ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 244 (november 2017)


Zeitschriftenarchiv

editorial

Gerhard Straßer und Iris Schmidt

Oberösterreich wies im Oktober die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer auf. Eine erfreuliche Entwicklung, die jedoch viele Firmen vor große Herausforderungen bei der Personalsuche stellt. Alle Potenziale müssen genutzt werden, und daher gilt es, allen Personengruppen eine Chance zu geben. Nutzen Sie das vorhandene Potenzial an Älteren, an Jugendlichen mit Förderbedarf und nutzen Sie uns als Vermittlungsdrehscheibe Nr. 1.

Verlängerte Lehre: Angepasste Angebote für Jugendliche

Durch die seit Herbst greifende Ausbildungspflicht für Jugendliche (Programm AusBildung bis 18) erhöht sich die Zahl der Job- und Lehrstellensuchenden. Für Unternehmen eine Chance zu Nachwuchskräften zu kommen. In bestimmten Fällen bietet sich eine verlängerte Lehrzeit als guter Lösungsansatz an.

Vor Beginn des ersten Arbeitstages gibt es ein Kennenlernen und das Coaching startet. »Voraussetzung ist, dass die gemeinsamen Spielregeln festgelegt und eingehalten werden«, beschreibt Personalchefin Elisabeth Freundlinger von Der freundliche Maler den Beginn einer Ausbildung mit verlängerten Lehrzeit. »Dem Lehrling muss klar sein, dass wir alle gemeinsam an einem Ziel arbeiten – und das heißt Lehrabschluss.«


Elisabeth Freundlinger

Netzwerk
Ausbildungen mit verlängerter Lehrzeit werden gemeinsam vom AMS und der Berufsausbildungsassistenz realisiert: Das AMS übernimmt die Vermittlung der Jugendlichen und zahlt eine Förderung an die Lehrbetriebe (zwei Jahre lang € 200 pro Monat). Die Berufsausbildungsassistenz berät und unterstützt die Jugendlichen und die Ausbildungsbetriebe vor und während der Ausbildung. Sie übernimmt auch die Funktion der ›Drehscheibe‹, der Koordination aller Beteiligten. Das Netzwerk Berufliche Assistenz, kurz NEBA, stellt unter www.neba.at zahlreiche Kooperationspartner vor, die von Betroffenen oder deren Familien kontaktiert werden können.

Gute Erfahrungen
»In unserem Unternehmen arbeiten wir mit dem AMS und der Organisation Jugend am Werk sehr gut zusammen«, erklärt Freundlinger, die für das Recruiting für vier Betriebsstandorte (in Linz, Wien, Kremsmünster und Gmunden) verantwortlich ist. »Am Standort in Gmunden haben wir immer Lehrlinge, die eine verlängerte Lehre oder Teillehre machen. Es handelt sich dabei um Jugendliche, die sich nach dem Pflichtschulabschluss in einer besonderen Situation befinden: Sei es, dass sie einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben, dass sie sich in besonderen Lebenssituationen befinden oder dass es gewisse Turbulenzen im sozialen Umfeld gibt.«

Verlängerung auf vier Jahre
Bei einer verlängerten Lehre werden die Ausbildungsziele statt in drei Jahren in vier Jahren absolviert. Das heißt im Fall der Maler-Lehrlinge: Statt dreimal zehn Wochen besuchen sie vier Mal zehn Wochen die Berufsschule in Linz und erhalten zudem Förderunterricht. »Ziel eines Ausbildungsbetriebes muss es sein, die Stärken eines jungen Menschen zu fördern und dann an seinen Defiziten zu arbeiten, bis die Themen- oder Aufgabenstellung verstanden wurde«, betont Freundlinger. Ihr bisheriges Fazit: »Ich kann es jedem Unternehmen nur empfehlen!«

Kontakt
Informationen erhalten Sie im Service für Unternehmen der Regionalen Geschäftsstellen des AMS OÖ.

Stelleninserate: Mehr Verständlichkeit gefragt

Stylische, zur Corporate Identity des Unternehmens passende Stelleninserate verfehlen oft ihre Wirkung: Weil sie schlicht unverständlich sind.

