ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 243 (oktober 2017)


Zeitschriftenarchiv

editorial

Gerhard Straßer und Iris Schmidt

Qualifikation ist die einzige Versicherung gegen Arbeitslosigkeit – und daher ist für uns der Lehrabschluss das Maß der Dinge. Die Firmen in Oberösterreich suchen nach Fachkräften, und wir vermitteln und qualifizieren mit allen Mitteln. Bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage ist das ein Gebot der Stunde.

AMS-Bildungsangebote: Qualifizierungen mit Qualitätsstandards

AMS-Kurse und Erwachsenenbildung finden auf dem gleichen, hohen Qualitätslevel statt. Auch Anregungen von Unternehmen fließen in die Bildungspläne ein.

Das AMS OÖ beauftragte heuer die prospect Unternehmensberatung (Wien) mit der Studie ›Einstellung von Personalverantwortlichen zu AMS-Angeboten und deren TeilnehmerInnen‹. Eines der Ergebnisse: 18% der Befragten waren der Meinung, dass die vom AMS angebotenen Kurse qualitativ schlechter seien als andere Bildungsangebote. Darüber hinaus waren manche Personalverantwortliche der Ansicht, das AMS führe die Kurse selber durch.

Keine eigenen Kurse
Das AMS OÖ beauftragt anerkannte Schulungsanbieter mit der Durchführung der Ausbildungen. Manche Kurse werden für Gruppen (mind. 14 TeilnehmerInnen) angeboten, andere Qualifizierungen sind auf einzelne Personen zugeschnitten (z.B. Arbeitsplatznahe Qualifizierungen, Implacementstiftungen, Punktgenaue Qualifizierungen). Bei der Festlegung der Ausbildungsinhalte sind auch die Unternehmen eingebunden.

Halbe Lehrzeit
44 Prozent der arbeitslosen Personen haben keinen Berufsabschluss. Für viele ist das Nachholen einer Lehre ein schwer erreichbares Ziel. Motivation, Mut und Sicherheit im Lernen müssen dafür erst wieder aufgebaut werden. Eine Lehrausbildung über das AMS in Form eines Kurses bedeutet mindestens 1,5 Jahre lang vom Arbeitslosengeld zu leben (durchschnittlicher Monatsbetrag 2017 bei Frauen € 763,46, bei Männern € 967,25). Die gesamten Inhalte des jeweiligen Lehrberufes werden in dieser Zeit erlernt.

Durchhaltevermögen
Absolventinnen und Absolventen müssen Einsatz und Durchhaltevermögen zeigen, bevor sie nach der Ausbildung den Lehrbrief in der Tasche haben. Die Prüfung wird in gleicher Form absolviert wie bei ›regulären‹ Lehrlingen. Die AMS-Prüflinge zeigen oft ausgezeichnete Leistungen. Erklärtes Ziel des AMS OÖ ist die Vermittlung auf einen Arbeitsplatz nach Absolvierung der Schulung.

33.000 Teilnehmende
Im vergangenen Jahr haben 33.000 Personen an vom AMS OÖ organisierten Schulungen teilgenommen. Die Ausbildungsangebote im Auftrag des AMS OÖ werden geprüft und müssen vorgegebenen Qualitätsstandards entsprechen.

Branchenmix
Ausbildungen werden für die unterschiedlichsten Branchen angeboten. In New Skills-Kursen wird das Wissen von BerufsrückkehrerInnen über Büro und Handel aktualisiert. Schweiß- oder CNC-Ausbildungen erwerben Arbeitsuchende in den vier Metallzentren in Oberösterreich. Fachkräfteintensivausbildungen ermöglichen einen Lehrabschluss z.B. in Metalltechnik, Betriebslogistik oder Chemieverfahrenstechnik. Das Ausbildungskonzept Kompetenz mit System führt in drei Modulen zum Lehrabschluss; in Linz z.B. zur Restaurantfachkraft. Über das Projekt Du kannst was! können ebenfalls Berufsabschlüsse erworben werden.

Arbeitsplatznahe Qualifizierung: Neue Chance

Ein erfolgreicher beruflicher Neubeginn wurde für Doris Canins im RIC (Regionales Innovations Centrum) in Gunskirchen ermöglicht. Sie absolvierte eine Arbeitsplatznahe Qualifizierung (AQUA).

