Lebens- und Sozialberater: Alle Informationen zur Ausbildung

Sie verfügen über ein hohes Maß an Empathie, sind sozial engagiert und helfen gerne anderen Menschen? Dann ist womöglich der Beruf Lebens- und Sozialberaterin bzw. Lebens- und Sozialberater genau das Richtige für Sie. In diesem Job unterstützen Sie Personen bei privaten und beruflichen Problemen, stehen in Krisen- und Ausnahmesituationen beratend zur Seite oder verhelfen Menschen zu mehr Lebensfreude und Energie. Sie haben Interesse? Dann informieren Sie sich hier über die Arbeitsbereiche, allgemeine und individuelle Voraussetzungen, Ausbildungsmodalitäten, Karrieremöglichkeiten sowie Gehaltsaussichten.

Aufgaben im Berufsbild Lebens- und Sozialberatung

Lebens- und Sozialberaterinnen bzw. Lebens- und Sozialberater (kurz LSB) helfen und unterstützen Personen in schwierigen Lebensphasen, Krisensituationen oder bei gravierenden Veränderungen und stehen diesen beratend zur Seite. Dabei treten Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen und Bedürfnissen an sie heran.

Auch wenn diese Form der Beratung neben der Medizin, der Psychologie und der Psychotherapie als die vierte Säule der Gesundheitsvorsorge gilt, muss beachtet werden, dass dieses Tätigkeitsfeld eine rein beratende Funktion abdeckt und keine diagnostische oder therapeutische Tätigkeit darstellt. Lebens- und Sozialberaterinnen und -berater werden häufig präventiv in Anspruch genommen, um mögliche Auswirkungen oder Folgeschäden abzuwenden oder zu minimieren.

Besonders in den folgenden Bereichen greifen Beraterinnen und Berater für Gesundheit und Soziales unterstützend ein:

  • bei Partnerschafts- und Eheproblemen
  • in Scheidungsverfahren
  • bei Erziehungsfragen 
  • in Trauersituationen
  • im Falle einer Krankheit
  • bei belastenden Persönlichkeitserfahrungen
  • in beruflichen Stress- oder Krisensituationen
  • bei Notwendigkeit einer allgemeinen Konfliktberatung oder Mediation

Ausbildung zum/zur Lebens- und Sozialberater/in

Welche Voraussetzungen müssen für die Ausbildung erfüllt werden?

Der Tätigkeitsbereich im Berufsbild Lebens- und Sozialberatung ist geprägt von großer Verantwortung. Nicht zuletzt aus diesem Grund müssen Anwärterinnen bzw. Anwärter auf diesen Beruf einige formale sowie menschliche Voraussetzungen erfüllen. 

Im Folgenden zählen wir die wichtigsten rechtlichen Notwendigkeiten auf, um diese Ausbildung absolvieren zu können:

  • Mindestalter ist im Regelfall 24 Jahre, aber variiert je nach Ausbildungsstandort
  • Abgeschlossene Schul- und/oder Berufsausbildung, allerdings ist weder die Matura/Hochschulreife noch eine akademische Ausbildung nötig
  • Absolvierung eines Eignungsgesprächs
  • Vorlage eines Lebenslaufs 

Nun erläutern wir die bedeutendsten persönlichen Voraussetzungen:

  • Freude am Umgang mit Menschen
  • Kontaktfähigkeit
  • Kommunikationsgeschick
  • Empathie und Einfühlungsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Fähigkeit, sich von Problemen Anderer abgrenzen zu können
  • Psychische Stabilität und Belastbarkeit
  • Problemlösungsorientiertes Handeln und Agieren
  • Organisationstalent
Tipp

Haben Sie bereits eine Ausbildung in einem ähnlichen Tätigkeitsfeld absolviert oder verfügen Sie über Erfahrungen in anderen psychosozialen Berufen? Dann wird Ihnen dies möglicherweise für die Ausbildung zur Sozialberaterin bzw. zum Sozialberater angerechnet und Sie können einen Teilaspekt als erledigt betrachten. Informieren Sie sich diesbezüglich bei Ihrer bevorzugten Ausbildungsstätte, da teilweise Aufschulungslehrgänge angeboten werden, um die fehlenden Fähigkeiten und das ausständige Know-How zu erhalten.

Was beinhaltet die Ausbildung zum/zur Lebens- und Sozialberater/in?

Die Lebensberater-Ausbildung ist umfangreich und intensiv und behandelt viele wichtige Themengebiete. Neben dem „normalen“ Theorie- und Praxis-Unterricht wird im Zuge dieser Ausbildung besonderes Augenmerk auf Selbstreflexion und Supervision gelegt, da die angehenden Beraterinnen und Berater lernen müssen, schwierige Situationen in der Beratung adäquat zu bewältigen.

Folgende Themenschwerpunkte und Bereiche werden im Zuge der Ausbildung behandelt:

  • Grundlagen der Lebensberatung inklusive Abgrenzung zu verwandten (psychiatrischen) Bereichen
  • Durchführung von Lebens- und Sozialberatungsprozessen
  • Anwendung unterschiedlicher Beratungsmethoden
  • Fähigkeit zur psychosomatischen Behandlung der Klientinnen bzw. Klienten
  • Durchführung von lösungsorientierten, systemischen Arbeiten
  • Erkennen von Krisensituationen und richtiges Reagieren/Handeln
  • Persönliche Abgrenzung von Problemen, schwierigen Lebensphasen und Krisen
  • Behandlung diverser Themenfelder wie Partnerschaft, Sexualität, Erziehung, Trauer, Krankheit, berufliche Ausnahmesituationen, u.v.m.
  • Berufsethik
  • Gruppenselbsterfahrung und -reflexion
  • Betriebswirtschaftliches und rechtliches Basiswissen

Wie lange dauert die Ausbildung zum/zur Lebens- und Sozialberater/in?

