Demographischer Wandel bereits am Waldviertler Arbeitsmarkt spürbar: AMS NÖ testet neues Pilotprogramm für Langzeitarbeitslose im Waldviertel

Wirtschaftsforscher_innen haben die Arbeitsmarktprognose nach unten revidiert. In Niederösterreich wird die Arbeitslosigkeit heuer steigen, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. So ist im Waldviertel neben einer gedämpften Arbeitskräftenachfrage auch bereits der demographische Wandel spürbar, was zu weniger stark steigender Arbeitslosigkeit und gleichzeitig anhaltender Arbeitskräftenachfrage führt. Die vier Geschäftsstellen des Arbeitsmarktservice NÖ sorgen mit intensiver Beratung und Betreuung von Jobsuchenden und Betrieben für einen gebremsten Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Mit dem Jugendbildungszentrum in Gmünd, ein von AMS, Land NÖ und ESF finanziertes Angebot, gelingt der Mehrheit der jungen Teilnehmenden der erfolgreiche Einstieg in die Berufs- oder Ausbildungswelt. Und ab Sommer wird das AMS in Kooperation mit dem Zentrum für Sozialwirtschaft im Waldviertel ein neues Modell erproben, mit dessen Hilfe, Langzeitarbeitslose mit gesundheitlichen Einschränkungen nachhaltig ins Erwerbs-leben zurückkehren sollen.


  • Veröffentlicht 29.04.2026
  • Bundesland Niederösterreich

(C) photonews.at/Georges Schneider: Beruflicher Neustart im Waldviertel für Danylo Isaiev aus der Ukraine, der durch Unterstützung des AMS und des Jugendbildungszentrum einen Lehrvertrag in der Tasche hat.

Laut jüngsten Prognosen der Statistik Austria wird die Zahl der Erwerbspersonen im Alter von 14 bis 64 bis ins Jahr 2050 in ganz Österreich (-3,5%) schrumpfen. Dieser Rückgang wird für Niederösterreich mit -6,4% stärker ausfallen und ganz besonders das Waldviertel treffen. Rezenten Prognosen zufolge wird bis 2050 die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter im Waldviertel um mehr als ein Fünftel zurückgehen, während in den Wien nahen Bezirken eine konstante bis leicht positive Entwicklung erwartet wird.

Die schlechte konjunkturelle Entwicklung ist auch am Waldviertler Arbeitsmarkt angekommen, aber mit gedämpfter Wirkung: Ende März liegt der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit +1,3% unter dem nö-weiten Schnitt (+5,6%). Und das Stellenangebot ist weniger stark rückläufig (-9,7% Waldviertel zu -15% in ganz NÖ). Der demographische Wandel bildet sich am Waldviertler Arbeitsmarkt bereits ab und macht die Suche nach Fachkräften für die Waldviertler Betriebe besonders herausfordernd (Daten März 2026):

  • Anteil der Generation 55 plus an allen Arbeitslosen beträgt in NÖ 26%, im Waldviertel 28%.
  • +4,7% Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, im Waldviertel hingegen ein Rückgang um -10,5%.
  • Während das AMS nö-weit eine rechnerische Lehrstellenlücke von 259 Lehrstellen verzeichnet, gibt es im Waldviertel ein Überangebot an freien Lehrstellen (79).
  • In NÖ kommen aktuell 4,1 Arbeitslose auf eine freie Stelle, in Waldviertel sind es nur 2,4.
  • Während es in NÖ 59 Tage dauert, bis eine freie Stelle mit einer Arbeitskraft besetzt ist, sind es im Waldviertel 76 Tage.

