Stabilisieren. Qualifizieren. Integrieren. – Arbeitsprogramm 2026 des AMS Salzburg-Stadt

Arbeitsmarkt Stadt Salzburg 2025: Stabiler Kern, steigender Druck: Die Stadt Salzburg ist das wirtschaftliche Zentrum des Bundeslandes und einer der dynamischsten Arbeitsmärkte Österreichs. Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze wird von Einpendler_innen besetzt. Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, öffentliche Verwaltung sowie Beherbergung und Gastronomie zählen zu den beschäftigungsstärksten Branchen. Der Salzburger Zentralraum ist gemessen an der Wirtschaftsleistung pro Kopf die stärkste Region Österreichs (Quelle: Statistik Austria, Wert 2023) – ein Befund, der die strukturelle Stärke des Standortes unterstreicht.


  • Veröffentlicht 17.02.2026
  • Bundesland Salzburg

Dennoch war das Jahr 2025 von konjunktureller Zurückhaltung geprägt. 15.826 Personen waren zumindest einen Tag arbeitslos gemeldet – ein Anstieg um 2,8 Prozent gegenüber 2024. Die Zahl der unselbständig Beschäftigten mit Wohnsitz in der Stadt Salzburg lag bei 67.207 Personen und damit leicht unter dem Vorjahresniveau. Während die Beschäftigung bei Frauen geringfügig zunahm, war sie bei Männern* rückläufig. Im Jahresdurchschnitt waren 5.039 Personen beim AMS Salzburg-Stadt arbeitslos vorgemerkt, die Arbeitslosenquote lag bei 7,0 Prozent. Damit liegt die Stadt über dem Landeswert von 4,5 Prozent, jedoch unter dem Österreichschnitt von 7,4 Prozent. Abgesehen von den Pandemie-Jahren war die Arbeitslosigkeit so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Gleichzeitig ging die Zahl der sofort verfügbaren, offenen Stellen um mehr als ein Fünftel zurück. 1.991 offene Stellen waren im Jahresdurchschnitt gemeldet. 

Auch am Lehrstellenmarkt zeigte sich Zurückhaltung: 744 gemeldete Lehrstellen bedeuteten einen deutlichen Rückgang. Besonders im Handel war die Abnahme spürbar. „Die Stadt ist ein starker Wirtschaftsstandort – aber wir spüren die Auswirkungen der wirtschaftlichen Abschwächung deutlich. Die Betriebe agieren vorsichtiger, Investitionen werden abgewogen, Neueinstellungen zurückhaltender vorgenommen. Wichtig wird nun, Stabilität zu sichern und gleichzeitig Zukunftsperspektiven zu eröffnen“, erklärt Franz Huber, Leiter des AMS Salzburg-Stadt.

Strukturelle Veränderungen prägen den Arbeitsmarkt

Neben konjunkturellen Einflüssen verändern langfristige Entwicklungen die Rahmenbedingungen. 

Anhebung des Frauenpensionsalters

Die schrittweise Angleichung des Pensionsantrittsalters für Frauen zeigt bereits messbare Effekte. Seit 2023 ist die Zahl der beschäftigten Frauen über 60 Jahre in der Stadt Salzburg deutlich gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Zahl arbeitsloser Frauen dieser Altersgruppe erhöht. Diese Entwicklung ist Ausdruck einer höheren Erwerbsbeteiligung, macht aber auch deutlich, dass längere Erwerbsbiografien neue Unterstützungsinstrumente erfordern. „Wir erleben eine neue Realität am Arbeitsmarkt. Frauen bleiben länger im Erwerbsleben – das ist positiv. Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass diese zusätzlichen Jahre auch in stabiler Beschäftigung verbracht werden können“, betont Huber. 

Langzeitbeschäftigungslosigkeit

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. 1.211 Personen aus der Stadt Salzburg waren 2025 länger als ein Jahr ohne Beschäftigung – ein Anstieg um 25,1 Prozent. 56,5 Prozent dieser Personen weisen gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen auf. Besonders betroffen sind ältere Männer aus Branchen mit körperlich belastenden Tätigkeiten beispielsweise in der Arbeitskräfteüberlassung oder Gebäudebetreuung. Langzeitbeschäftigungslosigkeit ist mehrdimensional: Neben Qualifikationsdefiziten spielen gesundheitliche, soziale und psychische Faktoren eine Rolle. „Hier reicht klassische Vermittlung nicht aus. Wir brauchen intensive Betreuung, strukturierte Maßnahmen, sozialökonomische Beschäftigung und starke Anreize für Betriebe. Jede erfolgreiche Integration reduziert nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern stärkt die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und natürlich Selbstwert und gesellschaftliche Teilhabe“, so Arbeitsmarktexperte Franz Huber. 

