Förderungen - Geschäftsbericht AMS Wien 2021

Zielgerichtete Aus- und Weiterbildung für Arbeitsuchende sowie umfassende Unternehmensförderungen unterstützten die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Service für Arbeitskräfte

Hörsaal voller Menschen, Rückenansicht, Vortragender steht vor Tafel und erklärt lebhaft den Stoff

Corona Job- und #Weiterbildungsoffensive

Mit der Corona Job- und Weiterbildungsoffensive wurden etablierte Förderangebote ausgebaut und neue innovative Projekte angestoßen. Die Umsetzung im Jahr 2021 erfolgte flexibel und angepasst an die Erfordernisse der jeweiligen Infektionslage. So wurde die Höherqualifizierung der arbeitsuchenden Wiener und Wienerinnen sukzessive vorangetrieben. Phasen der Erwerbsarbeitslosigkeit konnten zur individuellen Verbesserung der Arbeitsmarktchancen durch Aus- und Weiterbildung genutzt werden. Die Corona Job- und #Weiterbildungsoffensive umfasst u.a.:

  • Bildungsberatung und Ausbildungsbegleitung: Eine erfolgreiche Ausbildung beginnt mit einer gut informierten Entscheidung. Allein mit den neu gestarteten Beratungsangeboten „Ausbildungscheck“ und „#weiterwollen“ wurden 2021 über 2.400 Personen erreicht.
  • Qualifizierungsvorbereitung: Bei längeren und anspruchsvollen Ausbildungen ist es wichtig, mit optimalen Voraussetzungen zu starten. 2021 hat das AMS Wien mit den Angeboten „Get Started Basics+“ erstmals branchenspezifische Basiskurse geschaffen. 3.400 Personen haben 2021 diese Möglichkeit genutzt, um Mathematik und Sprachkenntnisse aufzufrischen, digitale Grundkenntnisse und Lernstrategien zu verbessern und sich auf den Einstieg in eine Fachausbildung oder auch in ein neues Berufsfeld vorzubereiten.
  • Höherqualifizierung mit Lehrabschluss: Es gibt modulare Ausbildungen, an die nach Phasen der Erwerbstätigkeit wieder angeknüpft werden kann. Facharbeiter_innen-Intensiv-Ausbildungen in mehr als 50 Berufen führen in der Hälfte der Lehrzeit zur Lehrabschlussprüfung. Für Personen mit Betreuungspflichten gibt es Angebote in Teilzeit. Kurze Vorbereitungslehrgänge sind ebenso möglich wie die individuelle Begleitung zum außerordentlichen Lehrabschluss im Wiener Anerkennungssystem.

Drei neu eingerichtete „Bildungscampus“-Projekte fassen seit dem Frühjahr 2021 verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten nach Branchen zusammen. Die Teilnehmer_innen können auf kurzem Weg vorbereitende oder ergänzende Inhalte oder auch eine ganze Ausbildung am selben Standort absolvieren. Hier haben bereits über 600 Personen eine Fachausbildung begonnen.

  • Upskilling und berufliche Weiterbildung: Eine breite Palette von Qualifizierungen in allen Branchen (wie beispielsweise SAP-Zertifikate oder CNC-Spezialausbildungen) ermöglichte es, auch 2021 im erlernten Beruf neue Schwerpunkte zu setzen, das eigene Bewerber_innen Profil durch Spezialisierungen aufzuwerten oder einfach vorhandenes Knowhow aufzufrischen und auf den neuesten Stand zu bringen. Auch Ausbildungen am Wiener Weiterbildungsmarkt werden gefördert.
  • Frauenförderung: Etliche Kurse wurden in reinen Frauengruppen angeboten. Ein eigenes Programm („FiT“) fördert Frauen in handwerklich technischen Berufen. In das FiT-Programm fallen neben einer Vielzahl an Lehrberufen auch dreijährige schulische und akademische Ausbildungen. Darüber hinaus stehen spezialisierte Beratungsangebote zur Verfügung.
    Teilzielgruppen wie junge Mütter erhalten die Möglichkeit, Lehrausbildungen im Rahmen von Teilzeitmodellen zu absolvieren.
  • Bildungsbonus: Bei einer Ausbildungsdauer von mehr als vier Monaten wird neben der Deckung des Lebensunterhalts ein Bildungsbonus ausgezahlt.

