AMS Tirol setzt Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Orange the World im AMS Tirol


  • Veröffentlicht 29.11.2023
  • Bundesland Tirol

Seit dem 25. November läuft die weltweite Aktion „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ und die UN-Kampagne „Orange The World“. Orange ist die Farbe der UN Women Kampagne ‘Orange the World’ und steht für ein Ende von Gewalt an Frauen.

Sabine Platzer-Werlberger „Mit der orangen Bank setzt das AMS Tirol ein klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Es freut uns sehr, dass Landesrätin Eva Pawlata uns besucht hat und klar betont , dass strukturelle Gewalt eine Ursache für ungleiche Lebenschancen von Frauen und Männern ist.“

Das AMS Tirol positioniert sich entschieden für eine gewaltfreie Gesellschaft und Arbeitswelt. Unsere klare Haltung gegen Gewalt an Frauen basiert auf den Erfahrungen aus der Beratung von AMS-Kundinnen, die leider immer wieder Gewaltbeziehungen erleben. Dabei möchten wir drei zentrale Problemfelder hervorheben. 

Erstens bildet die Geschlechtersegregation einen Nährboden für verschiedene Formen von Gewalt, die sich insbesondere in der ungleichen Verteilung von Lohn- und Sorgearbeit manifestieren. Das traditionelle Bild des männlichen Ernährers in der Familie bleibt hartnäckig bestehen. In Tirol arbeitet jede zweite Frau in Teilzeit, im Gegensatz dazu nur jeder zehnte Mann. Die bestehenden Rollenbilder tragen auch zur ungleichen Verteilung von Bildungschancen, Berufswahl und Lebenserwartung bei. So wählen über 75% aller junger Frauen einen Lehrberuf im Einzelhandel, Büro oder in der ländlichen Hauswirtschaft. Junge Männer wählen hier bereits aus fünf Lehrberufen – Einzelhandel, Metalltechnik, Elektrotechnik, Landwirtschaft, Kraftfahrzeugtechnik. Eine gesellschaftliche Förderung und finanzielle Stärkung der partnerschaftlichen Aufteilung von Sorgearbeit ist daher von entscheidender Bedeutung. Zudem ist die Überwindung traditioneller Rollenbilder der Schlüssel zur Eindämmung von Gewalt gegen Frauen. 

Beatrix Hammer „Neben dem Ausbau der dringend benötigten Kinderbetreuungsangebote ist die Aufteilung von Kinderbetreuung zwischen Paaren ein essentieller Hebel für die Gleichstellung und so die Verhinderung von Gewalt.“

Der zweite Punkt betrifft die finanzielle Abhängigkeit, die sich aus den bestehenden Rollenbildern ergibt. Der Gender Pay Gap in Tirol liegt bei alarmierenden 43,7%, der zweithöchste aller Bundesländer. Die Studie „Auswirkungen von Erwerbsunterbrechungen, Berufswahl und Teilzeitarbeit auf das Lebenseinkommen von Frauen“ von Christine Mayrhuber, WIFO 2023 zeigt auf, dass Frauen im gleichen Beruf wie Männer weiterhin schlechter aussteigen. Der Einkommensrückstand von Frauen bei handwerks- und verwandten Berufen liegt bei Berufseinstieg bereits bei 2 Euro pro Stunde. Mit steigendem Alter steigt auch der Einkommensnachteil der Frauen gegenüber den Männern auf bis zu 6 Euro pro Stunde an.  Arbeitslos gemeldete Frauen erhalten in Tirol im Durchschnitt 250€ pro Monat weniger Arbeitslosengeld als Männer. Diese finanzielle Abhängigkeit macht es Frauen schwer, sich aus belastenden oder gefährlichen Gewaltbeziehungen zu lösen.  

Sabine Platzer-Werlberger „Ein eigenes existenzsicherndes Einkommen für Frauen, sowohl in der Erwerbsarbeit als auch während Phasen der Arbeitslosigkeit, Krankheit oder in Krisensituationen, muss daher zur Grundvoraussetzung werden, um Frauen Unabhängigkeit zu ermöglichen. “

Drittens möchten wir die ungleichen Möglichkeiten der Unabhängigkeit für marginalisierte Frauen z.B. mit Migrationsgeschichte oder Behinderungen thematisieren. Diese Frauen stoßen nicht nur beim Eintritt in den Arbeitsmarkt, sondern auch bei Bildungschancen und Berufsausbildungen auf Barrieren. Die Erwerbstätigenquote von Frauen mit Migrationsgeschichte liegt 10 Prozentpunkte unter der von Frauen ohne Migrationsgeschichte. Beim AMS Tirol haben über die Hälfte beider Gruppen lediglich die Pflichtschulausbildung. Komplexe und vielschichtige Gewalterfahrungen, gepaart mit Abhängigkeit von anderen Menschen, erhöhen das Gewaltrisiko. Diese Aspekte erschweren oft die Suche nach Unterstützung und das Entkommen von Gewalt. 

Beatrix Hammer „Die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Behinderung oder Migrationsgeschichte muss erhöht werden, um die finanzielle Abhängigkeit der Frauen zu reduzieren.“ 

Das AMS Tirol unternimmt verschiedene Maßnahmen, um Kund_innen bestmöglich zu unterstützen. Dazu gehören Weiterbildungen der Mitarbeiter_innen durch das Frauenhaus Tirol, die Bereitstellung von Informationen für Kund_innen und das einfühlsame Ansprechen durch AMS-Berater_innen bei Verdacht auf Gewalterfahrungen. Diese Maßnahmen sollen das Bewusstsein schärfen, Wissen verbreiten und aktiv gegen Gewalt vorgehen. 

Sabine Platzer-Werlberger „Uns ist es besonders wichtig, die Position des AMS gegen Gewalt deutlich zu machen, um die Hemmschwelle für das Sprechen über Gewalterfahrungen zu senken. Das Ansprechen von Kundinnen bei Verdacht auf Gewalterfahrung nimmt einen Platz in der Beratung ein. All unsere Führungskräfte stehen klar zu dieser Haltung, wie auf dem Foto ersichtlich.“

Rückfragen:
Beatrix Hammer, BSc, Gleichstellungsbeauftragte für den Arbeitsmarkt 
T +43 50 904 700 215

 

Orange the World im AMS Tirol
Landesrätin Eva Pawlata, Sabine Platzer-Werlberger, Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol, Beatrix Hammer, Gleichstellungsbeauftragte für den Arbeitsmarkt und das gesamte Führungsteam. des AMS.

Diese Seite wurde aktualisiert am: 29. November 2023