ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 159 (Dezember 2009)
editorial
roman obrovski
Der Beschäftigungseinbruch ab Oktober 2008 hat Oberösterreich 2009 den prozentuell höchsten Zuwachs an Arbeitslosigkeit bundesweit eingetragen. Dennoch wird Oberösterreich mit 5,1% Jahresarbeitslosenquote vermutlich zum zehnten Mal in Folge die niedrigste Arbeitslosigkeit aller Bundesländer erzielen.
Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit im Verlauf der schwersten Krise der Weltwirtschaft seit 80 Jahren steht noch bevor. Zu schwer sind die Auswirkungen der Krise vor allem im automotiven Sektor und der mit ihm verbundenen Wirtschaftsbereiche. Kostensenkungsprogramme in vielen Unternehmen sichern ihre Wettbewerbsfähigkeit, steigern kurzfristig aber nicht die Nachfrage nach Arbeitskräften. Noch zu wenig beschäftigungswirksam sind Innovationen im Werkstoff-, Elektronik- und Energiebereich. Die öffentlichen Haushalte sind angespannt.
Am wenigsten nachgefragt sind aktuell und auf Sicht Arbeitskräfte mit geringer Qualifikation (maximal Pflichtschulabschluss, oft verbunden mit Migrationshintergrund). Das Beschäftigungsrisiko dieser Personen ist in Oberösterreich dreimal so hoch wie das von Absolventen einer Lehre. Das AMS OÖ fokussiert seine Ausbildungsangebote daher auf diesen Personenkreis.
quelle ag: countdown für neuorientierung
Das AMS OÖ ist für den Ernstfall vorbereitet, alle Entscheidungen fallen sehr kurzfristig: Werden vom Masseverwalter der Quelle AG, Erhard Hackl, Kündigungen ausgesprochen, können die Betroffenen sogleich in die AMS-Berufsorientierung wechseln, die der Insolvenzstiftung vorgeschaltet ist.
Der am 30. November gestartete Abverkauf des Warenlagers lief gut an und brachte wieder Beschäftigung für Teile der Quelle-Belegschaft. Für die Übrigen werden jedoch rasche Kündigungen erwartet. Dann stehen fünf Berater des AMS vor Ort zur Verfügung und organisieren den Übertritt in die Arbeitsuche oder eine Neuorientierung.
großes interesse an stiftung
Am 11. November – noch vor dem offiziellen Insolvenzantrag des Großversandhauses – bezog Markus Birklbauer vom AMS Linz ein Büro in der Industriezeile. Er kümmert sich um die Koordinierung vor Ort und steht den Mitarbeiterinnen und Mitartbeitern für Fragen rund um die Arbeitsuche zur Verfügung. Bis Ende November veranstaltete das AMS OÖ zehn allgemeine Infoversammlungen, acht zum Thema Arbeitsstiftung und eine zum Thema Altersteilzeit. Das Interesse an einem Eintritt in die Insolvenzstiftung ist sehr groß: 55% der Belegschaft (600 von 1.100) überlegen, Ausbildungen im Rahmen der Stiftung zu absolvieren. Dabei besteht auch die Chance, eine Lehrausbildung nachzuholen. Von der weiblichen Belegschaft werden u.a. Ausbildungen im Gesundheitsbereich nachgefragt.
markus birklbauer (ams linz) berät die quelle-belegschaft vor ort
Sobald feststeht, welche Personen zu welchem Termin gekündigt werden, können diese intensiv betreut werden. Zur Auswahl stehen der Eintritt in die Arbeitsuche oder in eine Berufsorientierung, die der Arbeitsstiftung vorgelagert ist. Seit Bekanntgabe der Insolvenz informiert das AMS OÖ die Belegschaft permanent über offene Stellen, die auch beim Eingang zum Betriebsgebäude angeschlagen sind.
