Die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum hat die Realwirtschaft bereits erfasst. Viele EU Länder sehen sich veranlasst, ihre Sparbemühungen deutlich zu verstärken. Dies wird die Binnennachfrage dämpfen, besonders wenn Maßnahmen zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte nicht wachstumsorientiert und mit Blick auf die Arbeitsmarktentwicklung gesetzt werden.
Im Jänner haben sich die Bedingungen auf dem nö. Arbeitsmarkt verschlechtert: Die Beschäftigung (Schätzung) steigt nicht mehr so stark wie in den letzten Monaten und die Arbeitslosenquote ist in NÖ gegenüber dem Vorjahr um 0,1%-Punkt auf 9,4% gestiegen.

Arbeitslosigkeit steigt um 2,5% an
Insgesamt waren beim AMS Niederösterreich Ende Jänner 57.580 Arbeitslose vorgemerkt, das sind um 1.404 (od. 2,5%) mehr als im Vorjahr, wobei die Arbeitslosigkeit bei den Männern (0,8%) nicht so stark steigt wie bei den Frauen (5,7%). Dies liegt vor allem daran, dass die Arbeitslosigkeit am Bau (Bauberufe, Metallberufe, Kran- und Baggerführer) durch die milde Witterung bis Ende Jänner noch immer unter der des Vorjahres liegt. „Der größte Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr ist bei den über 50-Jährigen (980 od. 7,6%), bei den AusländerInnen (809 od. 9,1%) sowie bei Personen mit Vermittlungseinschränkungen (451 od. 6,5%) zu verzeichnen. Erfreulich hingegen ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen bis 19 Jahre (-70 od. -3,7%) und auch bei den Lehrstellensuchenden (-103 od. -10,7%)“, analysiert AMS NÖ Chef Karl Fakler die aktuellen Zahlen zum niederösterreichischen Arbeitsmarkt.
Zahl der SchulungsteilnehmerInnen geht weiter zurück
Darüber hinaus sinkt auch weiterhin die Zahl der AMS NÖ SchulungsteilnehmerInnen um 1.054 (od. -9,8%) auf derzeit 9.697. Insgesamt betrachtet stieg somit die Zahl der arbeitslos Vorgemerkten inklusive der SchulungsteilnehmerInnen gegenüber dem Vorjahr um 350 (od. 0,5%). „Personen, die heute arbeitslos sind oder die über noch keine ausreichende Qualifizierung bzw. Ausbildung verfügen, müssen und werden weiterhin Hilfestellung und Unterstützung erhalten. Dabei geht Qualität vor Quantität“, betont Karl Fakler. Dass Aus- und Weiterbildung eine/n beruflich weiter bringt, zeigt die Tatsache, dass rund der Hälfte aller AbsolventInnen von AMS NÖ-geförderten Schulungsangeboten im vergangenen Jahr der Einstieg ins Erwerbsleben innerhalb von drei Monaten gelungen ist.
Gut gerüstet für wirtschaftliche Herausforderung der Zukunft
Das Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ unterstützt Unternehmen, die auf berufliche wie persönliche Fitness ihrer MitarbeiterInnen setzen. Aus- und Weiterbildung sowie Alters- und Generationenmanagement stehen im Zentrum der innerbetrieblichen Personalentwicklung. Eine besonders effiziente Form, dieses Vorhaben umzusetzen, ist der Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die zusätzlich vom Austausch über den eigenen Betrieb hinaus profitieren. Diese Qualifizierungsverbünde werden vom AMS und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziell unterstützt. – So auch der Qualifizierungsverbund des Kremser Wirtschaftsbeirates, an dem acht Betriebe aus der Region teilgenommen haben. In den Jahren 2010 und 2011 wurden rund 500 ArbeitbnehmerInnen geschult. Nun steht der Qualifizierungsverbund des Kremser Wirtschaftsbeirates vor einer weiteren Auflage mit insgesamt zwölf Unternehmen. AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Karl Fakler, der Chef des Kremser Wirtschaftsbeirates, Walter Stiefler, sowie der Kemira EHSQ-Manager Ewald Krenn und Prokurist Karl Wilhelm von BIS Chemserv ziehen eine erfolgreiche Bilanz und geben einen Ausblick auf den neuen Verbund.
