Zentralraum: Steigende Arbeitslosigkeit bei Frauen, Langzeitbeschäftigungslosigkeit und ältere Arbeitslose

Das Bundesland Salzburg verzeichnet im bundesweiten Vergleich eine niedrige Arbeitslosenquote. Zwar gibt es im ersten Halbjahr 2026 wiederum ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, jedoch hat sich dieser abgeschwächt. Die sofort verfügbaren, offenen Stellen gehen weiterhin zurück. Auf dem Lehrlingsmarkt stehen ebenfalls weniger Lehrstellen zur Verfügung. Im Zentralraum - also in den Arbeitsmarktbezirken Salzburg-Stadt, Salzburg-Umgebung und Tennengau – herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen.


  • Veröffentlicht 20.07.2026
  • Bundesland Salzburg

Halbjahresbilanz im Bundesland Salzburg

Im Bundesland sind im Durchschnitt des ersten Halbjahres 13.452 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies bedeutet einen Anstieg um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der arbeitslosen Frauen steigt um 4,3 Prozent auf 5.745 Personen, während die Zahl der arbeitslosen Männer* nahezu unverändert bleibt (+0,0 Prozent) und bei 7.707 Personen liegt. Die Arbeitslosenquote liegt im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2026 bei 4,7 Prozent, was einem Anstieg von 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht. „Salzburg hat damit die zweitniedrigste Arbeitslosenquote im Bundesländervergleich, nach Tirol mit 4,6 Prozent und vor Oberösterreich mit 5,6 Prozent“, fasst AMS-Landesgeschäftsführerin Julia Kröll zusammen. Österreichweit liegt die Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent (jeweils der Durchschnitt der Monate Jänner bis Juni 2026).

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Bundesland Salzburg ist im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 273.270 gestiegen.

Der Salzburger Zentralraum 

Auch im Salzburger Zentralraum ist bei den Frauen die Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr 2026 stärker gestiegen (+7,5 Prozent auf 3.392) als bei den Männern* (+0,9 Prozent auf 5.152). Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe bis 25 Jahre hat im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 2,7 Prozent auf 1.098 Personen zugelegt. 3.669 der insgesamt 9.084 arbeitslos gemeldeten Personen im Zentralraum (Durchschnitt des ersten Halbjahres 2026) haben lediglich einen Pflichtschulabschluss als höchste abgeschlossene Ausbildung. 

„Man kann den Zentralraum als Magnet für Arbeitskräfte bezeichnen“, erklärt Arbeitsmarktexpertin Julia Kröll.  Von den unselbstständigen Beschäftigten arbeitet hier der Großteil in den Branchen Handel, „öffentliche Verwaltung“ und „Herstellung von Waren“. 

„Die Sessellift-Arbeitslosigkeit ist eine Metapher, die die kurzfristige Arbeitslosigkeit beschreibt, bei denen Personen schnell wieder eine neue Anstellung finden. Sie ähnelt einer schnellen Auf- und Abfahrt mit dem Sessellift“, erklärt Julia Kröll. Einige Fakten, die die hohe Dynamik im Salzburger Zentralraum verdeutlichen: 69 Prozent der vorgemerkten arbeitslosen Personen haben aktuell innerhalb von drei Monaten wieder eine Arbeit aufgenommen; die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit beträgt 90 Tage (bisheriges Jahr 2026). Rund 82 Prozent der gemeldeten offenen Stellen werden innerhalb von drei Monaten mit Hilfe des AMS wieder besetzt.

Frauen am Arbeitsmarkt

Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters in Österreich (von 60 auf 65 Jahre bis zum Jahr 2033) führt zu einer erhöhten Erwerbsbeteiligung älterer Frauen am Arbeitsmarkt, aber auch zu einer höheren Arbeitslosigkeit. Die steigende Arbeitslosigkeit bei Frauen ist auch darauf zurückzuführen, dass sie oftmals in Branchen arbeiten, die von konjunkturellen Schwankungen bzw. von der derzeitigen Wirtschaftsentwicklung besonders betroffen sind. Das betrifft überwiegend den Dienstleistungsbereich, zu dem auch der Handel gehört.

