Bis zu Besuch von HTL und FH: AMS Steiermark ebnet Frauen Weg in Handwerk und Technik
Über das Programm FiT (Frauen in Handwerk und Technik) fördert das AMS Steiermark Frauen beim beruflichen Umstieg in zukunftsträchtige Branchen: Yuliia Chamata musste wegen des Krieges ihre Heimat Ukraine verlassen, heute steht sie dank AMS vor dem erfolgreichen Abschluss ihrer zweijährigen Ausbildung am Chemie-Kolleg in Graz.
„Ich dachte eigentlich, ich wäre zu alt, um noch etwas Neues zu lernen“, betont Yuliia Chamata. Infolge des russischen Angriffskrieges musste die 38-Jährige vor viereinhalb Jahren aus ihrer ukrainischen Heimat fliehen und sich in Österreich eine neue Existenz aufbauen. Im Oktober wird Chamata erfolgreich ihre zweijährige Ausbildung am Grazer Chemie-Kolleg abschließen – ermöglicht wurde ihr das durch das bundesweite AMS-Programm „FiT – Frauen in Handwerk und Technik“. 250 Frauen begannen im Vorjahr in der Steiermark eine Ausbildung, um so in einem handwerklichen oder technischen Berufsfeld Fuß fassen zu können. Gefördert werden neben einer Lehre etwa auch Qualifizierungen an HTL-Tageskollegs sowie ausgewählte FH-Studiengänge.
Bis März 2022 lebte Chamata mit ihrer Familie in der Ukraine: Die gebürtige Kiewerin war als Juristin tätig, wurde mit dem Beginn der russischen Bombardierungen aber über Nacht mit ihren beiden Kindern (heute zehn und neun) aus der Heimat vertrieben. Bei der Ankunft in Österreich sprach Chamata noch nicht Deutsch und musste sich die fremde Sprache erst über mehrere Kurse aneignen. Weiter als Juristin zu arbeiten, stellte sich jedoch als schwierig heraus: „Ich probiere etwas anderes aus, um später ein gutes Gehalt zu erhalten.“ Über das AMS und das zam Steiermark (Zentren für Ausbildungs-Management) stieg Chamata in die FiT-Workshopphase ein, ehe sie 2024 ihre zweijährige Ausbildung am Kolleg für Chemie der Chemie Akademie in Graz begann.
„Man kann alles schaffen, wenn man ein Ziel hat!“
„Chemie war eine Chance, alles war neu für mich“, erzählt Chamata vom beruflichen Umstieg in eine völlig andere Branche. „Die Ausbildung war eine große Herausforderung für mich. Ich lebe hier in Österreich allein und bin ohne Unterstützung, ohne Mutter, ohne Mann.“ Neben dem Chemie-Schwerpunkt standen in den vergangenen zwei Jahren Fächer wie Physik, Mathematik, Wirtschaft, Recht und Qualitätsmanagement auf dem Stundenplan. Die Mühen haben sich vorerst bezahlt gemacht: Das vierte Semester absolvierte Chamata mit Auszeichnung, im Oktober 2026 tritt sie zur Diplomprüfung an. „Alles ist möglich! Man kann alles schaffen, wenn man ein Ziel hat!“
„Die beeindruckende Erfolgsgeschichte von Yuliia Chamata beweist große Motivation und Ausdauer“, sagt die stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Steiermark, Yvonne Popper-Pieber. „So wie Frau Chamata fördert und begleitet das AMS Frauen beim Einstieg in ein handwerklich-technisches Berufsfeld. Diese Branchen bieten zumeist ein höheres Gehalt als klassisch von Frauen dominierte Branchen und zudem langfristig sehr gute berufliche Perspektiven.“ Das FiT-Programm fördert arbeitsuchende Frauen bei mehr als 200 verschiedenen Ausbildungen mit mindestens Lehrabschluss in Handwerk und Technik und ist unabhängig von Vorbildung und Qualifikationsniveau.
Im Juli schlossen 16 Frauen beim zam Steiermark die Technikwerkstatt ab, die Vorqualifizierung für die HTL-Tageskollegs: 15 von ihnen werden ab Herbst die HTL Bulme (heuriger Schwerpunkt Informationstechnologie), die HTL Ortwein (Bautechnik) oder das Chemie-Kolleg besuchen. Dank einer langjährigen Kooperation mit der FH JOANNEUM ist sogar die Absolvierung von ausgewählten FH-Studiengängen mit geringem Frauenanteil bis zum Bachelor möglich – 14 Frauen befinden sich derzeit vor dem Start ihrer Ausbildungen in Graz und Kapfenberg. Seit heuer übernimmt das AMS Steiermark dabei auch die Studiengebühren.
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Diese Seite wurde aktualisiert am: 18. August 2026