Im Jahr 2011 hat das AMS NÖ die Aus- und Weiterbildung von 10.284 niederösterreichischen Beschäftigten unterstützt. Rund 3,8 Millionen Euro – die Hälfte davon stammt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) – wurden dafür aufgewendet. Die finanziellen Mittel können – mit wenigen Ausnahmen – von allen ArbeitgeberInnen in Niederösterreich lukriert werden, wenn sie ihren MitarbeiterInnen eine arbeitsmarktorientierte und überbetrieblich verwertbare Aus- und Weiterbildung ermöglichen. „Lebensbegleitendes Lernen“ und „Productive Ageing“ sowie gesundheitsfördernde Aktivitäten stehen im Brennpunkt der Qualifizierungsförderungen. Die Schulungen sind in ein Gesamtkonzept eingebettet, das Aktivitäten zum Erhalt und Förderung der Arbeitsfähigkeit der MitarbeiterInnen beinhaltet (Bsp.: Führungskräftetraining zum Alters- und Generationenmanagement).
AMS NÖ-Chef Karl Fakler zu den Vorteilen dieses Modells: „Betriebe erhalten so ihr innerbetriebliches Wissens- und Erfolgspotenzial und bauen es aus. Vor allem zwischen Generationen, denn der Wissenstransfer zwischen den erfahrenen Älteren und den Jungen mit neuen Ideen wird sichergestellt. Mit der Förderung durch das AMS reduzieren die Unternehmen nicht nur Kosten bei aktuell anstehenden Personalentwicklungsmaßnahmen, sondern senken auch langfristig Kosten, zum Beispiel bei der Aufnahme von neuen MitarbeiterInnen.“
Im Fokus der AMS-Förderung stehen Beschäftigte (beiderlei Geschlechts) im Alter ab 45 Jahren sowie Frauen, die höchstens eine Lehr- oder mittlere Schulausbildung haben. Im Jahr 2011 hat der Anteil der Frauen an allen niederösterreichischen Beschäftigten, deren innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung durch das AMS finanziert wurde, 60% betragen. 45% aller Geförderten waren älter als 45 Jahre.
Qualifizierungsverbund Kremser Wirtschaftsbeirat: 478 TeilnehmerInnen, 389 vom AMS gefördert
Bei einem Qualifizierungsverbund schließen sich mehrerer Betriebe zusammen, um gemeinsam maßgeschneiderte Bildungs- und gesundheitsfördernde Programme für ihre MitarbeiterInnen zu planen und durchzuführen. Für den professionellen Aufbau eines Verbundes stellt das AMS NÖ den teilnehmenden Unternehmen ein externes Unternehmensberatungsinstitut zur Seite und finanziert bis zu fünf Beratungstage pro Betrieb.
So geschah dies auch bei Verbund des Kremser Wirtschaftsbeirates. In den Jahren 2010 bis 2011 wurden 478 ArbeitnehmerInnen aus acht namhaften Betrieben zu 20 verschiedenen Themen geschult. Für 389 Beschäftigte hat das AMS die Qualifizierung gefördert. Die Kosten für das AMS und den ESF beliefen sich auch € 52.100,-.
• Die teilnehmenden Betriebe waren:
Kemira Chemie GmbH (Leitbetrieb), BIS Chemserv GmbH, Brantner Walter GmbH, ChemFreight Transport, Logistik & Waggonvermietung GmbH, Dynea Austria GmbH, Logwin Solutions Austria GmbH, Krems Chemie Chemical Services AG und Stiefler GmbH
• Zentrale Schulungsthemen:
Englischkurse in verschiedenen Niveaus, Office Schulungen, Nachwuchsführungskräftetrainings, Grundausbildung Sicherheitsvertrauensperson, Truppmannausbildung sowie aus dem Bereich Gesundheit: Erste Hilfe Kurs, Fitness für Körper und Geist oder gesunde Ernährung (vor allem für den Schichtdienst)
Begleitend zu den Schulungen wurden in den Unternehmen Altersstrukturanalysen durchgeführt. Zu den Themen Schichtplanung, Führung und betriebliche Gesundheitsvorsorge gab es einen regen Austausch über die betrieblichen Grenzen hinweg.
