ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 183 (februar 2012)
editorial
birgit gerstorfer und gerhard straßer
Unser wichtigster Beitrag zur Schuldenbremse ist eine hohe Beschäftigung und eine niedrige Arbeitslosigkeit.
Im Jänner ist uns das im Zusammenspiel mit der oö. Wirtschaft sehr gut gelungen.
Schnelle, passgenaue Vermittlung, Arbeitsplatznahe Qualifizierung und ein optimales Bewilligungsverfahren bei ausländischen Arbeitskräften sind unsere Instrumente.
ausländerInnenfachzentrum: geballte kompetenz
Im Vorjahr wickelte das AMS OÖ 14.567 Anträge zur Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ab - 29% liefen dabei über das AusländerInnenfachzentrum. Mit 1. Februar dieses Jahres übernahm das neunköpfige Team um Abteilungsleiterin Iris Schmidt nun die vollständige Verantwortung.
Am 1. Mai 2011 nahm das AusländerInnenfachzentrum (AFZ) ihren Betrieb auf und übernahm sukzessive die Arbeit der Sachbearbeiterinnen und -bearbeiter in den regionalen Geschäftsstellen. Seit 1. Februar landen nun alle Anträge und Anfragen der oberösterreichischen Unternehmen zur Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern im AFZ.
iris schmidt (vorne, 2. von links) und ihr team vom ausländerInnenfachzentrum
17.500 anrufe
Nach internen Schätzungen wurden im AFZ bereits 17.500 Anrufe von Kundinnen und Kunden entgegengenommen. Zu Spitzen kommt es insbesondere nach Verlautbarung der Kontingente für den Winterfremdenverkehr und die Landwirtschaft. Hinzu kamen nach der Ausweitung der Arbeitnehmerfreizügigkeit auf acht neue EU-Staaten (Mai 2011) zahlreiche Fragen zur Gesetzeslage. "Auch bei der Rot-Weiß-Rot-Card häufen sich die Anfragen", betont Schmidt. "Sie ist ein gutes Mittel, um qualifiziertes Personal nach Österreich zu bringen, denn Card-Besitzer erhalten nicht nur eine Arbeitserlaubnis sondern auch einen Aufenthaltstitel."
unterdurchschnittlicher rückgang
Die Ostöffnung des Arbeitsmarkts im Mai 2011 brachte natürlich einen generellen Rückgang der Anträge. Dies war mit ein Grund, alle Agenden in einer Abteilung zu bündeln und Personalressourcen für andere Services des AMS zu nutzen. Während aber im Bundesschnitt die Anträge zur Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern von 2010 auf 2011 um 39% sanken (im Burgenland gar um 67%), gab es in Oberösterreich mit -21% den geringsten Rückgang. Ein Grund dürfte dabei die überdurchschnittlich hohe Beschäftigung von rumänischen Staatsbürgern in unserem Bundesland sein.
pensionsantritt: selbstständige wollen bis 65 arbeiten
Eine europaweite Studie zu Aktivem Altern fördert interessante - z.T. widersprüchliche - Ergebnisse zutage; vor allem was das Pensionsalter betrifft.
49% der Befragten aus Österreich stimmten voll oder eher darin überein, dass das gesetzliche Pensionsalter bis 2030 angehoben werden müsse; EU-weit lag dieser Wert bei nur 33%. Während sich aber ein Drittel der EU-Bürger vorstellen könnte, über das gesetzliche Pensionsalter hinaus zu arbeiten, sind es in Österreich nur ein Viertel (unter den Selbstständigen knapp die Hälfte). Auf ihre eigenen Zukunftsperspektiven angesprochen, sahen sich nur wenige der rund 1.000 Befragten imstande, bis zum allgemeinen Pensionsalter ihre derzeitige Beschäftigung fortzuführen - mit Ausnahme der Selbstständigen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollten zwischen knapp 61 und 63 in den Ruhestand treten (siehe Grafik).
arbeitsplatznahe qualifizierung: 88% zufriedene teinehmerInnen
Die Arbeitsplatznahe Qualifizierung (aqua), die vom Land OÖ und dem AMS OÖ mitfinanziert wird, bringt Unternehmen und Arbeitsuchenden gleichermaßen Vorteile. Eine Befragung unter 108 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestätigt dies.
55 Prozent der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren mit der abgeschlossenen Ausbildung sehr zufrieden, weitere 33 Prozent bewerteten mit zufrieden. Dies ergibt einen TopBox-Wert (Note 1 und 2) von 88 Prozent. 78 Prozent der Ausbildungen liefen zudem ohne Probleme ab und 75 Prozent der Ausgebildeten arbeiteten anschließend im Praktikumsbetrieb weiter. Die Verbindung von theoretischer Ausbildung und Praxis in einem Unternehmen macht die Stärke von aqua aus, die seit April 2010 vom AMS OÖ angeboten wird.
Die praktische Ausbildung kann höchstens doppelt so lange wie der theoretische Teil dauern (im Schnitt dauert eine aqua-Ausbildung zwölf Monate). Bei einer Qualifizierung mit Lehrabschlussprüfung ist die Dauer auf die Hälfte der regulären Lehrzeit festgelegt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten während der Ausbildung vom AMS OÖ eine Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts, das Land OÖ fördert 75% der Ausbildungskosten (gedeckelt mit € 1.850). Das Unternehmen zahlt monatliche Organisationskosten an den Qualifizierungsträger.
verbund green: gründung steht bevor
Die Gründung des Qualifizierungsverbunds Green geht in die entscheidende Phase: Am 16. Februar findet im Techcenter Linz (Hafenstraße 47-51) die Gründungsveranstaltung statt. Kurzentschlossene können um 16:00 Uhr noch an einer Infoveranstaltung teilnehmen, um 17:00 Uhr startet der Workshop. – Das Interesse an der letzten Infoveranstaltung am 31. Jänner in der AMS-Landesgeschäftsstelle war groß (siehe Bild).
"Ich erwarte mir Antworten, wie man einen Innovationsassistenten einsetzt", meinte eine Teilnehmerin. Andere wollten generell die Möglichkeiten ausloten, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Richtung alternative Energien gezielt auszubilden.
eu-quoten: österreich vorne
Mit 4,1% verfügte Österreich im Dezember 2011 über die EU-weit niedrigste Arbeitslosenquote. Nach Schätzungen von Eurostat stieg die Zahl der Arbeitslosen in der EU binnen Jahresfrist um 923.000 an und lag zu Jahresende bei 23,8 Mio. Betroffenen. Die höchsten Arbeitslosenquoten wiesen Griechenland (19,2%) und Spanien (22,9%) auf. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in beiden Staaten bei knapp 50%.




