Der Pinzgauer Arbeitsmarkt - 1. Halbjahr 2026
Die Geschäftsstellenleiterin Karin Eiwan zieht nach dem 1. Halbjahr Bilanz: "Der Pinzgauer Arbeitsmarkt bleibt trotz sinkendem Stellenangebot weiterhin stabil. Sorgen bereiten jedoch der Lehrstellenmarkt, die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und bei älteren Frauen."
Struktur der Arbeitslosigkeit
Der Bestand an arbeitslosen Personen im 1. Halbjahr 2026 hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. 2 Personen weniger bedeuten ein Minus von 0,1 Prozent. 2.112 Personen waren im Durchschnitt arbeitslos vorgemerkt, hinzu kommen 339 Schulungsteilnehmer_innen – in Summe 2.451 Personen. Während die Arbeitslosigkeit bei den Frauen um 25 Personen (-2,8 Prozent) auf 866 gesunken ist, steigt sie bei den Männern* um 23 Personen (+1,9 Prozent) auf 1.246.
Insgesamt haben sich im 1. Halbjahr 2026 5.764 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind um 141 Personen oder 2,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 3.777 davon haben bereits wieder eine akzeptierte Einstellungszusage.
Nach Branchen verzeichnet der Pinzgau ein leichtes Minus von 2,2 Prozent im Produktionssektor, darunter minus 10 Personen im Bau (-2,3 Prozent) und ein leichtes Plus im Dienstleistungssektor mit 7 Personen (+0,5 Prozent). Dabei weist der Handel mit 238 Personen ein Plus von 14 Personen (+6,5 Prozent) auf und die Beherbergung und Gastronomie mit 702 Personen ein Plus von 22 Personen (+3,2 Prozent).
Nach Altersgruppen gibt es sowohl bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 Jahren und bei der Gruppe der 25 bis unter 50-Jährigen leicht rückläufige Zahlen, während die Zahl der Arbeitslosen ab 50 Jahren steigt. 669 Frauen und Männer* ab 50 Jahren sind im 1. Halbjahr im Durchschnitt arbeitslos, was einem Plus von 15 Personen oder 2,3% entspricht.
Betrachtet man diese Altersgruppe genauer, zeigt sich ein leichtes Minus bei den 50 bis 54-Jährigen von 13 Personen (+5,4 Prozent), ein leichtes Plus bei den 55-bis 59-Jährigen von 6 Personen (+2,0 Prozent) und ein starkes Plus von 24 Personen oder 21,2 Prozent bei den 60 bis 65-Jährigen.
Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters in Österreich (von 60 auf 65 Jahre bis zum Jahr 2033) führt einerseits zu einer höheren Erwerbsbeteiligung älterer Frauen am Arbeitsmarkt, aber auch zu höherer Arbeitslosigkeit. „Ältere Arbeitslose haben oft trotz guter Qualifikation und langjähriger Berufserfahrung deutlich geringe Chancen wieder im Berufsleben Fuß zu fassen“, informiert Karin Eiwan. Die Geschäftsstellenleiterin appelliert an die Pinzgauer Betriebe, das Potential älterer Arbeitskräfte zu nutzen.
Sorge bereitet auch weiterhin die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen. Hier steigt der Bestand im 1. Halbjahr um 50 Personen oder 37,8 Prozent auf 184. Menschen mit gesundheitlichen oder sonstigen Vermittlungseinschränkungen haben es in der angespannten wirtschaftlichen Situation ungleich schwerer, wieder eine Beschäftigung zu finden. Dies zeigt sich auch im deutlichen Zuwachs im Bestand an Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen (+6,4 Prozent) und dabei wiederum bei den begünstigten Personen (+35,3 Prozent). Gezielte Qualifizierung, geförderte Beschäftigung, individuelle Begleitung und Betreuung sowie Arbeitsplätze in Beschäftigungsprojekten sind hier die Instrumente des AMS. Es braucht aber auch für diese Zielgruppen die Bereitschaft der Unternehmen, diesen Menschen eine Chance zu geben.
