Arbeitslos mit 55 Jahren in Österreich

Arbeitslos mit 55: Das stellt viele Menschen vor eine große Herausforderung. Oft ist es schon Jahre her, seit sie sich für eine neue Arbeit beworben haben. Doch gerade für ältere Arbeitslose gibt es viele Unterstützungsangebote und neue Chancen am Arbeitsmarkt. Nicht nur aufgrund des Fachkräftemangels werden Menschen mit Berufserfahrung und Fachwissen gesucht, auch Initiativen wie die Aktion 55+ helfen beim Wiedereinstieg und schaffen Jobs für ältere Arbeitnehmer_innen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut aktuellen Zahlen sind Personen ab 55 Jahren zwar weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als andere Altersgruppen, jedoch dauert es bei ihnen deutlich länger, eine neue Arbeit zu finden.
  • Ältere Arbeitslose können unter gewissen Voraussetzungen bis zu 52 Wochen Arbeitslosengeld beziehen und teilweise auch geringfügig arbeiten, wobei seit 1.1.2026 strengere Regeln gelten.
  • Programme wie die Aktion 55+ sowie Weiterbildungsangebote des AMS fördern gezielt ältere Arbeitsuchende und helfen ihnen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.
  • Besonders viele Jobchancen bieten Branchen mit Fachkräftemangel (Handel, Gastronomie/Hotellerie, IT/EDV, Produktion/Handwerk, Bau sowie Gesundheit/Pflege und Bildung). In Wien und Oberösterreich waren im Jahr 2025 zahlenmäßig die meisten Stellen ausgeschrieben. 

Die aktuelle Situation: Arbeitslosigkeit ab 55 in Österreich

Die Arbeitslosenquote stieg im Jahr 2025 in Österreich auf 7,4 % an (2024: 7,0 %). Während Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahren einen Anteil von 10,7 % an der Gesamtarbeitslosigkeit ausmachten, zeigt sich bei der Generation 50+ eine besondere Betroffenheit: Fast jede dritte arbeitslose Person (30,8 %) gehört dieser Altersgruppe an.

Besonders deutlich wird die Problematik bei der Dauer der Erwerbslosigkeit. Während die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit über alle Altersgruppen hinweg bei 129 Tagen liegt, benötigen Personen zwischen 55 und 59 Jahren im Schnitt 147 Tage, um eine neue Anstellung zu finden. In der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen erhöht sich dieser Wert sogar auf durchschnittlich 168 Tage. Damit suchen ältere Arbeitslose bis zu 39 Tage länger als der Durchschnitt.

Zwischen 2020 und 2025 waren die häufigsten Gründe für Arbeitslosigkeit bei Menschen ab 55 Jahren in Österreich gesundheitliche Probleme, einvernehmliche Auflösungen von Arbeitsverhältnissen sowie der Ablauf befristeter Jobs. Auch Eigenkündigungen – etwa aus gesundheitlichen oder privaten Gründen – und der Übergang in die Pension spielten eine wichtige Rolle. Direkte Kündigungen durch Arbeitgeber_innen sind in dieser Altersgruppe vergleichsweise selten, da Ältere in Österreich einen stärkeren arbeitsrechtlichen Schutz haben - stattdessen erfolgen Beendigungen oft über einvernehmliche Lösungen.

Gesundheitliche Einschränkungen, die mit zunehmendem Alter statistisch häufiger auftreten, sind beim Wiedereinstieg ein massives Hindernis. Im Jahr 2025 waren insgesamt 158.314 Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen beim AMS gemeldet. Für diesen Personenkreis ist die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle mit durchschnittlich 178 Tagen nochmals deutlich langwieriger als für Personen ohne solche Einschränkungen (116 Tage). 

Arbeitslosigkeit im höheren Erwerbsalter kann zu dauerhaften Einkommensverlusten führen. Denn längere Phasen ohne Beschäftigung senken nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern wirken sich auch negativ auf die spätere Pension aus. Zwar werden während der Arbeitslosigkeit weiterhin Versicherungszeiten gesammelt und Beträge in das Pensionskonto eingezahlt, aber die Bemessungsgrundlage ist niedriger: nur 70 % des Arbeitslosengeldes werden für die Berechnung der Pensionsgutschrift als Bemessungsgrundlage herangezogen. Dadurch steigt bei langer Arbeitslosigkeit das Risiko von Armutsgefährdung im Alter deutlich, insbesondere bei Frauen und Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien. Mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit nehmen auch die Vermittlungschancen stark ab, deshalb ist eine rasche Aufnahme einer neuen Beschäftigung gerade für Ältere besonders wichtig.

Anspruch auf Arbeitslosengeld ab 50+

Unter gewissen Voraussetzungen haben ältere Arbeitslose Anspruch auf eine längere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld. Diese Sonderregelung für ältere Arbeitnehmer_innen sieht vor, dass die Bezugsdauer auf bis zu 52 Wochen ausgedehnt werden kann. Dies gilt nur für Personen, die älter als 50 Jahre sind und in den letzten 15 Jahren mindestens 468 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt waren.

