ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 158 (November 2009)
editorial
roman obrovski
Viele Unternehmen in Oberösterreich arbeiten zurzeit unter Hochdruck an Innovationen, vor allem in den Bereichen Werkstoffe, Elektronik, Energie. Noch sind viele dieser Anstrengungen nicht beschäftigungswirksam. Sie erfordern vielmehr unsichere Investitionen unter erschwerten Bedingungen. Aber nur wagemutige, kompetente Unternehmer schaffen die Arbeitsplätze der Zukunft. Sie sichern die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region.
Neue Produkte und neue Prozesse erfordern neue Qualifikationsprofile. Das AMS unterstützt Arbeitsuchende und ältere Beschäftigte massiv beim Erwerb nachgefragter neuer Kenntnisse und Fertigkeiten. Unser Service für Unternehmen in Ihrem Bezirk informiert Sie gern näher über unsere Angebote.
selbstversicherung: unternehmer bleiben zurückhaltend
Die seit Jahresbeginn geschaffene Möglichkeit für Selbstständige, freiwillig Beiträge zur Arbeitslosenversicherung einzuzahlen, wird in einem sehr geringen Umfang in Anspruch genommen. Als Hemmnisse gelten die lange Bindungsfrist sowie die Tatsache, dass durch eine selbstständige Tätigkeit die Rahmenfrist für einen Arbeitslosengeldanspruch ohnehin gestreckt wird.
Die seit Anfang 2009 mögliche freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige bleibt offenbar ein Minderheitenprogramm. Nach einem halben Jahr waren österreich-weit erst 678 Personen freiwillig arbeitslosenversichert – berechtigt sind hingegen knapp 360.000 Menschen. Trotz des derzeit schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ist weiterhin kein Run auf das Angebot auszumachen.
lange bindungsfrist
Zum Abschluss der freiwilligen Arbeitslosenversicherung sind Selbstständige berechtigt, die nach dem Gewerblichen SV-Gesetz oder dem Freiberuflichen SV-Gesetz pensionsversichert sind sowie selbstständige Rechtsanwälte und Ziviltechniker – derzeit rund 360.000 Personen. Ausgenommen sind Personen, die das 60. Lebensjahr bzw. das Mindestalter für eine vorzeitige Alterspension erreicht haben, oder denen eine Alterspension bzw. ein Ruhegenuss bereits zuerkannt wurde. Die Beitragshöhe beträgt ein, zwei oder drei Viertel der GSVG-Höchstbeitragsgrundlage und kann frei gewählt werden.
Vor 2009 tätige Unternehmer können prinzipiell im gesamten Jahr 2009 in diese freiwillige Versicherung eintreten. Unternehmer, die ab 1. Jänner 2009 begonnen haben, können binnen sechs Monaten ab Verständigung durch die Sozialversicherungsanstalt eintreten. Ein späterer Eintritt ist erst wieder nach acht Jahren möglich. Auch ein Austritt ist erst nach acht Jahren vorgesehen.
Nach der Neuregelung können sich selbstständig Erwerbstätige entscheiden, ob sie arbeitslosenversichert sein wollen oder nicht und dadurch ihren sozialen Schutz weiter verbessern. Neu ist, dass der Anspruch erworben werden kann, ohne jemals unselbstständig beschäftigt gewesen zu sein. Früher erworbene Ansprüche auf Arbeitslosengeld bleiben auch ohne Beitritt zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung kostenlos gewahrt.
rahmenfriststreckung
Der Abschluss dieser Selbstversicherung ist jedoch nicht immer sinnvoll. Denn: Unter bestimmten Voraussetzungen können Personen, die vor dem Wechsel in die Selbstständigkeit unselbstständig und arbeitslosenversichert waren, auf die damals erworbenen Anwartschaftszeiten zurückgreifen. Die Zeiten der selbständigen Erwerbstätigkeit verlängern die Rahmenfrist, innerhalb der die arbeitslosenversicherungspflichtigen Zeiten vorliegen müssen. Weiters verlängern die selbständigen Zeiten die Fristen, innerhalb derer ein Antrag auf Fortbezug des Arbeitslosengelds bzw. ein Anspruch auf Notstandshilfe gestellt werden kann.
fakten
Die monatlichen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung betragen je nach gewählter Beitragsgrundlage (derzeit) 70,35 Euro, 140,70 Euro oder 211,05 Euro. Die Höhe des Arbeitslosengelds liegt dementsprechend bei 566,40 Euro, 910,80 Euro oder 1.251,60 Euro. Jung-Unternehmer (Unternehmensgründung ab 2009) können bis spätestens sechs Monate nach Verständigung der Sozialversicherungsanstalt beitreten.
details: <http://esv-sva.sozvers.at>
arbeit - bildung - migration: großes publikumsinteresse
Auf großes Interesse des Publikums stieß die 2. Informationsbörse ›Arbeit – Bildung – Migration‹, die am 6. November im Wissensturm in Linz stattfand. Die zentralen Angebote der Veranstaltung waren Arbeit, Beruf, Aus- und Weiterbildung für Migrantinnen und Migranten.
Unternehmen und öffentliche Dienstgeber, Sozial- und Bildungseinrichtungen sowie das AMS OÖ informierten die zahlreichen Besucher über Lebens-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in Oberösterreich und boten freie Stellen an. Das Programm wandte sich primär an Personen mit einem Migrationshintergrund. Die Veranstaltung wurde vom AMS OÖ gemeinsam mit der Volkshochschule Linz, dem Verein migrare und dem Regionalmanagement OÖ zum zweiten Mal durchgeführt. Ziel ist es, die zahlreichen bereits vorhandenen Hilfsangebote zur Integration in die oö. Lebens- und Arbeitswelt zu bündeln und Berufsperspektiven aufzuzeigen. Fachvorträge, Workshops, Einzelberatungen und Tests rundeten das Angebot ab.

messestand der fa. iss
machland gmbh: einblick in die betriebsstruktur
Qualitätszertifizierung – Energierückgewinnung: Bei der machland obst- und gemüsedelikatessen gmbh in Naarn (PE) setzt man auf nachhaltiges Wirtschaften. Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AMS Perg statteten dem Unternehmen am 29. Oktober einen Besuch ab.
17.000 Tonnen Gemüse und Obst verarbeitet machland pro Jahr – in der Hauptsache Kraut, Gurken und Äpfel – und beliefert damit überwiegend den heimischen Markt. Die Stammbelegschaft mit 90 Mitarbeitern wird zur Erntezeit auf ca. 150 im Dreischichtbetrieb aufgestockt. Die Produktion ist nach dem International Food Standard (IFS) zertifiziert, ein Projekt zur Wärmerückgewinnung ist gerade im Laufen. Die Beraterinnen und Berater des AMS Perg erhielten von Einkaufsleiter Martin Gebetsberger einen authentischen Einblick in die Betriebsstruktur und die Anforderungsprofile der Arbeitsplätze bei machland.




