ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 240 (juni 2017)


Zeitschriftenarchiv

editorial

Gerhard Straßer und Iris Schmidt

Die Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt ist für unser Bundesland sehr erfreulich, fordert aber die oberösterreichischen Arbeitgeber und uns – das AMS OÖ – noch mehr, das gestiegene Stellenpotenzial erfolgreich zu besetzen.

Nicht alle gesuchten Qualifikationen werden wir vermitteln können – daher müssen wir gemeinsam nach kreativen Lösungen suchen. Die Arbeitsplatznahe Qualifizierung, Teilqualifikationen und eine Förderung für über 18-jährige Lehrlinge sind in unserem Angebot. Diese Aktivitäten können mithelfen, den Fachkräftebedarf abzudecken.

Wir arbeiten für den stark in Bewegung befindlichen oö. Arbeitsmarkt. 

Standardisierte Teilqualifikation: Erfolgreiche Kooperation

Um benachteiligten Jugendlichen eine sinnvolle und verwertbare Ausbildung zu ermöglichen, haben sich Unternehmen, Sozialpartner, AMS und Hilfsorganisationen zu einem österreichweit einzigartigen Projekt zusammengeschlossen: der Standardisierten Teilqualifikation Metall.

Derzeit besuchen die zwölf Teilnehmer des Programms die Berufsschule Schärding. In einer zweijährigen Ausbildung erwerben sie genau definierte (standardisierte) Fertigkeiten im Bereich der Metallbearbeitung. Zu den teilnehmenden Betrieben zählen Greiner (Kremsmünster), Starlim/Sterner (Marchtrenk), Trumpf (Pasching), Wacker Neuson (Hörsching) und Weber Hydraulik (Losenstein). Begleitend betreut werden die Jugendlichen von Caritas, Jugend am Werk und Volkshilfe. – ams-direkt sprach mit Direktor Peter Pacher über seine Erfahrungen mit der Berufsschulklasse.

Wie würden Sie die Klasse nach einem Monat Erfahrung beschreiben?
In der Klasse herrscht ein sehr gutes Klima. Die Lehrer, die darin unterrichten, stehen der Klasse sehr positiv gegenüber. Unter den Schülern sind acht Inländer und vier Asylwerber. Zwischen den Nationalitäten habe ich keine Probleme festgestellt.

Wie sind sie mit den bisher erbrachten Leistungen zufrieden?
Wir haben zwei, drei Schüler mit sprachlichen Problemen. Aber das Engagement und die Freude, die diese jungen Menschen ausstrahlen, sind ganz toll. Ich denke, dass fast alle die Berufsschule positiv abschließen werden.

Passen die theoretischen und praktischen Inhalte für die Teilnehmer?
Es läuft in die richtige Richtung. Mein Stellvertreter, Ing. Werner Schachinger, hat den Lehrplan erstellt. Am Ende des ersten Jahres werden wir den Lehrplan in Zusammenarbeit mit dem Landesschulrat natürlich evaluieren und nach Bedarf adaptieren.

Wo können die Jugendlichen eingesetzt werden?
Sie können auf Arbeitsplätzen im Metallbereich eingesetzt werden, die nicht die volle Lehrausbildung erfordern.

Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten?
Wenn die zwei Jahre geschafft sind, kann man auch eine reguläre Lehre – z.B. als Maschinen- oder Stahlbautechniker – beginnen. Dann ist alles möglich.

Wie schätzen Sie das Engagement der Unternehmen ein?
Ich finde es toll, dass renommierte Firmen bereit sind, schwächeren Schülern eine Chance zu geben. Ich denke aber, dass diese Ausbildung am meisten Sinn für größere Firmen macht. 


Armin Stumptner (WK), Direktor Peter Pacher und sein Stellvertreter
Ing. Werner Schachinger sowie Franz Pernerstorfer (AK)

Arbeitskräftequalifizierung: Gemeinsam erarbeitete Ausbildungen

Sich wandelnde Märkte, neue Technologien, veränderte Kundenansprüche ... Die Anforderungen an die Unternehmen und somit auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegen einem steten Wandel. Das AMS reagiert darauf mit passgenauen Ausbildungsplänen.

›New Skills‹ nennt sich die Ausbildungsschiene des AMS für Arbeitsuchende. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Aus- und Weiterbildungsinstituten sowie mit den Sozialpartnern identifiziert das AMS, welche Qualifikationen Betriebe besonders brauchen. Dort setzt es an und erstellt passgenaue Weiterbildungsprogramme.


Umfassendes Update
Die Kenntnisse der potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit gezielter Schulung auf den aktuellsten Stand gebracht – und das branchenspezifisch. So wird die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefördert und gleichzeitig werden Arbeitsplätze gesichert. Jährlich nehmen ca. 400 Personen an den ›New-Skills‹-Ausbildungen teil.

Neueste Trends
Im Bereich Handel sind neben profunden Produktkenntnissen zunehmend auch das Know-how über neue Vertriebswege für Vermarktung und Verkauf relevant. Generell müssen die Teilnehmenden kompetent mit Computern und Internet umgehen können und fit im Stressmanagement sein. Denn auch Tätigkeiten in Büro und Verwaltung erfordern vielfach Kenntnisse in Projekt- und Prozessmanagement, Datenschutz oder neue Kommunikationstechnologien.

 

Arbeitsmarkt: Robuste Erholung

Der Pfeil zeigt nach oben: Analysen und Prognosen zur Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt zeichnen ein positives Bild. In Oberösterreich legen vor allem die Stellenmeldungen und die Arbeitsaufnahmen deutlich zu.

Für heuer wird ein Wirtschaftswachstum von über zwei Prozent prognostiziert, die Arbeitslosenzahlen gehen nach unten. Die meisten Studien gehen von einem nachhaltigen Trend aus.

Verbesserung um einen Prozentpunkt?
Das Wiener Forschungsinstitut Synthesis geht in seiner Mittelfristprognose davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote in Oberösterreich von derzeit 6,1% auf 5,1% im Jahr 2021 verringert. Im gleichen Zeitraum soll die Beschäftigung um 45.400 Personen steigen und die Arbeitslosigkeit um 4.800 Personen sinken.

Mehr Arbeitsaufnahmen
Das verbesserte konjunkturelle Umfeld bildet sich insbesondere an zwei AMS-Kennzahlen ab, die in Oberösterreich deutlich über dem Bundesschnitt liegen: die Stellenmeldungen und die Arbeitsaufnahmen. Zwischen Jänner und Ende Mai wurden knapp 42.900 offene Stellen akquiriert; mit einem Zuwachs von 19,9% liegt unser Bundesland im Österreichranking auf Platz 3. Bei den Arbeitsaufnahmen von Jobsuchenden (bislang 47.300) gab es eine Steigerung von 5,5%; Oberösterreich liegt damit bundesweit auf Rang 2.

Rückgangskaiser Wels
Auch regional zeigen sich überwiegend positive Entwicklungen – abgesehen vom weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit im Segment der Arbeitsuchenden im Alter über 50 Jahren. Besonders deutlich zeigen sich die positiven Tendenzen im Arbeitsmarktbezirk Wels (Stadt und Polit. Bezirk Wels-Land): Seit März gehen hier die Arbeitslosenzahlen landesweit am stärksten zurück - zuletzt um 541 Personen. »Es handelt sich hier um kein Strohfeuer«, merkt Geschäftsstellenleiter Othmar Kraml an. »Die positive Entwicklung zeigt sich über alle Wirtschaftsbranchen hinweg. Überdies haben wir in Wels das größte Plus beim Zugang von offenen Stellen im ganzen Bundesland.« 

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