Einen generellen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben Sie unter anderem dann, wenn Sie:

  • einen Antrag gestellt haben und beim AMS arbeitsuchend gemeldet sind, 
  • arbeitsfähig, arbeitswillig und arbeitslos sind, 
  • dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und bereit sind, grundsätzlich mindestens 20 Stunden pro Woche zu arbeiten.
Tipp:

Die genauen Voraussetzungen, wann Sie Arbeitslosengeld beziehen können und wie die Höhe berechnet wird, haben wir für Sie im Beitrag Arbeitslosengeld zusammengefasst.

Geringfügige Beschäftigung bei Arbeitslosigkeit ab 55

Seit dem 1.1.2026 gelten strengere Regeln für die Ausübung einer geringfügigen Beschäftigung bei gleichzeitigem Bezug von Arbeitslosengeld. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Sie auch weiterhin geringfügig arbeiten, während Sie Arbeitslosengeld beziehen. Für ältere Personen gilt: Wenn Sie über 50 Jahre alt sind und bereits mindestens 365 Tage Geld vom AMS erhalten haben (mit maximaler Unterbrechung von 62 zusammenhängenden Tagen), dürfen Sie auch weiterhin unbegrenzt einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. 

Neue Perspektive für ältere Arbeitslose: Aktion 55+

Mit der Aktion 55+, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Kooperation mit dem AMS ins Leben gerufen wurde, sollen gezielt ältere arbeitslose Personen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden. Dafür steht im Jahr 2026 ein Budget von 50 Millionen Euro zur Verfügung, mit dem bis zu 6.000 neue Arbeitsplätze für Menschen ab 55 Jahren gefördert werden sollen. Umfang und Dauer der Förderung richten sich dabei nach dem individuellen Bedarf der Teilnehmenden.  

Die Aktion zielt darauf ab, Arbeitsplätze zu fördern, die sinnvoll sind und einen Beitrag zum sozialen und ökologischen Gemeinwohl leisten und außerdem fair bezahlt werden. Der Fokus liegt dabei auf Jobs in sozialökonomischen Betrieben und gemeinnützigen Projekten. Das AMS fördert die Teilnehmenden durch Beratung und Begleitung, aber auch durch Förderung einzelner Arbeitsplätze in Unternehmen mittels Eingliederungsbeihilfen.

Hinweis:

Für Informationen zu den Fördermöglichkeiten im Rahmen der Aktion 55+ in Ihrem Bundesland wenden Sie sich bitte an Ihre AMS-Geschäftsstelle. Bitte beachten Sie, dass auf Förderungen des AMS kein Rechtsanspruch besteht.

Jobsuche ab 55: Chancen nutzen

Auch für Personen ab 55 Jahren eröffnen sich am Arbeitsmarkt häufig neue Perspektiven. Vor allem in Branchen mit Fachkräftemangel können Sie Ihre langjährige Erfahrung einbringen. Neben Ihrer fachlichen Erfahrung sind Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Flexibilität, Offenheit für Neues und soziale Kompetenz gefragt. Auch ein Quereinstieg in ein neues Berufsfeld kann eine Chance sein, und ist häufig schon mit kurzen gezielten Weiterbildungen möglich. Nutzen Sie die Angebote des AMS während der Zeit Ihrer Arbeitslosigkeit, wie zum Beispiel geförderte Kurse oder Trainings, um Ihre Kompetenzen zu erweitern und damit Ihre Jobaussichten zu verbessern. Für genauere Informationen wenden Sie sich direkt an Ihren AMS-Berater_Ihre AMS-Beraterin.

Branchen mit guten Jobchancen

Für ältere Arbeitsuchende gibt es in vielen Branchen gute Jobaussichten: Der Fachkräftemangel ist nach wie vor ein großes Thema, und so warten besonders in den Bereichen Handel, Gastronomie/Hotellerie, IT/EDV, Produktion/Handwerk, Bau, Gesundheit/Pflege und Bildung sowie in Assistenz und Verwaltung viele offen Stellen darauf, besetzt zu werden. 

In Wien und Oberösterreich haben Jobsuchende besonders viele Chancen: Dort waren im Vorjahr verglichen mit den restlichen Bundesländern die meisten Stellen ausgeschrieben. Österreichweit waren die Berufe mit den meisten Jobinseraten im Jahr 2025: 

  1. Einzelhandelskaufmann/-frau
  2. Restaurantfachmann/-frau
  3. Koch/Köchin
  4. Lagerarbeiter_in
  5. Raumpfleger_in
  6. Produktionshilfskraft
  7. Softwareentwickler_in
  8. Allgemeine_r Hilfsarbeiter_in
  9. Elektrotechniker_in für Installations- und Gebäudetechnik
  10. Bürokaufmann/-frau
Tipp:

Der AMS-Jobbarometer zeigt Ihnen, welche Stellen in Österreich und in den einzelnen Bundesländern am häufigsten inseriert werden. 

Weiterbildungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen

Neben der Aktion 55+ gibt es noch weitere Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten für ältere Arbeitslose. Die Aus- und Weiterbildungsbeihilfen des AMS ermöglichen es Ihnen, Kurse zu besuchen, um Ihnen den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern oder Sie sowohl bei einer beruflichen Veränderung als auch nach der Karenz zu unterstützen.