Die 45-Jährige arbeitet seit Juli 2017 in diesem technologischen Forschungs- und Ausbildungs-Hotspot für Innovationen, Education und Qualifikation. Das Arbeitsfeld ist sehr vielseitig: Sie unterstützt die Projektleitung bei Kinder- und Jugendprojekten, erledigt administrative Aufgaben im Office und bringt Ihr Know-how in der Abwicklung der Rotax Academy ein. Gerne unterstützt sie für das RIC auch die Online-Kommunikation und Social Media.

»Nach der Geburt meines Sohns wollte ich in eine andere Branche wechseln und Teilzeit arbeiten«, berichtet die gelernte Friseurin mit langjähriger Educationerfahrung in der Haarkosmetikindustrie. »Ich habe große Hilfe vom AMS Wels bekommen. Im Frauenberufszentrum des IAB bin ich auf die Möglichkeit einer Arbeitsplatznahen Qualifizierung aufmerksam geworden.« GLORIA lmplacement (Linz) erstellte den Bildungsplan, die praktische Ausbildung erfolgte im RIC. »Die Ausbildung war gut zu schaffen. Theorie und Praxis haben sich gut ergänzt.« Ihre Ausbildnerin, Mag. Valentina Milicevic, fügt hinzu: »Ihre Erfahrung hat es erleichtert, sich bei uns ganz rasch einzuarbeiten. Sie hat in Eigeninitiative schnell Tätigkeiten u¨bernommen, die man Lehrlingen ohne entsprechende Berufserfahrung nicht so ohne weiteres übergeben könnte.«


Doris Canins (l.) und Mag. Valentina Milicevic

Kinderbetreuung im Unternehmen: Planungshilfe und Förderung

Die meiste Zeit ist sie ›draußen‹ und berät interessierte Unternehmen über Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Mag. Romana Steinmetz leitet im Auftrag des Frauenreferats des Landes OÖ das Projekt KOMPASS im Rahmen der Business Upper Austria, der Wirtschaftsagentur des Landes Oberösterreich. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die fachliche Beratung zu betrieblichen Kinderbetreuungsprojekten. – ams-direkt sprach mit der Projektleiterin über Chancen und Risiken.

Für welche Betriebe sollte Kinderbetreuung ein Thema sein?
Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ist für Unternehmen jeder Größe ein Thema.
Wie sieht die Ausgangslage aus?
Entweder ist das Thema im Unternehmen schon virulent, weil Mitarbeiterinnen oder auch Mitarbeiter Probleme bei der Kinderbetreuung haben, oder es gibt Probleme bei der Anwerbung von Arbeitskräften mit Kinderbetreuungspflichten. Wenn ein Betrieb Betreuung anbietet, wird die Unternehmensmarke stark aufgewertet und erleichtert für beide Seiten die Organisation von Beruf und Privatleben.
Wie steht es mit dem finanziellen Aufwand?
Man kann niederschwellige und unkomplizierte Maßnahmen setzen. Wenn ein Unternehmen für die betriebliche Kinderbetreuung etwa ein flexibles Modell mit Kindertageseltern wählt oder auch Betreuung in den Ferienzeiten anbietet, sind sowohl Organisation als auch finanzieller Aufwand sehr gut plan- und überschaubar. Das Betriebstageselternmodell wird von anerkannten Organisationen professionell durchgeführt. Das Land Oberösterreich fördert dieses Engagement. Darüber hinaus können auch eigene Krabbelstuben und Kindergärten eingerichtet werden. Idealerweise holt man sich Beratung ins Haus und definiert dann den für den Betrieb idealen weiteren Weg.
Wie viele Betriebe haben sich schon für ein Kinderbetreuungsmodell entschieden?
Aktuell gibt es rund 45 betriebliche Einrichtungen für die Kinderbetreuung.
Rechnet sich eine eigene Kinderbetreuung für das Unternehmen?
Ich sehe die betriebliche Kinderbetreuung nicht als Sozialleistung des Unternehmens. Es hat eine wesentliche betriebswirtschaftliche Implikation. Denn es unterstützt das Unternehmen. Es ist ein Instrument, den Standort zu sichern und die Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken.

Kontakt und Beratung:
romana.steinmetz@biz-up.at
0732/79810-5192
www.kompass-ooe.at

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