Jobsharing in Österreich
Jobsharing gewinnt in Österreich zunehmend an Bedeutung, da es neue Möglichkeiten für modernes Arbeiten bietet. Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehr Personen eine Vollzeitstelle, was sich besonders gut für den Wiedereinstieg oder den gezielten Wissensaustausch im Unternehmen eignet. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Jobsharing funktioniert, welche Varianten es gibt und warum dieses Arbeitsmodell für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen spannend ist.
Das Wichtigste im Überblick
- Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehrere Personen eine Vollzeitstelle und übernehmen gemeinsam Verantwortung.
- Das Modell bietet hohe Flexibilität, setzt jedoch eine enge Abstimmung und gute Kommunikation zwischen den Jobsharing-Partner_innen voraus.
- Es gibt verschiedene Formen wie Job-Splitting, Job-Pairing oder Topsharing, die sich bezüglich Aufgabenverteilung und Verantwortungsgrad unterscheiden.
Was versteht man unter Jobsharing?
Jobsharing bedeutet, dass sich zwei oder mehrere Personen eine Vollzeitstelle teilen. Häufig wird auch der Begriff Tandemarbeit verwendet. Dabei werden Aufgaben und Verantwortlichkeiten aufgeteilt und die Beteiligten stimmen sich regelmäßig ab. Wie sie ihre Arbeitszeiten und Zuständigkeiten organisieren, bestimmen die Jobsharing-Partner_innen meist selbst. Dieses Arbeitsmodell bietet hohe Flexibilität, setzt aber gute Kommunikation und Zusammenarbeit aller beteiligten Personen voraus.
Welche Modelle und Arten von Jobsharing gibt es?
Jobsharing kann flexibel gestaltet werden, sowohl für Fach- als auch für Führungspositionen. Je nach Aufgabenverteilung und Zusammenarbeit der Mitarbeiter_innen gibt es unterschiedliche Modelle und Arten von Jobsharing:
- Job-Splitting: Zwei Personen teilen gleiche Aufgaben und feste Arbeitszeiten, arbeiten aber unabhängig voneinander.
- Job-Pairing: Die Job-Partner_innen gestalten Aufgaben und Zeiten flexibel und stimmen sich eng ab.
- Topsharing: Zwei Führungskräfte teilen sich Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse in einer Leitungsposition.
- Peer-Tandem: Zwei gleichwertige Fachkräfte besetzen gemeinsam eine anspruchsvolle oder schwer zu besetzende Position.
- Succession-Tandem: Eine erfahrene Person arbeitet mit einer Nachwuchskraft zusammen, um Wissen weiterzugeben und eine Nachfolge aufzubauen.
- Crossfunctional Tandem: Mitarbeiter_innen aus unterschiedlichen Fachbereichen arbeiten zur Nutzung von Synergien zusammen.
- Cross-Company-Tandem: Hier geschieht Jobsharing über Unternehmensgrenzen hinweg, beispielsweise zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften.
Unterschied zu Mitarbeiter_innen-Sharing
Jobsharing wird häufig mit Mitarbeiter_innen-Sharing verwechselt, unterscheidet sich jedoch grundlegend:
- Jobsharing: Mehrere Personen teilen sich eine konkrete Stelle innerhalb eines Unternehmens und tragen gemeinsam Verantwortung.
- Mitarbeiter_innen-Sharing: Mitarbeitende werden zwischen verschiedenen Unternehmen oder Organisationen geteilt, arbeiten also nicht gemeinsam in derselben Position.
Das Mitarbeiter_innen-Sharing ist hierzulande noch nicht allzu bekannt, kann aber aufgrund des Fachkräftemangels in vielen Bereichen vorteilhaft sein. Hotellerie und Gastronomie etwa, die in manchen Tourismusregionen stark durch Saisonarbeit geprägt sind, könnten von diesem Modell profitieren.
