Der Pongauer Arbeitsmarkt zeigt sich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen weiterhin stabil
Der Pongau verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 einen Abbau der Arbeitslosigkeit - entgegen dem bundesweiten Trend – in Zeiten einer zaghaften Konjunkturerholung und struktureller Veränderung am Arbeitsmarkt.
Im Arbeitsmarktbezirk Pongau sind im Durchschnitt des ersten Halbjahres 1.882 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies bedeutet Rückgang um 72 Personen bzw. 3,7 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres.
Die Zahl der unselbständig Beschäftigten reduziert sich im Vergleichszeitraum um 0,7 Prozent bzw. 270 Beschäftigte auf 37.991 im Halbjahresdurchschnitt.
Trotz rückläufiger Beschäftigung und einer verhaltener Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sinkt die Arbeitslosigkeit im Bezirk Bischofshofen, auf eine Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent, dies ein Rückgang von 0,1 Prozentpunkten zum Halbjahr des Vorjahres
„Der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel: Strukturelle Veränderungen, Digitalisierung und die demografische Entwicklung beeinflussen sowohl Beschäftigung als auch Personalnachfrage. Dies zeigt sich auch in den rückläufigen Stellenmeldungen, während der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in vielen Branchen weiterhin besteht“, erklärt Thomas Burgstaller, Leiter des AMS Bischofshofen.
„Die aktuellen Veränderungen zeigen, wie wichtig Qualifizierung, Weiterbildung und eine gezielte Unterstützung bei der Arbeitsmarktintegration sind. Die Mitarbeiter_innen des AMS Bischofshofen bringen dafür umfassende Erfahrung, Fachwissen und regionale Arbeitsmarktkompetenz ein. Damit gelingt es, Betriebe und Arbeitsuchende erfolgreich zusammenzubringen und nachhaltige Beschäftigungsperspektiven zu schaffen“, ergänzt der Pongauer Arbeitsmarktexperte.
Dynamik am Arbeitsmarkt
4.636 Zugänge in die Arbeitslosigkeit (2,8 Prozent) stehen 4.277 Abgängen in Beschäftigung (-2,6 Prozent) in Beschäftigung gegenüber. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit (Verweildauer) liegt bei 67 Tagen und ist um zwei Tage zum Vorjahresvergleich angestiegen.
394 Männer und Frauen befanden sich in Aus- und Weiterbildung während der Zeit der Arbeitssuche, ein Rückgang von 2,9 Prozent. „Somit sprechen wir von 2.276 Personen (in Arbeitslosigkeit und in Schulung), summarisch ein Rückgang von 85 Personen bzw. 3,6 Prozent, die sich im ersten Halbjahr durchschnittlich auf Arbeitssuche befanden“, erklärt Thomas Burgstaller.
Arbeitslosigkeit nach personenbezogenen Merkmalen
Im ersten Halbjahr sind durchschnittlich 807 Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen, das ist ein Rückgang um 1,6 Prozent bzw. 13, während die Zahl der Männer* stärker, um 5,2 Prozent bzw. 59 auf 1.075 zurückgeht.
Nach Wirtschaftsklassen betrachtet zeigen sich bei den Frauen die höchsten Rückgänge in der „Beherbergung und Gastronomie“ (-32 bzw, -8,2 Prozent auf 356) sowie in den wirtschaftlichen Dienstleistungen (unter anderem Gebäudebetreuung) mit minus 10,9 Prozent auf 45 Frauen. Im Handel gibt es ein geringfügiges Minus um 2,4 Prozent auf 102 Frauen, während in den Gesundheits- und Sozialberufen ein Zuwachs von 13,0 Prozent auf 51 Frauen zu verzeichnen war.
Die Situation der Arbeitslosigkeit nach „männerdominierten“ Wirtschaftsklassen zeigt einen optimistischen Blick in das weitere Jahr mit einem Absinken der Arbeitslosigkeit in der Warenherstellung um 15,2 Prozent auf 109 Vorgemerkte an, am Bau sinkt die Arbeitslosigkeit um 0,7 Prozent auf durchschnittlich 302 Männer, aber auch in der Arbeitskräfteüberlassung kann der Vorgemerktenbestand um 19,9 Prozent reduziert werden.
Ältere Arbeitslose
Im Pongau ist die Zahl der arbeitslosen Personen ab 50 Jahren um -8,5 Prozent bzw. 53 Personen auf 567 gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten in dieser Altersgruppe um 1,6 Prozent auf 11.210 Männer und Frauen. Damit stellen die über 50-Jährigen bereits rund 30 Prozent aller Beschäftigten im Bezirk dar.
AMS-Pongau-Geschäftsstellenleiter Thomas Burgstaller appelliert an die heimischen Betriebe, das Potenzial älterer Arbeitskräfte stärker zu nutzen. Diese verfügen über hohe Qualifikationen und langjährige Berufserfahrung. Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich hoch. Zudem steigt mit zunehmendem Alter das Risiko einer Langzeitbeschäftigungslosigkeit, während kurzfristige Arbeitslosigkeit abnimmt.
