ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 178 (september 2011)


Zeitschriftenarchiv

editorial

birgit gerstorfer / gerhard straßer

Österreich hat die niedrigste Arbeitslosenquote der EU – ein Grund zur Freude!
Gleichzeitig ist es unser Auftrag, alles zu unternehmen, um sämtliche arbeitsfähigen Menschen ins Arbeitsleben zu integrieren. Schnelle Vermittlung und den Anforderungen entsprechende Qualifizierung sind die Möglichkeiten des AMS.
Daran arbeiten wir kontinuierlich.

überbetriebliche lehrausbildung: ausbildungsgarantie für jugendliche

Im September starten die Berufsorientierungskurse des AMS OÖ. Bis zu 1.000 lehrstellensuchende Jugendliche erhalten die Möglichkeit, sich über Berufschancen zu informieren und eine passende Lehre zu starten – sei es bei einem Ausbildungsbetrieb oder im Rahmen einer überbetrieblichen Lehrausbildung.

Ende August waren noch 1.178 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle. Dies bedeutet einen Rückgang um 298 Personen. Sofort verfügbare Lehrstellen gab es hingegen nur 698 (+15). Allerdings muss sich noch zeigen, wie viele der Lehrstellenangebote, die erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stehen (814) im Laufe des Septembers besetzt werden. Laut Wirtschaftskammer OÖ erhöhte sich heuer die Zahl der Lehrverträge auf 8.482 (+434 bzw. +5,4%).

ausbildungsgarantie
Die Bundesregierung garantiert jedem lehrstellensuchenden Jugendlichen einen Ausbildungsplatz. Heuer stellt das AMS OÖ bis zu 870 Lehrgägnge zur Verfügung, in denen eine Lehre, verkürzte Lehre oder Teillehre absolviert werden kann. Für Jugendliche zwischen 19 und 24 Jahren gibt es zudem die Möglichkeit, Ausbildungen im Rahmen der Jugendstiftung (JUST) zu absolvieren.

berufsorientierung
Den Ausbildungen vorgeschaltet sind Berufsorientierungskurse für Jugendliche. Bis zu 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich dabei fundierte Informationen über Berufschancen holen und in Lehrbetrieben schnuppern. Ziel ist es, möglichst viele in ein reguläres Lehrverhältnis zu vermitteln. Ansonsten besteht die Möglichkeit, die Lehre im Rahmen der Ausbildungsgarantie zu absolvieren.

ams-berufsorientierung am bfi linz

schmaler berufskorridor
Kevin (17), Jelena (15), Ceyda (15), Yasemin (15) und Jerome-Tom (16) – siehe Titelbild – starteten am 5. September ihre Berufsorientierung beim bfi in Linz. "Ich bin noch ziemlich unentschlossen, aber ich denke an einen Job im Büro oder so", meint Jerome-Tom. "Technik ist eher nichts für mich. Aber ich bin eigentlich hier, um Vorschläge zu bekommen." Kevin sucht eine Lehrstelle als Audio- oder Mediendesigner, Yasemin und Jelena als Einzelhandelskauffrau, Ceyda möchte Friseurin werden – "als Alternative vielleicht Einzelhandelskauffrau". Ihre bisherigen Bewerbungen haben keine positiven Ergebnisse gebracht.

hindernisse und aussichten
"Das Hauptproblem sind schlechte Noten, ein negativer Schulabschluss oder ein Sonderschulabschluss", weiß Ralph Thalguter, Leiter der Jugendausbildung am bfi. "Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, vier Wochen lang mehrere Berufe kennenzulernen und Praktika zu machen. Mädchen werden verpflichtet, auch technische Berufe praktische kennenzulernen. Sie neigen sehr stark zu kaufmännischen Berufen. Im Schnitt finden zehn Prozent direkt nach der Berufsorientierung eine Lehrstelle. Die Erfolgschance, aus einer überbetrieblichen Ausbildung eine reguläre Lehrstelle zu finden, liegt bei 70 Prozent."

ralph thalguter (bfi) und kursbetreuerin julia bauer (ams linz)

arbeitsmarktliberalisiserung: leiharbeit als türöffner

Seit der Öffnung des oberösterreichischen Arbeitsmarktes mit 1. Mai stieg die Zahl der Arbeitskräfte aus den östlichen EU-Ländern um 25 Prozent. Viele nutzen dabei die Leiharbeit als Türöffner zum oberösterreichsichen Arbeitsmarkt. Vergleichsweise gering blieb der Andrang aus Tschechien.