Laut einer Online-Befragung von 500 Personen durch meinungsraum.at (Wien) ist rund die Hälfte der Stelleninserate mäßig bis kaum verständlich. Das liege auch daran, dass eine offene Stelle für einen Lehrling oft gleich beworben werde wie ein Inserat für einen Managementjob, sagt Auftraggeber Heinz Herczeg (lifecreator Consulting, Ebenfurth), weil alles der Corporate Identity, dem einheitlichen Außenauftritt der Firma, untergeordnet werde.

Suchstrategien
69 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher suchen laut Studie über eine klassische Stellenausschreibung einen neuen Job, 57 Prozent über das Arbeitsmarktservice oder Onlineportale, 55 Prozent über Unternehmensportale. Nach Lesen eines Inserats können 58 Prozent der Befragten nicht einmal einschätzen, ob sie auf Basis der Ausschreibung für einen Job geeignet sind oder nicht. Auch Maximalanforderungen sind oft kontraproduktiv: Denn meist wird in Jobinseraten Berufserfahrung verlangt. Damit wird jedoch für junge, ambitionierte Jobsuchende eine Einstiegshürde aufgebaut.

Arbeitskräfteüberlasser: Übernahmequote von 51%

Mit 270 Unternehmen und im Schnitt 25.000 Beschäftigten zählt Oberösterreich – neben Wien – zu den Hotspots bei der Zeitarbeit. Über die Hälfte der Zeitarbeitskräfte wird von Unternehmen fix übernommen.

Die oberösterreichischen Anteile an den bundesweiten Zahlen zur Arbeitskräfteüberlassung sprechen eine deutliche Sprache: 35% der offenen Stellen, 27% der Beschäftigten und 15% der Arbeitslosen entfallen auf unser Bundesland. Im Durchschnitt dauert eine Beschäftigung bei Arbeitskräfteüberlassern 200 Tage. Innerhalb eines Jahres werden Zeitarbeitskräfte zwei bis drei Mal auf eine Arbeitsstelle vermittelt.

Chance für Ungelernte
Die Arbeitskräfteüberlasser beschäftigen überdurchschnittlich viele ungelernte Kräfte (22% gegenüber insgesamt 13%) und sind im Altersdurchschnitt jünger aufgestellt. Daher stellt Zeitarbeit mitunter eine Chance für BerufseinsteigerInnen und für nicht oder nur gering qualifizierte Arbeitskräfte dar. Laut WK OÖ war knapp die Hälfte der neu Eingestellten zuvor arbeitslos. Zugleich wird aber etwas mehr als die Hälfte (51%) der Zeitarbeitskräfte von den Unternehmen in eine dauerhafte Arbeitsbeziehung übernommen.

Stressmanagement: Junge Arbeitskräfte unter Druck

Gut gebildete junge Erwachsene (20-30 Jahre) empfinden im Beruf einen ›Erledigungsdruck‹ und suchen ihre soziale Position oft im Vergleich zu anderen. Eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung (Wien) tritt daher für betriebliche Stressprävention ein.

Bei berufstätigen jungen Erwachsenen mit mittleren und niedrigen formalen Bildungsabschlüssen ist Stress  eng mit Erwerbsarbeit, mit dem Arbeitsklima in der Firma und Termindruck verbunden. Bei gut gebildeten Personen kommt ein ständiger Erledigungsdruck hinzu. Nicht nur die vielfältigen Verpflichtungen werden als Stress wahrgenommen, sondern auch deren Koordination. Am meisten sind davon Personen betroffen, die (Neben-)Job und Studium miteinander vereinbaren müssen. Zudem verspüren sie den Druck, anderen zu gefallen und genauso erfolgreich zu sein wie andere (Stichwort ›sozialer Vergleich‹). Die Studienautorin empfiehlt daher Unterstützungsangebote, die zielgruppenorientiert aufzeigen, wie sich das individuelle Zeit- und Stressmanagement verbessern lässt. Zudem sollten die strukturellen Rahmenbedingungen im Unternehmen kritisch überprüft werden.

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