ams-direkt

die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 161 (Februar 2010)


Zeitschriftenarchiv

editorial

roman obrovski

Die formale Vor- und Ausbildung von arbeitsuchenden Mädchen und Frauen unter 40 ist besser als die formale Ausbildung gleichaltriger, arbeitsuchender Männer.

Dennoch brauchen Mädchen und Frauen länger, um zu einer Arbeit oder zu einem Ausbildungsplatz zu kommen. Ein Hemmnis für Frauen auf dem Arbeitsmarkt ist seine Segmentierung in ›männliche‹ und ›weibliche‹ Berufe. Der ›weibliche‹ Berufskorridor ist enger als der männliche, nicht zuletzt in technischen Berufen. Unternehmen, die Frauen für technische Berufe rekrutieren, nutzen daher ein großes unausgeschöpftes Potential.

girls' day 2010: interesse in frühen jahren wecken

Zum zehnten Mal bieten oberösterreichische Unternehmen im Rahmen des Girls‘ Day (22. April) Schnuppermöglichkeiten in technischen Berufen an. Seit zehn Jahren dabei ist die Trodat GmbH in Wels, die auch weibliche Lehrlinge ausbildet und damit sehr gute Erfahrungen gemacht hat.

»Anstoß, einen weiblichen Lehrling im technischen Bereich zu beschäftigen gab eine Dame, die über Implacement zu uns kam. Die Erfahrung war so positiv, dass wir uns entschieden, mehr Frauen im technischen Bereich auszubilden«, berichtet Johann Pusch, Lehrlingsausbildner bei Trodat. Der weltweit größte Stempelhersteller bildet seit vier Jahren weibliche Lehrlinge im Metall- und Kunststoffbereich aus – aktuell sind es fünf.

kontakte zu schulen
»Wir haben stets offene Türen für Frauen, die zu uns schnuppern kommen möchten«, erklärt Pusch. »Und wir haben gute Schulkontakte. Beispielsweise haben wir vor kurzem in Zusammenarbeit mit der Hauptschule St. Martin eine Gruppe elfjähriger Mädchen einen Tag lang im Unternehmen begleitet. Wir haben sie verschiedene handwerkliche Arbeiten probieren lassen und ich war sehr begeistert, wie engagiert und geschickt die jungen Mädchen waren… Natürlich wurden die Mädchen auch sehr gut vom Lehrer auf diesen Tag bei Trodat vorbereitet!«

fachkräfteaufbau
Der Girls’ Day ist ein Aktion des Landes OÖ in Kooperation mit den Sozialpartnern, dem Landesschulrat und dem AMS OÖ. Er dient vor allem zur Sensibilisierung junger Schülerinnen für Berufsfelder außerhalb des traditionellen Ausbildungsspektrums. Viele Unternehmen nutzen den Girls’ Day gezielt als Instrument zur Werbung künftiger Fachkräfte. Ungefähr die Hälfte der Unternehmen, die den Girls’ Day unterstützen, bildet auch Mädchen im technischen Bereich aus.

interesse wecken
Manche Betriebe bedauern, dass sich nur wenige bis gar keine Mädchen für technische Lehrberufe interessieren und bewerben. Trodat setzt daher darauf, das technische Interesse bei Mädchen bereits in frühen Jahren zu wecken und nicht erst, wenn sie kurz vor der Berufsentscheidung stehen. »Man müsste schon sehr bald damit anfangen, zu Beginn der 5. oder 6. Schulstufe beispielsweise«, erklärt Pusch. »Dann können die Lehrkräfte das Potenzial der Mädchen auch früher erkennen und fördern. Wir sind gerne bereit als Firma, dies zu unterstützen, Schnupperklassen in den Betrieb einzuladen, Informationsmaterial zu schicken und vieles mehr.« Der Girls‘ Day ist auf die breite Mitwirkung von Betrieben angewiesen, die am Aktionstag Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und den Mädchen Einblicke in technische oder handwerkliche Berufe ermöglichen.

infos
<http://www.girlsday-ooe.at>
Die Anmeldefrist für Betriebe läuft noch bis 26. Februar 2010.

fachhochschule: studentinnen für betriebsprojekte

Die Teilnehmerinnen des Fachhochschul-Studiengangs ›Produktdesign und Technische Kommunikation‹ (PDK) in Wels stehen ab März für Kooperationen mit heimischen Unternehmen bereit. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit können betriebsrelevante Projekte umgesetzt werden.

Die 18 Studentinnen des Studiengangs PDK sind allesamt Wiedereinsteigerinnen, die seit Oktober 2008 mit finanzieller Unterstützung des AMS OÖ am FH-Campus Wels eingeschrieben sind. Das Bakkalaureatsstudium (Bachelor of Science) dauert sechs Semester und sieht ab dem 4. Semester Praxisprojekte mit interessierten Unternehmen vor.

viele möglichkeiten
Die Ausbildungsschwerpunkte reichen von der technischen Kommunikation, Qualitätsmanagement, Marketing über Design bis hin zu den klassischen Ingenieurswissenschaften. Verschiedene Werkstoffe und deren Verarbeitungsverfahren vervollständigen das Ausbildungskonzept.

Die Absolventinnen sind praktisch an jeder denkbaren Schnittstelle, wie z.B. Technik/Design, Technik/Marketing und Technik/Kundenbetreuung, einsetzbar. Weitere Berufsfelder sind die Technische Redaktion, Pressearbeit, Qualitätsmanagement, Design sowie die Gestaltung von Softwareprodukten und Mensch-Maschine-Interfaces.

kontakt: <http://www.fh-ooe/pdk>

beschäftigungsentwicklung: metall- und elektrobranche baute ab

Zuwächse bei der Beschäftigung gab es zuletzt nur in den staatsnahen Bereichen Verwaltung/Sozialversicherung, Gesundheit/Soziales und Unterricht/Erziehung. Kräftig war der Rückgang in der Metall- und Elektrobranche, die den bislang führenden Bereich Arbeitskräfteüberlassung seit Juli überflügelt.

Die letzten verfügbaren Beschäftigtenzahlen nach Wirtschaftsklassen (Dezember 2009) zeigen, dass in der Metall- und Elektrobranche massiv Jobs abgebaut wurden: Gegenüber Dezember 2008 waren um 7.350 Personen weniger beschäftigt – zu 85 % Männer. Der Rückgang der Beschäftigung in der Arbeitskräfteüberlassung bremste sich ein und war mit -3.000 nur geringfügig höher als im Transportbereich (-2.700).

ausländer: geteilter arbeitsmarkt

Eine Studie der Synthesis Forschung (Wien) ergibt, dass fast die Hälfte der in Österreich arbeitenden türkischen Staatsbürger im Laufe des Jahres einmal arbeitslos wird. Unter den EU-Bürgern beträgt der Anteil lediglich 20 %. Hauptgrund ist, dass viele EU-Bürger saisonal oder projektbezogen in Österreich arbeiten und nach dem Ende der Beschäftigung großteils heimkehren, während die türkischen Staatsbürger auch bei Arbeitslosigkeit einen dauerhaften Verbleib in Österreich anstreben.

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