„Unsere Aufgabe als AMS ist es, Frauen in allen Lebenslagen durch Vermittlung, Beratung, Qualifizierung und gezielte Förderungen dabei zu unterstützen, ihre beruflichen Ziele zu erreichen und Unternehmen mit den Fachkräften zu verbinden, die sie benötigen“, sagt Manuela Seidl, Leiterin des AMS Salzburg-Umgebung.              

Ältere Arbeitslose

Die Zahl der arbeitslosen Personen ab 50 Jahre ist im Zentralraum gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent auf 2.714 Personen gestiegen. „Trotz hoher Qualifikation und langjähriger Berufserfahrung haben ältere Arbeitslose oft deutlich geringere Chancen, nach einem Jobverlust wieder in eine reguläre Beschäftigung einzusteigen“, bedauert Julia Kröll. Die Dauer der Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe ist überdurchschnittlich hoch und somit das Risiko, langzeitbeschäftigungslos zu werden entsprechend höher. Mit steigendem Alter wird nimmt die Kurzzeit-Arbeitslosigkeit ab und die Langzeitbeschäftigungslosigkeit zu. „Für Betroffene bedeutet ein Arbeitsplatzverlust nicht nur finanzielle Unsicherheit, sondern oft auch den Verlust von gesellschaftlicher Teilhabe und persönlicher Anerkennung“, sagt die AMS-Landesgeschäftsführerin.

„Unser gemeinsames Ziel muss sein, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Menschen länger arbeiten können und ältere Mitarbeiter_innen länger und bei guter Gesundheit im Unternehmen bleiben. Dazu beraten wir Betriebe in Richtung lebensphasenorientierter Arbeitsgestaltung hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsplatz, Gesundheit und Einsatzplanung“, so AMS-Landesgeschäftsführerin Julia Kröll.

Katrin Klimitsch, Leiterin des AMS Hallein: „Das AMS stärkt die Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitssuchender durch Qualifizierung, persönliche Beratung und gezielte Fördermaßnahmen. Gleichzeitig werden Unternehmen dabei unterstützt, das Potenzial erfahrener Arbeitnehmer_innen besser zu nutzen.“ Durch ihre Erfahrung, Verlässlichkeit und Fachwissen sind ältere Arbeitssuchende kein Risiko, sondern eine Chance. Katrin Klimitsch weiter: „Das AMS baut Vorurteile ab und Brücken zwischen Unternehmen und erfahrenen Arbeitskräften.“

Arbeitslosigkeit, die sich verfestigt

Entgegen der „Sessellift-Arbeitslosigkeit“ finden nicht alle Personen rasch wieder eine neue Anstellung. Personen, die länger als 365 Tage ohne Beschäftigung sind, gelten als langzeitbeschäftigungslos. Im ersten Halbjahr 2026 ist im Salzburger Zentralraum die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen um 17,1 Prozent auf 2.074 gestiegen. Das entspricht einem Anteil von 22,8 Prozent aller im Zentralraum arbeitslos gemeldeten Menschen.

Mehr als ein Viertel (27,9 Prozent) bzw. 2.533 der vorgemerkten arbeitslosen Personen im Zentralraum weist gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen auf. In der Gruppe der Langzeitbeschäftigungslosen ist die Betroffenheit noch höher: Von den 2.074 Menschen, die seit mehr als einem Jahr keine Beschäftigung gefunden haben, haben 1.128 gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen (das entspricht einem Anteil von 59,7 Prozent).

Franz Huber, Leiter des AMS Salzburg-Stadt: „Gerade wenn Arbeitslosigkeit länger andauert, ist es unser wichtigstes Ziel, den Betroffenen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Häufig erschweren gesundheitliche Vermittlungseinschränkungen oder fehlende Ausbildungsabschlüsse die Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Umso erfreulicher ist es, dass die Zahl der Arbeitsaufnahmen von langzeitbeschäftigungslosen Menschen seit Monaten wieder kontinuierlich steigt.“

Rückgang an offenen Stellen

Die sofort verfügbaren, offenen Stellen im Zentralraum sind im ersten Halbjahr um 14,7 Prozent auf 3.794 zurückgegangen. Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor mit dem Handel (-19,3 Prozent auf 713), das „Gesundheits- und Sozialwesen“ (-44,5 Prozent auf 166) sowie die „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (-10,4 Prozent auf 1.100). 

