Nach jüngsten Arbeitsmarktdaten ist Österreich derzeit zweifacher Europameister: Sowohl bei der Gesamtarbeitslosigkeit, als auch bei der Jugendarbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote für Österreich nach EUROSTAT beträgt 4,7 Prozent (Jugend: 7,6 %), dieser Wert liegt international mit Abstand an erster Stelle und beträgt nicht einmal die Hälfte des europäischen Durchschnitts. Dennoch kann sich der österreichische Arbeitsmarkt nicht von der anhaltenden internationalen Wirtschaftsflaute abkoppeln. Obwohl die Zahl der Arbeitsplätze in Österreich im Jahresabstand um 22.000 zugenommen hat, stieg parallel dazu die Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Jobsuchenden stieg im April gegenüber dem Vorjahr um 21.298 um 8,5 Prozent auf 273.121. Die Zahl der vom Arbeitsmarktservice geförderten Schulungsteilnehmer/innen lag mit 79.999 um 10.005 bzw. 14,3 Prozent über dem Vorjahreswert.
Nach Branchen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit um 1.607 bzw. 6,0 Prozent in der Arbeitskräfteüberlassung und um 2.784 bzw. 14,5 Prozent in der Bauwirtschaft. In Summe gerieten damit die "männerdominierten" Bereiche besonders stark unter Druck. In der Folge sind mit +14.166 bzw. +10,4 Prozent zwei Drittel der Arbeitslosenanstiegs auf Männer zurückzuführen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen stieg um 7.132 bzw. 6,2 Prozent. Hier war es unter anderem der Tourismus, der nach dem Ende der Wintersaison für steigende Arbeitslosigkeit verantwortlich zeichnete. Aber auch in Branchen überdurchschnittlicher Arbeitskräftefluktuation, wie im Reinigungsgewerbe, im Handel und teilweise auch im Gesundheits- und Sozialbereich nahm die Arbeitslosigkeit weiter zu.
Die steigende Zahl von älteren Arbeitskräften sorgt dafür, dass der gegenwärtige Beschäftigungsanstieg auf die Generation 50+ zurückzuführen ist. Allerdings ist auch in dieser Altersgruppe ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um +12,7 Prozent bzw. +7.353 zu verzeichnen. Die Zahl der Lehrstellensuchenden liegt Ende April um 6,5 Prozent bzw. -296 unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Allerdings zeigt auch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe rückläufige Tendenzen. So sind beim Arbeitsmarktservice mit 3.367 um 9,3 Prozent weniger Lehrstellen gemeldet als noch ein Jahr zuvor. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit von Personen unter 25 Jahren liegt mit +5,1 Prozent bzw. +1.988 unter dem Durchschnitt. Bei den 15-19jährigen sinkt die Arbeitslosigkeit nach wie vor um 3,2 Prozent bzw. 248 Personen.
Vom Programm „Reife Leistung“ sollen bis Ende 2014 5.000 Menschen profitieren
Nach jüngsten Arbeitsmarktdaten ist Österreich derzeit zweifacher Europameister: Sowohl bei der Gesamtarbeitslosigkeit, als auch bei der Jugendarbeitslosigkeit. Darauf wolle man sich nicht ausruhen, sondern weiter intensiv an neuen Angeboten für Arbeitsuchende arbeiten, so Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS). Ab sofort startet das AMS daher mit einem neuen Paket zur Förderungen von Älteren am Arbeitsmarkt. Das Programm „ Reife Leistung“ setzt an zwei Punkten an: Über Eingliederungsbeihilfen bietet das AMS älteren Arbeitslosen und gesundheitlich eingeschränkten Menschen einerseits nachhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten und andererseits – vorerst als Pilotprojekt in Wien - Unterstützung bei der nachhaltigen Integration am Arbeitsplatz durch eigene Arbeitsplatz-Coaches. Zielgruppe des Programms „Reife Leistung“ sind arbeitslose Personen ab 50 und gesundheitlich eingeschränkte Personen. Für die Beschäftigung dieser Personengruppe wird Unternehmen vom AMS bis zu einem Jahr lang die Hälfte der Lohnkosten und Lohnnebenkosten ersetzt, Non-Profit-Unternehmen erhalten zwei Drittel. Vom Programm sollen insgesamt 5.000 Menschen profitieren, bis Ende 2014 stellt das AMS dafür 40 Millionen Euro zur Verfügung.
