Bildungsaufstieg als Risiko: AK und AMS präsentieren neue Studie zur Erwachsenenbildung

Bildungsentscheidungen entstehen wesentlich auf Basis einer nüchternen Risiko-Nutzen-Abwägung. Finanzierbarkeit, Vereinbarkeit, Erfolgschancen und Signale der Arbeitgeber sind entscheidend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von JOANNEUM RESEARCH, vorgestellt von der Arbeiterkammer und dem AMS Vorarlberg. Auf Basis der Forschungsergebnisse präsentierten die AK und das AMS heute neue Ideen für den Vorarlberger Arbeitsmarkt und die Politik: Im Zentrum stehen modulare Ausbildungen, eine existenzsichernde finanzielle Absicherung sowie ein Ausbau der Beratung, um Fachkräftepotenziale im Land zu erschließen.


  • Veröffentlicht 03.03.2026
  • Bundesland Vorarlberg

Die Studie zeigt, dass der Arbeitsmarkt in Vorarlberg weiterhin durch eine starke industrielle Basis, stabile Beschäftigungsentwicklung und eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften geprägt ist – insbesondere nach Personen mit Lehrabschluss. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele formal geringqualifizierte Frauen und Männer langfristig stabil beschäftigt sind und ein solides Einkommen erzielen. Ein niedriger Bildungsabschluss führt daher nicht automatisch zu einem niedrigen Einkommen oder Arbeitslosigkeit. Weiterbildung wird häufig eher als Mittel zur Absicherung gegen gesundheitliche Belastungen im Beruf, betriebliche Veränderungen oder langfristigeUnsicherheiten gesehen.  

„Bildungsentscheidungen sind keine spontanen Impulse – sie sind das Ergebnis eines sehr bewussten Abgleichs mit der eigenen Lebensrealität“, erklärt Studienautor Andreas Niederl von JOANNEUM RESEARCH. „Für Menschen in stabilen, aber gering qualifizierten Jobs wird Qualifizierung erst dann zum Thema, wenn sie als konkrete Sicherheitsgarantie wahrgenommen wird.“ 

Menschen prüfen, ob eine Qualifizierung finanzierbar ist, ob sie sich mit Familie und Arbeit vereinbaren lässt, wie realistisch ein erfolgreicher Abschluss ist und welche Signale der eigene Betrieb sendet. Besonders wichtig sind sogenannte „Chancenfenster“ – Phasen, in denen gesundheitlicher Druck, drohende Umbrüche im Betrieb oder Arbeitslosigkeit eine Bereitschaft zur Veränderung erhöhen. Wenn in solchen Situationen realistische Bildungswege zur Verfügung stehen, steigt die Teilnahmebereitschaft deutlich. 

 AMS-Geschäftsführer Bereuter: Brauchen modulare Bildungswege  

Das AMS entwickelt nun auf Grundlage der Studienergebnisse Handlungsanleitungen, die insbesondere auf Flexibilität setzen. Einen zentralen Schwerpunkt legt das AMS auf modulare Ausbildungswege, die es ermöglichen, in kleinen und gut planbaren Schritten zu einem Abschluss zu gelangen. „Ebenso wichtig ist eine existenzsichernde finanzielle Absicherung während längerer Ausbildungsphasen – etwa durch stipendienähnliche Unterstützungsmodelle für besonders nachgefragte Berufe. Auch arbeitsmarktpolitische Stiftungen sollen weiterentwickelt und insbesondere gegenüber Betrieben verständlicher und präsenter kommuniziert werden“, betont AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter. 

AK Präsident Heinzle fordert Investitionsoffensive  

Für AK Präsident Bernhard Heinzle ergibt sich aus den Ergebnissen ein klarer politischer Auftrag. „Eine Bildungsentscheidung ist für viele Menschen eine der schwierigsten Entscheidungen ihres Lebens. Die Politik muss deshalb mehr investieren – nicht weniger. Kahlschlag bei der Bildungskarenz für die Beschäftigten und massive Kürzungen beim AMS-Budget. Das ist das falsche Signal“, so Heinzle. Seine Forderung an die Bundesregierung: Die Studienergebnisse müssen direkt in die Fachkräftestrategie einfließen. „Wir brauchen realistische Rahmenbedingungen für Bildungsvorhaben während einer aufrechten Beschäftigung. Denn es ist volkswirtschaftlich klüger, Beschäftigte während der Arbeit auszubilden, als Ausbildungen während der Arbeitslosigkeit zu finanzieren.“ Die vom AMS vorgeschlagenen Modul-Modelle sieht Heinzle dabei als richtigen Weg. 

Reformierter Bildungszuschuss und individuelle Beratung  

Ein konkreter Schritt ist bereits gesetzt: Seit 1. Jänner 2026 gilt der reformierte Vorarlberger Bildungszuschuss – mit höheren Fördersätzen für Menschen mit maximal Pflichtschulabschluss und einer neuen Einkommensstaffelung. Wer den mutigen Schritt zur Weiterbildung wagt, soll die bestmögliche Unterstützung bekommen. 

Gezielte Beratung und Kooperation mit Betrieben 

Ein wesentlicher Hebel der vorgestellten Maßnahmen ist die verstärkte Ausrichtung der Beratung. Das Service für Arbeitsuchende, das Service für Unternehmen sowie das Berufsinformationszentrum (BIZ) des AMS werden Menschen künftig noch persönlicher begleiten – insbesondere in jenen Phasen, in denen Bildungsentscheidungen besonders relevant sind. Durch die Sichtbarmachung informell erworbener Kompetenzen und eine enge Abstimmung mit den Betrieben sollen Hürden reduziert werden. Parallel dazu wird die Zusammenarbeit mit Unternehmen intensiviert, um Qualifizierungswege gemeinsam praxisnah zu gestalten und die betriebliche Nachfrage direkt abzusichern. 

Startschuss für künftige Initiativen  

Für AK und AMS ist die Studie mehr als eine Bestandsaufnahme – sie ist ein Auftrag an alle Akteure am Vorarlberger Arbeitsmarkt. Die Botschaft ist eindeutig: Prävention schlägt Reparatur. Auch wer heute gut im Job integriert ist, kann morgen bei einem Konjunktureinbruch ins Hintertreffen geraten. Ein formaler Abschluss und lebenslanges Lernen reduzieren das Risiko von Arbeitslosigkeit erheblich und erhöhen Produktivität und Innovationskraft am Wirtschaftsstandort Vorarlberg. 

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Diese Seite wurde aktualisiert am: 03. März 2026