Handwerkliche Berufe: den passenden Job finden
Ob traditionell oder modern, kreativ oder technisch: Handwerkliche Berufe bieten ein breites Spektrum an Tätigkeiten und Karrierewegen. Vom klassischen Lehrberuf bis zum handwerklichen Studium eröffnen sich unzählige Jobchancen – auch für Quereinsteiger_innen.
Das Wichtigste im Überblick
- Vielfältige Berufsmöglichkeiten: Handwerkliche Berufe sind breit gefächert – vom klassischen Baugewerbe bis zu kreativen handwerklichen Berufen wie Goldschmied_in oder Uhrmacher_in.
- Ausbildung: Ob Lehre, Schule, Studium oder direkter Einstieg – Handwerksberufe können über verschiedene Ausbildungswege erlernt werden.
- Arbeitsbedingungen: Nicht alle Handwerksberufe sind körperlich belastend – es gibt auch welche im Sitzen, etwa als Schneider_in, Feinmechaniker_in oder Goldschmied_in.
Was genau sind handwerkliche Berufe?
Handwerkliche Tätigkeiten sind Arbeiten, bei denen Menschen mit ihren Händen und Werkzeugen Materialien bearbeiten, reparieren oder daraus etwas Neues herstellen. Sie unterscheiden sich deutlich von der industriellen Massenproduktion, bei der Maschinen große Mengen gleicher Produkte automatisch fertigen. Im Handwerk steht die individuelle Leistung im Vordergrund, dabei wird oft auf Kund_innenwünsche eingegangen.
Handwerkliche Berufe sind in vielen Berufsgruppen vertreten – dazu zählen u. a. Bau und Technik, Gesundheit und Pflege und kreative handwerkliche Berufe.
Beliebte handwerkliche Berufe sind beispielsweise:
Seltene handwerkliche Berufe sowie alte Traditionsberufe, die heute nur noch von wenigen ausgeübt werden, sind beispielsweise Hufschmied_in, Korbmacher_in, Orgelbauer_in, Messerschmied_in oder Buchbinder_in.
Wenn die Industrialisierung die Arbeitsprozesse sehr verändert hat oder die Nachfrage stark gesunken ist, spricht man von aussterbenden handwerklichen Berufen. In Österreich sind das zum Beispiel die Berufe Maßschuhmacher_in, Sattler_in, Blaudrucker_in, Köhler_in und Fassbinder_in.
Im AMS-Berufslexikon finden Sie Informationen zu über 1.700 Berufen in Österreich: Tätigkeiten, Anforderungen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Beschäftigungsmöglichkeiten, Berufsaussichten, Anfangseinkommen und vieles mehr.
Welche Ausbildung braucht man für handwerkliche Berufe?
Um in Österreich einen handwerklichen Beruf zu erlernen, haben Sie verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten. Eine sehr häufige und auch praxisnahe Form ist die Lehre. Die Lehre ist eine duale Ausbildung, das heißt, Sie arbeiten direkt im Lehrbetrieb und besuchen parallel dazu die Berufsschule. Eine Lehrausbildung dauert in der Regel drei bis vier Jahre und schließt mit einer Lehrabschlussprüfung ab.
Alternativ kann auch eine schulische Ausbildung an Fachschulen oder berufsbildenden mittleren und höheren Schulen absolviert werden. Schulen wie HTL, Modeschule oder Tourismusschule bereiten je nach Schwerpunkt auf die jeweiligen handwerklichen Berufe vor.
Es gibt auch handwerkliche Berufe, die mit einem Studium verbunden sind oder durch ein Studium erweitert werden können. Dazu zählen beispielsweise Mechatronik & Maschinenbau, Architektur sowie Lebensmitteltechnologie.
In manchen Betrieben können auch handwerkliche Berufe ohne Ausbildung ausgeübt werden. Dazu zählen vor allem Hilfsdienste oder Assistenzrollen. Hier ist ein Quereinstieg oder eine praktische Einarbeitung direkt im Betrieb möglich. Handwerkliche Berufe für Quereinsteiger_innen gibt es u. a. als Bauhelfer_in, Lagerarbeiter_in, Malerhelfer_in oder in der Garten- und Landschaftspflege. Allerdings sind die Aufstiegschancen bei handwerklichen Berufen ohne Ausbildung meist begrenzt.
Mit dem AMS-Ausbildungskompass können Sie alle in Österreich verfügbaren Lehrausbildungen und Schulen für handwerkliche Berufe abrufen.
Wenn Sie sich für eine Lehre entschieden haben, können Sie mit der „alle jobs“ Stellensuche des AMS gleich nach offenen Lehrstellen für handwerkliche Berufe in Ihrer Umgebung suchen.
Chancen und Herausforderungen
Das Handwerk ist ein zentraler Bestandteil der österreichischen Wirtschaft. Einige Entwicklungen der modernen Arbeitswelt eröffnen sogar neue Chancen für handwerkliche Berufe:
- Der Fachkräftemangel sorgt für stabile Jobperspektiven und gute Verdienstmöglichkeiten.
- Die Energiewende schafft neue Tätigkeitsfelder, etwa in der Solar- und Wärmetechnik.