Arbeitsplatzteilung in Österreich
Jobsharing ist in Österreich im Vergleich zu klassischen Arbeitsmodellen noch wenig verbreitet, die Tendenz ist jedoch steigend. Laut einer Studie von karriere.at boten im Jahr 2019 nur sieben Prozent der österreichischen Unternehmen Jobsharing an, im Jahr 2024 waren es bereits 17 Prozent. Das Modell hat gerade bei einem Wiedereinstieg, etwa nach der Karenz, oder auch in puncto Wissenstransfer und Nachfolgeaufbau großes Potenzial.
Sie sind arbeitslos? Das AMS steht Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Von der Erstinformation über spezielle Programme für Arbeitslose 55+ bis hin zur Berechnung Ihres Arbeitslosengeldes – hier informieren wir Sie darüber: Arbeitslos – Was tun?
Rechtliche Grundlage
Jobsharing ist in Österreich arbeitsrechtlich nicht ausdrücklich geregelt, bewegt sich jedoch im Rahmen der allgemeinen Bestimmungen zur Teilzeitarbeit und zu Arbeitsverträgen. Grundlage sind individuelle Dienstverträge, die innerhalb der geltenden arbeitsrechtlichen Vorschriften (z. B. Arbeitszeitgesetz, Urlaubsgesetz, Kollektivverträge) abgeschlossen werden. In der Praxis bedeutet Jobsharing meist, dass mehrere Arbeitnehmer_innen jeweils einen eigenen Teilzeitvertrag haben und sich auf dieser Basis eine Vollzeitstelle teilen.
Für Arbeitnehmer_innen und Arbeitgeber_innen ist entscheidend, dass Arbeitszeit, Lage der Arbeitszeit und Aufgaben klar vereinbart werden, da diese bei Teilzeit individuell festgelegt werden müssen. Zudem gilt das Gleichbehandlungsgebot: Teilzeitbeschäftigte dürfen gegenüber Vollzeitkräften nicht benachteiligt werden und haben anteilige Ansprüche (z. B. beim Entgelt oder Urlaub).
Gehaltschancen bei Jobsharing
Beim Jobsharing wird das Gehalt anteilig entsprechend der vereinbarten Arbeitszeit auf die Jobsharing-Partner_innen aufgeteilt. Besonders beim Wiedereinstieg kann Jobsharing finanzielle Vorteile bieten, etwa weil Jobsharing-Partner_innen in qualifizierten Positionen gemeinsam eine Stelle besetzen können, die sie alleine in Teilzeit möglicherweise nicht ausüben könnten. Dadurch ergeben sich oft bessere Gehalts- und Entwicklungsmöglichkeiten als in klassischen Teilzeitmodellen.
Welche Vor- und Nachteile bietet Jobsharing?
Jobsharing kann Flexibilität, Wissensaustausch und Motivation fördern, erfordert aber gleichzeitig ein hohes Maß an Abstimmung und Organisation. Jobsharing bietet daher sowohl für Arbeitnehmer_innen als auch für Arbeitgeber_innen viele Chancen, bringt jedoch auch gewisse Herausforderungen mit sich.
Vorteile von Jobsharing
- Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze
- Bündelung von Fachwissen und Problemlösungsansätzen
- schnelle Vertretung bei Abwesenheiten ohne lange Einschulungszeit
- Entlastung der Mitarbeitenden, z. B. bei Krankheit oder hoher Arbeitsbelastung
- mehr Motivation und höhere Mitarbeiter_innen-Zufriedenheit, da mehr Zeit für Privatleben, Familie oder Weiterbildung bleibt (bessere Work-Life-Balance)
- kontinuierlicher Austausch fördert Qualität und Ergebnisse
- höhere Leistungsfähigkeit und mehr Know-how durch Zusammenarbeit
- effiziente Nutzung von Arbeitsplätzen
- positives Arbeitgeber_innen-Image
Nachteile von Jobsharing
- Abhängigkeit vom funktionierenden Zusammenspiel der Beteiligten (Konfliktpotenzial zwischen den Jobsharing-Partner_innen)
- erhöhter Abstimmungs- und Kommunikationsbedarf, zeitintensive Arbeitsübergaben
- Schwierigkeiten bei unklarer Aufgabenverteilung
- erschwerte Nachvollziehbarkeit von Arbeitsfortschritten
- Verpflichtung zur gegenseitigen Vertretung
- hoher organisatorischer Aufwand für Unternehmen
Voraussetzungen für erfolgreiches Jobsharing
Damit Jobsharing im Unternehmen funktioniert, müssen die Jobsharing-Partner_innen über gewisse Kompetenzen und Fähigkeiten verfügen. Neben fachlichen Kompetenzen sind besonders Soft Skills wie Flexibilität, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Selbstmanagement gefragt.
