ams-direkt
die unternehmer-zeitschrift des arbeitsmarktservice oberösterreich
nr. 182 (jänner 2012)
editorial
birgit gerstorfer und gerhard straßer
Wir brechen in ein neues Jahr mit neuen Herausforderungen auf. Das Arbeitsmarktservice bereitet sich auf ein geringfügiges Steigen der Arbeitslosigkeit (+ 1.000 im Jahresdurchschnitt), aber auch auf ein Wachstum der Beschäftigung von rund 4.000 Personen vor. Dieses Beschäftigungswachstum möchten wir mit unseren Dienstleistungen im Service für Unternehmen begleiten und Sie bei der Besetzung Ihrer offenen Stellen unterstützen.
Auf eine weiter gute Zusammenarbeit!
sperrer ziviltechnik: lehrling mit lebenserfahrung
Im Ziviltechnikbüro von DI Josef Sperrer ist Frau H. primär für die Flächenwidmungsplanung zuständig. Die 26-Jährige machte im Rahmen einer AMS-Implacementstiftung ihre Ausbildung zur Bautechnischen Zeichnerin und ergänzt damit das Team bei Sperrer in Edt bei Lambach (WL).
»Ich habe einen Technischen Zeichner gesucht und bin vom AMS Wels auf die Möglichkeit einer Implacement-Ausbildung aufmerksam gemacht worden«, berichtet Sperrer. »Es hat mich persönlich gereizt, eine Frau im technischen Bereich einzusetzen. Wir sind ein kleines Büro mit vier Mitarbeitern. Die weibliche Komponente war mir dabei sehr willkommen.«

di josef sperrer
keine klassische rollenaufteilung
»Ich komme nicht aus einer Familie, in der es eine klassische Rollenaufteilung gibt«, betont Frau H. »Mich hat der technisch-grafische Bereich schon immer interessiert; aber Bereiche wie Webdesign sind ja stark überlaufen. Nach Abbruch meines Studiums hat sich die Frage gestellt, was ich machen könnte. Das AMS Wels hat mich darüber informiert, dass es Stiftungen gibt, die Ausbildungen fördern. Ich habe ein paar Tage hier geschnuppert und begann im April 2008 meine Ausbildung.«
lebenserfahrung
Nach dem Lehrabschluss im Rahmen der FAB-Implacementstiftung wurde Frau H. mit Jahresbeginn 2010 in ein reguläres Dienstverhältnis übernommen. »Es war für mich von Vorteil, einen älteren Lehrling zu haben«, unterstreicht Sperrer. »Wir arbeiten hier sehr hochwertig und ich bin froh, dass Frau H. schon Lebenserfahrung gewinnen konnte. Ihr momentaner Schwerpunkt ist die Flächenwidmungsplanung. Sie unterstützt uns aber auch in den anderen technischen Bereichen, wie Vermessungen im Gelände oder technische Zeichnungen auf AutoCAD. Ich war über das AMS-Programm sehr glücklich. Es hat den Einstieg sehr erleichtert. Mich persönlich freut es sehr, dass ich eine Technikerin zur Verfügung habe und es würde mich freuen, wenn das mehr wird.«
aqua: 75% erhalten job
Ausbildungen im Rahmen der Arbeitsplatznahen Qualifizierung (aqua) führen in drei Vierteln der Fälle zu einer Anstellung im Ausbildungsbetrieb. Dies ergab eine aktuelle Befragung unter 108 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Im Vorjahr starteten 1.180 Personen eine aqua-Ausbildung - 61% von ihnen streben eine Ausbildung mit Lehrabschluss an. aqua ersetzt seit April 2010 großteils die Implacement-Ausbildungen.
jugendliche in österreich: große hauptrisikogruppe
Eine Jugendstudie des Forschungsinstituts Synthesis (Wien) zeigt, dass bis zu einem Fünftel eines Geburtsjahrgangs ohne abgeschlossene Berufsausbildung bleibt. Das AMS OÖ greift deshalb bereits im Vorfeld aktiv ein und versucht, Versäumnisse durch Qualifizierungsangebote zu kompensieren.
