Motivationsschreiben Studium

Warum möchten Sie an einer bestimmten Hochschule eine konkrete Ausbildung absolvieren? Weshalb sollten gerade Sie einen Platz in möglicherweise umkämpften Studienzweigen erhalten? Was berechtigt Sie, ein Auslandssemester machen zu können oder ein Stipendium zu erhalten? All diese Fragen können in einem Motivationsschreiben thematisiert und erörtert werden. Doch wann wird ein derartiges Schreiben eigentlich benötigt, was muss es beinhalten und welche unterschiedlichen Möglichkeiten existieren, ein Motivationsschreiben zu verfassen?

Die Bewerbung für ein Studium

Nicht nur bei Bewerbungen für bestimmte Jobs, auch im Zuge einer Ausbildung in einer Fachhochschule oder Universität besteht mitunter die Notwendigkeit, ein Motivationsschreiben zu verfassen. Jene Aspekte, die im Lebenslauf sowie im Bewerbungsschreiben keinen Platz finden und die nicht anhand von Zeugnissen oder anderen Dokumenten ersichtlich sind, können dann in einem derartigen Anschreiben zur Sprache kommen. In einem Motivationsschreiben für ein Studium werden die persönlichen Beweggründe für die jeweilige Ausbildung kreativ formuliert und erläutert.

Warum ist Vorbereitung so wichtig?

Unumgänglich für jede Bewerbung ist die umfangreiche Vorbereitung. Essentiell ist, herauszufinden, ob die Hochschule oder Universität, für die Sie sich bewerben, überhaupt ein Motivationsschreiben verlangt. Ist dies der Fall, sollten genauere Informationen über das Studienangebot sowie den konkreten Studiengang und den Standort der Fakultät eingeholt werden. Darüber hinaus ist von Bedeutung, welche Prinzipien und Werte die Hochschule oder Universität vertritt, ob Zusatzprogramme angeboten werden oder ob es gewisse Vorlagen beziehungsweise Vorgaben bezüglich Länge, Form oder Struktur gibt.

Tipp:

Recherchieren Sie gründlich und informieren Sie sich beispielsweise auf der Homepage der Universität oder Fachhochschule im Vorhinein über konkrete Anforderungen betreffend dem Motivationsschreiben!

Wann benötige ich ein Motivationsschreiben?

Nicht jede Universität oder Fachhochschule beziehungsweise nicht für jeden Studiengang besteht die Notwendigkeit, ein Motivationsschreiben zu verfassen. Bei Masterstudien, in privaten Hochschulen, bei der Bewerbung um ein Stipendium oder bei dem Wunsch, ein Auslandsstudium zu absolvieren, wird aber häufig ein derartiges Schreiben verlangt. Speziell in den Fachrichtungen Medizin, Psychologie, Betriebswirtschaftslehre oder Soziale Arbeit sind im Regelfall Motivationsschreiben notwendig. Die Gründe hierfür sind einfach erklärt: viele Bewerberinnen und Bewerber „kämpfen“ um eine geringe Anzahl an Studienplätzen und die Hochschulen haben Schwierigkeiten, einzig anhand von erbrachten Leistungen und Lebensläufen die passenden Studentinnen und Studenten auszuwählen. Außerdem spielt der Beweggrund, ein bestimmtes Studium zu absolvieren, eine wichtige Rolle, und eben dies wird in einem Motivationsschreiben genauer erörtert.

Grundlegendes zu Inhalt, Aufbau und Struktur eines Motivationsschreibens

Abhängig vom Studiengang sowie der Studienrichtung gibt es selbstverständlich Unterschiede bezüglich Aufbau, Inhalt und Form eines Motivationsschreibens. Manche Hochschulen machen konkrete Vorgaben, die dann natürlich Verwendung finden sollten. Auch wenn einige grundlegende Dinge unbedingt beachtet werden sollten, gilt die Devise: Individualität, Einzigartigkeit und Kreativität sind gefragt. Schreiben Sie in Ihrem Stil und kopieren Sie niemals ganze Textpassagen aus dem Internet oder aus anderen Motivationsschreiben! Die Gefahr, dass die Universität oder Fachhochschule dies als negativ bewertet und Sie womöglich den Studienplatz dadurch nicht erhalten, ist groß.

