Altersteilzeitgeld

Wenn Sie mit einer Arbeitskraft eine Altersteilzeit vereinbaren, ersetzen wir Ihnen einen Teil des Lohnausgleiches inkl. dazugehöriger Sozialversicherungs- und bestimmte Dienstgeber/innen-und Dienstnehmer/innen-Beiträge zur Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung – vorausgesetzt, alle Bedingungen sind erfüllt.


  • Betriebliche Situation Pensionierung
  • Unterstützung für Unternehmen Unterstützung bei Beschäftigung

Was ist die Altersteilzeit?

Mit der Altersteilzeit können ältere Arbeitskräfte ihre Arbeitszeit reduzieren. So wird ein gleitender Übergang in die Pension geschaffen. Die Reduzierung der Arbeitszeit wirkt sich jedoch für die Arbeitskräfte weder auf Pensionsansprüche, noch auf den Anspruch auf Arbeitslosengeld, noch auf Ansprüche von der Krankenkasse negativ aus.

Das Altersteilzeitgeld ist eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung, die vom Unternehmen beantragt und auch an das Unternehmen ausbezahlt wird.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

  • Sie vereinbaren vertraglich eine Altersteilzeit mit Ihrer Arbeitskraft.
  • Die gesetzliche oder kollektivvertragliche Normalarbeitszeit wird um 40 bis 60 % reduziert.

Sonderfall Blockzeit-Modell:

  • Sie müssen spätestens zu Beginn der Freizeit-Phase eine arbeitslose Ersatzarbeitskraft oder einen Lehrling einstellen. Die Freizeit-Phase darf höchstens 2,5 Jahre dauern.
  • Außerdem dürfen Sie kein Arbeitsverhältnis in diesem Zusammenhang lösen.

Bitte bedenken Sie: Wenn Sie diese Voraussetzungen nicht einhalten, müssen Sie das bereits ausbezahlte Altersteilzeitgeld an uns zurückzahlen.

Tipp

Sie wollen herausfinden, ob Ihr Unternehmen alle Voraussetzungen erfüllt?
Dann hilft Ihnen unser Online-Ratgeber.

Wer hat Anspruch auf eine Altersteilzeit?

Arbeitskräfte, die

  • im Jahr 2019 in spätestens 6 Jahren das Regelpensionsalter erreichen.
  • im Jahr 2020 und in den nachfolgenden Jahren in spätestens 5 Jahren das Regelpensionsalter erreichen.

Das bedeutet:

  • Im Jahr 2020 können Männer, die 60 Jahre alt werden, jederzeit eine Altersteilzeit beginnen.
  • Frauen, die am 1.12.1964 oder früher geboren sind, können im Jahr 2020 jederzeit eine Altersteilzeit beginnen. 
  • Die Anhebung der Pensionsantrittsalters führt dazu, dass Frauen, die am 2.12.1964 oder danach geboren sind, frühestens mit 56 Jahren und 6 Monaten mit einer Altersteilzeit beginnen können. Diese Frauen können also frühestens im Jahr 2021 mit einer Altersteilzeit beginnen.

Die Arbeitskraft war in den letzten 25 Jahren 780 Wochen arbeitslosenversicherungs­pflichtig beschäftigt. Dabei wird der Beobachtungszeitraum um Betreuungszeiten für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr verlängert.

Die Arbeitskraft war zuvor mindestens 3 Monate in Ihrem Unternehmen beschäftigt. 
Bitte beachten Sie: Stand die Arbeitskraft vor der aktuellen Beschäftigung bereits in Ihrem Unternehmen in einem Dienstverhältnis, das bis mindestens 14.3.2020 gedauert hat, können die Zeiten der beiden Dienstverhältnisse zusammengerechnet werden. Das gilt allerdings nur dann, wenn das aktuelle Dienstverhältnis spätestens mit 1.10.2020 beginnt oder bereits davor begonnen hat. 

