Pflegefreistellung in Österreich: Wann habe ich Anspruch?

In Österreich haben Sie das Recht, Ihr erkranktes Kind oder Angehörige zu pflegen und dafür von der Arbeit freigestellt zu werden. Wer Anspruch auf eine Pflegefreistellung hat, welche Gründe vorliegen müssen und wie lange eine Pflegefreistellung maximal dauern kann, haben wir im folgenden Beitrag für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Pflegefreistellung ermöglicht es Arbeitnehmer_innen, erkrankte nahe Angehörige oder Haushaltsmitglieder zu pflegen und weiterhin ihr Gehalt zu beziehen. 
  • Die Dauer der Pflegefreistellung ist unabhängig davon, wie viele Personen Sie pflegen oder betreuen. Sie beträgt eine Woche pro Arbeitsjahr.
  • Man unterscheidet zwischen Krankenpflegefreistellung, Betreuungsfreistellung und Begleitungsfreistellung.
  • Die Pflegefreistellung muss sofort bei der Arbeitgeberin_beim Arbeitgeber gemeldet werden. Sie_Er kann dafür einen Nachweis (bspw. ein ärztliches Attest) verlangen.  

Wie genau ist eine Pflegefreistellung in Österreich definiert?

Bei der Pflegefreistellung handelt es sich in Österreich um einen Sonderfall der persönlichen Dienstverhinderung aufgrund familiärer Pflichten. Als Arbeitnehmer_in in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis steht Ihnen in diesem Fall die Fortzahlung Ihres Entgelts zu.

Wenn nahe Angehörige oder Haushaltsmitglieder erkranken oder die Betreuungsperson eines Kindes ausfällt, können Sie als Arbeitnehmer_in Pflegefreistellung in Anspruch nehmen.

Unterschied zwischen Pflegefreistellung und Pflegeurlaub: 

Die Pflegefreistellung wird umgangssprachlich auch „Pflegeurlaub“ genannt. Geregelt wird die Pflegefreistellung im Urlaubsgesetz (UrlG) im Paragraf 16. Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Pflegefreistellung jedoch nicht um einen Urlaubsanspruch. 

Wer hat Anspruch auf Pflegefreistellung?

Alle Dienstnehmer_innen, die einen privatrechtlichen Arbeitsvertrag haben, können Pflegefreistellung beantragen. Ihr_e Arbeitgeber_in kann Ihre Pflegefreistellung nicht ablehnen, es braucht somit keine Zustimmung. Allerdings müssen Sie Ihrem_Ihrer Arbeitgeber_in die Pflegebedürftigkeit eines nahen Angehörigen nachweisen. Dazu haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. mündliche bzw. schriftliche Mitteilung
  2. Vorlage eines ärztlichen Attests

Für wen können Sie Pflegefreistellung beantragen?

Bitte beachten Sie, dass Ihnen die Pflegefreistellung nicht automatisch für jedes Familienmitglied zusteht. Aber für wen bekommt man Pflegeurlaub? Ausschließlich für sogenannte „nahe Angehörige“ ist eine Pflegefreistellung zulässig. Zur Personengruppe der „nahen Angehörigen“ zählen: 

  • Ehepartner_in
  • Lebensgefährtin_Lebensgefährte
  • eingetragene Partnerin_eingetragener Partner
  • Verwandte in gerader Linie: Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern
  • Wahl-, Pflege- und Stiefkinder
  • im gemeinsamen Haushalt lebende leibliche Kinder von Ehegattin bzw. Ehegatte, eingetragener Partnerin bzw. eingetragenem Partner und Lebensgefährtin bzw. Lebensgefährten

Drei Gründe für eine Pflegefreistellung

Pflegefreistellung können Sie aufgrund unterschiedlicher, klar definierter Gründe beantragen. Wir erläutern Ihnen die verschiedenen Arten von Pflegefreistellung:

1. Krankenpflegefreistellung

Ihr Kind ist erkrankt oder Sie müssen nahe Angehörige, die im gemeinsamen Haushalt leben und erkrankt sind, pflegen? Dann haben Sie Anspruch auf die sogenannte Krankenpflegefreistellung. 