Folgende formale Aspekte gilt es in jedem Fall zu beachten:

  • Sofern nicht bereits im Anschreiben vorhanden, sollten der Briefkopf der Fakultät sowie Ihre persönlichen Daten (Name und Anschrift) angeführt werden. Auch Datum und Ort sollten verzeichnet sein.
  • Verwenden Sie die direkte Anrede beziehungsweise benennen Sie eine konkrete Ansprechpartnerin / einen konkreten Ansprechpartner.
  • Am Ende sollte eine Grußformel angeführt und das Motivationsschreiben (händisch) unterschrieben werden.
  • Weniger ist mehr – eine bis zwei DIN A4 Seiten oder rund 500 bis 750 Wörter gelten als Richtwert.
  • Schreiben Sie in klar verständlichen, nicht verschachtelten Sätzen und machen Sie regelmäßig Absätze.
  • Verwenden Sie eine gut lesbare Schriftart (beispielsweise Arial, Helvetica oder Calibri) und eine leserliche Schriftgröße (zum Beispiel 11), Zeilenabstand 1,5.
  • Achten Sie besonders auf die Rechtschreibung und vermeiden Sie Grammatikfehler.
  • Alle Bewerbungsunterlagen sollten bezüglich Layout und Format einheitlich gestaltet sein.
  • Lassen Sie Ihr Motivationsschreiben Korrektur lesen.
  • Die Abgabe erfolgt in der Regel im pdf-Format.

Dies sind die inhaltlichen Gesichtspunkte, die es zu berücksichtigen gilt:

  • Gehen Sie auf das jeweilige Studium beziehungsweise die Hochschule genau ein und richten Sie den Fokus Ihres Motivationsschreibens darauf. 
  • Vermeiden Sie inhaltsleere Aussagen und achten Sie auf die Relevanz der angesprochenen Themen.
  • Wie bereits erwähnt ist eine individuelle, authentische Form ideal geeignet. Wenn Sie diesbezüglich Probleme haben, halten Sie sich an eine chronologische Struktur.
Tipp

Auch wenn Plagiate ein absolutes „No-Go“ sind, werden oft Anregungen und Hilfestellungen benötigt. Über das interaktive Bewerbungsportal des AMS finden Sie Beispiele und Mustervorlagen für Motivationsschreiben fürs Studium.

Fließtext vs. Zwischenüberschriften – zwei unterschiedliche Varianten

Generell kann zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden werden, ein Motivationsschreiben zu verfassen – als Fließtext oder mit Zwischenüberschriften. Es gibt keine strikte Regel, wann welche Form verwendet werden soll, eventuell gibt es aber bei der jeweiligen Universität oder Hochschule eine spezielle Vorlage, die benutzt werden sollte. Ansonsten überlegen Sie, welche Form Ihnen mehr zusagt sowie welche Variante besser zum jeweiligen Studium beziehungsweise zum konkreten Verwendungszweck passt. 

Der Fließtext ist generell gekennzeichnet durch einen besseren Lesefluss und kann vermutlich individueller und kreativer gestaltet werden, bringt aber womöglich Probleme beim Strukturieren mit sich. Die Verfasserin/der Verfasser muss hier besonders darauf achten, dem „roten Faden“ zu folgen. 

Demgegenüber zeichnet sich ein Text mit Zwischenüberschriften durch Übersichtlichkeit und eine klare Gliederung aus. Durch die Unterteilung kann sich die Leserin/der Leser möglicherweise besser zurechtfinden.

Egal welche Art Verwendung findet, vergessen Sie nicht auf eine passende Überschrift, denn der erste Eindruck ist bekanntlich sehr wichtig. Neben der einfachen, klassischen Bezeichnung „Motivationsschreiben“ wären Beispiele für gute, prägnante Überschriften die Folgenden:

  • Meine Motivation 
  • Meine Motivation für ein (Bachelor-/Master-) Studium im Bereich XY
  • Deshalb möchte ich XY an Ihrer Universität studieren
  • Bewerbung für einen (Bachelor-/Master-) Studienplatz an der Universität XY

Das Motivationsschreiben für ein Studium im Fließtext

Nach der Überschrift muss in jedem Fall die Unterscheidung getroffen werden, in welcher Form das Motivationsschreiben verfasst wird. Auch wenn bei der ersten Variante das Schreiben in Form eines Fließtextes geschrieben wird, so ist selbstverständlich trotzdem eine gewisse Gliederung maßgebend:

  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss

Bei der Einleitung ist das Ziel, die Aufmerksamkeit und das Interesse der Leserin/des Lesers für sich zu gewinnen. Nach einigen Worten zur eigenen Person wird erwähnt, warum man sich für das jeweilige Studium beziehungsweise den Studienplatz bewirbt.

