In herausfordernden Zeiten stabil: Der Pongauer Arbeitsmarkt beweist bemerkenswerte Resilienz

Trotz der anhaltenden konjunkturellen Schwäche und strukturellen Veränderungen zeigt sich der Pongauer Arbeitsmarkt stabil. Mit durchschnittlich 1.885 arbeitslos gemeldeten Personen blieb die Zahl nur um 5,3 Prozent bzw. 96 Menschen über dem Vergleichsjahr 2024. „Zur Zahl der Arbeitslosen sind noch die Teilnehmer_innen an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen hinzuzurechnen, die Gesamtzahl ergibt 2.257 Männer* und Frauen, ein Plus von 102 Personen bzw. 7,4 Prozent“, erläutert Thomas Burgstaller, Leiter des Arbeitsmarktservice Bischofshofen.


  • Veröffentlicht 22.01.2026
  • Bundesland Salzburg

Trotz wirtschaftlicher Stagnation bliebt die unselbständige Beschäftigung im Bezirk ident am Vorjahreswert, im Jahresmittel waren dies 38.260 unselbständige Beschäftigungsverhältnisse.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,7 Prozent um 0,2 Prozentpunkte über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Unselbstständige Beschäftigung

Nach den Wachstumsjahren 2022 und 2023 stagnierte 2024 die Beschäftigung, dies setzt sich auch Jahr 2025 fort, mit einem minimalen Rückgang von 0,02 Prozent. „Es zeigen sich Anzeichen einer Strukturveränderung am regionalen Arbeitsmarkt“, so Thomas Burgstaller. In der „Herstellung von Waren“ sinkt die Beschäftigung um 1,9 Prozent auf 5.000 Personen, in der Arbeitskräfteüberlassung, die eng mit der Warenherstellung verwoben ist, gibt es einen Rückgang von 2,0 Prozent auf 415 Beschäftigungsverhältnisse. In der „Beherbergung und Gastronomie“, dem größten Arbeitgeber der Region, zeigt sich auch 2025 ein Rückgang der unselbständigen Beschäftigung um 3,3 Prozent auf 5.874. In der Gebäudebetreuung-Reinigung ist ein Rückgang um 5,5 Prozent auf 536 zu beobachten. Im Handel betrug der Rückgang 0,3 Prozent auf 4.695 Personen, darunter im Einzelhandel mit einem Abbau von 1,6 Prozent der Arbeitsplätze.

Die starke Bauwirtschaft, die trotz der schwierigen Bedingungen Beschäftigung für 3.398 Arbeitskräfte sichert, wächst um 0,5 Prozent. Ein besonders starker Zuwachs ist im Gesundheits- und Sozialwesen mit plus 8,8 Prozent auf 3.970 Arbeitskräfte zu verzeichnen, darunter knapp 13 Prozent Wachstum in den Gesundheitsberufen.

Personenbezogene Beschäftigung – Frauenbeschäftigung nimmt zu  

Trotz struktureller Veränderungen am Arbeitsmarkt profitieren im Vorjahr besonders die Frauen: Ihre Beschäftigung steigt um 0,7 Prozent bzw. +125 auf 18.392 Personen, während jene der Männer* um 0,7 Prozent bzw. –132 auf 19.868 zurückgeht.

Deutlich zeigt sich der Wandel zwischen den Wirtschaftsbereichen: Die Beschäftigung im Produktionssektor sinkt um 0,9 Prozent auf 8.995, während der Dienstleistungssektor um 0,3 Prozent auf 28.219 wächst. Damit entfallen rund 75 Prozent der gesamten Beschäftigung im Pongau auf Dienstleistungen – ein Bereich, der zugleich 86,4 Prozent aller Frauenarbeitsplätze (15.892) stellt.

Demografisch setzen sich die Trends fort: Die Zahl der unter 25‑Jährigen geht um 2,5 Prozent zurück, während die Gruppe 50plus um 1,2 Prozent und die über 60‑Jährigen sogar um 13,2 Prozent auf 1.985 Personen anwächst. Besonders markant ist der langfristige Zuwachs in der Frauenbeschäftigung in der Altersgruppe 60plus, der knapp 39 Prozent beträgt.