Qualifikations-Mismatch und Fachkräftemangel

Trotz steigender Arbeitslosigkeit berichten viele Betriebe von Besetzungsschwierigkeiten. Der demografische Wandel, höhere Qualifikationsanforderungen und veränderte Bildungsbiografien führen zu einem zunehmenden Mismatch zwischen Angebot und Nachfrage. Das AMS Salzburg-Stadt reagiert darauf mit einer klaren Qualifizierungsstrategie. 2025 konnten 612 Personen eine Fachkräfteausbildung beginnen, 725 Lehrstellen wurden mit Unterstützung des AMS besetzt. „Fachkräftesicherung beginnt nicht erst, wenn Stellen unbesetzt bleiben. Sie beginnt bei Berufsorientierung, Qualifizierung und gezielter Förderung von Potenzialen. 2026 werden wir diesen Weg konsequent fortsetzen“, erklärt Huber.

Prognose 2026: Verhaltener Aufwärtstrend

Für 2026 wird ein moderates Wirtschaftswachstum erwartet. Investitionen könnten durch Zinssenkungen neue Impulse erhalten, dennoch bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Eine spürbare Entlastung am Arbeitsmarkt wird erst im Laufe des Jahres erwartet. Im Bundesland Salzburg wird ein Beschäftigungsplus von 0,7 Prozent prognostiziert, deutlicher bei Frauen (+1,3 Prozent), schwächer bei Männern (+0,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote auf Landesebene soll leicht auf rund 4,3 Prozent sinken. „Wir rechnen nicht mit einer raschen Erholung, für die zweite Jahreshälfte sehen wir aber Lichtblicke. Wie sich die Bundeslandprognose konkret auf die Stadt auswirkt, lässt sich aber schwer sagen“, so Huber.  

Schwerpunkte 2026

Förderstrategie 2026: Investition in nachhaltige Integration

Dem AMS Salzburg-Stadt stehen 2026 insgesamt 8,735 Millionen Euro für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung. Rund 57 Prozent der Mittel fließen in Qualifizierung. Ziel ist es, Qualifikationsdefizite zu reduzieren, neue Kompetenzen aufzubauen und langfristige Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Digitalisierung und „Green Skills“ sind fest in den Bildungsangeboten verankert. 36 Prozent entfallen auf Beschäftigungsförderungen: Eingliederungsbeihilfen setzen gezielte Anreize für Betriebe, auch Personen mit Vermittlungshemmnissen einzustellen. Mit Kombilohnmodellen werden meist Ältere oder gesundheitlich Beeinträchtigte in Form von Gehaltszuschüssen unterstützt, wenn eine neue Arbeit beispielsweise aufgrund der geringeren Stunden zunächst niedriger bezahlt ist oder nicht dem ursprünglichen Gehaltsniveau entspricht. Entfernungsbeihilfen unterstützen überregionale Beschäftigungsaufnahmen und damit verbundenes weites Pendeln. Sieben Prozent dienen Unterstützungsmaßnahmen wie Kinderbetreuungs-, Vorstell- oder Gründungsbeihilfen, um individuelle Hürden abzubauen. „Unsere Budgetplanung folgt einer klaren Logik: Qualifizieren, integrieren, stabilisieren. Wir investieren in jene Instrumente, die nachhaltige Wirkung entfalten – für Menschen und für Betriebe“, betont Huber.

Aktion 55+

Die „Aktion 55+“ sieht eine Kombination arbeitsmarktpolitischer Instrumente vor – geförderte Arbeitsplätze im Rahmen von sozialökonomischen Betrieben ebenso wie Eingliederungsbeihilfen. Für die Umsetzung des Programms „Aktion 55+“ stehen dem AMS Salzburg 1,516 Mio. Euro zur Verfügung. Dem AMS Salzburg-Stadt stehen aus diesem Budget 200.000 Euro für Eingliederungsbeihilfen zur Verfügung und rund sieben Plätze in sozialökonomischen Betrieben. Innovative Projekte wie „Frauenanderskompetent“ verbinden Beschäftigung mit Qualifizierung in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Gastronomie. Ziel ist es, Erwerbsbiografien zu stabilisieren und Altersarmut vorzubeugen.

Maßnahmen für Langzeitbeschäftigungslose

Mit „Perspektive Plus – Wege in Beschäftigung“, „Job Initiative – Der Weg ist das Ziel“ und „back2work“ werden spezifische Programme umgesetzt, die Orientierung, Stabilisierung und schrittweise Integration ermöglichen. Rund 200 Plätze für Salzburg-Stadt stehen dafür zur Verfügung. 

Personen mit geringen Deutschkenntnissen

Rund ein Drittel der vorgemerkten Arbeitslosen in der Stadt Salzburg sind Drittstaatsangehörige. Diese Personen sind für den Arbeitsmarkt sehr wichtig, geringe Deutschkenntnisse hemmen aber die Chancen stark. Der Fokus liegt auf Qualifizierung bis Sprachniveau A2 und flexibleren Kurseinsteigen. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Gleichzeitig müssen wir mit unseren Ressourcen verantwortungsvoll umgehen und Prioritäten setzen“, so Huber. Kund_innen mit hohem Selbsthilfepotential werden weiterhin mit Selbstlernangeboten bzw. Kursangeboten am freien Bildungsmarkt unterstützt. 