Im Hauptteil sollte dann detaillierter auf verschiedene Aspekte eingegangen werden. Sie sollten herausarbeiten, warum Sie sich um diesen Studienplatz bewerben und weshalb Sie anspruchsberechtigt dafür sind. Es gilt, das persönliche Bestreben hervorzuheben, warum Sie an besagter Hochschule ausgebildet werden möchten und welche individuellen und fachlichen Qualifikationen mitgebracht werden. Verweisen Sie auf Ihre Stärken und eventuell bereits gesammelte Erfahrungen wie Praktika und dergleichen. Gehen Sie konkret auf den bevorstehenden Studienalltag ein, zeigen Sie, dass Sie bereits über die Hochschule Informationen gesammelt haben und erläutern Sie Ihre zukünftigen beruflichen Bestrebungen und Ziele. Überzeugen Sie die Leserin/den Leser von sich als Person und von Ihrer Motivation, besagtes Studium gewissenhaft (und in der regulären Studienzeit) zu absolvieren.

In einem eher kurz gehaltenen Absatz sollten Sie am Schluss des Schreibens noch einmal auf die Motivation eingehen und dankend Ihre Bereitschaft zeigen, zu einem eventuellen Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Das Motivationsschreiben für ein Studium mit Zwischenüberschriften

Wenn Sie sich für diese Variante entscheiden, können Sie entweder mit einer kurzen Einleitung beginnen, oder sofort eine erste Überschrift anführen. Selbstverständlich wird auch bei der Wahl dieser Form nach den Zwischenüberschriften der Text in fließender Form verfasst, passend zur jeweils gewählten Headline. 

Gibt es bestimmte Anforderungen, Programme oder Inhalte, mit denen sich die Universität oder Fachhochschule verstärkt auseinandersetzt, können diese in die Überschriften miteinbezogen werden. Hierdurch wird deutlich, dass Sie sich bereits über das Studium informiert haben. Ansonsten sollten Sie die Bezeichnungen sinnvoll strukturieren, beispielsweise zuerst allgemeines Interesse bekunden, danach spezifischer auf das Bestreben und die Eignung für das jeweilige Studium eingehen und zuletzt die persönlichen und fachlichen Qualifikationen in den Vordergrund rücken.

Das Motivationsschreiben für ein Bachelorstudium

Je nach Verwendungszweck gibt es unterschiedliche Aspekte und Anforderungen, auf die Rücksicht genommen werden muss. Ein Motivationsschreiben für ein Bachelorstudium zeichnet sich durch die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte aus:

  • Information über Sie als Person sowie über Ihr Interesse an besagtem Studiengang.
  • Begründung, warum Sie an besagter Hochschule studieren möchten.
  • Bezugnahme auf die bisherigen schulischen Leistungen, insbesondere Hervorhebung themenrelevanter Zusatzausbildungen, Schwerpunktsetzungen oder Leistungskurse.
  • Anführung bereits vorhandener Berufserfahrungen (Praktika, Ferialjobs, etc.), falls vorhanden.
  • Erwähnung von sozialem Engagement, sofern passend.
  • Angabe der beruflichen Ziele und Vorstellungen.
Tipp

Bemühen Sie sich, einen positiven und zielstrebigen Eindruck zu hinterlassen und achten Sie darauf, Ihrer Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen.