Programm Sprungbrett

Die Bundesregierung hat mit 1. Juli 2021 das Programm Sprungbrett gestartet, um 50.000 Langzeitarbeitslose bis Ende 2022 wieder in Beschäftigung zu bringen. Die individuelle Kombination aus Beratung, Vorbereitung und geförderter Beschäftigung setzt einen wichtigen Schritt, um die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie am Arbeitsmarkt abzufedern.

Das AMS Wien hat daher die betriebliche Eingliederungsbeihilfe für diese Zielgruppe erhöht und auch seine Plätze in sozialökonomischen Betrieben ausgebaut. Über diese Aktion konnten 2021 in Wien 8.962 langzeitarbeitslose Personen einen neuen Arbeitsplatz finden.

Zukunftsberufe

  • IT und Digital Skills: Die Vermittlung von sogenannten „Digital Skills“ prägen ein zeitgemäßes Bewerbungstraining ebenso wie eine jugendgerechte Berufsorientierung oder die Förderung von Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Im Zuge des von der Covid-19-Pandemie geprägten Jahres wurden in der gesamten Angebotspalette des AMS Wien neue technische Standards etabliert.
    Im Berufsausbildungszentrum des BFI wurde die „Coders Bay“ eingerichtet. Hier werden Kurse und Fachausbildungen im Bereich IT-Technik, Netzwerktechnik und Coding angeboten.
  • Bildung und Soziales: Neue praxisbezogene Sprachkurse bereiten auf Ausbildungen im Bereich Elementarpädagogik vor, die in Kooperation mit der Stadt Wien in den Programmen „Kolleg Change“ und „Schule für Assistenzpädagog_innen“ gefördert werden.
  • Pflege und Gesundheit: Im Rahmen eines neuartigen „Pflegescreenings“ konnten 2021 mehr als 600 Personen ihre individuellen Perspektiven im Bereich der Sozial- und Gesundheitsberufe ausloten. Geeignete Bewerber_innen für die Implacementstiftung „Sozial- und Gesundheitsberufe Zukunft Wien“ konnten identifiziert und mit Hilfe des Beratungsangebots „Ready2Care“ zusätzlich unterstützt und vorbereitet werden.
  • Green Jobs - Umwelt und Energietechnik: Das Berufsausbildungszentrum setzte mit „erneuerbare Energien“ einen neuen Schwerpunkt in der Elektrotechnikausbildung. Auch am Bildungscampus Elektro werden seit Mai 2021 Energietechniker_innen und Kälteanlagentechniker_innen ausgebildet. 25 Personen starteten 2021 eine Ausbildung zur Fahrradmechatroniker_in.

Pandemiebekämpfung an den Wiener AMS Bildungsstandorten

Die Vorreiterrolle bei der Digitalisierung unserer Ausbildungsangebote ermöglichte die sofortige Anpassung aller Bildungs- und Beratungsangebote an Pandemiebedingungen durch

  • Realisierung von Distance Learning (im virtuellen Klassenzimmer oder selbstgesteuert über moderne Plattformen), Online- und Telefonberatung
  • eine straffe und effiziente Krisenkommunikation
  • eine gemeinsame Strategie bei der Umsetzung von Contact-Tracing, Übertragungsvorbeugung und Hygienemaßnahmen
  • den Ankauf von EDV-Leihgeräten

Förderungen für Jugendliche

Gemeinsam mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) wurden zusätzliche Plätze in der Überbetrieblichen Lehrausbildung geschaffen, um unseren jugendlichen Kund_innen auch während der  Pandemie weiterhin gute Ausbildungschancen zu ermöglichen.

Die Anzahl der Jugendlichen, die sich mit Stichtag 1.12.2021 im ersten Lehrjahr einer Überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA) befanden, lag bei 2.680 Teilnehmer_innen. Neue Ausbildungsberufe wie die Fahrradmechatronik, die Elektroenergietechnik, die Kälteanlagentechnik oder die Applikationsentwicklung wurden in das aktuell 57 Berufe umfassende Angebotsprogramm aufgenommen.

Rund um die berufliche Erstausbildung wurden darüber hinaus eine Vielzahl an spezialisierten Bildungs- und Beratungsangeboten für jüngere und ältere Jugendliche, Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, Mädchen, junge Mütter, Schul- oder Ausbildungsabbrecher_innen, Job-Einsteiger_innen sowie junge Menschen, deren Ausbildung in Wien nicht anerkannt oder nicht verwertbar ist, geschaffen.

