Gegen Gender-Pay-Gap: Handwerklich-technische Ausbildung mit dem AMS
Fast jede 10. jobsuchende FiT-Teilnehmerin in NÖ ist 50 plus:
Mit der schrittweisen Anhebung des Pensionsalters bei Frauen ist deren Arbeitslosigkeit in Niederösterreich im letzten Jahr markant angestiegen: um +5,3%; bei Männern hingegen nur um +3,4%. Prognosen zeigen, dass die niederösterreichische Wirtschaft in den kommenden Jahren weiterhin großen Personalbedarf haben wird. Ursache ist der demografische Wandel, der nun Frauen jeglichen Alters neue Berufschancen vor allem im handwerklich-technischen Bereich eröffnet. Das Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ unterstützt jobsuchenden Frauen mit dem Programm FiT – Frauen in Handwerk und Technik. Über 1.000 Frauen nahmen 2025 in Niederösterreich daran teil: Viele von ihnen stehen nach der Aus- und Weiterbildung im Berufsleben und sie konnten ihr Einkommen deutlich verbessern.
Das Medianeinkommen unselbständig beschäftigter Frauen liegt in Niederösterreich um 27,9% oder 907,- € unter dem der Männer (Daten 2024). Dementsprechend ist auch das Arbeitslosengeld von Niederösterreicherinnen (40,30,- €/Tag im Jahr 2025) niedriger als das ihrer männlichen Landsleute (48,40 €/Tag). Und: Die Mehrheit, 51,5%, der Frauen in Niederösterreich arbeitet im Jahr 2024 in Teilzeit. Die Zahl der in Teilzeit beschäftigten Männer steigt zwar an, liegt aber deutlich (12,3%) unter der der Frauen.
AMS NÖ Landesgeschäftsführerin Sandra Kern: „Teilzeit bedeutet nicht nur ein niedrigeres Gehalt, sondern auch geringere Karrierechancen. So steigen die Verdienste der Frauen ab Anfang 30 weniger stark als die der Männer. Teilzeitbeschäftigung sowie die Berufswahl wirken auf das Einkommen und in weiterer Folge auch auf die Pension. Solange Frauen am Arbeitsmarkt gegenüber Männern benachteiligt sind, ist die Mehrheit unserer finanziellen Fördermittel im AMS für Frauen reserviert.“
Trotz steigender Arbeitslosigkeit: demografischer Wandel sorgt für Arbeitsmarktdynamik
Vor allem Frauen sind derzeit von steigender Arbeitslosigkeit betroffen. Mit einem Plus von 5,3% verzeichnet das AMS NÖ 2025 einen deutlicheren Anstieg als bei Männern (+3,4%). Angetrieben durch das nun sukzessive steigende Pensionsantrittsalter steigt die Arbeitslosigkeit vor allem bei fortgeschrittenen Altersgruppen. Gleichzeitig werden der demographische Wandel und der Trend zu tertiärer Ausbildung in Niederösterreich in den kommenden Jahren für anhaltende Arbeitskräftenachfrage sorgen. Trends, von denen auch jobsuchende Frauen profitieren werden. Genau hier das Programm FiT (Frauen in Handwerk und Technik) des Arbeitsmarktservice an.
Ein Faktenüberblick:
·Bis 2040 wird in Niederösterreich die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um ca. 5% sinken (auf 1,05 Millionen). Babyboomer gehen nach und nach in Pension und weniger Jüngere rücken nach. Ein Trend, der bereits eingesetzt hat und sich in sinkende Erwerbsquoten bei jüngeren Frauen niederschlägt: 2024 sinkt die Erwerbsquote bei 15 bis 24-jähringen Frauen im Vorjahresvergleich um -5%; bei der Generation 50 plus steigt sie um 2,9%.
·Im Jahr 2020 hatte jede/r sechste Beschäftigte in NÖ einen tertiären Bildungsabschluss (Uni- oder FH-Abschluss etc.). 2040 wird es jede/r Vierte sein. Gleichzeitig gehen LAP-Absolvent_innen aus der Babyboomer-Generation Zug um Zug in Pension. Der Mangel an Fachkräften verschärft sich.
- Nur 15,4% aller jobsuchenden Frauen, die beim AMS in NÖ 2025 gemeldet waren, kommen aus handwerklichen oder technischen Berufen (Bsp.: Technikerinnen im Maschinenbau, Chemie, Physik, Zeichnerinnen etc. – großteils Lehre und höhere Ausbildungen).
- Gleichzeitig umfasst das Angebot an freien Stellen, bei denen Arbeitskräfte für die Bereiche Handwerk und Technik gesucht werden, aktuell immerhin 44% (Technik 8,7% bzw. Handwerk 34,9%; Anm. bezieht sich auf freien Stellen).
AMS NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern: „Wir bieten mit dem Programm Frauen in Handwerk und Technik jobsuchenden Frauen einen maßgeschneiderten Einstieg in zukunftsorientierte Berufe: von der Information und Orientierung, über praktische Vorqualifizierung bis zum Lehrabschluss in einem unserer Ausbildungszentren oder in einem Betrieb. Auch technische Kollegsund FHs können absolviert werden. Im Ausbildungsjahr 2025/2026 stehen in Summe 1.140 Plätze im FiT-Programm zur Verfügung.“
Neue Jobchancen für Frauen im Bereich Handwerk und Technik mit dem FiT-Programm
Das Programm FiT ist 3-stufig aufgebaut und soll arbeitslose Frauen zu einem beruflichen Neustart in einem handwerklich-technischen Beruf ermutigen und sie bis zum Lehrabschluss bzw. zum Jobeinstieg begleiten. Die Unterstützungsangebote sind flexibel an den Bedarf und an die Zielsetzungen der Frauen angepasst 1.078 Frauen haben im letzten Jahr die vielfältigen Angebote des Fit-Programm genutzt. 9% von ihnen gehörten der Generation 50 plus an. 78% jener Teilnehmerinnen, die eine FiT-Ausbildung absolviert haben, stehen drei Monate nach der Absolvierung der Ausbildung im Berufsleben, bei jenen mit „nur“ Vorqualifizierung waren es immerhin 42%. Studien zeigen: Das Median-Einkommen der Frauen ein Jahr vor der FiT-Teilnahme und im 2. Jahr nach Ausbildungsende ist deutlich gestiegen.
Rückfragehinweis für die Redaktion: AMS NÖ, Martina Fischlmayr: 050904 300-120; 0664/83 50517
Diese Seite wurde aktualisiert am: 09. März 2026