Krankenpflegefreistellung erhalten Sie für folgende Personen

  • für ihre Kinder, unabhängig davon ob sie in einem gemeinsamen Haushalt leben oder nicht
  • für die leiblichen Kinder Ihrer Ehegattin bzw. Ihres Ehegatten, Ihrer eingetragenen Partnerin bzw. Ihres eingetragenen Partners oder Ihrer Lebensgefährtin bzw. Ihres Lebensgefährten, wenn Sie mit dem leiblichen Elternteil und dem Kind einen gemeinsamen Haushalt haben 
  • für alle Personen, mit denen Sie im gemeinsamen Haushalt leben, sogenannte Haushaltsmitglieder (gilt seit 1. November 2023)
  • für nahe Angehörige, unabhängig davon ob ein gemeinsamer Haushalt vorliegt (gilt seit 1. November 2023)
Beispiel

Ist eine Mutter nach der Entbindung pflegebedürftig, so kann der zweite Elternteil laut Gesetz eine Pflegefreistellung im Ausmaß von maximal einer Woche pro Jahr in Anspruch nehmen. Der_die Arbeitgeber_in hat das Recht auf den Nachweis einer ärztlichen Bestätigung. Sollten Ihnen für die Bestätigung Kosten entstehen, müssen diese vom Unternehmen getragen werden. Ein Pflegeurlaub des zweiten Elternteils nach einer Geburt ist auch häufig kollektivvertraglich geregelt.

2. Betreuungsfreistellung

Die Person, die Ihr Kind, Wahl- oder Pflegekind ständig betreut, ist aus schwerwiegenden Gründen ausgefallen und Sie müssen das Kind nun selbst betreuen? Auch dann steht Ihnen Pflegefreistellung zu – in diesem Fall die Betreuungsfreistellung.

Zu den schwerwiegenden Gründen zählen u.a.:

  • Erkrankung
  • Krankenhausaufenthalt oder 
  • Tod

Ein gemeinsamer Haushalt mit dem Kind ist in diesem Fall nicht notwendig.

Betreuungsfreistellung steht Ihnen auch für leibliche Kinder Ihrer Ehegattin bzw. Ihres Ehegatten, Ihrer eingetragenen Partnerin bzw. Ihres eingetragenen Partners oder Ihrer Lebensgefährtin bzw. Ihres Lebensgefährten zu. Voraussetzung ist, dass Sie mit dem leiblichen Elternteil und dem Kind in einem gemeinsamen Haushalt leben.

3. Begleitungsfreistellung 

Sie müssen Ihr Kind zu einem stationären Aufenthalt in ein Krankenhaus (Heil- oder Pflegeanstalt) begleiten? Auch dann haben Sie Anspruch auf Pflegefreistellung.

Diese sogenannte Begleitungsfreistellung gilt auch für Wahl- oder Pflegekinder sowie für Stiefkinder bzw. leibliche Kinder der eingetragenen Partnerin bzw. des eingetragenen Partners oder der Lebensgefährtin bzw. des Lebensgefährten, die im gemeinsamen Haushalt leben.

Wichtig

Für die Begleitung Ihres Kindes in ein Krankenhaus aufgrund einer Untersuchung (ambulanter Aufenthalt) besteht kein Anspruch auf Begleitungsfreistellung.

Dauer der Pflegefreistellung

Die Dauer Ihres Anspruchs auf Pflegefreistellung beträgt 1 Woche pro Arbeitsjahr und zwar im Ausmaß Ihrer wöchentlichen Arbeitszeit. Wie viele Tage Pflegefreistellung sind das aber genau? Wir zeigen Ihnen das anhand eines konkreten Beispiels:

Beispiel der Berechnung:

Sind Sie für 25 Stunden pro Woche angestellt, haben Sie Anspruch auf Pflegefreistellung von 25 Stunden pro Arbeitsjahr. Im Fall einer Vollzeitanstellung von 38,5 Wochenstunden beträgt Ihre Pflegefreistellung 38,5 Stunden pro Arbeitsjahr. Sie können die Pflegefreistellung je nach Bedarf wochen-, tage- oder stundenweise in Anspruch nehmen. 

Wichtig:

Die Dauer der Pflegefreistellung ist unabhängig davon, wie viele nahe Angehörige, Kinder oder Haushaltsmitglieder Sie pflegen oder betreuen. Haben Sie beispielsweise drei Kinder und müssen Ihre kranke Mutter pflegen, beträgt Ihr Anspruch auf Pflegefreistellung trotzdem nur 1 Woche pro Arbeitsjahr.

Finanzielles

Während der Pflegefreistellung haben Sie gegenüber Ihrem_Ihrer Arbeitgeber_in Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Sie bekommen in dieser Zeit exakt jenes Entgelt, das Sie erhalten würden, wenn Sie Ihre reguläre Arbeitsleistung erbringen würden.