Arbeitslosigkeit

Der Pongauer Arbeitsmarkt zeichnet sich durch eine hohe Dynamik aus. Die Region ist stark vom Tourismus, der viele Arbeitsplätze schafft, geprägt. Saisonale Schwankungen sind typisch.

Arbeitslosigkeit nach Branchen

Beherbergung und Gastronomie
• 628 Arbeitslose (Durchschnitt)
• +2,2 % gegenüber Vorjahr
Gründe: Schneemangel in tieferen Lagen, späterer Ostertermin, strukturelle Anpassungenführen zu mehr Arbeitslosigkeit und teilweise längeren Arbeitslosigkeitsphasen

Herstellung von Waren
• 159 Arbeitslose
• +27,8 % (stärkster Anstieg)
• Einflussfaktoren: Geringere Arbeitskräftenachfrage, Betriebsschließungen, Kräftige Zuwächse durch reduzierte Nachfrage und personelle wie strukturelle Anpassungen

Handel
• +6,8 % Arbeitslosigkeit
• Ursache: gedämpftes Konsumverhalten

Bau
• Einzige Branche mit Rückgang!
• Arbeitslosigkeit: –1,6 %
• Gleichzeitig Beschäftigungszuwachs → Bau im Pongau bleibt robust

Die Arbeitslosigkeit ist 2025 insgesamt deutlich gestiegen – jedoch in der zweiten Jahreshälfte leicht abgeflacht. Die Branchen entwickelten sich sehr unterschiedlich: Während sich der Bau stabilisierte und sogar verbesserte Werte zeigt, kämpft insbesondere die Produktion mit starken Zuwächsen.

„Mit Blick auf die seit 2023 anhaltenden Rückgänge der gemeldeten offenen Stellen im AMS (im Jahr 2025 – ein Rückgang im Durchschnitt um 14,9 Prozent) verdichten sich Anzeichen der strukturellen Veränderung des Arbeitsmarktes im Pongau“, so Thomas Burgstaller.

Personenbezogene Arbeitslosigkeitsdaten

Im Jahresschnitt 2025 sind im Pongau 1.865 Personen arbeitslos gemeldet. Über eine Einstellungszusage verfügen im abgelaufenen Jahr im Schnitt wieder 45,4 Prozent bzw. 857 arbeitslose Personen.

Es waren mehr Männer* (1.031, +50) als Frauen (854, +46) betroffen. 

Die Zahl der Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungensteigt nach 2024 auch 2025 merklich an, um 14,6 Prozent bzw. 52 Personen auf 406 Personen.

Nach Alterskohorten zeigt sich ein deutlich verändertes Bild zum Vorjahr: Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahren) steigt im Jahresmittel geringfügig um 2,6 Prozent bzw. 6 auf 244 Jugendliche.Im Alter von 25 bis 49 Jahren liegt der Zuwachs mit 3,6 Prozent auf 1.051 Menschen unter dem Durchschnitt der Gesamtarbeitslosigkeit, hingegen steigt die Altersarbeitslosigkeit ab 50 Jahren um 9,8 Prozent bzw. 53 auf 590 Betroffene, darunter die Alterskohorte 60plus mit einem Wachstum von 27,2 Prozent.

Anhebung des Frauenpensionsalters zeigt Effekte

Seit 1.1.2024 wird die Altersgrenze für die normale Alterspension der Frauen jährlich bis zum Jahr 2033 um sechs Monate erhöht. Effekte sind aufgrund der Anhebung des Regelpensionsalters von Frauen messbar: Zum einen steigt die Beschäftigung von Frauen im Alter von 60 Jahren an, zum anderen erhöht sich aber auch die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe.

Arbeitslosigkeit nach Ausbildung

807 arbeitslose Personen haben maximal einen Pflichtschulabschluss. Das sind 42,8 Prozent der insgesamt arbeitslos vorgemerkten Personen (1.885). Nach Ausbildungsmerkmalen gibt es den größten prozentuellen Zuwachs der Arbeitslosigkeit bei Personen mit akademischer Ausbildung. Im Schnitt waren 78 Akademiker_innen beim AMS Bischofshofen vorgemerkt, um 27,6 Prozent Personen mehr als im Jahr 2024. „Diese Zunahme ist eine Konsequenz des steigenden Bildungsniveaus bzw. der wachsenden Akademisierung“, weiß der Arbeitsmarktexperte.