Die eigenen Stärken kennen

Um Ihre Chancen am Arbeitsmarkt bestmöglich zu nutzen, ist es wichtig, dass Sie Ihre eigenen Stärken kennen. Bereits in Ihrem Lebenslauf sollten sie erwähnt werden: Vom besonderen Verhandlungsgeschick über Ihre Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit bis hin zu Ihrem Organisationstalent – nutzen Sie Ihre Stärken aktiv bei der Jobsuche und heben Sie sie hervor! 

Tipp:

In der AMS-Stellensuche alle jobs finden Sie alle offenen Stellenangebote aus ganz Österreich.

Weiterführende Informationen

Wie Sie Ihre Erfahrungen gezielt einsetzen können, welche Unterstützungen es durch das AMS für arbeitslose Personen ab 50 gibt und wo Sie passende Stellen unkompliziert finden können, haben wir in den weiterführenden Informationen für Sie zusammengefasst: 

Für viele Menschen über 50 liegt die letzte Jobsuche meist schon einige Zeit zurück. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wo Sie aktuell am Arbeitsmarkt stehen, und Ihre eigenen Kompetenzen realistisch einzuschätzen. Welche Erfahrungen können Sie einbringen, wo gibt es vielleicht Weiterbildungsbedarf? Sehen und präsentieren Sie Ihr Alter als Stärke: Sie verfügen über erprobtes Fachwissen und bringen Lebenserfahrung mit! Nutzen Sie auch die Möglichkeit, sich in Ihrer AMS-Geschäftsstelle zum Thema Jobsuche beraten zu lassen.

Mit „alle jobs“ ist die Arbeitsuche ganz einfach: Mit einem Klick werden alle beim AMS gemeldeten Jobs in Österreich sowie alle im Internet verfügbaren Stellenangebote gleichzeitig durchsucht – kostenlos und ohne Registrierung. Probieren Sie es aus!

Im eJob-Room sehen Sie nicht nur Stellenangebote von Unternehmen, Sie haben auch die Möglichkeit, Ihr eigenes Jobinserat zu erstellen. So werden Sie von Unternehmen gefunden und können Ihre persönliche Mailbox für Ihre Bewerbungen nutzen. 

Manchmal hilft ein Blick von außen, um die eigenen Möglichkeiten neu zu entdecken. Erfahren Sie mehr über spezifische Initiativen und Schwerpunkte, die genau auf die Bedürfnisse von Arbeitsuchenden über 50 zugeschnitten sind.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn man mit 55 arbeitslos wird?

Wenn Sie mit 55 arbeitslos werden, haben Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld, sofern Sie einen Antrag gestellt haben und beim AMS arbeitsuchend gemeldet sind, arbeitsfähig und arbeitswillig sind, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und bereit sind, grundsätzlich mindestens 20 Stunden pro Woche zu arbeiten. Unser Online-Ratgeber hilft Ihnen dabei, Ihre Ansprüche zu prüfen.

Wie viel Arbeitslosengeld bekomme ich mit 55 Jahren? 

Die Höhe des Arbeitslosengeldes berechnet sich nach der Höhe Ihres Nettoeinkommens und ist unabhängig von Ihrem Alter. 55 % Ihres Nettoeinkommens werden als Grundbetrag für das Arbeitslosengeld herangezogen; die maximale Beitragsgrundlage beträgt aktuell 6.825 Euro (Stand: 2026). Zum Grundbetrag können je nach persönlicher Situation noch ein Ergänzungbetrag und/oder Familienzuschläge dazukommen. Unser Online-Ratgeber hilft Ihnen dabei, die Höhe Ihres Anspruches auf Arbeitslosengeld zu ermitteln.

Wie wirkt sich die Arbeitslosigkeit ab 55 auf meine Pension aus?

Wenn Sie vor dem Pensionsantrittsalter arbeitslos werden und Arbeitslosengeld beziehen, zahlen Sie weiterhin in Ihr Pensionskonto ein und sammeln Versicherungszeiten. Allerdings ist die Bemessungsgrundlage geringer als bei einem regulären (Vollzeit-)Job. Bei längerer Arbeitslosigkeit reduziert das später Ihre Pension.

Können Arbeitslose mit 50+ einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen?

Mit 1.1.2026 hat sich die Rechtslage geändert und Arbeitsuchende können während des Bezugs von AMS-Geld nur noch unter gewissen Voraussetzungen nebenbei einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Ausnahmen gibt es beispielsweise für Langzeitarbeitslose Personen ab 50 Jahren, Menschen mit Beeinträchtigungen, Personen, die bereits vor der Arbeitslosigkeit zusätzlich zu einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung ein halbes Jahr lang ununterbrochen einer geringfügigen Arbeit nachgegangen sind oder auch Personen, die eine Schulung vom AMS in einem bestimmten Ausmaß absolvieren. 

Diese Seite wurde aktualisiert am: 13. Mai 2026