Arbeitsmarktförderung 2021 in Zahlen

  • 2.921 Personen haben 2021 eine Fachkräfteausbildung mit Lehrabschluss begonnen
  • 59.881 Personen nahmen an Basisbildungsangeboten in den Bereichen Deutsch, Englisch und digitale Grundkompetenzen teil. Allein 53.764 dieser Teilnahmen entfielen auf Deutschkurse der Stufen A1 bis B2
  • 95.276 Personen nahmen ein Beratungs- und Betreuungsangebot in Anspruch
  • 9.920 Personen konnten von einem Platz in einem sozialökonomischen Betrieb bzw. gemeinnützigen Beschäftigungsangebot profitieren.
  • Trotz der pandemiebedingt herausfordernden Arbeitsmarktsituation gelang 37 % der Absolvent_innen von Qualifizierungsangeboten innerhalb von drei Monaten der Übertritt in ein Beschäftigungsverhältnis. (Stichtag 30.11.2021)

Service für Unternehmen

Betriebliche Förderungen 2021

Im Rahmen der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte hat das AMS Wiener Unternehmen für die Weiterbildungskosten von

  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ab 45 Jahren,
  • Frauen unter 45 Jahren, die höchstens eine Lehre oder eine berufsbildende mittlere Schule abgeschlossen haben und
  • Männern unter 45 Jahren, die höchstens einen Pflichtschulabschluss aufweisen

im Jahr 2021 rund EUR 800.000,- an Fördermitteln genehmigt.

Im Rahmen der Höherqualifizierung von Beschäftigten im Bereich soziale Dienstleistungen von allgemeinem Interesse fördert das Arbeitsmarktservice die Kosten der Ausbildungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Berufen mit Fachkräftebedarf im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen, Elementarpädagogik und Asyl- und Flüchtlingsbetreuung. Im Jahr 2021 wurden rund EUR 1.500.000,- an Fördermitteln genehmigt.

Für die Dauer der Bauhandwerkerausbildung hat das AMS Wien im Jahr 2021 für die Förderung der Bauhandwerkerausbildung rund EUR 100.000,- bewilligt.

Im Rahmen der Beihilfe zum Solidaritätsprämienmodell wurden für die Förderung der (Solidaritäts-) Arbeitnehmer_innen in Jahr 2021 rund EUR 74.000,- bewilligt.

Im Rahmen der Schulungskostenbeihilfe für Beschäftigte in COVID-19 Kurzarbeit wurden Wiener Unternehmen für die Weiterbildungskosten von Mitarbeiter_innen in der ausfallenden Arbeitszeit im Jahr 2021 rund EUR 570.000,- an Fördermitteln genehmigt.

Mit der Impulsberatung „on demand“ unterstützt das AMS Wien Unternehmen bei der Entwicklung von Lösungen für wichtige personalwirtschaftliche Fragen. Speziell wird auf die ganz besonderen Herausforderungen, die durch die COVID-19 Pandemie ausgelöst wurden, eingegangen.

Mit 221 Betrieben wurden Erstgespräche geführt und 97 Betriebe haben 2021 die Themenberatung für Lösungsansätze zur Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen in Anspruch genommen.

Abwicklung der Kurzarbeit

Das AMS Wien hat mit Unterstützung von externen Dienstleister_innen im Jahr 2021 über 40.500 Kurzarbeitsanträge abgewickelt. Bedingt durch die Zugangsvoraussetzungen im Vorfeld der Kurzarbeitsphase 5 (Beginn 01.07.2021) wurden gemeinsam mit den Sozialpartner_innen über 130 Beratungsgespräche zur Klärung mit den betroffenen Unternehmen vereinbart.

Insgesamt wurden in Wien im letzten Jahr fast 987 Millionen Euro an Betriebe ausbezahlt.

Arbeitsstiftungen und Arbeitsplatznahe Qualifizierung

Tischler mit Vollbart in brauner Latzhose Holzstück bei Kreissäge abmessend

Die Maßnahmen der Arbeitsstiftung sind ein sozialpartnerschaftliches Instrument, um – infolge des Strukturwandels notwendige – Anpassungsprozesse arbeitsmarktpolitisch zu unterstützen.