„Die gemeinsame Ausbildung in unserem Firmennetzwerk bringt viele Synergien mit sich. Nicht nur bei den Kosten, sondern auch durch das gemeinsame Lernen der MitarbeiterInnen zwischen den Verbundpartnern“, ist Walter Stiefler, Chef des Kremser Wirtschaftsbeirates überzeugt.
Im Jahr 2011 haben sich in Niederösterreich 669 Unternehmen zu insgesamt 74 Verbünden zusammengeschlossen. Sie wurden aus Mitteln des AMS und des ESF mit rund € 290.000,- finanziell unterstützt.
Neuer Verbund Kremser Wirtschaftsbeirates startet im Februar
Mit 16. Februar startet ein weiterer Qualifizierungsverbund des Kremser Wirtschaftsbeirates. Mit A Tec Holding GmbH, Franz Schütz GmbH, Fresenius Medical Care Adsorber Tec GmbH, Mierka Donauhafen Krems Gesellschaft m.b.H. & Co. KG und Penn GmbH sind fünf weitere bedeutende Unternehmen des Wirtschaftsraumes Krems mit an Bord.
Die geplanten Schulungen wurden um Themen wie Kranausbildungen, StaplerfahrerIn, SVP-Grundausbildung, Ausbildung für Beauftragte zur Ladungssicherung und für Gefahrengut sowie „Gefahren der Chemie“ erweitert. Die Schulungen werden bis Oktober 2012 durchgeführt. Das AMS und die Verbundpartner rechnen neuerlich mit rund 500 TeilnehmerInnen.
Im Rahmen des neuen Qualifizierungsverbundes sind gegenseitige Betriebsbesuche geplant sowie ein Austausch zu Themen wie Personalentwicklung, Umgang mit Krisen, betriebliche Gesundheitsvorsorge, Productive Ageing und Innovation.
Die Rolle des Leitbetriebes im neuen Verbund wird nach der Kemira Chemie nun die BIS Chemserv übernehmen.
Rückfragehinweis f. die Redaktion
AMS NÖ, Mag. Martina Fischlmayr Tel.: 01/531 36-140; 0664/83 50 517
Starker Anstieg des Arbeitskräfteangebots
Die Erholung der (nieder)österreichischen Wirtschaft nach der Rezession 2008/09 setzte sich im abgelaufenen Jahr zügig fort. Die gesamtwirtschaftliche Produktion expandierte bis zur Jahreshälfte sehr kräftig und erreichte im 1. Halbjahr wieder das Niveau vor der Krise. Ab der 2. Jahreshälfte schwächte sich die konjunkturelle Dynamik ab. In Summe prognostizieren WirtschaftsforscherInnen für das Jahr 2011 ein Wachstum von gut 3%.
Der niederösterreichische Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2011 deutlich besser entfaltet als prognostiziert. Das Angebot an Arbeitskräften hat sich äußerst expansiv entwickelt. Neben den guten Konjunkturaussichten war vor allem die Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes aus acht neuen EU-Staaten für den ungewöhnlich starken Anstieg des Arbeitskräfteangebots verantwortlich.
Beschäftigung über dem Niveau des Rekordjahres 2008
Obwohl das Arbeitskräfteangebot 2011 außerordentlich stark ausgefallen ist, konnten die nö. Betriebe ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung stellen: So stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten in NÖ (sie beinhalten ab Jänner 2011 auch die Zahl der freien Dienstverträge, da diese in den vergangenen Jahren immer mehr den unselbständig Beschäftigten angeglichen wurden) im Jahresdurchschnitt 2011 um 9.153 (od. 1,6%) auf 573.305 an. Damit lag die Beschäftigung über dem Niveau des Rekordjahres von 2008 (mit 572.353 Beschäftigten). Im Durchschnitt entfielen zwei Drittel des Beschäftigtenzuwachses auf Männer (+5.952 od. 1,9%).