Ende April – unmittelbar vor der Liberalisierung der Arbeitsmarkts – befanden sich 11.533 Arbeitskräfte aus den östlichen EU-Staaten legal in Oberösterreich. Bis Ende Juli erhöhte sich diese Zahl auf 14.371. Dies entspricht einer Steigerung um 2.838 Personen bzw. 25%. Im Vergleich dazu stieg das gesamte oberösterreichische Arbeitskräftepotenzial (Beschäftigte + Arbeitslose) im gleichen Zeitraum um 2,7%.

einstieg mit leiharbeit
Betrachtet man den Zuwachs an Arbeitskräften aus den EU-Oststaaten nach Branchen, fällt der große Anteil der Leiharbeit an den neuen Beschäftigungsverhältnissen auf (21%). Dagegen haben die Bereiche Bau, Gastronomie und Produktion die neuen Arbeitskräfte fast zu gleichen Teilen aufgenommen (siehe Grafik).

verteilung des arbeitskräftezuwachses (april bis juli 2011) nach branchen

tschechen zurückhaltend
Ausgeblieben ist offensichtlich der Run tschechischer Arbeitskräfte auf den ober-österreichischen Arbeitsmarkt. Der Zuwachs um 318 Personen zwischen April und Juni war sogar bedeutend geringer als jener aus der Slowakei (+455), obwohl Tschechien knapp doppelt so viele Einwohner zählt wie sein östlicher Nachbar. Unter den acht EU-Staaten, für die seit Mai die Arbeitskräftefreizügigkeit gilt, sticht Ungarn hervor: Der Anstieg ungarischer Arbeitskräfte betrug 46% bzw. +1.027 Personen.

freizügigkeit nicht entscheidend
Die Abschaffung der Zugangsbeschränkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt hat den Zuzug von Arbeitskräften aus den östlichen EU-Staaten zweifellos beschleunigt. Ein entscheidender Aspekt bei der Arbeitsmigration ist jedoch die arbeitsmarkpolitische Lage im Herkunftsland. Denn noch vor den Arbeitskräften aus Ungarn (3.257) und Polen (2.546) stellt Rumänien mit knapp 4.000 Personen die meisten Arbeitskräfte aus dem östlichen EU-Raum. Da die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänien erst ab 2014 gilt, gab es aktuell aber keinen sprunghaften Zuwachs (siehe Grafik).

arbeitskräftepotenzial (beschäftigte + arbeitslose) aus den östlichen
eu-staaten in oö (april und juli 2011)

oberösterreichisches spezifikum
Die überproportional starke Präsenz rumänischer Arbeitskräfte ist übrigens ein
oberösterreichisches Spezifikum: Bundesweit war die Zahl der rumänischen Arbeitskräfte (22.545) Ende Juli deutlich geringer als jene aus Ungarn (38.989) oder Polen (25.233). Insgesamt waren Ende Juli 121.356 Beschäftigte und 6.096 Arbeitslose aus den zehn östlichen EU-Staaten gemeldet. Der Anteil dieser Beschäftigten an allen Beschäftigten (ohne Präsenzdiener und Kindergeldbezieherinnen) ist in Oberösterreich mit 2,4% dabei deutlich geringer als im Bundesschnitt (3,6%).

eu-quoten: österreich führend

Mit 3,7% erzielte Österreich die niedrigste Arbeitslosenquote innerhalb der EU (ILO-Berechnung für Juli 2011 – siehe Grafik). Bei der Jugendarbeitslosigkeit rangierte Österreich mit 7,8% auf Platz 2 (nach den Niederlanden mit 7,5%). EU-weit lag die Gesamtquote bei 9,5% (-0,2 Prozentpunkte gegenüber Juli 2010), die Jugendarbeitslosenquote bei 20,7% (ebenfalls -0,2 Prozentpunkte).

Seitenanfang