Die Normalarbeitszeit wurde im Jahr vor der Altersteilzeit höchstens um 40 % unterschritten. Dabei zählen alle Arbeitsverhältnisse des letzten Jahres. 
Bitte beachten Sie
: Eine Arbeitszeitreduzierung unter 60% der Normalarbeitszeit, die im Rahmen einer COVID-19-Kurzarbeit erfolgte, zählt NICHT als Teilzeitbeschäftigung und hat daher auch keine negativen Auswirkungen. Wurde die Arbeitszeit im Zeitraum 15.3.2020 bis 30.9.2020 aufgrund von Covid-19(Corona)-Maßnahmen unter 60% der Normalarbeitszeit verringert, schadet dies ebenfalls nicht, auch wenn die Reduzierung nicht im Rahmen einer COVID-19-Kurzarbeit erfolgte.

Die Arbeitskraft bezieht weder eine Alterspension, noch ein Sonderruhegeld nach dem Nachtschwerarbeitsgesetz, noch einen Ruhegenuss aus einem Dienstverhältnis mit einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft.

Bitte beachten Sie dazu auch die Ausnahmen im Abschnitt „Wie lange erhalten Sie das Altersteilzeitgeld?“

Was müssen Sie in der Altersteilzeit-Vereinbarung berücksichtigen?

  • Die gesetzliche oder kollektivvertragliche Normalarbeitszeit wird um 40 bis 60 % reduziert.
  • Im letzten Jahr vor Beginn der Altersteilzeit wurde keine Teilzeitbeschäftigung von unter 60% der gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit ausgeübt. Dabei zählen sämtliche Beschäftigungen des letzten Jahres. 
    Bitte beachten Sie: Eine Arbeitszeitreduzierung unter 60% der Normalarbeitszeit, die im Rahmen einer COVID-19-Kurzarbeit erfolgte, zählt NICHT als Teilzeitbeschäftigung und hat daher auch keine negativen Auswirkungen. Wurde die Arbeitszeit im Zeitraum 15.3.2020 bis 30.9.2020 aufgrund von Covid-19(Corona)-Maßnahmen unter 60% der  Normalarbeitszeit verringert, schadet diese Reduzierung nicht, auch wenn das nicht im Rahmen einer COVID-19-Kurzarbeit erfolgte. 
  • Der Lohn-Ausgleich beträgt mindestens 50 % der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Lohn der letzten 12 Monate vor der Altersteilzeit und dem Lohn in der Altersteilzeit – allerdings nur bis zur Höchstbeitragsgrundlage.
  • Sie zahlen dieselben Sozialversicherungsbeiträge wie vor der Altersteilzeit.
  • Sie berechnen den Abfertigungsanspruch auf Basis der Arbeitszeit vor der Altersteilzeit.

Wie hoch ist das Altersteilzeitgeld?

Je nach Modell setzt sich das Altersteilzeitgeld wie folgt zusammen:

  • Kontinuierliches Arbeitszeit-Modell: 90 % der Brutto-Lohnkosten und der dazugehörigen Dienstgeber/innen-Beiträge in der Sozialversicherung für den Lohnausgleich bis maximal zur Höchstbeitragsgrundlage plus 90 % der zusätzlichen Dienstgeber/innen- und Dienstnehmer/innen-Beiträge zur Sozialversicherung.
  • Blockzeit-Modell: 50 % der Brutto-Lohnkosten und der dazugehörigen Dienstgeber/innen-Beiträge in der Sozialversicherung für den Lohnausgleich bis maximal zur Höchstbeitragsgrundlage plus 50 % der zusätzlichen Dienstgeber/innen- und Dienstnehmer/innen-Beiträge zur Sozialversicherung.

Bitte beachten Sie: Es kann auch ein höherer Lohnausgleich bezahlt werden als gesetzlich vorgegeben. Allerdings wird für die Berechnung der Ersatzleistung durch das AMS nur der gesetzlich vorgeschriebene – und nicht der freiwillig mehr bezahlte – Betrag berücksichtigt.