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Entgegen der allgemeinen Arbeitsmarktdynamik im Pongau, finden leider nicht alle Personen rasch wieder eine neue Anstellung. Personen, die länger als 365 Tage ohne Beschäftigung sind, gelten als langzeitbeschäftigungslos.

Im Jahresschnitt ist die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen um 24,8 Prozent bzw. 36 Personen auf 181 gestiegen. „Bei der Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist die Steigerungsrate hoch und das bereitet uns Sorgen“, sagt Thomas Burgstaller: „Der konsequente Einsatz für die betroffenen Personen sowie individualisiertes Fördern und Fordern, neben Aufrufen an die Pongauer Wirtschaft, auch dieser Gruppe Chancen auf Beschäftigung zu geben, sind die Rezepte zur dauerhaften Reintegration in den Arbeitsmarkt.“

Aktion 55+

Trotz hoher Qualifikation und langjähriger Berufserfahrung haben ältere Arbeitslose oft deutlich geringere Chancen, nach einem Jobverlust wieder in eine reguläre Beschäftigung einzusteigen. Die Dauer der Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe ist überdurchschnittlich hoch und das Risiko einer Langzeitarbeitslosigkeit entsprechend höher. Für Betroffene bedeutet ein Arbeitsplatzverlust nicht nur finanzielle Unsicherheit, sondern oft auch den Verlust von gesellschaftlicher Teilhabe und persönlicher Anerkennung.

Die Aktion 55+ sieht eine Kombination unterschiedlicher arbeitsmarktpolitischer Instrumente vor - geförderte Arbeitsplätze im Rahmen von sozialökonomischen Betrieben ebenso wie Eingliederungsbeihilfen. Bei den Eingliederungsbeihilfen handelt es sich um attraktive finanzielle Zuschüsse zu Lohn- und Lohnnebenkosten für Betriebe.

Qualifizierung und Ausbildung

Seit 2020 setzt das AMS Bischofshofen einen strategischen Schwerpunkt auf die Ausbildung von Fachkräften. Durch diese konzentrierten Bemühungen konnten in den vergangenen fünf Jahren 690 Menschen zu Fachkräften ausgebildet werden. Im Jahr 2025 haben 172 Personen diese Chance genutzt und befinden sich auf dem Weg zur wertvollen Fachkraft.

Der Stellenmarkt im Pongau

„Das AMS Bischofshofen ist im Pongau die zentrale Drehscheibe für die Besetzung von offenen Stellen“, weiß Thomas Burgstaller. Der Einschaltgrad konnte gegenüber 2024 weiter ausgebaut werden und liegt bei 62 Prozent* (Stand Oktober 25). „Das bedeutet, dass von zehn neu geschaffenen Arbeitsstellen sechs Stellen über eine Auftragsmeldung zur Besetzung beim AMS Bischofshofen eingehen und durchschnittlich binnen 46 Tagen (ein Rückgang von neun Tagen) besetzt werden.“

„Unter dem Leitsatz ‚Wir verbinden Mensch und Arbeit‘ setzt das AMS Bischofshofen konsequent auf eine aktive Vermittlung ab dem ersten Tag der Arbeitslosigkeit, um eine rasche Wiedereingliederung ins Erwerbsleben zu ermöglichen. Im Jahr 2025 wurden unseren Kund_innen rund 19.000 Vermittlungsangebote unterbreitet – eine deutliche Steigerung gegenüber 2024. Das beweist unsere hohe Intensität in der Arbeitskräftebereitstellung für die Pongauer Unternehmen“, betont der Leiter des AMS Bischofshofen.

Die anhaltende Wirtschaftsflaute führt jedoch zu einem rückläufigen Arbeitskräftebedarf und damit zu einer spürbar sinkenden Nachfrage nach Personal. In der Folge gehen auch die Meldungen offener Stellen im AMS Bischofshofen zurück – um 4,4 Prozent bzw. 376 weniger Jobangebote.