Service für Unternehmen: Strategischer Partner

Das Arbeitsmarktservice Salzburg-Stadt ist zentraler Partner der Salzburger Unternehmen bei der Sicherung ihres Fach- und Arbeitskräftebedarfs. Ein leistungsfähiges Service für Unternehmen ist dabei entscheidend für einen stabilen und zukunftsorientierten regionalen Arbeitsmarkt. Im Fokus stehen eine hohe Kund_innenzufriedenheit sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Betrieben, um rasch und wirksam auf Herausforderungen am Arbeitsmarkt reagieren zu können. Rund 990 Betriebsbesuche und ein Schwerpunkt auf der Stellenakquise ist geplant. Ziel ist nicht nur die Besetzung offener Stellen, sondern die langfristige Bindung von Betrieben und die Entwicklung nachhaltiger HR-Strategien. „Ein moderner Arbeitsmarkt funktioniert nur im Schulterschluss. Wir verstehen uns als Partner der Salzburger Unternehmen – lösungsorientiert, schnell und verlässlich“, erklärt Huber.

Berufsorientierung und Bildung

Das BerufsInfoZentrum (BIZ) Salzburg-Stadt erreichte 2025 Rekordwerte bei Beratungen und Schulklassenworkshops. Mit 1.165 Beratungen, einer Kund_innenzufriedenheit von 96 Prozent bei der Bildungs- und Berufsberatung und 141 Schulklassenworkshops wurde ein neues Niveau im BIZ Salzburg-Stadt etabliert. 2026 wird der Fokus auf Stabilisierung dieser Qualität gelegt. Das neue Beratungsprotokoll „Karriere-Fahrplan“ wird als Standard etabliert. Digitale Tools werden stärker eingebunden, gleichzeitig bleibt die persönliche Beratung zentral. Mit dem Pilotprojekt „Berufsorientierungscoaching Jugendlicher“ sollen Schüler_innen über mehrere Wochen begleitet werden, um realistische und tragfähige Bildungsentscheidungen zu treffen.

Unterstützung Frauenerwerbsbeteiligung und Gleichstellung & Diversität

Die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen bleibt eine zentrale Leitdimension. Programme wie Frauen in Handwerk und Technik (FiT), das Frauenberufszentrum, YoungFBZ „Franzi“ und „Wiedereinstieg mit Zukunft“ werden fortgeführt. Im Rahmen des zweijährlichen Gender Mainstreaming & Diversity Assessments 2026 werden Maßnahmen mit Fokus auf Älteren Frauen am Arbeitsmarkt erarbeitet. „Gleichstellung ist nicht nur grundlegendes Menschenrecht und fördert soziale Stabilität, sie ist mehr denn je wirtschaftliche Notwendigkeit. Wenn wir das Potenzial von Frauen nicht vollständig nutzen, verlieren wir Fachkräfte, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit“, so Huber.

Veranstaltungen 2026

Im Zuge des Weltfrauentags ist am 11. März eine Veranstaltung im AMS Salzburg-Stadt zum Thema „Care-Arbeit und Mental Load“ geplant. Mit Expertinnen zum Thema wird in einer Diskussionsrunde aufgeklärt und die Teilnehmenden können sich an Infoständen informieren. Mehr Männer in Pflegeberufen und der Elementarpädagogik hat die Veranstaltung „Sei der Mann, der den Unterschied macht“ am 21. Mai zum Ziel. Dabei werden Männer und Burschen über die vielfältigen Berufe in diesen so wichtigen Bereichen informiert. Die Lehr- und Ausbildungsmesse „ZukunftBeruf“ findet 2026 im AMS in Itzling zum dritten Mal statt (13.10.) und als Mitveranstalter der BerufsInfo-Messe (BIM) ist das AMS selbstverständlich auch im Messezentrum Salzburg im November vor Ort.

Zusammenfassung und Ausblick

Das Arbeitsprogramm 2026 steht im Zeichen von Stabilisierung, Qualifizierung und nachhaltiger Integration. Die Herausforderungen sind klar: steigende Langzeitbeschäftigungslosigkeit, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, zunehmende Komplexität in der Beratung und wirtschaftliche Unsicherheit. „Unsere Antwort darauf ist eine klare Strategie: Wir investieren in Menschen, wir unterstützen Betriebe und wir sichern Qualität in unserer Organisation. Das AMS Salzburg-Stadt wird auch 2026 Verantwortung übernehmen – sozial ausgewogen, wirtschaftsnah und mit einem klaren Blick in die Zukunft“, so Franz Huber abschließend.


*Männer und Personen mit alternativem Geschlechtseintrag

Diese Seite wurde aktualisiert am: 18. Februar 2026