„Impulsberatung für Betriebe“: Hinschauen eröffnet neue Perspektiven im Johanneskeller
Das bestehende Unternehmen zu durchleuchten – auf alle Schwächen und Stärken – sowie eine Betriebsübernahme für die Zukunft vorzubereiten, waren die Ziele, die sich Peter Lammer und Silvia Löcker vom Johanneskeller gesteckt hatten, als sie die „Impulsberatung für Betriebe“ (IBB) in Anspruch nahmen. Die IBB ist eine kostenlose Dienstleistung des AMS, die Unternehmen die Möglichkeit bietet, ihre Strukturen und Prozesse zu analysieren und gezielte Handlungsoptionen für personalwirtschaftliche Fragestellungen zu entwickeln. Was daraus geworden ist, hat die Erwartungen der beiden Unternehmer_innen um ein Vielfaches übertroffen.
Christoph Stoppacher vom „Service für Unternehmen“ im AMS Salzburg-Stadt brachte den Stein ins Rollen. „Wir dachten, wir sind gut aufgestellt“, erinnert sich Peter Lammer. Zusammen mit Silvia Löcker führt er den Johanneskeller seit dem Jahr 2014. Auch mit dem AMS pflegt er seit Jahren eine gute Zusammenarbeit, etwa durch die Ausbildung von Lehrlingen mit speziellen Bedürfnissen oder durch die Integration von Langzeitbeschäftigungslosen zurück in den Arbeitsprozess.
Der IBB-Berater Richard Gutmann hat Verbesserungspotenziale aufgezeigt, die zuvor nicht sichtbar waren. Durch strukturierte Einzelgespräche mit den Mitarbeiter_innen konnten deren Erfahrungen und Bedürfnisse in den Beratungsprozess einfließen. „Die Zufriedenheit war hoch, aber es gab viel zu lernen“, so Lammer. Themen wie gebündelte Freizeit, klare Rollenverteilung und regelmäßige Kommunikation wurden angesprochen, um den Zusammenhalt im Team zu stärken. „Da war es dann plötzlich möglich, dass ein Mitarbeiter am Adventwochenende frei bekam, weil Kolleg_innen bereit waren, einzuspringen“, erzählt Peter Lammer. Und Silvia Löcker ergänzt: „Wir haben generell eine familiäre Atmosphäre, aber natürlich macht ein Gespräch, das professionell von außen geführt wird, Sinn. Die Mitarbeitenden öffnen sich und sagen, was sie sonst vielleicht nicht sagen würden.“
„Wenn vieles gut funktioniert, dann hat man auch den Mut zu fragen, was nicht gut funktioniert“, weiß Richard Gutmann die Offenheit im Rahmen der IBB im Johanneskeller zu schätzen. In einem mehrmonatigen Prozess wurden zentrale personalrelevante Bereiche des Unternehmens beleuchtet, darunter auch die geschalteten Stelleninserate. „Unsere Jobangebote waren so wie viele andere, dabei sollten wir zeigen, wer wir sind und was uns besonders macht.“ Auch hier wurde dank der Beteiligung der Mitarbeiter_innen das Bild ein Ganzes. Überhaupt sei Mitarbeiter_innenbindung die beste Werbung. Der Johanneskeller gibt kein Geld für Werbung aus, trotzdem sind die Bewertungen im Internet top. „Ich gebe unser Geld lieber für glückliche Mitarbeiter_innen und überproportional gut belegte Teller und gefüllte Gläser aus“, lacht der Betriebsinhaber.
Branchenkenner Richard Gutmann weiß: „Überall, wo Menschen arbeiten, gibt es Bedürfnisse. Jede_r will Wertschätzung erleben, fair behandelt und als Mensch gesehen werden.“ So sei beispielsweise in den Inseraten nicht enthalten gewesen, dass die Mitarbeiter_innen durchgängig freie Tage haben bzw. täglich erst um 14 Uhr mit der Arbeit beginnen.
Darüber hinaus wurden im Rahmen der Beratung Überlegungen zur langfristigen Sicherung des Betriebs angestellt, auch zur Unternehmernachfolge. Gemeinsam mit dem Team wurden erste Ideen entwickelt, wie Mitarbeitende gezielt mit Kompetenzen ausgestattet werden können, um ihre Verantwortung im Betrieb zu stärken. „Wir möchten sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, um auch in Zukunft aktiv zum Unternehmenserfolg beizutragen“, erklärt Peter Lammer. Dabei wird ein Fahrplan erarbeitet, der die Entwicklung von Kompetenzen fördert und die Mitarbeitenden in ihrer Rolle stärkt. „So können wir gemeinsam in die Zukunft schauen und überlegen, wie wir nachhaltig Beschäftigung sichern können.“
Die Impulsberatung wird in mehreren Phasen durchgeführt, der Johanneskeller befindet sich derzeit in der Follow-up-Phase. In dieser wird analysiert, was bei der Umsetzung gut funktioniert hat, wo gegebenenfalls Nachbesserungen erforderlich sind und wie die nachhaltigen Effekte der Beratung sichergestellt werden können. Ziel ist es, die positiven Veränderungen im Betrieb langfristig zu verankern und kontinuierlich zu optimieren.
„Die IBB wird zu 100 Prozent vom AMS gefördert. Besonders Klein- und Mittelbetriebe profitieren von dieser umfangreichen Beratung, da sie oft nicht über die finanziellen Ressourcen verfügen, um solche Dienstleistungen selbst zu finanzieren. Dabei werden auch die Fördermöglichkeiten durch das AMS besprochen und viele Tipps zur Personalgewinnung erörtert“, sagt Julia Kröll, Landesgeschäftsführerin des AMS Salzburg.
Peter Lammer vom Johanneskeller, der gemeinsam mit einem Freund die Steh- und Bewegungshilfe „Standing Ovation“ entwickelt hat, streut dem Instrument der Impulsberatung Rosen. „Ich kann sie nur empfehlen, und stehe als Referenz gerne zur Verfügung. Wichtig ist, offen zu sein, dann kann der Betrieb nur gewinnen.“
Über die Impulsberatung für Betriebe (IBB)
Beratungsfelder sind Personal halten und gewinnen; betriebliche Weiterbildung; Sicherung von Arbeitsplätzen bei Kapazitätsschwankungen; alter(n)sgerechtes Arbeiten; Chancengleichheit insbesondere für Frauen; Gestaltung betrieblicher Vielfalt/ Integration arbeitsmarktpolitischer Zielgruppen sowie Förderung des ökologischen Strukturwandels.
Die Beratung erfolgt durch speziell geschulte vom AMS beauftragte Impulsberater_innen. Diese Berater_innen sind in arbeitsmarktpolitischen Themen ausgebildet und verfügen über das notwendige Fachwissen, um die spezifischen Bedürfnisse der Unternehmen zu erkennen und maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Die Dauer ist variabel, sie orientiert sich an Bedarf und Themenstellung. Die Beratungskosten werden zu 100 Prozent vom AMS übernommen. Weitere Informationen sind bei der_die Berater_in des „Service für Unternehmen“ der regionalen AMS-Geschäftsstelle.
Diese Seite wurde aktualisiert am: 07. April 2026