AMS NÖ Landesgeschäftsführerin Sandra Kern: „Der Arbeitsmarkt im Waldviertel stellt uns vor ganz eigene Herausforderungen. Nämlich, wie es uns gelingen kann, echte Arbeitsmarktchancen zu erarbeiten, auch wenn Erfordernisse wie Mobilität und Flexibilität für Jobsuchende hier schwer erfüllbar sind. Wir werden ab Sommer eines von der EU gefördertes neues Vermittlungsprogramm für langzeitarbeitslose Personen, die gesundheitliche Einschränkungen haben, testen und planen auch ein Round Table-Gespräch mit Unternehmer_innen im Waldviertel.“

Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit, innovative Angebote und Vernetzung mit Betrieben

205 Personen werden von den 4 AMS-Geschäftsstellen im Waldviertel aktuell (Ende März) seit einem Jahr oder länger betreut. Der hohe Anteil an Personen unter den Langzeitarbeitslosen, die der Generation 55 plus angehören (50%; nö-weit 45%) und zusätzlich auch gesundheitliche Probleme haben (33%; nö-weit 26%) sind für das AMS-Team im Waldviertel eine besondere Herausforderung.

Stefan Waldhäusl, Leiter des AMS Zwettl: „Vermittlung vom ersten Tag an sowie intensive Beratung und Betreuung sind die zentralen Hebel im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit. So ist es gelungen, seit 2019 die Zahl der langzeitarbeitslosen Personen im Waldviertel um 60% zu reduzieren.“

Das AMS setzt nun einen nächsten Schritt: Ab Sommer wird in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sozialwirtschaft mit SUPPORT ein neues Modell der Vermittlungsarbeit im Waldviertel erprobt. Das Programm richtet sich sowohl an Jobsuchende, die wegen physischer oder psychischer Beeinträchtigungen bereits längere Zeit arbeitslos sind, als auch an Unternehmen in der Region. Die AMS-Geschäftsstellen im Waldviertel vermitteln dabei Betroffene an die Jobcoaches von SUPPORT, die die Personen maßgeschneidert und mit dem Fokus auf den jeweils persönlichen Bedarf bei ihrer Rückkehr ins Erwerbsleben begleiten. Die Vorbereitungen zu diesem Programm haben bereits gestartet – ein Jobcoach wurde bereits gefunden, ein weiterer wird noch gesucht. SUPPORT wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert und aus Mitteln des AMS und des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.

Erfolgreich im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit mit den Jugendbildungszentren

Die nö. Lehrlingsoffensive ist der Motor, der dafür sorgt, dass alle Jugendlichen, die beim AMS vorgemerkt sind, rasch in ein Ausbildungsprogramm starten können.

Landesrat Susanne Rosenkranz: „Die Jugendbildungszentren sind ein zentraler Baustein unserer Lehrlingsoffensive und ein entscheidender Hebel im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Unser Ziel ist klar: Jeder junge Mensch soll rasch eine Perspektive bekommen – ohne Warteschleifen und ohne Umwege. Mit einem breiten Angebot, flexiblen Wechselmöglichkeiten und praxisnaher Ausbildung schaffen wir genau die Chancen, die unsere Jugend jetzt braucht, um erfolgreich ins Berufsleben zu starten.“

Neben der Überbetrieblichen Lehre und der Jugendstiftung JUST 2 JOB sind die Jugendbildungszentren die tragenden Säulen der nö. Lehrlingsoffensive Die Jugendbildungszentren sind an 7 Standorten in NÖ vertreten. Auch für das Waldviertel wurde eine eigene Niederlassung in Gmünd eingerichtet.  Aktuell nutzen 72 Jugendliche aus dem Waldviertel die Angebote des Jugendbildungszentrums Gmünd. Ganzjährig können bis zu 272 Personen betreut werden. 60% der Teilnehmenden (jüngste Daten aus 2024; Anm.) stehen spätestens 3 Monate nach Ende des Programms im Berufsleben oder befinden sich in Ausbildung. Die Kosten für die Jugendbildungszentren werden vom AMS, dem Land NÖ und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) getragen.

Rückfragehinweis für die Redaktion: AMS NÖ, Martina Fischlmayr: 050904 300-120; 0664/83 50517

Diese Seite wurde aktualisiert am: 29. April 2026