Rückläufige Jugendarbeitslosigkeit
Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahren) nimmt weiter ab, bei Jugendlichen unter 19 Jahren um 10,0 Prozent auf 34 Jugendliche, bei den jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 24 Jahren um 3,9 Prozent 200 Männer und Frauen in dieser Altersgruppe, in Summe sind 235 junge Männer und Frauen durchschnittlich im 1. Halbjahr von Arbeitslosigkeit betroffen, ein Minus v. 4,9 Prozent.Nach Ausbildungsstruktur zeigt die Jugendarbeitslosigkeit folgendes Profil: 35 Prozent der Betroffenen verfügen über keine fachliche Berufsausbildung, bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund beträgt der Anteil nahezu zwei Drittel (63%).
"Der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist die Qualifikation“, weiß Thomas Burgstaller aus langjähriger Erfahrung. Qualifizierung zählt zu den wirksamsten Maßnahmen gegen (Jugend)-Arbeitslosigkeit. Junge Menschen benötigen oft Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf sowie attraktive Möglichkeiten, gefragte Kompetenzen zu erwerben.
Genau hier leistet das BerufsInfoZentrum des AMS Bischofshofen (es wird in den nächsten Wochen einer umfassenden baulichen Modernisierung unterzogen) einen wesentlichen Beitrag durch umfassende Information und individuelle Beratung. Thomas Burgstaller: „Die Beratungsqualität in der Arbeitsmarkt- und Berufsinformation beweist, dass unsere engmaschige Qualitätssicherung direkt bei den Menschen am Arbeitsmarkt Wirkung zeigt.
Zielgruppe des BerufsInfoZentrum sind nicht nur arbeits- und lehrstellensuchende Menschen, sondern auch Personen, die bereits aktiv im Arbeitsleben stehen und sich neu orientieren wollen.
Benachteiligte Menschen am Arbeitsmarkt
Der Pongauer Arbeitsmarkt ist insgesamt relativ robust, doch von Langzeitbeschäftigungslosigkeit betroffene, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Menschen mit Behinderungen gehören weiterhin zu den „Sorgenkindern“ des Arbeitsmarktes. Für diese Gruppen sind gezielte Qualifizierung, individuelle Betreuung und die Bereitschaft der Unternehmen entscheidend, damit eine nachhaltige Integration gelingt.
Knapp ein Viertel (22,3 Prozent) bzw. 419 (+5,1 Prozent) der vorgemerkten arbeitslosen Personen weist gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen auf. In der Gruppe der Langzeitbeschäftigungslosen ist die Betroffenheit noch höher: Für die 197 Menschen (+20,3 Prozent), die seit mehr als einem Jahr keine Beschäftigung gefunden haben, sind ihre gesundheitlichen Einschränkungen eine maßgebliche Hürde im Übergang in den Arbeitsmarkt. „Wir sprechen von 143 (+21,1 Prozent) betroffenen Personen, das entspricht einem Anteil von 72,6 Prozent der Langzeitbeschäftigungslosen“, so Thomas Burgstaller vom AMS Bischofshofen.
Rückgang an offenen Stellen
Die sofort verfügbaren, offenen Stellen im Pongau sind im ersten Halbjahr um 12,2 Prozent auf 916 zurückgegangen. Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor mit dem Handel (-20,2 Prozent auf 137), das „Gesundheits- und Sozialwesen“ (-24,7 Prozent auf 74) sowie die „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (-25,6 Prozent auf 139).
Hier spricht das AMS gezielt alle Unternehmen im Pongau an, ihre Arbeitskräftebedarfe dem AMS zu melden, um das Stellenangebot für Arbeitsuchende zu erweitern und die Chancen auf eine passende Beschäftigung zu erhöhen. Thomas Burgstaller zeigt die Vorteile auf, wie beispielsweise den Zugang zum Pool an vorgemerkten Arbeitsuchenden oder schnellere Besetzung der offenen Stellen durch Vorauswahl von Bewerber_innen mit Zeitersparnis im Recruiting-Prozess.
Auch die Zahl der offenen Lehrstellen sinkt
Am Pongauer Lehrstellenmarkt stehen 28 Lehrstellensuchende (+38,7 Prozent) 124 sofort verfügbaren, offenen Lehrstellen (-24,0 Prozent) gegenüber.
Wandel als Chance
Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem Veränderungsprozess. Demografischer Wandel, Digitalisierung, ökologische Transformation und Globalisierung verändern die Anforderungen an Unternehmen und Arbeitskräfte nachhaltig. In diesem Transformationsprozess gewinnen lebenslanges Lernen, Aus- und Weiterbildung sowie digitale Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig rücken altersgerechte Arbeitsplätze und eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen in den Fokus, um dem steigenden Fachkräftebedarf zu begegnen. Der Arbeitsmarkt von morgen wird flexibler, digitaler, internationaler und ökologischer.
Diese Seite wurde aktualisiert am: 22. Juli 2026