Das Motivationsschreiben für ein Masterstudium

In diesem Motivationsschreiben gibt es Parallelen zu jenem für ein Bachelorstudium, wie beispielsweise die Angabe persönlicher Informationen oder die Interessensbekundung an besagtem Studium. Trotzdem fließen noch andere, weiterführende Themen und Inhalte mit ein. Anwerberinnen und Anwerber für ein Masterstudium sollten auf Ihr bisher absolviertes Studium eingehen und ein ambitioniertes, intellektuelles Schreiben verfassen:

  • Angabe über die Schwerpunktsetzungen des abgeschlossenen Bachelorstudiums und die im Zuge dessen verfasste Bachelorarbeit. 
  • Anführung der bisherigen Berufserfahrung und (ehrenamtlichen) Tätigkeiten.
  • Angabe über die Motivation für besagtes Masterstudium sowie über die weitere Vorgehensweise und künftigen Kernthemen im Studium.
  • Beschreibung des zu erwartenden Umfelds und der geplante Umgang mit anderen Studierenden sowie der Hochschule.
  • Bezugnahme auf Berufsaussichten, -wünsche und -ziele.
  • Eingehen auf persönliche Stärken, Qualifikationen und Faktoren sowie auf den familiären Hintergrund.
Tipp

Achten Sie auf eine klare, verständliche und akademische Kommunikationsform und verdeutlichen Sie, warum gerade Sie einen Platz im Masterstudiengang bekommen sollen.

Das Motivationsschreiben für ein Auslandssemester

Nicht nur im Rahmen einer Bewerbung für einen Studienplatz im Zuge eines Bachelors oder Masters ist ein Motivationsschreiben von Bedeutung. Insbesondere wenn der Wunsch oder die Notwendigkeit besteht, ein Semester im Ausland zu absolvieren, ist ein derartiges Schreiben unerlässlich. Ob mit dem bekannten Programm „Erasmus“ oder eigenständig organisiert, ein Motivationsschreiben ist mit großer Wahrscheinlichkeit nötig. Die folgenden Inhalte sollten in einem derartigen Text behandelt werden:

  • Benennung der individuellen Zielvorstellungen sowie des persönlichen und fachlichen Mehrwerts eines Auslandssemesters.
  • Anführung der ausschlaggebenden Gründe, warum die Entscheidung auf das gewählte Land beziehungsweise die jeweilige Hochschule viel.
  • Verweis auf den Bezug zum Studium und dessen Verlauf im Heimatland und Hervorhebung des Zusatznutzens eines Auslandssemesters.
  • Eingehen auf die Kultur, die Tradition und die sozialen Werte im Zielland.
  • Bezugnahme auf bisherige Kenntnisse sowie die Erweiterung des individuellen sprachlichen Wissens vor Ort.
  • Angabe von Erfahrungen oder Erlebnissen in Zusammenhang mit dem gewählten Land, sofern diese nicht zu „trivial“ formuliert werden.
Tipp

Eventuell soll oder muss ein Motivationsschreiben für ein Auslandssemester in englischer Sprache formuliert werden. Informieren Sie sich diesbezüglich bei der zuständigen Stelle beziehungsweise der Universität, an die Sie das Schreiben richten.

Das Motivationsschreiben im Rahmen einer Bewerbung für ein Stipendium

In einigen Fällen übernehmen Stiftungen oder Unternehmen die Kosten für ein Studium in Form eines Stipendiums. Dieses zu erhalten ist nicht leicht, da man auf ganzer Linie überzeugen muss. Ausgezeichnete Noten und Leistungen reichen nicht aus, es ist in jedem Fall zusätzlich ein Motivationsschreiben von Nöten. Folgende inhaltliche und formelle Anforderungen gilt es zu beachten:

  • Begründung, warum Sie sich für diese Studienrichtung beziehungsweise die konkrete Ausbildung entschieden haben.
  • Angabe der Gründe, warum sich die Stiftung oder das unterstützende Unternehmen gerade für Sie und nicht für Mitkonkurrentinnen und -konkurrenten entscheiden sollte.
  • Bezugnahme zu den Werten, der (Firmen)Philosophie und den Leitlinien der Stiftung oder des Unternehmens.
Tipp

Beachten Sie bei der Formulierung, dass ein Motivationsschreiben für ein Stipendium in der Regel formeller zu verfassen ist und weniger auf der persönlichen, emotionalen Ebene ansetzt.

Diese Seite wurde aktualisiert am: 20. April 2021