeitszeit einen 90-prozentigen Lohnausgleich, bei der Blockvariante jedoch nur einen Ausgleich von 55 %.
bildungskarenz plus
Bis Ende 2010 ist ab sofort auch die Bildungskarenz neu geregelt: Statt bisher mindestens drei Monate muss die Qualifizierung nur mehr zwei Monate dauern. Weiters reicht es, wenn die Mitarbeiter vor Antritt ein halbes Jahr (bisher ein ganzes) ununterbrochen im Unternehmen beschäftigt waren. Einen Teil der Ausbildungskosten übernimmt das Land Oberösterreich.
ein-personen-unternehmen
Ein-Personen-Unternehmen (EPU) werden mit dem Paket bei der Aufnahme ihres ersten Mitarbeiters unterstützt. Sie bekommen ein Jahr lang 25 % des Bruttolohns ersetzt, sofern sie Arbeitsuchende unter 30 Jahren einstellen.
kombilohn
Mit dem Kombilohn sollen vor allem offene Stellen mit geringer Entlohnung (650,01 bis 1.700 Euro brutto) besetzt werden. Die Förderung wird an arbeitsuchende Personen über 50, Wiedereinsteiger/Wiedereinsteigerinnen und Behinderte, die länger als 182 Tage arbeitslos waren, ausbezahlt. Die Höhe der Förderung richtet sich nach dem Stundenausmaß, die Dauer beträgt maximal ein Jahr.
kurzarbeit
Die Kurzarbeit wurde bereits zum zweiten Mal verlängert – nunmehr auf maximal 24 Monate. Diese Regelung gilt vorerst bis Ende 2012. Um Wettbewerbsnachteile mit Österreichs Haupthandelspartner Deutschland zu beseitigen, übernimmt das AMS OÖ ab dem siebten Monat der Kurzarbeit auch die Dienstgeber-Sozialversicherungsbeiträge.
aktion 4000: förderungen für gemeinden und organisationen
Das AMS OÖ fördert im Rahmen der Aktion 4000 die Beschäftigung von arbeitslosen Personen bei Gemeinden, gemeindenahen Einrichtungen und gemeinnützigen Organisationen. Für ein Jahr werden zwei Drittel des Bruttolohns und 50 % der Lohnnebenkosten vom AMS getragen.
Im Rahmen der vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz initiierten Aktion 4000 sollen österreichweit 4.000 von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Personen 2009/2010 einen geförderten Job bei Gemeinden, gemeindenahen Einrichtungen und gemeinnützigen Organisationen erhalten. Für Oberösterreich werden knapp 600 Förderfälle in diesem Zeitraum angepeilt. Ein erfolgreiches Beispiel ist Michaela Dirisamer (Bild), die seit 6. Juli bei der Volkshilfe Rohrbach als Heimhelferin arbeitet. »Am Freitag war ich im AMS, am Montag habe ich zu arbeiten begonnen«, freut sich die 30-jährige Wiedereinsteigerin aus Aigen.
Der maximale Förderzeitraum beträgt ein Jahr. Das AMS OÖ ersetzt in diesem Zeitraum zwei Drittel des Bruttolohns und 50 % der Lohnnebenkosten. Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Arbeitszeit mindestens 20 Stunden pro Woche beträgt. Bei der Beschäftigung muss es sich um eine öffentliche bzw. gemeinnützige Tätigkeit handeln. Auch eine Anstellung im Wege einer gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung ist möglich. Förderbar sind Personen, die langzeitarbeitslos sind oder von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind – etwa aufgrund ihres Alters, gesundheitlicher Einschränkungen oder Betreuungspflichten.