Outplacementstiftungen bieten Arbeitnehmer_innen, die von Personalabbau (u.a. durch Insolvenz) betroffen sind, eine umfangreiche Hilfestellung mittels Orientierung, Aus- und Weiterbildung inkl. Ausbildungspraktikum und Reintegration. Die Eintritte sind insgesamt im Vergleich zum Vorjahr um 35,71% gestiegen. Dazu zählt unter anderem

  • die „JUZU - Jugend & Zukunftsberufe – Zielgruppenstiftung“ für junge Erwachsene, die sich Corona bedingt umorientieren müssen und nachgefragte Qualifikationen und Abschlüsse in Zukunftsberufen anstreben. Gefördert vom AMS Wien gemeinsam mit der Arbeiterkammer Wien und dem Land Wien mit 202 Eintritten.
  • die „Wiener Regionalstiftung“ mit 168 Eintritten, 2021 ein Plus von 15,86%.

Implacementstiftungen ermöglichen Unternehmen, die mit beträchtlichem Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben, die punktgenaue Qualifizierung zukünftiger Mitarbeiter_innen und somit die Deckung ihres künftigen Fachkräftebedarfes.
Der Anstieg um 125,52% auf 1.405 Eintritte zeigt trotz Pandemie den dringenden Bedarf an Fachkräften.

Die hohe Nachfrage im Gesundheitsbereich erforderte im Jahr 2021 eine Umstellung der bisher erfolgreichen „Arbeitsplatznahen Qualifizierungen“ (AQUA) - mit Ausbildungszielen wie Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz, Fachsozialbetreuung, Medizinische Fachassistenz, Medizinische Assistenzberufe, Rettungssanitäter_in, Heimhelfer_in bis hin zu den Fachhochschulen für Gesundheits- und Krankenpflege oder für Hebamme & medizinisch-technische Dienste - in eine Implacementstiftung für „Sozial- und Gesundheitsberufe“ ab April 2021 (Planungsgröße 4.434 Teilnehmer_innen).

  • Mit 790 Eintritten in die neue Implacementstiftung „Sozial- und Gesundheitsberufe“, zuzüglich der noch bis März 2021 benötigten AQUA, ist der Ausbildungsbedarf im Gesundheitsbereich im Vergleich zum Vorjahr um 37,15% gestiegen.
  • Auch die „Heimhelfer_innen für Wien 2019-2021“ verzeichneten mit 426 Eintritten einen Zuwachs von 16,71%.

Insgesamt stiegen auch die Eintritte bei den Zielgruppenstiftungen (ASIZ) für junge Erwachsene von 159 auf 195.

  • „ASIZ JUST Integration II“ (144), um arbeitslosen jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung und/oder multiplen Einschränkungen zu einem außerordentlichen Lehrabschluss zu verhelfen
  • „ASIZ JUST 2 JOB“ (51), für junge Erwachsene mit dem Ziel, Lehrabschlüsse zu forcieren, in Verbindung mit speziellen Unterstützungspaketen für Wiedereinsteiger_innen sowie Teilnehmer_innen mit dem Wunsch angestrebter überregionaler Qualifizierung und anschließender überregionaler Beschäftigung.

Die Unternehmensstiftung "Fachkräfteinitiative für Wien" - für Branchen, wie Gastronomie, Einzelhandel, Optik und Gehörakustik, Buchhaltung und Personalverrechnung, Kommunikationselektronik u.v.m. - erreichte 275 Eintritte – mit dem Ziel außerordentlicher Lehrabschlüsse bzw. zertifizierter Höherqualifizierungen. Die coronabedingte Planungsunsicherheit in Tourismus und Gastronomie war hier besonders zu bemerken.

AQUA

Die „Arbeitsplatznahe Qualifizierung“ (AQUA) unterstützt die individuelle Qualifikation zusätzlich benötigten Personals in Klein- und Mittelbetrieben, mit dem Ausbildungsziel eines außerordentlichen Lehrabschlusses oder eines Zertifikates. Bedingt durch Verlagerung der Eintritte in die im Juli 2020 gestartete Implacementstiftung "Fachkräfteinitiative für Wien" gab es bei  AQUA (ohne Gesundheitsbereich) einen Rückgang auf 287 Eintritte (-20,50%).

  • 254 Eintritte in AQUA mit Ausbildungsschwerpunkt eines außerordentlichen Lehrabschlusses (‑8,30%).
  • 26 Eintritte in AQUA mit Schwerpunkt Ausbildungsschwerpunkt eines Zertifikates (-67,90%).
  • 7 Eintritte in AQUA mit gemischtem Ausbildungsschwerpunkt (außerordentlicher Lehrabschluss oder Zertifikat).

Diese Seite wurde aktualisiert am: 24. Mai 2022