fakten
Die Insolvenzstiftung für gekündigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Quelle AG ist vorerst mit rund drei Millionen Euro dotiert. Die Ausgaben teilen sich das AMS OÖ und das Land OÖ im Verhältnis 60 zu 40. Nicht in diesem Betrag enthalten sind die Kosten für das Schulungsarbeitslosengeld, das allein vom AMS OÖ finanziert wird. Die Berufsorientierung für die Betroffenen könnte bereits im Dezember starten. Die Möglichkeit, eine Lehrausbildung nachzuholen, ist v.a. für Personen ohne abgeschlossene berufliche Ausbildung interessant und von Vorteil.
zeitarbeit: kurze beschäftigungsdauer
Leasingkräfte sind derzeit am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen und werden im Falle einer Einstellung nur kurz benötigt: Die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse ist bereits vor Ablauf eines Monats wieder beendet. Nur ein Bruchteil der Zeitarbeiter wählt bewusst diese Arbeitsform. Viele sehen darin die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit.
Im Oktober waren in Oberösterreich um 5.500 Menschen weniger als Leasingkräfte beschäftigt als noch vor einem Jahr. Der Rückgang (-26%) ist um das Zwölffache höher als bei der Gesamtbeschäftigung (-2,1%). Die primären Einsatzgebiete von Zeitarbeitern sind Produktion, Handel und Bau. Überproportional sind Menschen mit Migrationshintergrund vertreten, zudem stellen Hilfskräfte mit 45% die größte Gruppe.
Zwei aktuelle Studien des Instituts für Arbeitsmarktbetreuung und -forschung Steiermark (IFA – Graz) und der Synthesis Forschung (Wien) durchleuchteten den Zeitarbeitsmarkt in Österreich, auf dem ca. 900 Überlasser aktiv tätig sind. Aufgrund der Beschäftigungseinbußen in der Industrie bewerben die Zeitarbeitsunternehmen verstärkt Klein- und Mittelbetriebe als Kunden.
zeitarbeit als ›notlösung‹
Laut IFA ist Zeitarbeit nur für 9% der Leasingkräfte die tatsächlich gewünschte Arbeitsform. Dabei handelt es sich meist um Frauen in der Verwaltung und männliche Facharbeiter im Baugewerbe. 32% der Befragten sehen in der Leiharbeit eine Chance, Erfahrungen zu sammeln und später eine Festanstellung zu erhalten. Für 59% ist Leasing die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit. Da jedoch viele Beschäftigungsverhältnisse nur kurz dauern, waren bereits vor der Krise die Hälfte der Leasingarbeiter im Laufe eines Jahres (vorübergehend) von Arbeitslosigkeit betroffen. 78% aller Befragten gaben an, auch in Zukunft wieder ein Zeitarbeitsverhältnis eingehen zu wollen bzw. zu müssen, für 22% kommt dies nicht mehr in Frage.
ams perg: geschäftsstelle saniert
Nach einjährigen Umbauarbeiten konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AMS Perg vom Ausweichquartier im Altzinger-Hof wieder in das Gebäude in der Gartenstraße zurückkehren. Geschäftsstellenleiter Leopold Paireder begrüßte anlässlich der Wiedereröffnungsfeier am 26. November zahlreiche Ehrengäste – u.a. AMS-Vorstand Johannes Kopf (links im Bild). Das adaptierte Gebäude wurde 1977 errichtet und bietet nun für die Kunden und die 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AMS Perg gleichermaßen ein funktionelles und barrierefreies Raumangebot.
ams-direkt: gute bewertung
ams-direkt erfüllt zu 95 % die Erwartungen seiner Leserinnen und Leser. Zu diesem Ergebnis kommt die Akzeptanzanalyse der Fa. Jaksch & Partner (Linz) im Auftrag des AMS OÖ. Befragt wurden 450 oberösterreichische Unternehmen, die insbesondere die fachliche Kompetenz hoch bewerteten (87 % Zustimmung). Das größte Interesse gilt Berichten zu AMS-Förderungen (76 %) und sonstigen Serviceleistungen des AMS (58 %) sowie dem Arbeitsmarkt (50 %). ams-direkt erscheint seit Juli 1995 monatlich und geht an 12.500 Adressaten in Oberösterreich.