- Die technische Entwicklung und Automatisierung erleichtern die Arbeit und erweitern die Berufsmöglichkeiten.
Gleichzeitig stehen Handwerksberufe vor einigen Herausforderungen:
- Durch die körperliche Belastung und das Arbeiten unter schwierigen Bedingungen gelten manche handwerklichen Berufe als wenig attraktiv.
- Handwerkliche Berufe und Ausbildungen werden häufig unterbewertet, obwohl das Handwerk sehr attraktive Berufschancen bietet.
- Durch den Mangel an Handwerker_innen steigt der Druck auf die vorhandenen Arbeitskräfte. Diese Engpässe führen oft zu Überstunden, Terminstress und höherer Belastung.
Mit Initiativen wie dem FiT-Programm (Frauen in Technik und Handwerk) fördert das AMS gezielt den Einstieg von Frauen in handwerklich-technische Berufe.
Gehaltsaussichten in handwerklichen Berufen
Handwerkliche Berufe können finanziell sehr attraktiv sein. Eine große Rolle bei den Gehaltschancen spielen die jeweilige Spezialisierung, Unternehmensgröße, Region und Berufserfahrung. Übernehmen Sie in Ihrem handwerklichen Beruf Verantwortung, beispielsweise in der Planung, Leitung oder Qualitätssicherung, kann ein höheres Gehalt erzielt werden.
Infos zu den kollektivvertraglichen Einstiegsgehältern in handwerklichen Berufen finden Sie im AMS-Gehaltskompass.
Wer sich weiterbildet, kann deutlich bessere Gehälter erzielen und Führungspositionen übernehmen. Wer etwa eine Meisterprüfung ablegt oder sich in einem gefragten Bereich wie Elektrotechnik, CNC-Technik oder Gebäudetechnik spezialisiert, kann mit einem deutlich höheren Einkommen rechnen. Alle Weiterbildungsmöglichkeiten im Handwerk finden Sie in der AMS-Weiterbildungsdatenbank.
Zukunftsaussichten
Handwerkliche Berufe zählen zu den ältesten und beständigsten Berufsfeldern. Auch heute sind Handwerker_innen in vielen Bereichen unverzichtbar und haben vielversprechende Zukunftsperspektiven.
Obwohl die Berufswelt zunehmend digitaler wird, bleiben handwerkliche Berufe besonders stabil, da viele ihrer Tätigkeiten nicht automatisierbar sind. Gleichzeitig bringt der technologische Fortschritt laufend neue Werkzeuge, Materialien und Arbeitsmethoden mit sich. Dadurch entstehen nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch neue Spezialisierungen und spannende Karrierechancen.
Viele Handwerker_innen machen sich zudem mit einem eigenen Betrieb selbstständig und bauen sich eine lukrative Existenz auf.
FAQs
Welche Berufe erfordern körperlich harte Arbeit?
Zu den körperlich anspruchsvollen Berufen zählen viele handwerkliche Tätigkeiten wie Bauarbeiter_in, Dachdecker_in, Maurer_in oder Metallbauer_in. Handwerker_innen arbeiten oft im Freien – bei Hitze, Kälte oder Regen – heben schwere Lasten und bedienen Maschinen. Die Arbeit erfordert körperliche Belastbarkeit, Ausdauer und den sicheren Umgang mit technischen Geräten.
Welche Handwerker_innen sind am meisten gefragt?
Besonders gefragt sind aktuell Dachdecker_innen, Elektroinstallateur_innen und -monteur_innen, Spengler_innen und Zerspanungsmechaniker_innen, aber auch Hufschmied_innen, Zimmerer_innen und Bautischler_innen. Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass gut ausgebildete Handwerker_innen in nahezu allen Bereichen gesucht werden.
Ist handwerkliche Arbeit gesund?
Manche handwerkliche Berufe erfordern viel körperliche Bewegung. Dadurch werden Ausdauer, Koordination und Muskeln gestärkt. Diese Berufe können daher gesund sein, erfordern jedoch Pausen, ergonomisches Arbeiten und passende Schutzmaßnahmen. Bei sehr starker körperlicher Belastung können ohne ausreichenden Schutz gesundheitliche Beschwerden entstehen.
Welche handwerklichen Berufe im Sitzen gibt es?
Es gibt einige handwerkliche Berufe, die überwiegend im Sitzen ausgeübt werden. Dazu zählen u. a. Uhrmacher_in, Goldschmied_in, Feinwerkmechaniker_in oder Maßschneider_in. Auch in der Zahntechnik oder in bestimmten Bereichen der Elektronik wird viel im Sitzen gearbeitet. Diese Berufe erfordern Präzision, Konzentration und oft feinmotorisches Geschick.
Was sind handwerkliche Berufe für Quereinsteiger_innen?
Für Quereinsteiger_innen eignen sich vor allem handwerkliche Berufe mit kurzen oder praxisorientierten Ausbildungswegen. Manche Betriebe bieten Einstiegsmöglichkeiten ohne klassische Ausbildung und ermöglichen eine betriebsinterne Einarbeitung. Dazu zählen beispielsweise Malerbetriebe, Bauunternehmen, Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus sowie Tischlereien.
Diese Seite wurde aktualisiert am: 25. September 2025