Sonderfall Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz: Für Arbeitskräfte, die diesem Gesetz unterliegen, ersetzen wir Ihnen auch die Beiträge an die Bauarbeiter-Urlaubskasse für das Urlaubsentgelt und den Urlaubszuschuss, die für den Lohn-Ausgleich anfallen – abhängig vom Modell: 90 % beim kontinuierlichen Modell oder 50 % beim Blockzeit-Modell.

Sonderfall Altersteilzeitgeld über der Höchstbeitragsgrundlage: Liegt der Bruttolohn inklusive Lohn-Ausgleich über der Höchstbeitragsgrundlage, ersetzen wir Ihnen nur den Teil des Lohnausgleichs bis zur Höchstbeitragsgrundlage.

Sonderzahlungen berücksichtigen wir pauschal monatlich mit 1/6 des Altersteilzeitgeldes. Daher müssen Sie uns Ihre Aufwendungen für die Sonderzahlungen nicht melden.

Bitte beachten Sie: Das Altersteilzeitgeld ist nicht umsatzsteuerpflichtig.

Wie werden Lohn-Anpassungen berücksichtigt?

Kollektivvertragliche Lohn-Erhöhungen – unabhängig von deren Höhe:

Das Altersteilzeitgeld erhöht sich – jeweils im Mai – pauschal um den Tariflohn-Index. Die Erhöhung gilt für die nächsten 12 Monate. Sie müssen uns daher nicht mehr über Lohn-Erhöhungen aufgrund von kollektivvertraglichen Anpassungen informieren – unabhängig von deren Höhe.


Ausnahme: Wenn der Lohn-Ausgleich durch die Höchstbeitragsgrundlage gekürzt wird, müssen Sie uns auch kollektivvertragliche Anpassungen melden. In diesen Fällen wird das Altersteilzeitgeld unter Berücksichtigung der tatsächlichen kollektivvertraglichen Anpassungen neu berechnet. Folglich erfolgt dann auch keine weitere Erhöhung des Auszahlungsbetrages um den Tariflohnindex.

Sonstige Lohn-Anpassungen – z. B. Biennalsprünge, Wegfall des ALV-Beitrages:

  • Entgeltänderungen unter 20 Euro werden nicht berücksichtigt. Daher müssen Sie uns darüber nicht informieren. Ausnahme: Wird ein Lohnausgleich durch den Wert der Höchstbeitragsgrundlage gekürzt, müssen Sie uns das melden. 
  • Entgeltänderungen über 20 Euro müssen Sie uns gemeinsam mit kollektivvertraglichen Erhöhungen melden. Beide werden beim Berechnen des Altersteilzeitgeldes berücksichtigt. Allerdings erhöht sich dadurch der Auszahlungsbetrag des Altersteilzeitgeldes nicht mehr um den Tariflohn-Index.

Für Änderungsmeldungen nutzen Sie bitte das entsprechende Formular:

Änderungsmeldung - Altersteilzeitgeldmodelle mit Beginn ab 1.1.2013

Wie lange erhalten Sie das Altersteilzeitgeld?

Höchstens 5 Jahre.

Bitte beachten Sie dabei:

  • Kontinuierliches Altersteilzeit-Modell: Erfüllt die Arbeitskraft die Voraussetzungen für eine Alterspension, erhalten Sie das Altersteilzeitgeld nur bis zum Regelpensionsalter – also bei Männern bis zum 65. Lebensjahr und bei Frauen, die vor 02.12.1963 geboren sind, bis zum 60.Lebensjahr. Für Frauen, die am 02.12.1963 oder danach geboren sind, kann das Altersteilzeitgeld nur bis zum entsprechenden angestiegenen Regelpensionsalter gewährt werden.
  • Blockzeit-Modell: Erfüllt die Arbeitskraft die Voraussetzungen für eine Alterspension, erhalten Sie kein Altersteilzeitgeld mehr. Allerdings: Erfüllt die Arbeitskraft die Voraussetzungen für eine Korridorpension, erhalten Sie weiterhin Altersteilzeitgeld – und zwar 1 Jahr über diesen Stichtag hinaus, längstens aber bis zu dem Tag, an dem die Arbeitskraft die Voraussetzungen für eine vorzeitige Alterspension bei langer Versicherungsdauer erfüllt.
  • Pension: Erhält die Arbeitskraft bereits eine Pension, erhalten Sie kein Altersteilzeitgeld.

