Frauen am steirischen Arbeitsmarkt: Rückblick 2025 – Ausblick 2026
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März beleuchtet ein aktueller Report des AMS Steiermark die Situation von Frauen am steirischen Arbeitsmarkt.
Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt zeigen sich an Indikatoren wie der Teilhabe an Beschäftigung, bei der Ausbildung, der Geschlechterverteilung bei Hierarchien und Branchen sowie bei den Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern. Da schauen wir kontinuierlich hin, um unserem Auftrag, die Gleichstellung am Arbeitsmarkt voranzutreiben, nachzukommen.
Yvonne Popper-Pieber, stv. Landesgeschäftsführerin AMS Steiermark
Anteil der Frauen in Beschäftigung erreicht knapp 50 Prozent!
50.459 Frauen in der Steiermark waren im Jahr 2025 zumindest einen Tag lang von Arbeitslosigkeit betroffen, das sind 1258 Frauen mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote der Frauen stieg 2025 im Jahresdurchschnitt auf 6,1 Prozent. Diesem Anstieg der Arbeitslosigkeit steht zugleich eine höhere Anzahl an unselbständig beschäftigten Frauen gegenüber: Im Durchschnitt waren 254.016 Frauen unselbständig beschäftigt (Männer: 290.365). Somit lag die Frauenquote bei unselbständig Beschäftigten in der Steiermark zu Jahresende bei 46,7 Prozent! Anders ausgedrückt: Mittlerweile ist beinahe jede zweite unselbständig beschäftigte Person eine Frau!
Teilzeitbeschäftigung steigt und steigt und steigt
Frauen beteiligen sich in nahezu gleichem Ausmaß wie Männer am Erwerbsleben, jedoch arbeitet davon mehr als die Hälfte in Teilzeit. Die Teilzeitquote bei Frauen erreicht mit mehr als 55 Prozent einen neuen Höchststand!! (Datenbasis 2024)
Im Durchschnitt sind Personen mit einer Teilzeitbeschäftigung kaum in der Lage, sämtliche Kosten ihrer Lebensführung abzudecken. Die langfristigen Folgen sind gravierend und werden schmerzlich spürbar sein, wenn es um die Existenzsicherung in der Pension geht. Denn zählt doch jeder Cent zum Lebenseinkommen und entscheidet über die spätere Pension.
Achtung, Teilzeitfalle!
„Der Unterschied zwischen Frauen- und Männerpensionen betrug 2025 39,7 Prozent. In etwa 1000 Euro pro Monat haben Frauen in der Pension weniger als Männer! Das AMS Steiermark wird nicht müde, über die Auswirkungen von Teilzeitarbeit zu informieren. Sind jedoch Kinderbetreuungs- und Pflegeplätze Mangelware bzw. mit hohen Kosten verbunden, dann haben Frauen keine reale Entscheidungsfreiheit.“
Yvonne Popper-Pieber
„Investiert in gute Kinderbetreuung!“
„Wenn Bürgermeister_innen entscheiden, ob Frauen arbeiten gehen können, dann entscheiden sie nicht nur über den Wohlstand von Familien in ihrer Gemeinde. Sie entscheiden über die Altersarmut von Frauen, die Entwicklung der Gemeinde – über Zuzug oder Abwanderung! Bei Frauenarbeit geht es schon lange nicht mehr um ‚Selbstverwirklichung‘ oder Aufbesserung des Familieneinkommens. Es geht um Existenzsicherung – für die Frauen, die Familien, für die Gemeinde und Unternehmen!“
Yvonne Popper-Pieber
Hohe Erfolgsquoten bei Qualifizierungen
Ein wirksames Gegenmittel, das im Einflussbereich des AMS liegt: Chancen am Arbeitsmarkt erhöhen durch Qualifizierung in Berufsfeldern mit hoher Nachfrage, guten Einkommens- und Aufstiegschancen und geringerem Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein. Im Jahresschnitt nehmen 4576 Frauen das Angebot des AMS Steiermark zur Aus- und Weiterbildung in Anspruch.
Qualitätsvolle Aus- und Weiterbildung sowie existenzsichernde Erwerbstätigkeit für Frauen haben für das AMS vorrangige Bedeutung: einerseits, um die Zukunft der Frauen abzusichern, andererseits um den Fachkräftebedarf der Unternehmen zu decken. Das arbeitsmarktpolitische Frauenprogramm FiT – Frauen in Handwerk und Technik ist ein wertvolles und sehr erfolgreiches Instrument, um Frauen in Berufen mit geringem Frauenanteil zu fördern. 2025 konnte das AMS Steiermark 270 Frauen diese zukunftsträchtigen Berufsausbildungen ermöglichen, vom Lehr- bis zum Hochschulabschluss. Frauen erhöhen, wie unsere FiT-Studie zeigt, ihr Einkommen nach dem FiT-Programm um durchschnittlich 500 Euro pro Monat
Arbeitsplatznahe Qualifizierungen sind ebenfalls eines der erfolgreichsten vom AMS Steiermark geförderten Ausbildungsformate – passgenau und effizient, da diese in enger Kooperation mit den künftigen Arbeitgeber_innen durchgeführt und je nach Arbeitsplatz individuell konzipiert werden. Das beweist auch die hohe Arbeitsaufnahmequote von mehr als 75 Prozent. 2025 konnten 780 Frauen diese maßgeschneiderte Ausbildungsvariante in Angriff nehmen.
Ausblick auf das Jahr 2026
Wir haben uns 2026 ua zum Ziel gesetzt, Frauen am Arbeitsmarkt noch stärker zu unterstützen und wollen mehr als
- 16.650 Frauen innerhalb von sechs Monaten in Arbeit bringen
- 880 jungen Frauen zu einer betrieblichen Lehrstelle verhelfen
- 2330 Frauen den Zugang in eine Fachkräfteausbildung ermöglichen
- 54 Prozent der Frauen sollen nach einer Schulung eine Beschäftigung aufnehmen
Zusätzlich richten wir 2026 den Fokus weiterhin auf die Unterstützung von Frauen beim Wiedereinstieg nach Kinderbetreuungszeit – sie sind wichtige Kundinnen des AMS, weil sie noch immer große Hürden beim beruflichen Wiedereinstieg zu überwinden haben.
Das AMS Steiermark arbeitet auch in allen Regionen daran, noch mehr Frauen eine hochwertige technische oder handwerkliche Ausbildung mit guten Zukunftschancen zu ermöglichen, um damit ihre Einkommenssituation wesentlich zu verbessern.
Zukunftsberufe für Frauen - Kopfarbeit statt Muskelkraft
Digitalisierung und Automatisierung wirken sich grundsätzlich gleich und doch unterschiedlich auf Frauen und Männer aus. Frauendominierte Branchen wie Büro, Verwaltung und Handel sind ebenso stark betroffen wie männerdominierte Branchen. Der digitale Fortschritt macht Büroarbeit und Verwaltung effektiver, der Onlinehandel erlebt einen enormen Zuwachs. Tätigkeiten, die Muskelkraft erfordern, werden in zunehmendem Ausmaß von Maschinen ersetzt. Ökologisierung und Digitalisierung sowie der Einsatz von KI verändern die Anforderungen an Arbeitskräfte rasant, wodurch sich aber auch neue berufliche Möglichkeiten für Frauen eröffnen.
Kopfarbeit statt Muskelkraft ist in Zukunft gefragt. 2026 werden wir noch mehr Frauen diese neuen Berufe näherbringen, sie informieren, beraten und in diesen zukunftsträchtigen Berufen ausbilden.
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Diese Seite wurde aktualisiert am: 04. März 2026