Vernetzungstreffen und Jobmesse für Frauen am Weg in die Lehre

Ausbildungen im Bereich Handwerk und Technik als Jobchance.


  • Veröffentlicht 22.10.2026
  • Bundesland Niederösterreich

Frauen sind von steigender Arbeitslosigkeit aktuell stark betroffen und brauchen Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg. Prognosen der Statistik Austria zufolge wird der Zahl der Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und 64 in Niederösterreich in den kommenden Jahren sinken. AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern setzt daher auf hochwertige Ausbildung im Bereich Handwerk und Technik – ganz besonders für Frauen mit dem Programm FiT („Frauen in Handwerk und Technik“). In Zusammenarbeit mit ZIB Training GmbH veranstaltet das AMS am 22. Oktober für interessierte Jobsuchende und Teilnehmerinnen am FiT-Programm ein Netzwerktreffen mit Unternehmer_innen mit anschließender Jobmesse im Zentral Kino in Wr. Neustadt.

Susanne OHRENSTEIN ist Mutter von 4 Kindern, und hat ihren Mann und Ihre Familie lange Jahre im In- und Ausland unterstützt. Nach dem Beziehungsaus hieß es für sie beruflich und finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen: Über das AMS Mödling kam die gelernte sie 2023 ins FiT-Programm und startete mit 56 Jahren ihre Lehre als Tapeziererin in einem niederösterreichischen Traditionsbetrieb. In Lilienfeld ging sie zur Berufsschule. Während der Ausbildungszeit sorgte das AMS für die finanzielle Absicherung. 2025 machte sie ihren Lehrabschluss, hat eine fixe Anstellung und bereitet sich nun auf die Meisterinnenprüfung vor. „Lebenslanges Lernen hält mich jung und ich habe große Freude in meinem Beruf!“, so das Motto von Susanne Ohrenstein.

Trend der Zukunft: Handwerk mit goldenem Boden
Von steigender Arbeitslosigkeit wie bei Susanne Ohrenstein sind nun viele Niederösterreicherinnen betroffen: Ende September um +11,3% (auf 22.511; Männer +4,4%). Ganz markant ist der Anstieg bei der Generation 50 plus (+14.3%). Das schrittweise steigende Pensionsantrittsalter sowie die zunehmende Arbeitslosigkeit in vor allem von Frauen dominierten Branchen wie dem Handel gehören zu den Ursachen. Gleichzeitig wird die Zahl der Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und 64 bis ins Jahr 2050 in Niederösterreich um -6,4% sinken. Das sind um 56.000 weniger Arbeitskräfte am niederösterreichischen Arbeitsmarkt.

AMS NÖ Landesgeschäftsführerin Sandra Kern: „Wenn Frauen neue berufliche Wege einschlagen, gewinnen alle: die Frauen selbst, die Betriebe und der Arbeitsmarkt. Das FiT-Programm ermöglicht nachhaltige Neustarts und bringt qualifizierte Fachkräfte dorthin, wo sie dringend gebraucht werden. Rund 80% der Absolventinnen des FiT-Programms haben drei Monate nach Ausbildungsende einen Arbeitsplatz.“

Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS NÖ (r.) im Gespräch mit Teilnehmerinnen der Veranstaltung
Sandra Kern, Landesgeschäftsführerin des AMS NÖ (r.) im Gespräch mit Teilnehmerinnen der Veranstaltung

20 Jahre FiT-Programm: 4.725 Niederösterreicherinnen machen ihre LAP
Das Vernetzungstreffen jobsuchender Frauen und aktiver FiT-Teilnehmerinnen mit Unternehmen im Zentral Kino in Wr. Neustadt hat neben einem sehr praktischen auch einen feierlichen Charakter: Bei einer Jobmesse mit 13 Unternehmen aus dem Industrieviertel gibt es Gelegenheit, dass Job- und Personalsuchende einander kennenlernen und einen Bewerbungsprozess starten. Gleichzeitig ist das Zentral Kino auch der Treffpunkt, um auf 20 Jahre Fit-Programm zurückzuschauen und Frauen vor den Vorhang zu holen, die im Rahmen ihrer Ausbildung beeindruckende Restarts ihres Berufslebens gemacht haben.

Über das FiT-Programm hat auch Christian Stranzinger, Geschäftsführer des Leobersdorfer Technologieunternehmens SecuTECH, seine zukünftigen Mitarbeiterinnen gefunden. Das Unternehmen, das sich auf Sicherheits-, Mess- und Automatisierungstechnik in der Tank- und Flüssiglogistik spezialisiert hat, ist auch ein FiT-Ausbildungsbetrieb. Im März begann eine 49-jährige Frau ihre Ausbildung zur Mechatronikerin mit dem Spezialmodul Automatisierungstechnik. Ende Juni folgte eine angehende E-Commerce-Kauffrau. Dass Innovation und Qualifizierung bei SecuTECH Hand in Hand gehen, zeigt auch die internationale Präsenz des Unternehmens: 2026 präsentierte sich SecuTECH auf der UNITI Expo sowie der ETX (Energy Transport Exchange), zwei der wichtigsten internationalen Fachmessen der Branche und machte mit seinen Entwicklungen auch als Finalist beim NÖ Innovationspreis auf sich aufmerksam.

Christian Stranzinger: „Wer neue Technologien entwickelt, muss auch bereit sein, neue Wege bei der Suche nach Fachkräften zu gehen. Für uns zählen Interesse, Engagement und die Bereitschaft, Neues zu lernen – nicht das Geburtsdatum oder der bisherige Lebenslauf. Die Zusammenarbeit mit AMS Baden, Mentor und ZIB Training im FiT-Programm zeigt, wie aus beruflicher Neuorientierung echte Chancen entstehen können. Für die Menschen genauso wie für unser Unternehmen.“

Facts und Figures zum FiT-Programm

  • In drei Schritten zum Zukunftsberuf: Kompetenzabklärung – Basisqualifizierung – Lehrabschluss über Punktgenaue Qualifizierung in einem Unternehmen oder Facharbeiterinnen-Intensivausbildung in einem Ausbildungszentrum
  • Ausbildungen werden in Berufen mit max. 40% Frauenanteil gefördert. 200 Lehrberufen stehen zur Verfügung.
  • Von 2006 bis Ende 2025 wurden in NÖ 16.906 Frauen über das FiT-Programm informiert. 4.725 haben einen Lehrabschluss (oder mehr) gemacht.
  • Der arbeitsmarktpolitische Erfolg des Programms lag 2025 bei 79%!
  • Zentrale Studienergebnisse von L & R und FORBA (2009 und 2014) zeigen, dass die Erwerbsintegration nachhaltig erfolgt und die Einkommenssituation der Frauen sich verbessert hat.
  • Die Kosten werden durch das AMS NÖ getragen. Für das Ausbildungsjahr 2026/27 sind das rund 9,2 Mio. € für rund 1.150 Teilnehmerinnen in den FiT-Zentren und weitere knapp 300 im Rahmen der Punktgenauen Qualifizierung.

Sandra Kern: „Ein Viertel aller FiT-Absolventinnen in Österreich kommt aus Niederösterreich. Allein 2025 waren es 265 Teilnehmerinnen. Unser Ziel ist es, Frauen zu ermutigen, neue berufliche Wege einzuschlagen, und sie dabei bestmöglich zu begleiten.“

Rückfragehinweis für die Redaktion: AMS NÖ, Martina Fischlmayr: 050904 300-120; 0664/83 50517

Diese Seite wurde aktualisiert am: 22. Oktober 2026