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Österreich, Wien, 18.09.2009

Mentoring für Migranten verbessert Jobchancen von Zuwanderern und nützt Betrieben

Im deutschsprachigen Raum einzigartiges Projekt "Mentoring für MigrantInnen" von WKÖ, AMS und Österreichischem Integrationsfonds wird ausgeweitet


Die Wirtschaftskammern Österreichs (WKO), das Arbeitsmarktservice (AMS) und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) weiten die Initiative „Mentoring für MigrantInnen“ – ein im deutschsprachigen Raum einzigartiges Projekt - aus, berichteten WKÖ-Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser, AMS-Vorstand Johannes Kopf und ÖIF-Geschäftsführer Alexander Janda in einer Pressekonferenz heute, Freitag, in Wien.

„Mehr als 16 Prozent der in Österreich lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund, viele davon kommen aus Ländern, die für Österreichs Exportwirtschaft sehr wichtig sind“, sagte WKÖ-Generalsekretärin Hochhauser. „So haben die österreichischen Betriebe mit der Region Südosteuropa, wohin 2008 Exporte von rund 7 Milliarden Euro gingen, eine Hoffnungsregion praktisch vor der Haustür. Zugleich hat in Wien rund 1/3 der Wohnbevölkerung ost- oder südosteuropäische Wurzeln. Die dadurch vorhandenen Erfahrungen, Sprachkenntnisse und das interkulturelle Know-how sind sehr wertvoll für die Betriebe“, sagte Hochhauser. Die speziellen Kompetenzen von ZuwanderInnen für den Arbeitsmarkt würden jedoch oft unterschätzt.

Hier setzt „Mentoring für MigrantInnen“ an, indem qualifizierte Personen mit Migrationshintergrund bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützt werden. Gleichzeitig trägt das Projekt zur Internationalisierung der österreichischen Unternehmen bei. „Wir müssen Migration und Integration als Chance diskutieren und nicht als Bedrohung“, sagte Hochhauser. „Das bedeutet auch, dass wir in der jetzigen Wirtschaftskrise für die Zeit danach und den dann wieder zu erwartenden großen Bedarf an Fachkräften vorsorgen müssen“, weshalb die WKÖ für ein zukunftsorientiertes Zuwanderungsmodell unter Berücksichtigung der Bedürfnisse am Arbeitsmarkt plädiert.

AMS-Vorstand Kopf stellte fest, dass MigrantInnen weitaus stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind als ÖsterreicherInnen. Während die Arbeitslosenquote der ÖsterreicherInnen im ersten Halbjahr 2009 nach nationaler Berechnung bei 6,9 Prozent lag, war sie bei AusländerInnen mit durchschnittlich 10,6 Prozent deutlich höher. „Daher ist neben den umfassenden Bemühungen des AMS jede zusätzliche Initiative für Personen mit Migrationshintergrund zur Unterstützung bei der Integration sehr zu begrüßen. Das Projekt Mentoring für MigrantInnen setzt richtigerweise beim Schaffen von persönlichen Netzwerken an.“

Die Ergebnisse seien aus Arbeitsmarktsicht sehr erfreulich, betonte der AMS-Vorstand. „Wir konnten beeindruckende Erfolgsgeschichten beobachten: So hat z.B. ein Arzt, der zehn Jahre in Österreich als Pflegehelfer gearbeitet hat, mithilfe des Mentoringprojektes eine Stelle als Turnusarzt gefunden. Oder einer Migrantin, die bereits als Assistentin einer Geschäftsleitung tätig war, wurde eine Qualifizierung ermöglicht, durch die sie nun den Aufstieg zur Qualitätsmanagerin geschafft hat“, unterstrich Johannes Kopf die Bedeutung des Projektes.

Ein sicherer Arbeitsplatz mit Zukunftsperspektive sei nicht nur für jeden Einzelnen wichtig, sondern habe auch eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, sagte ÖIF-Geschäftsführer Janda. „Wie die Zahlen, Daten und Fakten zeigen, gestaltet sich der Weg für Personen mit Migrationshintergrund oft schwieriger, am österreichischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Ihr beruflicher Erfolg ist jedoch ein wesentlicher Schlüsselfaktor für eine gelungene Integration in die Gesellschaft.“ Der Erfolg des Programms der letzten 1 ½ Jahre gebe dem innovativen Ansatz von Mentoring für MigrantInnen Recht. Das Programm setze genau dort an, wo MigrantInnen besondere Herausforderungen zu meistern haben.

Janda: „Wie die bisherigen Projektdurchgänge gezeigt haben, standen Inhalte wie Migrationshintergrund als Ressource zu entdecken, eigene Potenziale zu erkennen, konkrete berufliche Möglichkeiten am österreichischen Arbeitsmarkt aufzuzeigen oder berufliche Netzwerke auszubauen, in den Mentoring-Partnerschaften im Vordergrund.  Ebenfalls gab es Unterstützung bei der Gründung des eigenen Unternehmens, denn in Krisenzeiten zeigt sich, dass auch Gründungen im migrantischen Bereich stark wachsen. „Wichtig sei auch, „dass das  Programm über die ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘“ hinaus gehe. „Vorhandene Potenziale von MigrantInnen werden verstärkt für die Wirtschaft sichtbar gemacht.“

Die Ergebnisse des Projekts können sich sehen lassen: In den bisher vier Durchgängen (davon drei in Wien und einer in Oberösterreich) haben sich mehr als 200 Mentoringpaare gebildet. In den unterschiedlichen Durchgängen haben bis zu 40 Prozent der Mentees während oder nach dem Mentoring Arbeit aufgenommen. 72 Prozent der MentorInnen sahen auch für sich selbst einen Vorteil – etwa interkulturelle Erfahrung und neue Kontakte.

Die nächste Runde von Mentoring für MigrantInnen findet in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich statt. Anmeldungen sind noch bis 30. September möglich (nähere Informationen unter www.wko.at/mentoring, www.integrationsfonds.at und www.ams.at). 2010 soll das Projekt sukzessive auf ganz Österreich ausgeweitet werden.