Erwartungsgemäß haben die BürgerInnen der neuen EU-Mitgliedsstaaten, für die ab Mai 2011 die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt galt, die gute Konjunktur genutzt, um eine Beschäftigung in NÖ aufzunehmen. Acht Monate nach dem Ende der Übergangsbestimmungen waren in NÖ 19.000 Personen aus den neuen Mitgliedsstaaten in NÖ beschäftigt, das sind um 43,6% (oder +5.770) mehr als ein Jahr zuvor (davon Liberalisierungseffekt: +4.445).
Grundlage für diese positive Beschäftigungsentwicklung war die offensichtlich gute Auftrags-lage in der Industrie, speziell im exportorientierten Produktionsbereich (und hier vor allem in der Metallerzeugung, elektrischen Ausrüstungen, Maschinenbau, Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen), aber auch im gesamten Baubereich. Insgesamt basierte der Beschäftigungszuwachs aber nach wie vor auf dem Dienstleistungssektor, vor allem im gesamten Handel, besonders in der Gastronomie, weiters bei der Unternehmensberatung, der Forschung und Entwicklung, bei der Gebäudereinigung und Sicherheitsdiensten sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.
Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit
Obwohl das AMS NÖ die Schulungsangebote um 15% (abs.-1.751 Personen) zurückgenommen hat und das Arbeitskräfteangebot mit einem Plus von 7.736 (od. 1,3%) stark gestiegen ist, ist es gelungen, die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken: Sowohl die Zugänge in die Arbeitslosigkeit (145.153, -6.161 od. -4,1%) als auch die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen (136.433, -4.325 od. -3,1%) waren deutlich geringer als im Jahr 2010. Insgesamt nahm die Arbeitslosigkeit in NÖ im Jahr 2011 um 1.417 (od. -3,3%) auf 41.698 ab. Dieser Rückgang kam wie schon im Jahr 2010 ausschließlich Männern und (männlichen) Inländern zugute.
Die Arbeitslosenquote reduzierte sich gegenüber 2010 um -0,3%-Punkte und lag bei 6,8% (Ö: 6,7%; -0,2%-Punkte gegenüber 2010), wobei die Quote sowohl bei InländerInnen (-0,3%-Punkte auf 6,6%) als auch bei AusländerInnen (-0,7%-Punkte auf 8,2% infolge des großen Beschäftigtenanstieges von knapp 10%) zurückgegangen ist.
Die durchschnittliche Vormerkdauer konnte gegenüber 2010 von 122 auf 117 Tage verkürzt werden. Besonders bei den Jugendlichen (bis 24 Jahre) hat sich die Arbeitsmarktlage überdurchschnittlich verbessert (Rückgang der Arbeitslosigkeit um -4,9%).
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (>12 Monate) wurde gegenüber 2010 neuerlich deutlich gesenkt und zwar um -623 (od. -24,2%).
Im abgelaufenen Jahr ist 80.483 arbeitslosen NiederösterreicherInnen der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben gelungen, genau zwei Drittel davon innerhalb von 3 Monaten.
Stellenangebot deutlich über dem Niveau des Jahres 2010
Im vergangenen Jahr konnte das AMS NÖ seine Geschäftsbeziehungen zu den niederösterreichischen Unternehmen weiter ausbauen: Den MitarbeiterInnen im Bereich Service für Unternehmen wurden Vermittlungsaufträge für insgesamt 61.587 (und 4.997 offene Lehrstellen) bekannt gegeben. Das ist ein Plus von 1.834 (od. 3,1%) gegenüber dem Jahr 2010 (offene Lehrstellen: 463 od. 10,2%).
Insgesamt konnten im abgelaufenen Jahr 52.713 offene Stellen mit einer Arbeitskraft besetzt werden, um 2.460 (od. 4,9%, Ö: 4,2%) mehr als im Jahr 2010. 39.842 der freien Stellen – das sind immerhin genau drei Viertel aller Stellenvermittlungen – wurden innerhalb eines Monats mit einer passenden Arbeitskraft besetzt (+3.210 od. 8,8% mehr als 2010).