Die Zahl der unselbständig Beschäftigten liegt bei 39.393 und reduziert sich um 218 Personen oder 0,55 Prozent. Interessant ist ein Blick auf die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im 1. Halbjahr nach Branchen:
Beherbergung und Gastronomie: 6.876 (-228)
Handel: 5.420 (-86)
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung: 5.234 (+42)
Bau: 4.030 (+23)
Herstellung von Waren: 4.400 (+92)
Gesundheits- und Sozialwesen: 3.235 (+79)
Stellenmarkt
Der Bestand an sofort verfügbaren, offenen Stellen ist im 1. Halbjahr im Pinzgau um 224 Stellen oder 22,4 Prozent auf 779 zurückgegangen. Besonders betroffen sind der der Bau mit einem Minus von 49 offenen Stellen oder 30,4 Prozent und die „Beherbergung und Gastronomie“ mit einem Minus von 97 offenen Stellen (-38,1 Prozent). Ebenfalls rückläufig ist das Stellenangebot im Handel mit minus 18 Stellen oder 11,6 Prozent und die „Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen“ mit minus 16 Stellen oder 53,4 Prozent.
3.903 offene Stellen wurden insgesamt im 1. Halbjahr dem AMS gemeldet. Dies bedeutet ein Minus von 392 Stellen oder 9,1 Prozent.Die Geschäftsstellenleiterin richtet ihren Appell an die Unternehmen im Pinzgau, dem AMS ihren Arbeitskräftebedarf zu melden.
So sollen einerseits die Chancen für arbeitslose Menschen auf eine passende Beschäftigungsmöglichkeit steigen und andererseits Unternehmen bei der Stellenbesetzung unterstützt werden. Die AMS Job-Suchmaschine „alle jobs“ hatte 2025 mehr als 9,9 Mio Besuche und verzeichnet aktuell mehr als 140.000 Stellenangebote. Das AMS bietet den Betrieben Dienstleistungen wie die Vorauswahl oder Jobbörsen an, um sie im Recruitingprozess bestmöglich zu unterstützen.
Lehrstellenmarkt
Leider ist auch der Bestand an sofort verfügbaren Lehrstellen rückläufig. Ein Bestand von 131 Lehrstellen bedeutet ein Minus von 55 oder 29,6 Prozent. Dem gegenüber steht ein Bestand von 45 sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden. Das sind um 7 oder 13,8 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
BerufsInfoZentrum (BIZ)
Jugendlichen, die noch keine Lehrstelle gefunden haben, rät Karin Eiwan, mit dem AMS Kontakt aufzunehmen. Die Expert_innen des BerufsInfoZentrums (BIZ) und der Jugendberatung unterstützen bei der Berufsorientierung. Es gilt die persönlichen Kompetenzen und Interessen mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes und Berufsalltags abzugleichen und das Passende zu finden.
Das AMS unterstützt dabei mit umfassender Information und individueller Beratung.
381 BIZ-Beratungen und 42 Schulklassenworkshop wurden im 1. Halbjahr durchgeführt. Die Dienstleistungen des BIZ richten sich jedoch nicht nur an Schüler_innen und Jugendliche, sondern auch an Erwachsene, die sich neu orientieren wollen.
„Der Arbeitsmarkt befindet sich in ständigem Umbruch. Internationale Krisen, die demografische Entwicklung, Digitalisierung mit immer stärkerem Einsatz von KI und strukturelle Veränderungen beeinflussen Beschäftigungsverhältnisse, das Einstellverhalten und die Personalnachfrage von Betrieben“, informiert Karin Eiwan.
Die zentralen Themen sind Qualifizierung und Weiterbildung, also lebenslanges Lernen. Digitale Kompetenzen und Flexibilität gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig gilt es Menschen mit Behinderungen, ältere Arbeitnehmer_innen im Arbeitsprozess zu halten und im Recruiting nicht auszublenden und alle Potentiale auszuschöpfen.
Diese Seite wurde aktualisiert am: 30. Juli 2026