Sie dürfen als Arbeitnehmer_in während der Pflegefreistellung finanziell nicht schlechtergestellt werden.

Was ist der Nachweis für eine Pflegefreistellung und wie bekomme ich ihn?

Für die Pflegefreistellung benötigen Sie keine Zustimmung von Ihrem_Ihrer  Arbeitgeber_in. Allerdings kann er_sie einen Nachweis anfordern. In diesem Fall müssen Sie für Ihre Pflegefreistellung eine Arztbestätigung vorweisen. Sollten Ihnen für diesen Nachweis Kosten entstehen, muss dafür der_die Arbeitgeber_in aufkommen.

Ob Sie den Nachweis bei der Hausärztin_beim Hausarzt oder bei der Kinderärztin_beim Kinderarzt holen, ist egal – die Entscheidung dafür liegt bei Ihnen.

FAQs

Gibt es eine Pflegefreistellung für Eltern, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben?

Ja, denn bei Kindern handelt es sich um nahe Angehörige. Wenn beispielsweise der Vater nicht im gleichen Haushalt wohnt wie seine Kinder, hat er trotzdem das Recht auf Pflegefreistellung.

Wie funktioniert eine Pflegefreistellung rückwirkend?

Rückwirkend ist eine Pflegefreistellung nicht möglich, denn diese muss sofort der Arbeitgeberin_dem Arbeitgeber gemeldet werden.

Unterbricht eine Pflegefreistellung den Urlaub?

Es ist möglich, einen Urlaub aufgrund einer Pflegefreistellung zu unterbrechen. Das Urlaubsgesetz bezieht sich zwar nur auf die eigene Erkrankung, der OGH hat allerdings bereits entschieden, dass im Fall der notwendigen Pflege einer_eines erkrankten nahen Angehörigen eine Pflegefreistellung in Anspruch genommen werden kann, wenn die Erkrankung länger als drei Kalendertage andauert. 

Kann ich als Arbeitslose_r Pflegezeit beantragen?

Wenn Sie Geld vom AMS beziehen und ein schwer krankes oder pflegebedürftiges Familienmitglied pflegen, können Sie sich vom AMS abmelden und Pflegekarenzgeld beziehen. Dieses wird vom Sozialministerium bewilligt und ausbezahlt und Sie bleiben während der Bezugsdauer kranken- und pensionsversichert. Je nach Schwere und Art des Pflegebedürfnisses variiert die Dauer von vier Wochen bis zu neun Monaten. 

Kann ich mir für meine Eltern Pflegeurlaub nehmen? 

Ja, Sie können auch für Ihre Eltern Pflegefreistellung in Anspruch nehmen, da Eltern zu den nahen Angehörigen zählen. Ein gemeinsamer Haushalt muss nicht vorliegen (gilt seit 1. November 2023).

Kann mein_e Arbeitgeber_in meinen Pflegeurlaub ablehnen? 

Wenn Sie eine Pflegefreistellung in Anspruch nehmen müssen, brauchen Sie dafür keine Vereinbarung mit Ihrem_Ihrer Arbeitgeber_in treffen. Jedoch haben Sie eine Meldepflicht: Sie müssen Ihren_Ihre Arbeitgeber_in unverzüglich über die geplante Pflegefreistellung informieren. Zudem müssen die Voraussetzungen nachweisbar sein. Der_die Arbeitgeber_in kann somit einen Nachweis verlangen.

Was ist, wenn mein Kind länger als 1 Woche krank ist? 

Grundsätzlich haben Sie Anspruch auf 1 Woche Pflegefreistellung pro Jahr. Sollte das Kind neuerlich erkranken, können Sie unter folgenden Umständen eine zweite Woche Pflegeurlaub nehmen: das Kind ist unter 12 Jahre alt und die erste Woche Pflegeurlaub ist bereits zur Gänze verbraucht.

Was tun, wenn meine zwei Wochen Pflegeurlaub schon aufgebraucht sind? 

Ist sowohl Ihr Anspruch auf eine Woche Pflegeurlaub als auch auf eine zweite Woche erweiterte Pflegefreistellung aufgebraucht, können Sie als Arbeitnehmer_in für die Pflege eines erkrankten Kindes unter 12 Jahren Urlaub in Anspruch nehmen.

Diese Seite wurde aktualisiert am: 22. Januar 2026