Erste monatliche Abnahme der Arbeitslosenzahlen ab 2. Halbjahr 2014
Wien (APA) - Die Arbeitslosigkeit wird in Österreich auf hohem Niveau verharren. Die Arbeitslosenquote soll zwischen 2013 und 2015 bei unverändert 7,4 Prozent liegen und erst im Jahr 2016 auf 7,2 Prozent sinken, geht aus einer Prognose des Forschungsinstituts Synthesis für das Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. "Erste monatliche Rückgange wird es ab dem zweiten Halbjahr 2014 geben", sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf im Gespräch mit der APA.
Das AMS hatte zuletzt mit einem Sinken der Arbeitslosenquote bereits im Gesamtjahr 2015 gerechnet. Durch einen Wirtschaftsaufschwung in Österreich 2014 - mit 1,6 Prozent BIP-Plus - und 2015 (+2,5 Prozent) würden wieder mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängen, und ältere Arbeitnehmer müssten durch die Pensionsreform länger in Beschäftigung bleiben, erinnerte Kopf. "Die Nachfrage der österreichischen Betriebe nach neuen Arbeitskräften reicht jedoch mittelfristig nicht aus, um das gestiegene Arbeitskräfteangebot abzudecken", heißt es im Synthesis-Forschungsbericht. Erst 2016 soll die Arbeitslosenquote von zuvor 7,4 Prozent auf 7,2 Prozent und 2017 auf 6,9 Prozent sinken. Im EU-Vergleich verzeichnete Österreich im Februar aber erneut die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU.
Heuer soll es laut Prognose im Jahresschnitt 276.500 Arbeitslose in Österreich geben und zusätzlich rund 72.000 Personen in AMS-Schulungsmaßnahmen. Zum Vergleich: 2012 waren knapp 261.000 Personen arbeitslos registriert und 66.600 in Schulungen. Die Anzahl der vorgemerkten Arbeitslosen in Österreich wird seinen Höhepunkt im Jahr 2015 mit rund 280.000 Personen erreichen und im folgenden Jahr auf 274.500 Arbeitslose sinken. Gleichzeitig soll laut Langzeitprognose die Anzahl der Beschäftigten von 3,39 Millionen im Jahr 2013 deutlich auf 3,52 Millionen im Jahr 2017 steigen. "Sehr viel" des Beschäftigungsplus werde von Teilzeitjobs kommen, aber "ohne Verdrängung" von Vollzeitstellen, erwartet der AMS-Chef.
Als weiterhin größte Herausforderung bezeichnete Kopf das Verschwinden von Hilfsarbeiter-Jobs. Die Arbeitslosenquote bei Personen mit Lehre, Matura oder Universitätsabschluss sei in den letzten 22 Jahren nahezu konstant geblieben, bei Pflichtschulabsolventen hingegen von 9 auf 19 Prozent in die Höhe geschossen. Eine "massive Reform" des Bildungssystems in Österreich sei dringend notwendig, forderte der AMS-Chef. Beispielsweise müsste der Anteil der Pflichtschulabsolventen von derzeit rund 8,5 Prozent halbiert werden. Als gute Grundlage bezeichnete Kopf das Ende Februar vorgestellte Bildungspapier der Sozialpartner (u.a. zweites verpflichtendes Kindergartenjahr). Er hoffe, "dass das Papier Grundlage für die nächste Regierung wird“.
Gleichzeitig müssten heimische Unternehmen aber wieder mehr in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren. "Künftig werden Betriebe eingehen, weil sie zu wenig qualifizierte Mitarbeiter haben", erwartet Kopf. (Schluss) cri/sp
APA0125 2013-04-07/12:08