Aber auch das Unternehmen muss die passenden organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen, damit Jobsharing funktioniert.
Wichtige Faktoren sind dabei:
- klare Strukturen, Prozesse sowie definierte Rollen und Aufgabenverteilung
- offene und transparente Kommunikationskultur zur Förderung von Vertrauen und Austausch
- Zuverlässigkeit, gegenseitige Abstimmung und starkes Zeitmanagement der Mitarbeiter_innen
- sorgfältige Auswahl und hohe Kompatibilität der Jobsharing-Partner_innen
- Unterstützung und Rückendeckung durch das Management
- Flexibilität bei den Arbeitszeiten und gegenseitige Vertretung
- strukturierte Dokumentation und klare Übergabeprozesse
- rechtliche und vertragliche Klarheit
- Angebote für Unterstützung und Training der Jobsharing-Partner_innen (z. B. in puncto Kommunikation und Zusammenarbeit)
Weiterführende Information
Wie Sie Ihre Erfahrungen gezielt einsetzen können, welche Unterstützungen es durch das AMS gibt und wo Sie passende Stellen unkompliziert finden können, haben wir für Sie zusammengefasst:
Arbeit finden mit der AMS-Stellensuche alle jobs
Sie sind auf Jobsuche? Mit der AMS-Stellensuche alle jobs finden Sie alle beim AMS gemeldeten offenen Stellen sowie alle im Internet verfügbaren Stellenangebote, kostenlos und ohne Registrierung.
Richtig bewerben
Nutzen Sie die Infos, Tipps und Tools des AMS für Ihre erfolgreiche Bewerbung - vom Lebenslauf bis zum Vorstellungsgespräch.
So fördern wir Ihre Aus- und Weiterbildung
Neben allgemeinen Beihilfen oder der gezielten Ausbildung in Mangelberufen unterstützt das AMS bei vielen Weiterbildungsmaßnahmen, vom Pflegestipendium über das Umschulungsgeld bis hin zum Unternehmensgründungsprogramm.
Teilzeitjobs
Alle Informationen über Teilzeitjobs, rechtliche Aspekte, Vor- und Nachteile sowie hilfreiche Tipps finden Sie in diesem Beitrag.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Jobsharing?
Jobsharing ist ein Arbeitsmodell, bei dem sich zwei oder mehr Personen eine Vollzeitstelle teilen und gemeinsam die Aufgaben und die Verantwortung übernehmen.
Was ist Mitarbeiter_innen-Sharing?
Beim Mitarbeiter_innen-Sharing werden Arbeitskräfte zwischen mehreren Unternehmen oder Organisationen geteilt, anstatt gemeinsam eine einzelne Stelle zu besetzen.
Wie funktioniert Jobsharing?
Beim Jobsharing teilen sich mehrere Personen Aufgaben, Arbeitszeiten und Verantwortung einer Position. Eine enge Abstimmung und gute Kommunikation sind dabei entscheidend.
Welche Vor- und Nachteile bringt Jobsharing mit sich?
Jobsharing bietet Vorteile wie mehr Flexibilität, höhere Motivation und gebündeltes Know-how. Gleichzeitig kann es durch erhöhten Abstimmungsaufwand und mögliche Konflikte zwischen den Beteiligten herausfordernd sein.
Diese Seite wurde aktualisiert am: 26. Juni 2026