Wo und wie beantragen Sie das Altersteilzeitgeld?

Bei der AMS Geschäftsstelle, die für Ihren Unternehmensstandort bzw. Branche zuständig ist.

Bitte nutzen Sie das Formular „Antrag Altersteilzeitgeld“ – mit integrierter Ausfüllhilfe.

Die Ausfüllhilfe rufen Sie einfach über die Hilfefunktion „!“ im Formular auf. Oder Sie nutzen die Hilfe am Ende der Formulare.

Notwendige Nachweise und Dokumente:
Zusätzlich zum Formular brauchen Sie

  • eine Bestätigung des Pensionsversicherungsträgers über den frühestmöglichen Pensionsstichtag der Arbeitskraft und
  • eine Kopie der Altersteilzeitvereinbarung.

Bitte beachten Sie: Wird der Anspruch auf Altersteilzeitgeld erst nach Beginn der Altersteilzeitbeschäftigung geltend gemacht, dann gebührt das Altersteilzeitgeld rückwirkend für maximal 3 Monate.

Welche Arbeitszeit-Modelle gibt es?

Kontinuierliches Arbeitszeit-Modell

Schwankungen der Arbeitszeit müssen innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden – wobei der Durchrechnungszeitraum an dem Tag startet, an dem die Altersteilzeit beginnt.

Beispiel: Die Altersteilzeit beginnt am 01.06.2020. Dann ergeben sich als Durchrechnungszeiträume

  • 01.06.2020 bis 31.05.2021
  • 01.06.2021 bis 31.05.2022 usw.

Die Differenz zwischen der vereinbarten und der tatsächlichen Arbeitszeit in der Altersteilzeit darf nicht mehr als 20% von der Arbeitszeit vor der Altersteilzeit abweichen. Zudem müssen diese Schwankungen im gesamten Vereinbarungszeitraum der Altersteilzeit ausgeglichen werden.

Beispiel:  

  • Arbeitszeit vor der Altersteilzeit: 38 Wochenstunden
  • Arbeitszeit in der Altersteilzeit: 19 Wochenstunden
  • Zulässige Bandbreite: 19 ± 38 x 0,2 = 11,4 – 26,6 Wochenstunden

Blockzeit-Modell

Um ein Blockzeitmodell handelt es sich, wenn die Schwankungen der Arbeitszeit nicht innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden, wobei der Jahreszeitraum immer vom Beginn der Laufzeit der Alterszeitvereinbarung gerechnet wird.

Beispiel:

  • Altersteilzeitbeginn 1.6.2020
  • Vollarbeitsphase von 1.6.2020 bis 31.5.2022 und danach Freizeitphase von 1.6.2022 bis 31.5.2024

Ebenso handelt es sich um ein Blockzeitmodell, wenn die Abweichungen zwischen der im Altersteilzeitmodell vereinbarten, reduzierten Arbeitszeit und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit mehr als 20% der vor der Altersteilzeit geleisteten Arbeitszeit betragen und diese Abweichungen nicht innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden - selbst wenn keine Freizeitphase vorliegt.

Beispiel:

  • Altersteilzeitbeginn 1.6.2020
  • Vereinbarte reduzierte Arbeitszeit: 50% der Vollarbeitszeit
  • 80% der Vollarbeitszeit von 1.6.2020 bis 31.5.2022 und danach 20% der Vollarbeitszeit von 1.6.2022 bis 31.5.2024

Diese Seite wurde aktualisiert am: 08. Juni 2020