Die Ausbildung setzt sich aus einem theoretischen und einem praktischen Teil zusammen und wird im Regelfall im Laufe von drei bis fünf Jahren absolviert, wobei der Ausbildungslehrgang mit Abschlussprüfung fünf bis sechs Semester in Anspruch nimmt, und das Berufspraktikum weitere zwei bis vier Semester. Dieses kann allerdings bereits im Zuge der theoretischen Ausbildung begonnen werden.

Wie wird die Ausbildung abgeschlossen?

Generell wird die Grundausbildung nach Erlangung von ausreichend Theorieeinheiten sowie der Absolvierung eines umfangreichen Praktikums mit einem Diplom abgeschlossen. Außerdem kann ein Gewerbeschein angestrebt werden, um den Beruf auf selbstständiger Basis ausüben zu können. Es handelt sich bei der Ausbildung zur psychosozialen Beraterin bzw. zum psychosozialen Berater in jedem Fall um ein reglementiertes Gewerbe. Für die (selbstständige) Ausübung des Berufs ist eine Mindestanzahl an fachlichen Praxisstunden inklusive Nachweis über erfolgte Supervision, protokollierte Beratungseinheiten, Besuch von Seminaren, etc. bei der Gewerbebehörde vorzulegen.

Was kostet die Ausbildung zum/zur Lebens- und Sozialberater/in?

Die Kosten divergieren zwischen den verschiedenen Ausbildungsstätten, liegen aber generell eher im hochpreisigen Segment. Sie müssen mit rund € 6.000 bis € 8.000 für die Grundausbildung rechnen. Für Supervision, Gruppentherapien oder diverse Seminare sind häufig Zusatzgebühren zu entrichten.

Tipp

Nähere Informationen rund um das Thema Ausbildung haben wir im AMS Ausbildungskompass für Sie bereitgestellt.

Wo kann die Ausbildung absolviert werden?

Zahlreiche Institute und Akademien in ganz Österreich bieten die Ausbildung zur staatlich anerkannten Lebens- und Sozialberatung an. Hier finden Sie eine Auflistung aller Ausbildungsstätten nach Bundesländern unterteilt.

Mögliche Tätigkeitsbereiche und Arbeitsorte

Sehr häufig arbeiten Lebens- und Sozialberaterinnen und -berater, die ihre Berufsausbildung erfolgreich absolviert und einen Gewerbeschein erhalten haben, auf selbstständiger Basis, beispielsweise in einer eigenen Praxis oder Praxisgemeinschaft. 

Weitere Möglichkeiten, als Angestellte bzw. Angestellter tätig zu werden:

  • in Bildungseinrichtungen
  • in (großen) Firmen, beispielsweise als Coach oder Mentorin bzw. Mentor für Führungskräfte
  • in Beratungsinstitutionen
  • in Gemeinden
  • in Informationszentren für psychosoziale Angelegenheiten
  • in Unternehmen der Privatwirtschaft oder staatlich geführten Betrieben, deren Berufsgruppen regelmäßig Coachings, Supervision oder Reflexionsarbeit benötigen

Karriere und Gehaltsaussichten

Viele Menschen und Personengruppen befinden sich in problematischen Lebenssituationen, müssen schwierige Entscheidungen treffen, oder sind aufgrund von Schicksalsschlägen auf die Hilfe von psychosozialen Beratungsstellen angewiesen. Psychosoziale Beratungsangebote sind daher sehr gefragt und nehmen eine immer größer werdende Bedeutung in der heutigen Gesellschaft ein. Angebot und Nachfrage ergänzen sich, denn nicht nur die Nachfrage steigt, auch das Interesse an  Lebensberater-Jobs wächst.

Das Gehalt in diesem Berufsfeld steigt mit der Erfahrung. Doch bereits Jobeinsteigerinnen bzw. Jobeinsteiger verdienen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen recht gut. Der Durchschnittslohn ist in jedem Fall höher als das monatliche Durchschnittsgehalt aller in Österreich Vollzeit arbeitenden Angestellten.

Bei einer Tätigkeit auf selbstständiger Basis können individuell gestaltete Honorare gestellt werden, wodurch auch hier der finanzielle Anreiz durchaus gegeben ist und im Regelfall ein adäquates Gehalt zur Verfügung steht.

Tipp

Lebens- und Sozialberaterjobs sind heiß begehrt. Besuchen Sie gleich unsere Plattform alle jobs und entdecken so alle in Österreich online gestellte Jobanzeigen.

Oder schauen Sie im AMS eJob-Room vorbei und nutzen Sie die zusätzliche Möglichkeit, Informationen über Ihre Person bereitzustellen und so nach erfolgreich absolvierter Ausbildung auf sich aufmerksam zu machen.

Alle wichtigen Informationen rund ums Einkommen finden Sie im AMS Gehaltskompass

Diese Seite wurde aktualisiert am: 19. Januar 2022