Die stärkste Nachfrage zeigt sich weiterhin in den Dienstleistungsberufen mit 7.524 Stellenmeldungen (-4,4 Prozent bzw. -346), insbesondere in der „Beherbergung und Gastronomie“ mit 4.103 Meldungen (-10,7 Prozent bzw. -493). Dies unterstreicht die zentrale Bedeutung der Tourismuswirtschaft im Pongau. Im Produktionssektor liegt der Rückgang bei 4,9 Prozent auf insgesamt 664 zugegangene Stellenmeldungen.

Im Jahresdurchschnitt liegt der Bestand an sofort verfügbaren, offenen Stellen um 14,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, nämlich bei 1.007 Stellenangeboten. 

Neben der Vielzahl an Vermittlungsaktivitäten, bundesländerübergreifendenden Projekten, wieb.mobile (Lehre für interessierte junge Erwachsenen aus dem Osten Österreich), dem sechsten Durchlauf des „Pongauer Lehrhotels“ und der europäischen Arbeitsvermittlung, können der Tourismuswirtschaft im Rahmen der befristeten Zulassung von Arbeitskräften aus Drittstaaten (§5 Saisonier- und  Westbalkankontingent) 1.742 Saisonbewilligungen (Winter und Sommerfremdenverkehr) verfügbar gestellt werden. Um rund 25 Prozent mehr Rot-Weiß-Rot-Karten wurden im Vergleich zum Vorjahr für Fachkräfte aus Drittstaaten erteilt, mehrheitlich in Dienstleistungsberufen.

Lehrstellenmarkt

Am Pongauer Lehrstellenmarkt kann jede_r Lehrstellensuchende im Jahr 2025 rein rechnerisch aus sechs sofort verfügbaren, offenen Lehrstellen wählen. Im Durchschnitt stehen 26 Lehrstellensuchende (+ 3,4 Prozent bzw. +1 zu 2024) 178 sofort verfügbaren, offenen Lehrstellen (-8,7 Prozent bzw. -17) gegenüber.

Mit unserem BerufsInfoZentrum (BIZ) bieten wir Jugendlichen wie auch beruflich veränderungsinteressierten Menschen eine kostenneutrale Beratung durch die AMS-Arbeitsmarkt-Expert_innen. Im Jahr 2025 nutzen mehr als 1.200 Personen, darunter mehr als ein Drittel Jugendliche und junge Erwachsene, dieses Angebot, knapp 70 Prozent dieser Beratungen münden in Ausbildung und/oder direkte Beschäftigung.

Ein Schwerpunkt im „BIZ“ stellt die Schulklassenbetreuung dar. Schüler_innen aller7. und 8. Klassen der Mittelschulen erhalten von den AMS-Fachexpert_innen des BIZ umfassende Informationen über Berufs- und Ausbildungswege. „Weiteres sprechen wir mit diesem Betreuungsformat auch Abgangsjahrgänge der berufsbildenden mittleren- und höheren Schulen sowie den AHS der Region an“, erklärt Thomas Burgstaller.

Ausblick 2026

Eine Trendwende ist derzeit nicht erkennbar. Die schwache Wirtschaftsentwicklung hat bereits 2024 zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt, der sich auch 2025 fortgesetzt hat. Für 2026 rechnen wir – je nach Branche unterschiedlich ausgeprägt – mit einer weiter verhaltenen Arbeitskräftenachfrage sowie einem erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit in der ersten Jahreshälfte. Erst ab Jahresmitte ist eine leichte Entspannung zu erwarten. 

„2026 wird somit ein herausforderndes Jahr bleiben. Mit intensiver Vermittlungs- und Beratungstätigkeit sowie in enger Zusammenarbeit mit der Pongauer Wirtschaft und allen regionalen Arbeitsmarktpartnern werden wir jedoch alles daransetzen, dass die Arbeitslosenquote im Pongau weiterhin niedrig bleibt“, verspricht Thomas Burgstaller.

Diese Seite wurde aktualisiert am: 22. Januar 2026