Auch die Zahl der offenen Lehrstellen sinkt. Auf dem Lehrstellenmarkt stehen im Zentralraum 307 Lehrstellensuchende (+5,3 Prozent) 345 sofort verfügbaren, offenen Lehrstellen (-14,4 Prozent) gegenüber. 

Wandel als Chance für Unternehmen und Beschäftigte

Bis 2050 wird die Zahl der Erwerbspersonen – arbeitende bzw. arbeitslose Personen – deutlich sinken, dies geht aus einer Prognose der Statistik Austria hervor. Für das Bundesland Salzburg könnte dies einen Rückgang von 11,1 Prozent der Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren bedeuten (Jahresdurchschnitt 2050 im Vergleich zu 2025). Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, müssen vorhandene Arbeitskräftepotenziale bestmöglich genützt werden. 

Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem Transformationsprozess. Demografischer Wandel, Digitalisierung, ökologische Transformation und Globalisierung verändern die Anforderungen an Unternehmen und Arbeitskräfte nachhaltig. Während Automatisierung, Künstliche Intelligenz und neue Arbeitsformen die Arbeitswelt effizienter gestalten, gewinnen lebenslanges Lernen, Aus- und Weiterbildung sowie digitale Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig rücken altersgerechte Arbeitsplätze und eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen in den Fokus, um dem steigenden Fachkräftebedarf zu begegnen. Der Arbeitsmarkt von morgen wird flexibler, digitaler, internationaler und ökologischer.

BerufsInfoZentren zur wertvollen Orientierung

An den fünf Standorten der BerufsInfoZentren (BIZ) des AMS Salzburg wurden von Jänner bis Juni 2026 bereits 1.490 Berufs- und Bildungsberatungen durchgeführt. Die Nachfrage nach dieser kostenlosen Dienstleistung hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Die Zufriedenheit der AMS-Kund_innen beträgt dabei 96 Prozent und bestätigt damit eindrucksvoll den Erfolg des Formats. Außerdem wurden 179 Schulklassen-Workshops veranstaltet und dabei mehr als 3.600 Schüler_innen bei ihrer Berufsorientierung unterstützt. „Oftmals herrscht eine fehlende realistische Einschätzung der Anforderungen des Berufsalltags mit den persönlichen Kompetenzen und Interessen vor. Genau hier leisten die fünf BerufsInfoZentren des AMS Salzburg - zwei davon befinden sich im Zentralraum - einen wesentlichen Beitrag durch umfassende Information und individuelle Beratung“, erklärt Julia Kröll: „Die Beratungsqualität im Bereich der Berufsinformation beweist, dass unsere engmaschige Qualitätssicherung direkt bei den Menschen am Arbeitsmarkt Wirkung zeigt. Wir können nicht nur auf unsere Kennzahlen stolz sein, sondern halten damit auch unser tief verankertes Versprechen für erstklassige berufliche Orientierung im gesamten Bundesland Salzburg.“ Zielgruppe der BerufsInfoZentren sind nicht nur arbeits- und lehrstellensuchende Menschen, sondern auch Personen, die bereits aktiv im Arbeitsleben stehen und sich neu orientieren wollen.

v.l.: AMS-Landesgeschäftsführerin Julia Kröll, Katrin Klimitsch (Leiterin der AMS-Geschäftsstelle Hallein), Franz Huber (Leiter der AMS-Geschäftsstelle Salzburg-Stadt) und Manuela Seidl (Leiterin der AMS-Geschäftsstelle Salzburg-Umgebung)
v.l.: AMS-Landesgeschäftsführerin Julia Kröll, Katrin Klimitsch (Leiterin der AMS-Geschäftsstelle Hallein), Franz Huber (Leiter der AMS-Geschäftsstelle Salzburg-Stadt) und Manuela Seidl (Leiterin der AMS-Geschäftsstelle Salzburg-Umgebung) Foto: AMS Salzburg

Diese Seite wurde aktualisiert am: 20. Juli 2026