Von den knapp 100.000 Siebzehnjährigen im Jahr 2010 besuchten 51% eine Schule und 32% standen in einem Lehrverhältnis; 7% waren ohne fachliche Ausbildung in einen Beruf eingetreten und 10% machten weder eine schulische noch berufliche Ausbildung (siehe Grafik). 17% des Geburtsjahrgangs 1993 gehören daher zur Hauptrisikogruppe, die besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen ist.

ausbildungsstatus des geburtsjahrgangs 1993 im jahr 2010
verschlechterung bis 20
Die österreichweite Studie zeigt weiters, dass sich zwischen 17. und 20. Lebensjahr die Größe der Hauptrisikogruppe (höchstens Pflichtschule) noch ausweitet: Beim Geburtsjahrgang 1990 stieg dieser Wert innerhalb von drei Jahren von 16% auf 21%. Dies zeigt, dass rund 5% dieses Jahrgangs ihre Ausbildung abbrachen, der sie im Alter von 17 Jahren noch nachgegangen waren, ohne einen weitergehenden Abschluss erlangt zu haben.
zwei prozent nie berufstätig
Die Gruppe der ›Inaktiven‹ unter den 20-Jährigen umfasste österreichweit rund 8.400 Personen. Meist wechselten sich bei ihnen Perioden von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit ab. Allerdings war etwa jede fünfte Person dieser Gruppe (rund 2.200 Personen) noch nie berufstätig. Männer und Frauen sind dabei zu gleichen Teilen betroffen.
aktive rolle des ams
Die Qualifizierung junger Jobsucher bildet einen Schwerpunkt in der Arbeit des AMS OÖ. Gemeinsam mit dem Land OÖ und den Sozialpartnern soll der Anteil der Jugendlichen zwischen 20 und 25 ohne abgeschlossene Ausbildung bis 2015 auf maximal 10% reduziert werden (zzt. 13,9%). Die Jugendberatung in den AMS-Geschäftsstellen und die Zusammenarbeit mit den Schulen haben dabei einen hohen Stellenwert. Mehrere Geschäftsstellen - darunter das AMS Linz - unterstützen bereits Schülerinnen und Schüler der 9. Schulstufe intensiv bei der Suche nach Lehrstellen: Über 400 Jugendliche in neun Schulen wurden seit Oktober mit dem eAMS-Konto ausgestattet und online über 880 offene Lehrstellen informiert.
kurzarbeit und bildungskarenz plus: in der krise bewährt
Kurzarbeit und Bildungskarenz plus haben sich in der Krise bewährt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Prof. Friedrich Schneider und Jasmin Voigt (Uni Linz, Oktober 2011). Für die Kurzarbeit wurden in den Jahren 2008-2010 oberösterreichweit € 45,9 Mio. aufgewandt. Am Höchststand der Krise - im Jahr 2009 - waren 18.100 Arbeitskräfte in 101 Betrieben von Kurzarbeit betroffen. Nach dieser Uni-Analyse wurden damit 429 Arbeitsplätze gesichert.
Ein vergleichbarer Effekt wurde mittels Bildungskarenz plus erzielt: Mit einem finanziellen Aufwand von € 43,6 Mio. (AMS und Land OÖ) wurden demnach 425 Stellen gesichert. Allerdings war das pro Person eingesetzte Geld ungleich mehr, da neben dem Weiterbildungsgeld auch die Qualifizierungskosten für die 3.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Hälfte gedeckt wurden. Die andere Hälfte wurde von den Unternehmen aufgebracht.
integrationsbeihilfe: eckdaten
Gefördert wird die Neueinstellung von Frauen und Männern, die eine anerkannte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mind. 50% haben (Bescheid oder Pass). Die genaue Höhe der Förderung wird im Einzelfall festgelegt. Interessierte Unternehmen müssen vor der Einstellung Kontakt mit der regionalen Geschäftsstelle des AMS OÖ aufnehmen.




